Hinweis: Dieses Interview erschien zuerst am 3. Dezember 2014. Weil ich finde, dass es an Aktualität und Brisanz nicht verloren hat, veröffentliche ich es hiermit erneut.


„Zuerst ignorieren sie Dich, dann lachen sie über Dich, dann bekämpfen sie Dich und dann gewinnst Du!“ (Mahatma Gandhi) – So steht es in dicken Lettern auf der Homepage des vegan lebenden Internisten Dr. Hanno Platz. Ich habe mich mit ihm in seiner Praxis in Fischach bei Augsburg zum Interview getroffen.

Dr. Hanno Platz aus Fischach stellte sich meinen Fragen

dr-hanno-platzAnne: Hallo Herr Dr. Hanno Platz, vielen Dank, dass sie sich Zeit für dieses Interview nehmen!

Dr. Hanno Platz: Gerne! Ich bin sehr gespannt auf Ihre Fragen!

Anne: Seit wann leben Sie vegan? Hatten Sie dabei ein besonderes Vorbild? Was war für Sie der Auslöser für die Umstellung?

Dr. Hanno Platz: Ich lebe seit circa drei Jahren mit täglich zunehmender Freude und Begeisterung vegan. Zuvor habe ich mich jahrzehntelang vegetarisch ernährt.

Für mich war die Erkenntnis und Einsicht ausschlaggebend, dass ich als Mensch nicht das Recht habe, meine gleichberechtigten Mitgeschöpfe auf dieser Erde zu töten, um mich zu ernähren oder zu bekleiden. Zumal es ja auch wesentlich bessere Möglichkeiten der Ernährung und auch der Bekleidung gibt.

Ein besonderes, einziges, menschliches Vorbild habe ich nicht. Die Gedanken und die Lebenseinstellungen von Albert Schweitzer und Mahatma Gandhi haben mich jedoch wesentlich geprägt. Albert Schweitzers Satz „Ehrfurcht vor dem Leben“, sowie die Gedanken zur Gewaltfreiheit Gandhis sind zu den Leitlinien in meinem Leben geworden, Schweitzers Satz ergänze ich gerne noch um den Begriff „Respekt“. „Ehrfurcht und Respekt vor dem Leben“, diesen Satz habe ich zur Maxime meines Handels gemacht.

Besonders unerträglich ist für mich die industrielle Kommerzialisierung und der dementsprechende Umgang dabei mit den Lebewesen, denen durch solche industrielle, also generalstabsmäßige Ausbeutung und letztendlich qualvolle Tötung, jegliche Berechtigung eines würdevollen Lebens, sowie jeglicher Respekt völlig aberkannt wird.

Ehrfurcht und Respekt vor dem Leben

Anne: Was sind Ihre drei Hauptgründe, vegan zu leben?

Dr. Hanno Platz: Gründe, vegan zu leben gibt es für mich sehr viele und jeder stellt in sich einen Hauptgrund dar. Drei davon sind für mich:

  1. „Ehrfurcht und Respekt vor dem Leben“, wie schon gesagt,
  2. Die vegane Ernährung ist erwiesenermaßen die gesündeste und bester Form der Ernährung.
  3. Nichts würde unseren gesamten Globus mehr schonen und erhalten, als wenn die Menschheit sich entsprechend ihren Möglichkeiten, die sie ja zu 100 Prozent hat, vollständig vegan leben würde.

Anne: Sie vertreten als Mediziner die Meinung, dass eine rein pflanzliche Ernährung das Gesündeste ist, was wir für unseren Körper tun können. Eine Einstellung, die nicht Ärzten*innen teilen. Nahezu jede*r Veganer*in hat hier sicherlich schon mal den ein oder anderen Tipp erhalten, doch besser auch Tierisches zu sich zu nehmen. Wie ist das bei ihnen? Stoßen sie auf Unverständnis oder gar Ablehnung unter Kolleg*innen? Oder holen die sich eher Infos bei ihnen ein?

Vegane Ernährung kommt im Medizinstudium nicht vor

Dr. Hanno Platz: Soweit ich informiert bin, ist bis heute das Thema „vegane Ernährung“ im Medizinstudium überhaupt kein Studien-relevantes Thema. Es wird allenfalls in Seminaren von engagierten Student*innen eingefordert. Daher kann ich es zunächst keinem*r Mediziner*in übelnehmen, dass er*sie sich mit diesem Thema auf der Basis seines*ihres Studiums nicht auskennt. Allerdings sollte sich der menschliche Geist ja im Laufe des Lebens weiter entwickeln und nicht stumm und starr verharren. Das ist ja eigentlich ein ganz physiologischer Vorgang, der jeden Menschen betrifft.

Man muss nur daran denken, dass wir alle am Anfang unseres Lebens weder reden noch laufen oder schreiben konnten. Erfreulicherweise sind wir nicht auf dieser Stufe stehengeblieben, sondern haben uns weiterentwickelt. Erst recht muss ein*e wissenschaftlich geschulte*r Ärzt*in sich selbstverständlich ständig durch das Erkennen neuer Sachverhalte weiterbilden.

Dadurch zu neuen Verhaltensweisen und Entscheidungen zu kommen, bezeichnet man als Intelligenz, die nicht nur eine menschliche Fähigkeit ist, denkt man zum Beispiel nur mal an Tiere, die gelernt haben, Werkzeuge zu benutzen. Ja, leider begegent mir die Ablehnung der veganen Ernährungsart bei Ärzt*innen sehr häufig. Wobei ich dann im Gespräch mit ihnen sehr oft, sehr schnell feststellen muss, dass sich der*die Kollege*in noch nie mit diesem Thema beschäftigt hat, sondern, wie meist alle anderen auch, nur in allgemeinen Vorurteilen agiert wird, fußend auf Nichtkenntnis. Das stimmt mich jedes Mal sehr traurig.

Im Wartezimmer liegen vegane Rezepte statt Boulevardblättern

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Vegane Infos im Wartezimmer

Anne: Sie betreiben eine Praxis in Fischach, einem kleinen Ort nahe Augsburg. Sicher kommen zu ihnen nicht nur Veganer*innen, sondern auch viele, die es mal werden könnten. Sprich: alle Bewohner*innen der Ortschaft, vom Metzgerlehrling bis zum Hofbetreiber. Wie sprechen Sie sie auf das Thema „Vegan“ an?

Dr. Hanno Platz: Da es ja für mich als Arzt meine Aufgabe ist, mich um die Gesundheit meiner Patient*innen zu kümmern, ist es für mich natürlich besonders wichtig, hier den ersten Kontakt herzustellen. Das erste Ansprechen auf dieses, für mich als Arzt besonders wichtige, Thema habe ich gelöst, indem ich in meinem Wartezimmer nicht die üblichen Boulevardblätter auslege, sondern ausschließlich Infomaterial zum Thema vegane Ernährung, die Folgen der Umweltzerstörung bei nicht veganer Lebensweise, sowie vegane Kochrezepte, um gleich auch noch ein bisschen den Appetit zu machen.

Als ich diese Infos zum ersten Mal ausgelegt hatte, war ich sehr gespannt auf die Reaktion meiner Patient*innen. Ich kann dabei eine sehr erfreuliche Entwicklung beobachten. Anfangs hat mich kein*e Patient*in im Sprechzimmer darauf angesprochen und ich konnte sehen, dass die Hefte, kaum zur Hand genommen, auch schon wieder weggelegt wurden. Ich hatte häufig das Gefühl, als wenn sich so manche*r Patient*in hier etwas beschämt selbst erkannte. Was hatte er*sie da als Kunde*in in der Metzgerei da nur angerichtet, ohne dass es ihm*ihr bewusst gewesen war?

Zuerst hatte ich sogar befürchtet, Patient*innen würden die Praxis verlassen. Das Gegenteil war der Fall. Es dauerte nicht lange und ich wurde immer häufiger auf vegane Ernährungsmöglichkeiten angesprochen. Eine große Überraschung auch für mich, manch eine*r war froh, dass dieses Thema endlich angesprochen wurde. Mehr und mehr Patient*innen erzählten mir, dass sie selbst Veganer*innen seien, sich aber nie getraut hatten, das anzusprechen, da sie bei anderen Ärzt*innen daraufhin durchaus schon mal barsch gemaßregelt worden waren.

Noch schöner ist es natürlich, dass mittlerweile sehr viele meiner Patient*innen Veganer*innen aus Überzeugung geworden sind. Inzwischen sehen ich und meine Helfer*innen nicht selten, wie Patient*innen mit ihren Smartphones Rezepte aus meinen Broschüren abfotografieren – toll, oder? (lacht)

„Werden die Menschen vegan, wenn sie auf Sie treffen?“

Anne: Das führt mich zu meiner nächsten Frage, die mich ganz besonders interessiert: Gibt es viele Menschen, die aufgrund Ihrer Beratung auf vegan umgestellt haben?

Dr. Hanno Platz: Ja, und es werden in Laufe der Zeit immer mehr meiner Patient*innen vegan und das mit Enthusiasmus und großer Begeisterung. Sie erzählen mir dann, dass es ihnen jetzt so gut geht, wie selten in ihrem Leben und dass sie deshalb ihrerseits nun Botschafter für die vegane Lebensart geworden sind. Oft konnten sie ihr unmittelbares Umfeld, wie beispielsweise die eigene Familie, auch von den vielen Vorteilen der veganen Ernährung überzeugen. Das alles macht mir natürlich große Freude und bestätigt mich in meinem Bemühen.

Anne: „Was isst Du denn dann überhaupt noch?“, „Was sollen wir denn dann mit den ganzen Tieren machen, wenn wir plötzlich alle vegan leben?“ und „Aber die Steinzeitmenschen haben doch auch Fleisch gegessen!“ sind Standartphrasen, die gedroschen werden, sobald man als Veganer*in den Raum betritt. Bekommen Sie die in Ihrer Praxis auch gelegentlich zu hören? Ihre Lieblingsphrase und Ihre Antwort darauf, bitte!

„Ich antworte gerne mit Vergleichen“

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Das Sprechzimmer

Dr. Hanno Platz: Natürlich bekomme ich diese Phrasen auch in meiner Praxis zu hören. Nur wissen, dank konsequenter Aufklärungsarbeit, mittlerweile immer mehr Menschen Bescheid über die verheerenden Folgen des Fleisch- und Milchkonsums. Manchmal habe ich schon den Eindruck, dass ein Umdenken, wenn auch noch in viel zu kleinem Umfang, begonnen hat. Das macht Hoffnung, auch wenn mir persönlich dieser Prozess viel zu langsam erscheint.

Auf den Satz „Aber die Steinzeitmenschen haben doch auch Fleisch gegessen!“ oder anders ausgedrückt, „Das war doch schon immer so“ kann man sicher sehr gut mit Vergleichen antworten. Der Mensch hat schon immer Kriege geführt, Misshandlungen an Menschen und Verbrechen gibt es schon immer; nur wird etwas erhaltenswert dadurch, dass es schon immer da ist?

Wenn der Mensch für sich in Anspruch nimmt, ein intelligentes Wesen zu sein, dann muss er doch auf dem Boden des Erkennens von Fehlern und Falscheinschätzungen Konsequenzen ziehen können, andernfalls wäre er nicht intelligent. Man könnte auch noch vergleichend argumentieren, „Geraucht hat der Mensch auch schon immer“. Das ist zwar falsch, aber selbst, wenn der Mensch schon immer geraucht hätte, wäre Rauchen immer noch nicht gut.

Meine Lieblingsphrase? OK, die knüpft an das eben Gesagte an: „Früher haben wir doch auch ohne Bedenken Fleisch gegessen, Milch getrunken und Käse gegessen„. Dann antworte ich meist ein wenig zynisch: „Ja, das ist wahr, aber früher haben wir auch in die Hose gemacht, konnten nicht reden und nicht laufen, aber sind wir deshalb auf diesem Niveau stehen geblieben?“ Es kommt dann zwar meist die trotzige Antwort: „Aber das ist doch ganz etwas Anderes“, dennoch glaube ich, dass dieser Satz, wenn auch verzögert, zum Nachdenken anregt.

„Was sollen wir denn dann mit den ganzen Tieren machen, wenn wir plötzlich alle vegan leben?“ Wenn jemand diese Frage stellt, dann zeugt das natürlich nur von unendlicher Dummheit des Fragenden und bedarf keines weiteren Kommentars. (schmunzelt)

Fleischesser*innen leiden häufiger an Vitamin B12-Mangel

Anne: Warum müssen Veganer*innen Vitamin B12 substituieren? Können Fleischesser*innen auch einen B12-Mangel haben?

Dr. Hanno Platz: Für diese Frage bin ich sehr dankbar. Ja, Fleischesser*innen haben sehr häufig einen Vitamin-B12-Mangel. In meiner Praxis untersuche ich ja sehr oft u. a. diesen Blutwert sowohl bei Veganer*innen, als auch bei Omnivoren. Ich habe zwar keine Statistik darüber geführt, aber mir scheint, dass Fleischesser*innen häufiger einen Vitamin-B12-Mangel haben, als Veganer*innen. Die Erklärungen dafür sind relativ leicht. Fleischesser haben in der Regel ein weitaus weniger ausgeprägtes Gesundheitsbewusstsein und Wissen über Ernährung, als Veganer*innen. Die Folgen von Schnitzel, Salami-Pizza und Bratwurst (Hier wird mir gleich aus mehreren Gründen übel) sind unter anderem Übergewicht, Zuckerkrankheit, Bluthochdruck und viele andere sogenannte Zivilisationskrankheiten.

Das heißt im Klartext: Die Fleisch- und Milchindustrie macht zuerst den Menschen krank und verdient sich  dumm und dämlich, damit anschließend die Pharmaindustrie den krankgemachten Menschen mit Medikamenten wieder helfen kann, die schlimmsten Folgen der Fehlernährung wieder aufzufangen. Das Problem dabei ist nun, dass genau diese Medikamente sehr häufig zum Beispiel den Vitamin-B12-Haushalt empfindlich stören, beispielsweise Medikamente gegen zu viel Magensäure, sog. Säureblocker, oder auch bestimmte Medikamente gegen die Zuckerkrankheit, wobei sich die Liste noch fortsetzen ließe. Dazu kommt, das Fleischesser*innen auf der Grundlage des mangelnden Gesundheitsbewusstseins, weitaus häufiger Raucher*innen sind und zu viel Alkohol konsumieren, was zusätzlich zu einem erhöhten Homocysteinspiegel führt, der wiederum als Korrektivum Vitamin B12 benötigt und diesen dadurch senkt.

Ob Veganer*innen Vitamin B12 wirklich substituieren müssen, ist meines Erachtens nicht abschließend geklärt, da in der Wissenschaft diskutiert wird, ob Vitamin B12 überhaupt von Tieren oder Pflanzen gebildet wird, sondern es vielmehr ausschließlich ein Produkt von Mikroorganismen ist, welche sich auch auf Pflanzen befinden. Das ist aber mit Vorsicht zu betrachten, da hier die Erkenntnisse nicht abschließend vorliegen. Indirekt kann ich aber aufgrund meiner persönlichen, nicht statistisch relevanten Beobachtungen sagen, dass es mir so erscheint, das gerade Fleischesser häufiger unter Mangelerscheinungen, darunter auch Vitamin B12-Mangel leiden. (Mehr zum Thema Vitamin B12 gibt es hier)

Anne: Ist es dann generell überhaupt notwendig, Vitamine zu substituieren, oder reguliert sich der Körper ganz von selbst? Welche Supplemente empfehlen Sie? Vitamin B12 haben wir schon angesprochen, außerdem werden besonders für den Winter immer wieder Vitamin D-Präparate empfohlen. Irritierend ist, dass man zu nahezu jedem Supplement etwas Negatives im Netz findet.

„Alle schreiben einfach ihre Meinung“

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Das Praxisgebäude

Dr. Hanno Platz: Das ist genau das Problem mit den Antworten auf Fragen im Internet. Jede*r schreibt einfach seine Meinung, ohne dass der Inhalt qualifiziert sein muss. Man nimmt dann einfach das wahr, was man hören möchte und fühlt sich dadurch bestätigt. Grundsätzlich muss man bei ausgewogener Ernährung nicht substituieren.

Bei Vorsorgeuntersuchungen sollten allerdings neben anderen Untersuchungen auch Blutanalysen vorgenommen werden und dabei neben den „Routinebestimmungen“ auch zum Beispiel der Vitamin B12- und Vitamin D-Spiegel untersucht werden. Ebenso wichtig sind dabei auch die Bestimmung von Folsäure, Vit- B-6 und Homocystein.

Das gilt aber nicht nur für Veganer*innen, sondern für alle Patient*innen. In meiner Praxis sehe ich sehr oft, dass gerade Fleischesser*innen deutlich schlechtere Blutwerte zeigen, was ja nun aber auch nicht verwunderlich ist. Je nach Patient*in, müssen evtl. auch weitere Untersuchungen vorgenommen werde, das kann man aber immer nur im Einzelfall entscheiden und beantworten. Eine pauschale Antwort, welche Blutwerte individuell untersucht werden sollten, ist hier nicht möglich, weil jeder Mensch als Individualperson gesehen werden muss.

Interessenfreie Informationsmöglichkeiten sind wichtig

Anne: Thema Mangelerscheinungen. Als Veganer*in bekommt man von allen Seiten immer wieder eingeredet, pflanzliche Ernährung würde über kurz oder lang zu Mangelerscheinungen führen, man solle doch Fleisch und Milchprodukte, Eier und Fisch zu sich nehmen. In Wirklichkeit ist ja eher das Gegenteil der Fall und wie wir eben auch gehört haben, achten viele Veganer*innen auch viel genauer auf die richtige Zusammensetzung der Nährstoffe in ihrem Essen. Wie kann man hier noch besser aufklären? Und wie wurde dieses Vorurteil in unserer Gesellschaft geprägt?

Dr. Hanno Platz: Um die notwendige Aufklärung bzw. den Informationsfluss noch wesentlich zu steigern, müssen interessenfreie Informationsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Genau das ist das Problem bei der Information über gesunde Ernährung. Denn hier kommen die „Informationen“, besser Desinformationen, öffentlichkeitswirksam meistens von den Krankheitsverursachern selbst, nämlich der Fleisch- und Milchindustrie.

Slogans wie „Die Milch macht’s“, oder „Die kleinen Helfer zur Stärkung des Immunsystems“ oder „Milch ist gut für die Knochen“ sorgen für alltägliche, an Gehirnwäsche erinnernde Desinformation. Das für dumm Verkaufen gipfelt in dem an Falschheit nicht mehr zu überbietenden Angebot der „Milchschnitte für Kinder“, die dadurch ihre „Extraportion Milch“ bekommen sollen, es gibt wohl fast nichts ungesünderes auf dem Markt.

Selbst vor der gesundheitlichen Schädigung von Kindern macht diese „Aufklärung“ also nicht halt. Ja, bessere Information bzw. Aufklärung ist mehr als wichtig. Hier ist, denke ich, die Schule in die Pflicht zu nehmen, diese Institution, die unsere Kinder auf die Zukunft vorbereiten soll. Solange aber in Schulen häufig noch Schulessen in Form von Schnitzel und Co. angeboten wird, sind wir noch weit davon entfernt.

Anne: Ich entnehme unsrem Gespräch, dass es Unterschiede gibt zwischen veganen und nicht veganen Patient*innen?

„Veganer*innen sind gesundheitsbewusster“

Dr. Hanno Platz: Ihre Frage berührt genau den Kern des Veganismus. Na, klar! (lacht)

Vegan lebende Menschen sind viel gesundheitsbewusster und denken über die Zusammensetzung der Nahrung und deren Herkunft nach. In der Praxis sehe ich jeden Tag, dass sich Omnivoren oft nur sehr ungern geistig bewegen wollen, was ihre Ernährung betrifft. Jede*r Ärzt*in weiß, wie schwierig es ist, einen*r übergewichtige*n Bluthochdruckpatienten*in mit Diabetes und Fettstoffwechselstörung zu einer Ernährungsumstellung und Änderung des Lebensstils zu bewegen. Den Meisten ist leider die sprichwörtliche Tablette oder Spritze lieber, weil das einfach viel bequemer ist, als über die selbst verursachten Erkrankungen nachzudenken und entsprechende Umstellungen vorzunehmen. Nur werden dadurch nicht die Grundprobleme der Erkrankungen gelöst, im Gegenteil, weil viele Medikamente natürlich auch wieder Nebenwirkungen haben, actio est reactio. So gibt es zum Beispiel in der Diabetes-Behandlung Medikamente, die auf Dauer, wie vorhin schon kurz erwähnt, den Vitamin B12-Haushalt negativ beeinflussen.

Anne: Neulich bekam ich mal zu hören, als Veganer*in sei man gefährdet, an Diabetes zu erkranken. In der Fachpresse las ich das Gegenteil. Habe ich als Veganer*in ein erhöhtes Risiko, läuft es auf das Gleiche hinaus, wie beim Omnivoren oder habe ich sogar bessere Karten?

Dr. Hanno Platz: Sie als Veganerin haben viel bessere Karten, gesund zu bleiben, denn besonders durch Fehlernährung wie oben erwähnt, besagte Pommes und Co., Zucker und Übergewicht, wird ja gerade der Diabetes Typ II wesentlich gefördert und wird heute stetig zunehmend bei Kindern und Jugendlichen gesehen. Früher wurde Diabetes Typ II auch als Altersdiabetes bezeichnet, weil dieser eigentlich erst mit zunehmenden Jahren, bei sich dann gelegentlich zeigender, nachlassender Funktion der Bauchspeicheldrüse entsteht. Heute ist bei vielen Kindern durch eklatante Fehlernährung, die als äußeres Kennzeichen zu Fettleibigkeit führt, die Bauchspeicheldrüse schon in früher Kindheit überfordert und bereits die Kinder werden zuckerkrank. Übrigens entsteht durch diese Fehlernährung nicht nur der Diabetes bereits bei Kindern und Jugendlichen, sondern als Folge des Diabetes und Übergewichtes unter anderem auch Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck, Nierenschädigungen, Fehlentwicklungen der Wirbelsäule und der großen Gelenke.

„Die Milchindustrie verdient ihr Geld ohne Rücksicht auf die Gesundheit“

Anne: Ein großes Thema ist bei vielen Veganer*innen in der Diskussion mit Nichtveganer*innen immer wieder die Milch. Jahrzehntelang wurde uns eingebläut, Milch sei lebensnotwendig, für den Aufbau der Knochen und Zähne verantwortlich und wer auf Milch verzichte, sei von vornherein schon mal krankheitsanfälliger. Laktoseintoleranten Kleinkindern wird heute noch eher Medizin gegen die Unverträglichkeit verschrieben, als dass den Eltern einfach zu Pflanzenmilch geraten wird. Hier haben Medien und Lobby ganze Arbeit geleistet. Erst langsam sickert durch, dass der Genuss von Milchprodukten im Zusammenhang mit schwerwiegenden Erkrankungen wie Diabetes, MS und Krebs steht und dass Milchkonsum das Osteoporose-Risiko um ein vielfaches steigert. So viel schon mal zu Thema gesunde Knochen. Was ist Ihre Meinung hierzu?

Dr. Hanno Platz: Sie haben die Frage bereits selber bestens beantwortet, dem ist nichts hinzuzufügen. (lacht)

Anne: Ein* Patient*in (Fleischesser*in, Milchtrinker*in, Gelegenheitsraucher*in) wurde am Herzen operiert und ihm*ihr wurde von seinem*r Ärzt*in nähergelegt, sich in Zukunft gesünder zu ernähren, um erneute Komplikationen zu vermeiden. Was würden sie ihm*ihr sagen, wozu würden sie raten?

Dr. Hanno Platz: Nichts einfacher als das. „Ernähren Sie sich vegan, stellen Sie den Nikotinkonsum ein, betreiben Sie Ihrem Herzbefund entsprechenden Sport. Sorgen Sie nach Möglichkeit für ein ausgewogenes Seelenleben, denn auch seelischer Stress ist für die körperliche Gesundheit nicht förderlich.

Anne: Gerade von Personen mittleren/fortgeschritteneren Alters hört man ja, wenn es ums Vegane geht immer wieder mal die Worte „Das ist alles ganz toll, ich würde das auch mal probieren, aber es ist mir einfach viel zu kompliziert. Da muss ich mich an so viele fremde Lebensmittel gewöhnen.“ Was raten sie hier?

Dr. Hanno Platz: Was soll daran kompliziert sein? Als Veganer*in lasse ich doch nur ungesunde, schädliche Substanzen, die in der Ernährung nichts zu suchen haben, weg. Obst, Gemüse, alles, was Mutter Erde uns gibt, ist vorhanden. Leider, das ist aber die Folge des industriellen Nahrungsangebotes, auch bei der pflanzlichen Nahrung, gibt es heutzutage nicht mehr dieses Angebot an Obst- und Gemüsesorten, wie noch vor hundert Jahren. Dennoch ist genügend pflanzliche Nahrung überall erhältlich. Einem älteren Menschen, der in der Nachkriegszeit aufgewachsen ist und der damit in diesem industriellem Nachkriegs-Fleischkonsum-Wirtschaftwunderwahnsinn sozialisiert wurde, kann ein Umdenken hier durchaus etwas schwerfallen, durch logisches Denken sollte aber auch hier die Erkenntnis siegen. Man muss sich eigentlich gar nicht an fremde Lebensmittel gewöhnen.

Impfen – Klartext

Anne: In einigen Vegan-Foren im Internet kommt immer wieder das Thema „Impfen – pro und kontra“ auf. Wie stehen sie dazu? Gibt es Impfungen, die lebensnotwendig sind oder solche, auf die man besser verzichten sollte?

Dr. Hanno Platz: Hier kommen Sie zu einem sehr schwierigen, aber dennoch sehr wichtigen Thema in der Medizin. Grundsätzlich bedeutet Impfen ja, schwere oder sogar tödlich verlaufende Krankheiten zu verhindern, bevor diese überhaupt entstehen. Also eigentlich die schönste Form der Medizin, nämlich Prophylaxe oder Vorsorge betreiben, damit es gar nicht erst zu Krankheiten kommt. Wunderbar, wenn für die Herstellung dieser Vorsorgebehandlungen, sprich Impfungen, nicht das Leben anderer Lebewesen zerstört oder schwer beeinträchtigt würde, also andere Lebewesen Ihr Leben verlieren oder selber krank würden. Das ist in keiner Weise zu tolerieren und kann und darf nicht die Ausgangsbasis für die Herstellung von Impfstoffen für den Menschen sein!

Ich kann nicht die eigene Gesundheit auf dem Leid oder Tod eines anderen, gleichberechtigten Lebewesens aufbauen. Aus diesem Grund bin ich auch Mitglied in der Vereinigung „Ärzte gegen Tierversuche“1, die es sich unter anderem zum Ziel gesetzt hat, Medikamente, und auch Impfstoffe sind Medikamente, ohne jegliche Versuche an anderen Lebewesen zu entwickeln. Hier ist es, denke ich, wieder die Profitgier der Pharmaindustrie, die solchen Entwicklungen zunächst aus rein finanziellen „Überlegungen“ entgegensteht. Auf diesen Industriebereich muss weiterhin sowohl von Ärzt*innen, als auch vom Rest der Bevölkerung konsequent eingewirkt werden. Bei unaufhörlicher Nachfrage, wird auch die Pharmaindustrie irgendwann neue Wege gehen müssen.

„Wie sieht es mit Medikamenten aus?“

Anne: Bei Kosmetik- und Haushaltsprodukten hat man als Veganer*in heutzutage keine Probleme mehr, vegane Alternativen zu finden, die nicht an Tieren getestet wurden. Medikamente hingegen werden, bis heute an Tieren getestet, viele enthalten außerdem tierische Inhaltsstoffe. Ihre Meinung hierzu? Ist das derzeit noch die Grenze?

Dr. Hanno Platz: Bei dieser Frage kann und will ich mich direkt an das zum Impfen Gesagte beziehen. Das, was für das Impfen gilt, gilt natürlich für alle Medikamente. Außerdem weiß man schon lange, dass die Erkenntnisse aus schrecklichen Tierversuchen nicht oder nur sehr eingeschränkt auf Menschen übertragbar sind. Dadurch sind natürlich allein gemessen an dem Ziel der Tierversuche, nämlich gut verträgliche und wirksame Medikamente für Menschen zu finden, sämtliche Tierversuche von vornherein ohne signifikante Aussagekraft und damit im wahrsten Sinne des Wortes sinnlos und das auf dem Boden grausamster Misshandlungen und Tötungen.

Anne: Gibt es Vereine oder Organisationen, die sie außer „Ärzte gegen Tierversuche“ besonders unterstützen?

„Ich unterstütze die Albert-Schweitzer-Stiftung“

Dr. Hanno Platz: Ja, zum Beispiel die „Albert-Schweitzer-Stiftung“2 und die wunderbare Plattform des Kollegen Dr. med. Ernst Walter Henrich (ProVegan3, Anm. d. Aut.), die ich jedem wärmstens empfehlen kann. Gerade die unermüdliche Arbeit von Dr. Henrich hat bereits unendlich viel bewegt. Er hat ein Bewusstsein für die vegane Lebensweise geschaffen. Dafür bin ich ihm mehr als dankbar. Hinzu kommt die Schweizerische Vereinigung für Vegetarismus, PETA, der Vegetarierbund, der sich allerdings besser bald umbenennen sollte in Veganerbund, die Organisation Foodwatch, leider keine vegane Organisation, aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Anne: Ist Soja wirklich ungesund? Irgendwie hört man das in letzter Zeit immer häufiger. Ich kann das gar nicht glauben, bisher konnte ich auch noch keine negativen Effekte beobachten. Ist das nur wieder ein Versuch, uns Pflanzenesser*innen das Essen madig zu machen, oder ist da wirklich was dran?

„Vielfältigkeit und Ausgewogenheit ist wichtig“

Dr. Hanno Platz: Die vegane Ernährung ist ja keine Ernährung bei der nur noch Sojaprodukte gegessen werden, um das gleich mal voranzustellen. Vegane Ernährung bedeutet für mich primär, sich von dem zu ernähren, was die Natur möglichst aus unserer unmittelbaren Umgebung bereitgestellt hat. Alles, was man zu einseitig betreibt oder zu sich nimmt, ist nicht gesund, weil unausgewogen. Würde man plötzlich nur noch Kartoffeln oder Spinat essen, wäre das sicherlich auch alles andere als gesund, auch wenn es vegan wäre. Vielfältigkeit und Ausgewogenheit ist wichtig.

Hier jetzt die biochemischen Strukturen und Unterschiede von sog. Phytoöstrogen und Östrogenen und deren jeweiligen Wirkungen aufzuschlüsseln, würde sicherlich den Rahmen der Frage sprengen. Dennoch will ich ganz kurz darauf eingehen, denn darum geht es bei den immer wieder zu lesenden Bedenken.

In der Sojapflanze befinden sich Phytoöstrogene. Das sind pflanzliche Stoffe, die in der chemischen Struktur dem Hormon Östrogen ähneln, aber kein „wahres“ Östrogen sind. Die Phytoöstrogene können den Kontaktstellen für Östrogene im menschlichen Körper vorgaukeln, „Sieh her, ich bin ein Östrogen-Hormon“, und somit eine Besetzung der Kontaktstelle für Östrogen bewirken. Das kann wie der Druck auf einen Klingelknopf wirken und eine entsprechende hormonelle Reaktion auslösen, wenn auch meist schwächer. Andererseits kann dadurch aber auch eine normale Östrogen-Reaktion verhindert werden. Das passiert, da durch das Phytoöstrogen nun die entsprechende Kontaktstelle blockiert ist und somit das Östrogen nicht mehr abdocken kann, um seine Reaktion zu initiieren. Das klingt schwierig und ist es sicherlich auch.

Verminderung der Osteoporose-Rate

Aus Studien in Asien, wo traditionell viel Soja gegessen wird, geht hervor, dass dort Östrogen-abhängige Krebserkrankungen wie Brustkrebs und Prostatakrebs seltener auftreten. Andere Studien besagen genau das Gegenteil, sodass es auch für mich letztendlich sehr schwierig ist hier zum jetzigen Zeitpunkt eine abschließende Festlegung zu geben. Positive Wirkungen der Phytoöstrogene sind die Verminderung von Wechseljahrsbeschwerden wie Hitzewallungen und Stimmungsschwankungen. Zudem ist eine Verminderung der Osteoporose-Rate zu erwarten.

Leider gesellen sich in der nun erfreulicherweise deutlichen Zunahme der veganen Ernährung in der Bevölkerung auch knallharte Geschäftsinteressen, sodass ich befürchte, dass von der Soja verkaufenden Industrie die guten Seiten des Soja aus finanziellen Gründen sicherlich verstärkt dargestellt werden. Außerdem kommt dann noch die Problematik des gentechnisch veränderten Soja. Die eventuellen Folgen von gentechnisch verändertem Soja betrifft allerdings eher die Omnivoren. Gentechnisch verändertes Soja wird nämlich verstärkt für die Herstellung von Futtermittel erzeugt. Es gilt, was bei Ernährung immer gilt: Sie sollte abwechslungsreich sein. Dann erhält der Körper auch alle notwendigen Substanzen, die er braucht und wird nicht einseitig überfüttert oder es kommt zu Mangelerscheinungen.

Vegane Kinderernährung

Anne: Eine Frage kommt von meiner Bekannten Johanna: Vegane Kinderernährung – ja/nein? Was spricht dafür? Gibt es echte Argumente dagegen?

Dr. Hanno Platz: Es gibt nur Gründe für die vegane Ernährung von Anfang an, also auch für Kinder. Die schädlichen Substanzen aus der tierischen „Nahrung“ bleiben dem Nachwuchs dadurch erspart. Sprich: der komplette Cocktail aus Antibiotika und Hormonen, die den Tieren in der Futterbeimengung zur vermeintlichen Gesunderhaltung dienen sollen, in Wahrheit aber nur deshalb verabreicht werden, weil die Tiere sonst in der Massentierhaltung nicht überleben würden.

Anne: Nach meinem ersten Besuch in ihrer Praxis wurde ich von einigen Veganer*innen gefragt, wo sich diese befindet und ob es auch in ihrer näheren Umgebung einen veganen Arzt gibt. Wo muss ich nachsehen, wenn ich in meiner Stadt einen finden möchte?

Es gibt nicht viele vegane Ärzt*innen

Dr. Hanno Platz: Der VEBU bietet eine Suchfunktion4 an, in die man nur die Postleitzahl eingeben muss. Sehr viele wirklich vegane Ärzt*innen gibt es jedoch leider nicht.

Anne: Sie haben in Erlangen/Nürnberg an der Friedrich-Alexander-Universität studiert. Wie hat es sie nach Fischach verschlagen und woher stammen sie gebürtig?

Dr. Hanno Platz: Ja, ich habe sehr gerne an der wunderbaren Uni Erlangen mein Studium der Medizin absolviert und es zieht mich auch heute noch immer wieder dorthin, um zu sehen, wie es „meiner Uni“ geht. (grinst) Erlangen ist ein sehr schöner Ort zum Studieren, besonders für Medizin. Nach dem Studium kommt man im Rahmen der weiteren Ausbildung in der Medizin meist an verschiedene Orte, so auch ich. Irgendwie bin ich dann hier in Bayerisch-Schwaben gelandet und habe ich in Fischach meine Praxis eröffnet.

Ich erinnere mich, dass ich an einem Tag mit schönem Wetter auf der gegenüberliegenden Straßenseite stand. Das Haus selbst gab es noch gar nicht. Ich spielte in dieser Zeit mit dem Gedanken, eine Praxis zu eröffnen. Der Ort und die schöne Landschaft gefielen mir sehr gut und ich hatte mir selbst dort auf der Straße stehend die Frage gestellt, ob ich mir vorstellen könnte, hier zu leben und zu arbeiten. Die Antwort war „Ja“. Letztendlich war es eine echte Bauchentscheidung. Aufgewachsen bin ich im Rheinischen, in der Nähe von Düsseldorf. Ich denke, die rheinische Leichtigkeit hilft mir manchmal durchaus weiter, wenn es mal wieder etwas zäher im Leben wird.

Anne: Lebt Ihr komplettes Praxisteam vegan?

„Das Bewusstsein für den Veganismus ist da“

Dr. Hanno Platz: Leider noch nicht ganz, aber das Bewusstsein und das Interesse sind da, das Nachdenken darüber, sich damit zu beschäftigen und die Erkenntnisse umzusetzen, hat schon längst begonnen. Ich denke und hoffe, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist. Mein Team hört und sieht täglich von mir die Wichtigkeit und die Vorteile und ist sehr daran interessiert. Leider, wie so häufig, ist bei einigen das familiäre Umfeld noch nicht so weit, sodass hier wohl die größten Hindernisse in der vollständigen Umsetzung liegen dürften. Es kommen ja sehr viele Veganer zu mir und auch von denen sehen sie, besonders durch die zumeist sehr guten Untersuchungsergebnisse, wie gut und wichtig die vegane Lebensweise für die Gesundheit ist.

Anne: Und Ihre Familie?

Dr. Hanno Platz: Da gibt es zu Glück überhaupt keine Dissonanzen, meine Frau ist genau wie ich Veganerin. Das Schönste an den freien Wochenenden, ist für uns immer das gemeinsame Kochen. Es macht uns wahnsinnig viel Spaß, uns zu überlegen welches Essen wir zubereiten und genießen werden. Wir denken uns einfach intuitiv etwas aus, meist jede Menge Gemüse und zusätzlich Salat, und fangen mit dem Kochen an. Meine Liebste bezeichnet mich immer als Anarcho-Koch, weil ich eigentlich nie nach Rezepten koche, sondern dabei einfach meinen Ideen freien Lauf lasse und wir zwei dann loslegen. Bis jetzt hat es uns immer gut geschmeckt und ist uns bestens bekommen. Es ist so einfach vegan zu kochen, man braucht nur Lust und Freude an gutem Essen, und wie immer im Leben Fantasie und Kreativität.

Die „China Study“ und „Tiere essen“

Anne: Als ich das erste Mal in Ihre Praxis kam, hatte ich das Buch „Tiere essen“ von J. S. Foer unter dem Arm, was ihnen, glaube ich, positiv aufgefallen ist. Ich wünsche mir einen veganen Literaturtipp von Ihnen.

Dr. Hanno Platz: Mittlerweile gibt es zum Glück so viel, meist auch gute Literatur zu dem Thema, dass ich eigentlich gar keinen speziellen Tipp geben möchte, zumal ich selbst meist in der wenigen Zeit, die neben der Praxis bleibt, Fachliteratur lese und weniger Belletristik. Aber ansonsten natürlich die „Klassiker“, wie die „China Study“, aber natürlich auch „Tiere essen“ von J. S. Foer und „Peace Food“ von Rüdiger Dahlke.

Anne: Man hat sie in Augsburg schon auf der ein oder anderen Tierrechtsdemo gesehen, sie betreiben aktiv Aufklärung und schreiben selbst auf Ihrer Homepage5 über das vegane Leben. Sie sind also mit vollem Einsatz dabei. Bleibt ihnen da überhaupt noch Freizeit? Wenn ja, wie verbringen sie diese?

Dr. Hanno Platz: Freie Zeit ist wirklich ein kostbares, weil sehr rares Gut für mich. Die „Lieblingsbeschäftigung“, das gemeinsame Kochen mit meiner Frau, erwähnte ich ja bereits, dazu gehört auch der gemeinsame Einkauf davor. Außerdem höre ich gerne Musik und fotografiere und filme gelegentlich. Der Sport kommt momentan leider viel zu kurz, ich gelobe Besserung für das neue Jahr! (lacht)

Anne: Ein Tipp, den sie jedem*r Veganer*in mit auf den Weg geben möchten?

Dr. Hanno Platz: Sich niemals von Quacksalbern beirren lassen! Vegan zu leben ist die gesündeste Art zu leben: gesund für den Globus, ehrlich zu den Mitgeschöpfen und gesund für das eigene leibliche Wohl!

Anne: Vielen Dank für das tolle Interview und die überaus aufschlussreichen Informationen!

Dr. Hanno Platz schreibt auf seiner Homepage5 immer wieder zu veganen Themen, er engagiert sich u. a. Für „Ärzte gegen Tierversuche“1 und die „Albert Schweitzer Stiftung“2. Eine Liste mit veganen Ärzte 4 ist auf der Seite des VEBU zu finden.

Fußnoten

Euch hat das Interview gefallen und Ihr würdet gerne in Zukunft mehr über die vegane Lebensweise erfahren? Dann dürft Ihr gerne meinen Newsletter abonnieren. Ich freue mich auf Euch.