Während meiner Reise durch Südengland 2009 bin ich auch an Stonehenge vorbeigekommen. Jedes Mal, wenn ich das mystische Bauwerk mit seinen mächtigen Megalithen sehe, zieht es mich erneut in seinen Bann.

„How grand, how wonderful, how inconhensible!“ – „Wie großartig, wie wunderbar, wie unbegreiflich!“ – Mit diesen Worten beschrieb Sir Richard Colt Hoare Stonehenge in „Ancient History of Wilshire“ und das fasst ziemlich genau in Worte, was einem durch den Kopf geht, wenn man vor dem mächtigen Steinkreis seht.

Erinnerungen an den Frühling in England 2009 – Teil 4/17

stonehenge

Stonehenge – Foto: Matze 2012

Dieser Beitrag wurde ursprünglich am 11. Mai 2009 veröffentlicht. Er ist zunächst nur als Bildbeitrag erschienen. Das Titelbild habe ich 2012 fotografiert, als ich erneut in Südengland unterwegs war, dieses Mal mit Matze gemeinsam. Am 8. Februar 2019 habe ich ihn aktualisiert und mit diesem Text ausgestattet. Es ist immer wieder schön, in Erinnerungen zu schwelgen – umso schöner, wenn man dabei noch etwas über die Geschichte solch magischer Orte lernt. Für unseren Roman haben Matze und ich uns in der letzten Zeit wieder mehr mit Stonehenge beschäftigt. Zeit also für eine Auffrischung des Artikels.

Unzählige Mythen umranken das in der Jungsteinzeit begründete Bauwerk in der Nähe von Amesbury in Wiltshire. Der Name „Stonehenge“ stammt aus dem Altenglischen. Wörtlich übersetzt bedeutet er soviel wie „hängende Steine“.

Der Steinkreis setzt sich aus verschiedenen Bestandteilen zusammen:

  • Der Opferstein steht etwas abseits des eigentlichen Zentrums. Seinen Namen hat er von einigen verwitterten rötlichen Flecken. Diese können auf Blut oder Eisenerz hindeuten. Ob es sich dabei wirklich um eine Opferstelle gehandelt hat, ist fragwürdig. Ursprünglich soll der Stein nämlich mal aufrecht gestanden haben. Seine flache Position ist Wind, Wetter und Zeit geschuldet.
  • Der Altarstein ist grünlich. Der Sandsteinblock bildet zusammen mit einigen Blausteinen den inneren Kreis von Stonehenge.
  • Der Heelstone (dt. „Fersenstein“) ist auch unter dem Namen „Friars Heel“ (dt. Mönchsferse) bekannt – dazu mehr.
  • Hinzu kommen die Positionssteine.

Der Heelstone und die Positionssteine des Steinkreises sind nach den Positionen der Tagundnachtgleiche und Sonnenwende ausgerichtet – aus diesem Grund nimmt man an, dass es sich um ein frühzeitliches Observatorium handeln könnte. Die genaue Bedeutung ist jedoch auch heute noch unklar.

Neuesten Erkenntnissen zur Folge weiß man, dass das Monument in mehreren Bauphasen errichtet wurde. Der erste Bauabschnitt hatte einen Durchmesser von rund 115 Metern und wird auf 3.100 v. Chr. datiert.

Wie wurden die schweren Steine transportiert?

Die Blausteine stammen aus den Preseli Bergen von Wales. Diese sind etwa 240 Kilometer von Stonehenge entfernt. Es wird vermutet, dass sie durch Gletscherverfrachtung nach Wiltshire gelangten. Sollte das nicht der Fall sein, kommt beispielsweise der Seeweg in Frage. Blausteine werden übrigens auch „Doleriten“ genannt. Dabei handelt es sich um eine Basaltart.

Wie lange gibt es Stonehenge schon?

Henry von Huntingdon erwähnte Stonehenge 1130 zum ersten Mal. In seiner „Geschichte Englands“ sprach er von „Stanenges“. Die komplette Zeit davor, die immerhin bis in die Bronzezeit reicht, ist nicht dokumentiert. Geoffrey Monmouth brachte das Bauwerk 1135 das erste Mal mit Magie in Verbindung. In seiner „Geschichte der Könige Britanniens“ schrieb er seinen Bau Merlins Zauber zu. Aufgegriffen wurde diese Geschichte dann um 1500 vom Historiker Polydor Vergie. Er berichtete von einem Denkmahl, das Merlin mithilfe seiner magischen Kräfte errichtet hatte.

Der Altertumsforscher John Aubrey erkannte dann Ende des 17. Jahrhunderts Zusammenhänge mit ähnlich phänomenalen Bauwerken in Schottland. Fälschlicherweise ordnete er es den Kelten zu. Auch von einigen seiner Nachfolger wurde diese Theorie noch weiter verfolgt. Anfang des 20. Jahrhunderts forschten verschiedene Wissenschaftler in Richtung einer astronomischen Bedeutung von Stonehenge. Der Astronom Gerald Hawkins versuchte 1965 in seinem Buch „Stonehenge Decoded“ nachzuweisen, dass es sich dabei um eine Art steinzeitlichen Computer handelte, mit dessen Hilfe man Phänomene wie Mondfinsternisse vorhersagen konnte. Seine Theorie wurde allerdings ziemlich schnell wieder zerrissen. Hawkins hatte Bauteile mit einbezogen, die viele Jahre von einander entfernt fertig gestellt worden waren.

Stonehenge – Mythen, Sagen und Legenden

Neben zahlreichen religiösen und esoterischen Theorien drehen sich auch Sagen und Legenden um Stonehenge. Eine von ihnen dreht sich um den Fersenstein. Durch sie erklärt sich auch, woher der Name Mönchsferse stammt.

„Der Teufel hat die Steine in Irland von einer Frau gekauft und zu ihrem Standort an der Salisbury Plain gebracht. Einer der Steine fiel ihm in den Fluss Avon, die restlichen hat er auf der Ebene von Stonehenge abgelegt. Er brüllte laut ‚Niemand wird je herausfinden, wie diese Steine hierher gekommen sind!‘ Ein Mönch antwortete ihm darauf ‚Das glaubst nur Du!‘ Das machte den Teufel so wütend, dass er die Steine nach warf. Einer traf den Mann Gottes an der Ferse. Dieser Stein blieb im Boden stecken. Er ist heute der Fersenstein von Stonehenge.“

Hier geht’s zu Teil 5/17

England 2009 Wegweiser

  1. 10. Mai 2009 Überfahrt von Duncerque nach Dover
  2. 10. Mai 2009 Sissinghurst Castle
  3. 11. Mai 2009 Glastonbury
  4. 11. Mai 2009 Stonehenge
  5. 12. Mai 2009 Mortehoe
  6. 13. Mai 2009 Woolacombe
  7. 14. Mai 2009 Appledore
  8. 15. Mai 2009 Hayle
  9. 15. Mai 2009 Glendurgan Garden
  10. 15. Mai 2009 Penzance
  11. 16. Mai 2009 Mousehole
  12. 16. Mai 2009 St. Ives
  13. 17. Mai 2009 Eden Project
  14. 18. Mai 2009 Von Mevagissey nach Port Mellon
  15. 19. Mai 2009 Bradstock
  16. 20. Mai 2009 Dorchester
  17. 21. Mai 2009 London