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    Kollapse – "Sult"

    Sludge/Post-Metal Sound aus Dänemark

    Review von Anne
    23.06.2021 — Lesezeit: 2 min
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    Kollapse sind wieder da. Vier Jahre haben sie sich nach ihrem Debüt-Album "Angst" Zeit gelassen – am Freitag veröffentlicht die Sludge/Post-Metal Gruppe aus dem dänischen Aalborg ihre zweite Platte. Sie trägt den Namen "Sult" und ist mehr als nur hörbar.

    Weil ich die Ehre hatte, mir das Album schon mal anzuhören, fasse ich hier mal ein bisschen zusammen, was sie auf mich für einen Eindruck gemacht hat. Ich verrate schon mal soviel: Es könnte sein, dass sich dieser Artikel zu einem Musiktipp entwickelt.

    Kollapse haben es spannend gemacht

    Kollapse – "Sult" Artwork: Gina Skowz

    Erscheinen wird "Sult" in Zusammenarbeit mit Maniyax Records, Dingleberry Records und Virkelighedsfjern auf Fysisk Format.

    Dass die letzten paar Jahre (so heißt es) eine harte Zeit für die Band waren, hat der Qualität ihrer Musik nicht geschadet. Ganz im Gegenteil – das zweite Werk der Sludge-Combo überzeugt auf der ganzen Linie.

    Nachdem nacheinander zwei Mitglieder Kollapse verlassen hatten, begaben sich die verbleibenden drei auf eine Sinnsuche. Vor Kurzem formierten sie sich dann als starkes Trio neu. Den letzten Sommer nutzten sie dann dazu, ihre zweite Platte aufzunehmen. Bei den Aufnahme-Sessions holten sie sich Lucas Illanes zur Unterstützung – er hat das Album produziert und abgemischt. Das Mastering hat James Plotkin übernommen.

    Der geniale Krach des letzten Jahrhunderts

    Für "Sult" haben sich die drei klar vom Noise Rock der 1990er beeinflussen lassen. Es scheppert und kracht gehörig – und das ist verdammt gut so! Post-Hardcore Anleihen und der gewohnte von Sludge angehauchte Post-Metal Style tun ihr Übriges und sorgen für angenehm krasse Dissonanzen. Genau so muss Musik klingen.

    Kollapse bringen den genialen Krach des letzten Jahrhunderts in unsere Zeit und heben dabei ganz nebenbei einen strahlenden Schatz, dessen Existenz wir schon fast vergessen hatten. Zum Glück ist er wieder da!

    Mit ihrem Sound sprengen die Dänen alle Schubladen, in die man versuchen könnte, sie einzuordnen. Sie hinterlassen eine klare Signatur, die man nur ihnen zuordnen kann. Der Stil ist eigen, sperrig und beeindruckend.

    Kollapse passen nicht in eine Schublade

    Das erste Stück "Drift" lässt gleich zu Beginn alle überflüssigen Sicherungen rausknallen und zeigt den Weg in eine finstere, grüblerische Welt. Das immer wieder klar erkennbare Konzept der Platte beschwört auch einige zauberhaften Schatten aus der Prog-Welt hervor, die immer wieder zwischen den einzelnen Akkorden auftauchen, um anschließend wieder zu verschwinden.

    Der zweite Song "Knæler" wirkt fast noch kraftvoller als sein Vorgänger und auch an Düsternis steht er ihm in nichts nach. Er ist die perfekte Überleitung zu "Drukner", dem wohl Post-rockigsten Stück auf der Platte.

    "Byrd" beginnt treibend und panisch. Finden wir einen Weg das Schicksal aufzuhalten oder geht es immer weiter durch die Finsternis? Die geschrienen Lyrics hängen wie eine bleischwere Wolke über dem Song und entladen sich in Wellen. Ich bin mir noch nicht sicher, aber ich glaube, das könnte man Lieblingsstück auf "Sult" sein.

    Ein aggressiver Tanz

    Kollapse

    "Libido" zieht die Hörer⋆innen in einen wirbelnden Sog – das Schlagzeug ist wunderbar präzise, schöne Tempowechseln machen den Song zu einem aggressiven Tanz.

    "Der, hvor jeg tænker, er der altid mørkt" enthält überraschenderweise Trompeten-Sound. Dieser wurde von Dan Hejslet eingespielt. Der sechste und letzte Song auf der Platte besitzt ein nachdenkliches und leicht wirkendes Intro, das von einem durchdachten Zusammenspiel von Drums und Gitarren abgelöst wird, um sich anschließend in einem Meer aus Melodien zu ergießen.

    Mit ihren insgesamt 41 Minuten Spieldauer ist die Platte sicher nicht die längste in diesem Genre. Allerdings haben es Kollapse auch geschafft innerhalb dieser relativ kurzen Zeit alles perfekt auf den Punkt zu bringen. Das Gesamtwerk ist ein schönes Stück Musik, das lange Warten hat sich auf jeden Fall gelohnt!

    Das unfassbar gruselige und zugleich großartige Cover-Bild hat übrigens Gina Skwoz gemalt.

    Kollapse – "Knæler"

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