Kaffee trinken in unseren Gefilden die meisten leidenschaftlich gerne. Doch wie sieht es mit der Nachhaltigkeit aus? Koffein und Umweltschutz – passt das wirklich zusammen? Und wie sieht es eigentlich mit der Fairness aus?

Könnt Ihr Euch ein Leben ohne Kaffee auch nur schwer vorstellen? Ich habe es ja mal eine Zeitlang ohne probiert. Inzwischen bin ich voller Überzeugung dazu zurückgekehrt. Kaffee gehört für mich zu einem gelungenen Tag einfach dazu. Ich trinke meinen am liebsten schön heiß und stark mit etwas Haferdrink.

Morgens holt er mich sanft in den Tag, und Nachmittags spornt er mich nochmal an. An manchen Tagen reicht mir schon eine einzige Tasse, an anderen kann ich kaum genug davon kriegen. Natürlich sollte man es mit dem Koffein nicht übertreiben, aber ab und zu ein Becherchen kann man sich durchaus gönnen. Oder muss man da ein schlechtes Gewissen haben? Was ist mit der Umwelt? Und mit der Fairness?

Auf was Ihr beim Kaffeekauf achten solltet

Beim Kaffeekauf achte ich darauf, möglichst fair gehandelte und nachhaltige Bohnen zu erstehen. Die Umwelt und die Menschen sind mir natürlich auch bei diesem Luxusgut wichtig. Ich möchte schließlich kein Blut in meiner Tasse sehen. Oder Pestizide trinken.

Weltweit gibt es Siegel und Zertifizierungen, die für fair gehandelten und umweltverträglichen Kaffee stehen. Besonders hochwertige Sorten sind damit ausgezeichnet. Bei der Kaffeesuche könnt Ihr Euch nach den folgenden Nachhaltigkeitssiegel richten:

  • Fairtrade kennzeichnet Kaffee aus fairem Handel. Die Kleinbauern erhalten einen etwas höheren Abnahmepreis und werden am  Kaffeemarkt bestmöglich unterstützt. Dieser unterliegt nämlich immer wieder ziemlich starken Schwankungen.
  • Rainforest Alliance bemüht sich um die Beziehung zwischen Kaffeeproduzenten und der Umwelt. Dabei sollen die Nachhaltigkeit und die Landwirtschaft miteinander im Einklang sein. Die Alliance gibt zu diesem Zweck das Wissen über nachhaltige Bewirtschaftung an die Bauern vor Ort weiter.
  • Kaffeesorten, die das EU-Bio-Logo tragen, unterliegen strengen Kriterien. Damit Hersteller⋆innen das Euro-Blatt auf grünem Grund auf ihre Tüten drucken dürfen, müssen sie sich zunächst durch eine Kontrollstelle für ökologischen Landbau zertifizieren lassen. Das Siegel steht für nachhaltigen Anbau im Einklang mit der Natur. Ökologischer Landbau soll die Natur schonen. Der Einsatz von künstlichem Dünger ist verboten. Der Boden soll dadurch dauerhaft fruchtbar bleiben. Rohstoffressourcen sollen geschont und die Artenvielfalt erhalten werden.
  • Bei UTZ Certified stehen die einzelnen Produktionsschritte und das Endprodukt im Fokus. Die Kaffeesorten, die mit diesem Siegel ausgezeichnet werden, werden unter ganz bestimmten Nachhaltigkeit-Standards angebaut. So sind Kinderarbeit und Rodungen strikt untersagt.

Support your local coffee dealer

Wir kaufen unseren Kaffee am liebsten in den kleinen Röstereien hier bei uns im Kiez. Er ist zwar etwas teurer, aber geschmacklich lohnt sich das wirklich sehr. Durch die Röstung erhält der Kaffee sein typische Aroma. Und das kann je nach Bohne und Dauer des Röstvorgangs ziemlich unterschiedlich sein. Von schokoladig über blumig, karamellig und fruchtig bis hin zu säuerlich.

Neben dem Geschmack gibt es einen weiteren Vorteil, wenn Ihr Euren Kaffee direkt von der Rösterei holt: Ihr tut durchaus etwas für die Umwelt, wenn er nicht nochmal aufwendig verschweißt und verschickt werden muss. Und „Support your local coffee roastery“ hat ja auch was für sich.

Im Gegensatz zu Großunternehmen legen diese besonders viel Wert darauf, besonders hochwertige Bohnen zu verarbeiten. Außerdem arbeiten sie häufig mit kleinen Kooperativen zusammen, bei denen es wirklich fair zugeht. Im kleinen Rahmen wird der Kaffee auch viel sorgfältiger behandelt. Und über die oft sehr schonenden Röstverfahren freut sich die Umwelt gleich nochmal.

Dazu zwei Beispiele: Wir haben hier in Hamburg mal direkt neben dem wohl größten Kaffeeunternehmen Deutschlands gewohnt. Immer, wenn geröstet wurde, roch das ganze Stadtviertel danach.

Vor Kurzem habe ich einen Kaffeeröster kennengelernt, der seine kleine Manufaktur immer dabei hat: Er hat sich seine Röststube in einem Minivan eingerichtet, aus dem er Coffee to go verkauft. Natürlich schenkt er ihn auch gerne in mitgebrachte Becher ein.

Zero Waste Kaffeezubereitung

Auch bei der Kaffeezubereitung könnt in Sachen Nachhaltigkeit einiges richtig machen: Auf Kapselautomaten verzichten zum Beispiel. Auch Vollautomaten sind nicht besonders nachhaltig. Eine French Press oder eine formschöne Filterkanne, die sogar ohne Papierfilter auskommt, gibt dann schon mehr Umweltschutz-Punkte. Auch das alte Mokkakännchen, mit dem der Kaffee direkt auf dem Herd zubereitet wird, kommt ohne zusätzlichen Müll aus. Der Kaffee schmeckt dafür um Längen besser, als aus einer Wegwerfkapsel.

Um den optimalen Geschmack zu erzielen, mahlt Ihr den Kaffee daheim selbst. Dem⋆r Bohnendealer⋆in Eures Vertrauens tut Ihr damit auch noch einen Gefallen: Die Schlange vor dem Tresen wird nicht so lang, weil Ihr Ruck zuck fertig seid mit Eurem Einkauf. Vor allem aber hält sich bei der Lagerung das Aroma länger, als bei vorgemahlenem Kaffee. Eigentlich logisch.

Auf Kaffeekapseln verzichten

Wenn Ihr auf Rohstoff-Fresser wie Kaffeekapseln verzichten wollt, werdet Ihr vermutlich mit einer der folgenden Zubereitungsformen glücklich:

  • French Press
  • Espressokocher für die Herdplatte (meist aus Edelstahl)
  • Filterkaffee
  • Mokkakännchen

Bei der French Press kommen weder Filter noch Kapseln zum Einsatz. Ihr gebt einfach den gemahlenen Kaffee in die Kanne und gießt ihn auf. Kurz ziehen lassen, umrühren, Stempel herunterdrücken und fertig.

Mit dem Mokkakännchen oder Espressokocher verursacht Ihr auch null Komma gar keinen Müll. Beim Handfilter ist oft noch ein Filter nötig. Allerdings gibt es auch von vielen Hersteller⋆innen Handfilter, bei denen Ihr keinen braucht. Wir nutzen im Moment so einen und der Kaffee ist wirklich hervorragend. Falls Ihr doch lieber einen Filter einlegen wollt: Es gibt inzwischen auch waschbare aus Stoff. Damit klappt es auch mit dem Zero Waste Kaffee.

Kaffeesatz kompostieren

Das Einzige, was bei uns an Abfall anfällt, ist der Kaffeesatz. Den benutzen wir als Dünger, Peeling oder geben ihn in den Kompost. Ich habe auch schon gehört, dass einige ihn als Basis für die Pilzzucht verwenden.

Habt Ihr schon mal Kaffeealternativen probiert? Wenn Euch die langen Transportwege abschrecken und Ihr lieber mal was Regionales probieren würdet, kann ich das vollkommen verstehen. Was mir ziemlich gut schmeckt, ist zum Beispiel Lupinenkaffee. Er wird aus Lupinensamen hergestellt und schmeckt wirklich fein, obwohl natürlich kein Koffein enthalten ist. Wenn man sehr viel Kaffee trinkt, kann das ja zum Beispiel für Nachmittags eine schöne Alternative sein.

Gesunde Kaffeealternativen

Kaffee aus Gerste, Dinkel oder Roggen habt Ihr sicher auch schon mal im Bioladen gesehen. Er ist ebenso koffeinfrei. Außerdem ist er gut für die Gesundheit, denn er enthält viele wertvolle Nährstoffe und ist obendrein auch noch magenfreundlich.

Eichel- (aus Eicheln) und Zichorienkaffee (aus Zichorienwurzeln) unterstützt das Immunsystem und soll eine Blutdruck-senkende Wirkung besitzen. Allerdings ist er im Geschmack schon sehr eigen. Er schmeckt ein bisschen nach Waldboden. Falls Ihr ihn gerne mal probieren wollt: Online findet Ihr zahlreiche Rezepte.

Hand aufs Herz: Wirklich nachhaltig ist Kaffee also tatsächlich nur dann, wenn Ihr im Wald Eicheln sammelt und ihn selbst herstellt. Wenn Ihr trotzdem nicht auf „echten“ Kaffeegenuss verzichten wollt, solltet Ihr ein paar Grundregeln beachten:

  • Auf Fairtrade und Umweltsiegel achten
  • Regionale Röstereien unterstützen
  • Unnötigen Müll vermeiden und Zero Waste Kaffee den Vorzug geben

Wegwerfbecher nein danke!

Wenn Ihr jetzt noch den ewigen Einwegbechern den Kampf ansagt, macht Ihr eigentlich alles richtig. Auch Logistiker Michael Andresen aus Bad Segeberg hält sie für ein absolutes No-Go. Darum setzt er auf eine Kreislauf-Lösung.

„Wir werden im nächsten Jahr sehen, dass sich Angebot und Nachfrage für eine Mehrwegbecherlösung im Coffee-to-go-Bereich treffen werden. Wenn man Mehrweglösungen richtig entwickelt, werden die Verbraucher⋆innen diese auch nutzen“,

sagt er. Der Gründer von cup&more war unter anderem als Dienstleister für den Non-Food-Catering-Bereich der Fußball-WM eingesetzt. Dort wurden 1,5 Millionen Mehrwegbecher gespült. Kaum auzudenken, wenn man die alle weggeworfen hätte, oder? Auch bei der Hamburger Bäckerei-Innung hat er sein Konzept vorgestellt. Es bleibt also spannend.

Konzepte dieser Art gibt es heutzutage immer mehr. Was wichtig ist, ist, dass wir sie annehmen. Bis es vielleicht irgendwann ein flächendeckendes Pfandsystem für Kaffeebecher gibt, ist es auf jeden Fall ratsam, seinen eigenen Becher immer dabei zu haben.

Kennt Ihr schon die einzige Kaffeeplantage Europas?

Habt Ihr schon mal grünen Kaffee probiert?

Foto: Rauwolf Coffee