Am Samstag hatten wir das große Glück bei einer ganz besonderen Veranstaltung dabei zu sein: Anonymous For the Voiceless hatten den veganen Aktivisten Earthling Ed in einen Hamburger Coworking Space eingeladen.

Um 12 Uhr ging es los: die Türen der Friendsfactory in der Hafencity schlossen sich und Earthling Ed betrat die Bühne. Zuerst nahm er sich jede Menge Zeit, uns kennenzulernen und jede*r hatte die Möglichkeit, seine Fragen loszuwerden. Auch ich habe eine gestellt:

„Was würdest Du tun, wenn Menschen wissen, dass Du vegan lebst, Dich aber trotzdem immer wieder in nicht-vegane Locations einladen oder Dir zum Beispiel Milchschokolade anbieten?“

2019-11-23-earthling-edIch habe Eds Antwort mitgeschrieben und werde versuchen, seinen Rat in Zukunft zu beherzigen:

„Das ist wirklich eine schwierige Frage. Was tut man in so einem Fall? Ich glaube, am besten versuchst Du, es nochmal ins Gedächtnis zu rufen, warum Du Dich dafür entschieden hast, so zu leben. Es ist ja nicht wie bei einem Glauben. Du glaubst nicht an irgendwas. Es ist einfach die Wahrheit. Es ist so, wie es ist. Wie schaffen sie es, zu leugnen, was erwiesen und wahr ist?

Wie gelingt es einem, da durchzudringen? Mit Verständnis? Empathie? Es ist nicht einfach. Ich meine, sie haben immer noch ihr Kotelett auf dem Teller liegen. Das hat dann für mich umgekehrt auch wieder was mit Respekt zu tun. Ich bin kein Verfechter davon, dass Veganer*innen keine nicht-veganen Freunde mehr haben sollten. Man sollte wirklich sehr vorsichtig mit so etwas umgehen und sich mit viel gegenseitigem Respekt begegnen.“

Veganer*innen dürfen wütend sein

Eds Vortrag stand zum Teil unter dem Titel „Being An Angry Vegan“ („Das Leben als wütende*r Veganer*in“). In den letzten Monaten hat sich der Aktivist besonders viele Gedanken darüber gemacht, wie man es in einer Welt der Grausamkeiten schaffen kann, sich weiterhin in seinem Körper wohl zu fühlen. Wie man es schafft, mit der Wut, die entsteht, wann man täglich Bilder sieht, die Gewalt gegenüber Tieren zeigen und gleichzeitig erlebt, wie der Großteil der Bevölkerung diese einfach ignoriert.

„Es ist völlig OK, ein*e wütend*de Veganer*in zu sein. Wichtig ist nur, dass wir uns von unserer Wut nicht überwältigen lassen. Das können wir schaffen, indem wir unser Wissen jeden Tag weitergeben. Wir müssen stark bleiben und eine Stimme für die Tiere sein, die sich nicht wehren können. Rausgehen auf die Straße und zeigen, was hinter den Mauern von Schlachthöfen und in Milchbetrieben passiert. Wir müssen unsere Begeisterung, unsere Motivation und unsere Empathie nutzen und für die gute Sache kämpfen. So können wir es schaffen, einen Unterschied zu machen und die Welt auf Dauer nachhaltig zu verändern. Wir haben nur diese eine Zukunft und wir sollten dafür sorgen, sie für alle besser zu machen.“

Wir sind alle nur Menschen

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Insgesamt habe ich sehr viel mitgenommen und eine ganze Menge gelernt und jede Menge tolle Tipps für den Alltag bekommen. Besonders begeistert haben mich Eds Konversations-Ratschläge. Ein bisschen beruhigt hat mich, dass der geübte Redner und vegane Held immer wieder mit ähnlichen Hürden zu tun hat, wie wir alle. Irgendwie sind wir eben alle nur Menschen.

Im Anschluss an seinen Talk nahm sich Ed wieder Zeit für alle. Zuerst besprachen wir in kleinen Gruppen, was wir aus der Veranstaltung gelernt haben. Anschließend diskutierten wir gemeinsam mit ihm über die Ergebnisse und konnten nochmal Fragen loswerden. Aus den ursprünglich geplanten eineinhalb Stunden wurden schnell mehr als zwei – ohne, dass es jemandem auffiel.

Ich bin sehr froh, dass ich dabei sein konnte und ein bisschen stolz, das Ed sich so viel Zeit für uns genommen hat. Der Aktivist ist mir noch ein bisschen mehr ans Herz gewachsen. Ich finde wahnsinnig toll was er tut. Seine Arbeit ist mehr als wertvoll.

Earthling Ed – ein veganer Aktivist

Earthling Ed aka Ed Winter ist ein britischer Tierrechtsaktivist, Filmemacher und Dozent. Mithilfe seiner Accounts in den sozialen Netzwerken macht auf auf Missstände in der Tierhaltung und Gewalt gegen Tiere in unserer heutigen Gesellschaft aufmerksam.

Earthling Ed lebt in London. 2014 wurde er Vegetarier, nachdem er einen Artikel über einen Geflügeltruck gelesen hatte, der bei Manchester verunglückt war. Kurze Zeit später sah er mit seiner Freundin die Dokumentation „Earthlings“. Seit diesem Zeitpunkt leben die beiden vegan.

Innerhalb der veganen Community ist er inzwischen sehr bekannt. Zeitgleich mit der Gründung der Tierrechtsorganisation Surge mit seiner Partnerin startete Ed 2016 seinen Youtube Kanal. Sein Fokus liegt auf Bildung, Aufklärung und die positive Kommunikation des veganen Gedanken. Ebenfalls im Jahr 2016 wurde von Surge in Kooperation mit anderen Tierrechtsorganisationen in London der Animal Rights March ins Leben gerufen. Bereits im ersten Jahr wurden dort 2.500 Besucher*innen gezählt. Inzwischen folgen der Bewegung weltweit 28.000 Menschen.

„Land Of Hope“ und das „Unity Diner“

2017 produzierte Ed die Dokumentation „Land Of Hope And Glory“ mit der er die Wahrheit hinter der Viehzucht ins Großbritannien enthüllte und die Verantwortlichen zum Handeln zwang. Mit seinen Vorträgen sorgt er inzwischen weltweit für Aufsehen. Im September 2018 eröffnete er in London das vegane „Unity Diner“. Seine Kampagnenarbeit sorgte unter anderem dafür, dass die London Fashion Week inzwischen zu 100 Prozent pelzfrei ist.

Da es sich um ein kostenloses Event handelte, an dem keiner was verdient, wurden im Anschluss an den Vortrag in Hamburg Spenden für die SOKO Tierschutz gesammelt.

Vielen Dank an Earthling Ed, Anonymous For The Voiceless Hamburg, Inbar, Liza Marie und alle anderen, die das Event möglich gemacht haben! Ihr seid großartig!

Hat Euch mein Beitrag neugierig gemacht? Das freut mich sehr! Hier ein Video zum Thema „wütende Veganer*innen“, das Ed vor einiger Zeit aufgenommen hat.