Hinweis: Dieses Interview habe ich bereits am 7. März 2015 veröffentlicht. Da ich finde, dass das Tierschutztheater nach wie vor Aufmerksamkeit verdient hat und das Thema Tierrechte mehr denn je im Fokus stehen sollte, erscheint es heute frisch überarbeitet hier im Blog. Im März feierte das Tierschutztheater sein 10-jähriges Bestehen.


Das Tierschutztheater ist ein Zusammenschluss aus Menschen, die gerne Theater spielen und sich für die Rechte der Tiere einsetzen wollen. Ich habe mich mit der Vorsitzenden Kathrin Eva Schmid unterhalten.

„Schauspielerin, Moderatorin, Tierschützerin, vegan“, so steht es auf Kathrin Evas Visitenkarte. Ich habe mich mit dem sympatischen Multitalent zum Interview verabredet. Beim Münchener Tierschutztheater handelt es sich um ein bisher einmaliges Projekt. Idealismus und darstellende Kunst sollen verbunden und damit Fakten visuell und emotional zum sprechen gebracht werden. Die Stücke tragen Namen wie „Stumme Helden“ (Theater gegen Tierversuche), „Roses Memories“ (Die Geschichte einer alten Frau), „Manche sind gleich“ (Aber andere sind gleicher) und „4 Hours On Escape“.

Unterstützung u. a. durch den Ärzte gegen Tierversuche e. V.

Unterstützt wird das Theater unter anderem durch die Ärzte gegen Tierversuche e. V., ANIMAL PEACE e. V. und Animal 2000. Nicht nur im Theater, sondern auch auf der Homepage des Theaters* klärt Kathrin Eva auf. Das Thema Tierschutz und die Rechte der Tiere liegen ihr sehr am Herzen.

Das Ensemble bietet auch außerhalb des Theaters Auftritte an, gebucht werden kann zu jedem Anlass, lediglich die Fahrtkosten, sowie Kost und Logis für die Schauspieler*innen müssen übernommen werden.

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Kathrin Eva Schmid vom Tierschutztheater. Foto: Kathrin Eva Schmid privat

Anne: Hallo Kathrin Eva! Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit für das Interview nimmst! Ich freue mich wirklich sehr, Deine Bekanntschaft zu machen!

Kathrin Eva: Die Freude ist ganz meinerseits.

Anne: Das Tierschutztheater ist ein unabhängiger Verein, der sich 2009 gegründet hat, wenn ich richtig informiert bin. Wie seit Ihr auf die Idee gekommen?

Tierschutztheater seit 2009

Kathrin Eva: Das Projekt Tierschutztheater gibt es seit 2009. Ein eingetragener Verein (e.V.) sind wir erst seit März 2014. Das Bündnis tie.re, das damals mehrere Münchner Initiativen vereinte, plante den Tierrechtstag 2009. Es sollte eine Bühne geben und man überlegte, was man darbieten könnte. Es war unter anderem die Rede von Kochshows, Reden und Vorträgen. Ganz spontan kam mir die Idee, man könne auch ein Theaterstück aufführen und ich platzte völlig unüberlegt damit heraus.

Ich war damals noch ganz neu in diesem Bündnis und plötzlich waren alle Blicke auf mich gerichtet. Man fand die Idee gut und fragte, ob ich mich darum kümmern wolle. Tja und schon hatte ich das an der Backe und dachte mir erstmal „Oh Gott, was hab ich mir da jetzt aufgehalst?“. Ich fragte dann in dem Theater, in dem ich zu der Zeit spielte ein paar Leute. Schnell waren wir zu siebt und es entstand ein Fünfzehnminüter gegen Tierversuche.

Mehr als ein Projekt war zunächst nicht geplant

Eigentlich war es niemals geplant, mehr als eine Vorstellung zu geben, das hat sich einfach so entwickelt, wir wurden immer wieder gefragt, irgendwann auch speziell zu einem Auftritt an einem ökumenischen Kirchentag. Da ich unser Tierversuchsstück nicht mit Kirche verknüpfen konnte, schrieb ich dann nochmal ein Stück, in dem Gott bzw. ein Engel vorkommt.

Nach und nach kamen immer mehr Stücke dazu. 2014 zu unserem fünfjährigen Jubiläum, überlegten wir uns dann, dass es Zeit ist für „mehr“. Ich gründete den Verein und schrieb mein erstes professionelles, zweistündiges Stück für eine richtige Theaterbühne, zuvor hatten wir nur Kurzstücke auf der Straße aufgeführt. Unser Ensemble bestand inzwischen aus 19 Leuten.

Das Stück war ein voller Erfolg, wir waren nicht nur ausverkauft, sondern sogar hoffnungslos überbucht. Das
Theater bat uns spontan um eine Zusatzvorstellung, die genauso voll war. Die Zuschauer*innen waren restlos begeistert und seither bin ich vor Ideen und Tatendrang nicht mehr zu bremsen.

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Das Tierschutztheater Ensemble. Foto: Kathrin Eva Schmid privat

Anne: Wer sind die Gründungsmitglieder?

Kathrin Eva: Felicitas Sragalj, Sabrina Burghart, Elvan Dogan, Murat Öztürk, A. J. Gimbel, Denis Gülbay und ich.

Anne: Wie viele Mitglieder hat der Verein heute?

Ehrenamtliche helfen dem Tierschutztheater

Kathrin Eva: Leider sind noch nicht so viele dazugekommen, wir zählen heute elf Mitglieder. Es ist aber auch kaum jemand Mitglied, der sich für das Projekt engagiert. Im Laufe der letzten Jahre haben bei uns sicher über 30 Leute mitgespielt, wovon lediglich vier zu den Vereinsmitgliedern zählen. Auch ehrenamtliche Helfer (Grafiker, Webdesigner etc.) helfen uns, ohne dem Verein beizutreten.

Anne: Wann finden Eure Auftritte statt?

Kathrin Eva: Wann immer wir irgendwo angefragt werden, auf Tierrechtsveranstaltungen hier in München und seit der Vereinsgründung sind wir nun auch zum zweiten Mal selbst Veranstalter.

Anne: Welches Thema liegt dir, wenn es um Tierschutz geht besonders am Herzen?

Kathrin Eva: Tierversuche. Was mich an ihnen besonders mitnimmt, ist ihre Grenzenlosigkeit. Hier gibt es gar keine gesetzliche Reglementierung. Die sogenannte Grundlagenforschung muss gar keinen wissenschaftlichen Nutzen erzielen, bei ihr geht es um den reinen Erkenntnisgewinn an sich. Wenn also den Forscher interessiert, wie lange Affen schwimmen können, bis sie ertrinken oder ob man einem Hund die Beine amputieren und anstelle dessen, die Pfoten einer Katze annähen kann, so darf er das.

„Die Grenzenlosigkeit von Tierversuchen nimmt mich besonders mit“

Den Forschern fallen da viele, sehr perverse Dinge ein und die Vorstellung, dass sie alles, was immer sie wollen, mit diesen Tieren tun dürfen, ist sehr gruselig. Richtig abartig wird es auch in der Erforschung von psychischen Krankheiten oder Medikamenten gegen Schmerzen. Meerschweinchen werden in kochendes Wasser getaucht, um anschließend Brandsalben an ihnen zu testen. Um bei einem Tier künstlich eine „Depression“ zu erzeugen, die mit der menschlichen Depression gar nicht vergleichbar ist, wird dieses Tier einfach auf unvorstellbare Weise, über einen sehr langen Zeitraum außerordentlich gequält. Den Forschern fallen dann solche fiesen Dinge ein, wie zum Beispiel den Futternapf zu elektrisieren.

Anne: Du lebst selbst vegan. Seit wann? Hattest Du besondere Vorbilder?

Kathrin Eva: Ehrlich gesagt noch nicht so lange, also im Verhältnis dazu, wie lange ich schon vegetarisch lebe und mich für Tierrechte einsetze. Ich kann auch keinen genauen Zeitpunkt nennen. Hier sollte ich vielleicht etwas ausholen. Also vegetarisch hätte ich, wenn es nach mir ginge, schon immer gelebt. Schon als ganz kleines Mädchen mit vier, fünf Jahren, als ich zum ersten Mal verstanden habe, dass das was da auf meinem Teller liegt, ein eigens dafür getötetes Tier ist, wollte ich kein Fleisch mehr essen.

Leider komme ich aus einem sehr strengen Elternhaus. Da hat es keine Rolle gespielt, was ich wollte und meine Eltern waren der Ansicht, Fleisch sei wichtig für den Körper. Mit 12 Jahren wurde ich dann von einem Auto angefahren und lag eine Woche im Krankenhaus. Dort wurde ich von selbst gefragt, ob ich „normales“ Essen oder vegetarisches haben möchte. Dass mir sogar ein Krankenhaus die Wahl ließ, war das entscheidende Argument, mit dem ich meine Eltern dann letztendlich umstimmen konnte.

„Ich war schon als Kind Vegetarierin“

Vegetarisch war dann also geschafft, dank eines Autounfalls. Aber vegan? Keine Spur, nicht mal ansatzweise kam mir das in den Sinn. Vermutlich habe ich lange Zeit kein höheres Ziel angestrebt, weil es für mich so schwer war, mir den Vegetarismus zu erkämpfen. Ich hatte auch ehrlich gesagt ziemlich naive Vorstellungen, wie Milch und Eier produziert werden. Erst etwa eineinhalb Jahrzehnte später wurde mir bewusst, welch großes Leid ich tatsächlich damit verursache und damit den Entschluss gefasst, auf vegan umzusteigen.

Leider habe ich sehr lange dafür gebraucht, es vergingen rund zwei bis drei Jahre, ganz genau kann ich es gar nicht sagen. Zuerst ließ ich die Milch weg, später die Eier, von Käse konnte ich mich am längsten nicht trennen und selbst als ich alles aus dem eigenen Kühlschrank verbannt hatte, war ich immer noch nicht konsequent, wenn ich unterwegs oder irgendwo eingeladen war. Ich schätze mal, dass ich jetzt seit vier oder fünf Jahren richtig vegan lebe.

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Szene aus dem Stück „Manege der Tränen“. Foto: Tierschutztheater

Anne: Was war für Dich schließlich der Auslöser, vegan zu leben?

Kathrin Eva: Mein Gewissen. Als ich erstmal begriffen habe, dass der Verzehr von Milch und Eiern schlimmer ist, als der Verzehr von Fleisch, da die Tiere, die diese „Produkte“ liefern, am Ende ebenfalls im Schlachthof landen, davor nur einen wesentlich längeren Leidensweg hinter sich haben, konnte ich es moralisch nicht mehr rechtfertigen.

Anne: Du bist Schauspielerin, Moderatorin und aktive Tierschützerin. Ich stelle mir vor, dass Dein Alltag mitunter ganz schön stressig sein kann. Wie schaffst Du das alles unter einen Hut zu bringen?

Kathrin Eva: Das hört sich nicht nur stressig an, das ist es auch. Ich kann mich gar nicht mehr erinnern, wann ich zuletzt mal einen Abend lang nichts getan habe.

„Ich brauche die Dauerbeschäftigung“

Erwähnen sollte ich vielleicht auch noch, dass ich von alledem nicht leben kann, das heißt, ich gehe auch nebenbei noch als Sekretärin jobben. Mit der Schauspielerei und Moderation verdiene ich zu wenig und viel zu unregelmäßig, um meine Miete bezahlen zu können. Den Tierschutz mache ich ehrenamtlich, verdiene also gar nichts damit. Ich komme in der Woche selten auf weniger als 60 Stunden. Geld verdiene ich nur knapp mit einem Drittel dieser Zeit, was mir aber nichts ausmacht, da ich sowieso viel zu beschäftigt bin, um welches auszugeben.

Wie ich das schaffe, das alles unter einen Hut zu bringen? Gute Frage, das frage ich mich oft selbst. Manchmal weiß ich selber gar nicht, wie ich alles schaffen soll, was zum Beispiel bis zu einem bestimmten Termin erledigt werden muss. Aber irgendwie klappt es dann doch immer, auch wenn ich dafür oft tagelang nicht mehr als drei Stunden Schlaf pro Nacht bekomme.

Irgendwie kann ich aber auch nicht kürzertreten, ich brauche die Dauerbeschäftigung. Nichts ist für mich anstrengender, als nichts zu tun. Davon kann ich sogar regelrecht aggressiv werden (lacht). Das merke ich zum Beispiel ganz besonders, wenn ich mit einem grippalen Infekt oder etwas ähnlichem flachliege. Das Rumliegen macht mir dann mehr zu schaffen, als die Krankheit selbst. Genauso wenn ich im Büro nicht vollständig ausgelastet bin, also weniger zu tun ist, als ich an vereinbarten Stunden noch abzusitzen habe, ich kann sowas nicht genießen, für mich ist das die pure Qual.

Anne: Ihr tretet ja auf Wunsch auch bei diversen Veranstaltungen und Demos auf. Was war für Dich der bisher interessanteste Auftritt?

Kathrin Eva: Der erste. Das war schon ein starkes Gefühl, eine Geschichte, die man sich ausgedacht hat, zum Leben zu erwecken und einem öffentlichen Publikum zu präsentieren, das am Ende auch noch klatscht.

„Selbst auf der Bühne zu stehen und gleichzeitig Regie zu führen ist eine Herausforderung“

Inzwischen ziehe ich mich ja auch weitestgehend zurück. Es ist schwierig, Regie zu führen, wenn man selbst auf der Bühne steht. Man sieht die Szene nicht aus dem Blickwinkel der Zuschauer*in. Außerdem hat man den Kopf so voll, bei den Proben kommen ständig alle an mit Fragen wie: „Wo ist mein Kleid?“, „Darf ich zum Rauchen gehen?“, „Können wir nicht früher Schluss machen?“, „Ich habe dieses oder jenes Requisit verlegt und finde es nicht mehr, was soll ich tun?“.

Da schwirrt einem der Kopf ganz schön und man hat weder die Konzentration noch die Ausgeglichenheit um sich in seine Rolle zu versetzen. Als ich die Videoaufnahmen von „4 hours on escape“ gesehen habe, war ich über meine eigene Spielleistung entsetzt, das war grauenvoll. So schlecht bin ich sonst nicht. Einfach nicht richtig bei der Sache. Regie und Spiel das geht einfach nicht. Zumindest für mich. Insofern übernehme ich nach Möglichkeit nur noch kleine Nebenrollen in meinen eigenen Stücken. Was auch den Vorteil hat, dass ich quasi ein „Joker“ bin, falls jemand krank wird oder abspringt. Ich kenne den Text und die Handlungen von allen Figuren und kann spontan für jede Rolle einspringen.

Drastische Szenerie

Anne: Welche ist Deine Lieblingsrolle?

Kathrin Eva: Hannelore aus unserem Vegan-Sketch „Die Wirtsstubn“. Hannelore sagt alle Sachen, die mich immer an die Decke bringen, wenn ich sie von anderen höre. Sie möchte ihrem Sohn erklären, wie dumm es doch ist, vegan zu sein und verweist dabei auf die menschlichen Eckzähne oder erörtert eine drastische Szenerie, was passieren würde, wenn plötzlich alle Menschen auf einmal gleichzeitig Vegetarier würden. Gerade die dummen Argumente zu parodiesieren, über die ich mich knapp 30 Jahre lang immer wieder geärgert habe, macht wahnsinnig Spaß.

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Szene aus dem Stück „Manche sind gleich“. Foto: Tierschutztheater

Anne: Im Tierschutztheater setzt Ihr Euch ja aktiv gegen Pelze ein. Wie erklärst Du Dir die wieder aufkeimende Pelzmode? Wie kann es überhaupt sein, dass so viele Leute mit einer Pelzkapuze herumlaufen und zum Teil nicht mal wissen, was sie da tragen.

Kathrin Eva: Witzig, dass Du das gerade ansprichst. Wir planen derzeit eine kleine Anti-Pelz-Kampagne. Ich habe mich in einem Kunstpelz ablichten lassen. Die Bilder erscheinen am Ende auf unserem Blog und werden in den sozialen Netzwerken geteilt.

Kampagne gegen Pelze

Wie ich mir das erklären kann? Ehrlich gesagt gar nicht. Ich verstehe es nicht und werde es nie verstehen. Besonders, weil so viele Menschen Pelz tragen, die sich sonst total rücksichtsvoll und umsichtig verhalten. Pelzkragenträger halten mir in der U-Bahn die Tür auf oder lassen mich an der Kasse vor, sie stehen im Bus auf und überlassen älteren Leuten ihren Sitzplatz oder werfen Geld in den Hut eines Bettlers. Ich verstehe es nicht und habe keine Erklärung dafür.

Anne: Was kann man für eine bessere Aufklärung tun?

Kathrin Eva: Ich fürchte, die Leute sind eigentlich genug aufgeklärt. Ich höre das auch ständig, wenn ich welche
anspreche: „Ja, ich weiss, aber das ist mir egal“ oder „Na und?“.

Ich glaube, das Einzige, was da hilft, ist dauerndes Ansprechen. Wenn diese Leute schon kein Mitgefühl mit den Tieren haben, dann sollten sie wenigstens spüren, dass man sie dafür schief anschaut. Meine Hoffnung ist, dass solche Leute, wenn sie jedes oder jedes zweite Mal, wenn sie das Haus mit so einem Ding verlassen, angepöbelt werden, sodass sie die Freude an ihrer modischen Errungenschaft verlieren. Insofern ansprechen, ansprechen, ansprechen. Bis es ihnen schlichtweg zu blöd wird.

„Ich verstehe nicht, warum wir Tierarten unterschiedlich behandeln“

Anne: Thema Spezismus: Ein Hund oder eine Katze wird als Haustier gehalten und darf im Bett schlafen, ein Schwein ist hingegen ein Nutztier, wird geschlachtet und gegessen, Kühen werden die Kälber entzogen, damit Menschen ihre Milch trinken können. Wie erklärst Du Dir dieses Phänomen? Wie ist es zustande gekommen?

Kathrin Eva: Da geht es mir genauso wie mit der Frage nach dem Pelz. Ich verstehe es nicht und werde es nie verstehen. Für sind schon seit meiner frühesten Kindheit alle Tiere gleich. Selbstverständlich habe ich „Lieblingstiere“ gehabt. Aber auch die, nach denen ich weniger verrückt war, hätte ich nie schlecht behandelt, ihnen Leid zugefügt oder die Schulter gezuckt, wenn ihnen vor meinen Augen jemand Leid zugefügt hätte. Ich verstehe es nicht, wie man da unterscheiden kann. In meinen Augen ist das rassistisch. Zu unterscheiden ist für mich genauso verwerflich, wie beispielsweise Menschen mit einem bestimmten Hautton über andere zu stellen.

Anne: Wie konnte es zu der heutigen Intensiv-Tierhaltung kommen?

Kathrin Eva: Das ist ganz einfach. Die Menschen wollen so viel Fleisch, wie nur irgendwie möglich essen und gleichzeitig aber so weit wie möglich von der Tierhaltung entfernt sein. Also müssen die Tiere auf wenige Sammelplätze zusammengepfercht werden.

Anne: Wann hast Du Dich das erste Mal mit dem Thema Tierschutz beschäftigt?

„Schon als ich zehn war, habe ich mich für die Tiere eingesetzt“

Kathrin Eva: Bereits im Alter von zehn Jahren habe ich mich aktiv für die Rechte der Tiere eingesetzt und zum Beispiel Unterschriften gegen Tierversuche gesammelt, Referate in der Schule gehalten, Artikel in der Schülerzeitung veröffentlicht.

Anne: Wie kann man Euch buchen?

Kathrin Eva: Am besten einfach bei uns anfragen. Wenn es irgendwie möglich ist, richten wir es ein. Falls der Auftritt außerhalb Münchens ist, würden wir uns wünschen, dass die Fahrtkosten für alle Darsteller*innen und gegebenenfalls auch die Verpflegung übernommen werden, falls wir für den Auftritt den ganzen Tag unterwegs sind. Das kommt auch darauf an, was wir wann spielen sollen. Wenn wir nochmal eine Auffrischungsprobe benötigen, ist es auch möglich, dass Kosten für die Raummiete des Proberaums anfallen. Aber das lässt sich alles absprechen. Wir kommen da sehr entgegen und machen möglich, was uns möglich ist.

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Szene aus dem Stück „Täubchen im Glück“. Foto: Tierschutztheater

Anne: Euch ist es besonders wichtig, Informationen weiterzugeben, ohne dabei als Moralapostel zu erscheinen. Wie schafft Ihr diese Gratwanderung?

„Weniger ist mehr!“

Kathrin Eva: Das ist jedes Mal eine knallharte Herausforderung. Hier gilt: Weniger ist mehr! Je mehr Fakten ich also im Stück zulasse, umso besser. Oft ist es richtig schwierig, zu entscheiden, was gekürzt werden muss. Am Anfang ist immer mehr drin als gut ist. Mir ist es außerdem sehr wichtig, dass zwischen den Figuren niemals Aussagen fallen wie „Das darfst Du nicht“, weil das auch ein „Das darfst Du nicht“ an die Zuschauer*innen wäre, sie negativ stimmt und somit die Aufnahmebereitschaft für das Thema stoppt.

Anne: Ihr werdet von diversen Tierschutz-Organisationen unterstützt. Bist Du selbst Mitglied in einer?

Kathrin Eva: Derzeit nur noch bei den Ärzten gegen Tierversuche. Früher war ich bei noch anderen, aber das habe ich alles wegen der Mitgliedsbeiträge reduziert. Mein Geld stecke ich jetzt lieber in meinen eigenen Verein, also das Tierschutztheater, das im Moment noch jeden Cent nötig hat.

„Es gibt keine Geheimformel, mit der man Leute überzeugen kann“

Anne: Wie schafft man es, dass sich Leute für den Tierschutz interessieren, denen das Thema bislang egal war?

Kathrin Eva: Dafür gibt es keine Geheimformel, weil einfach jeder Mensch unterschiedlich ist. Jeder spricht auf etwas anderes an. Manche Menschen, sind einfach gefühlskalt und werden sich niemals überzeugen lassen. Beim Großteil besteht aber Hoffnung. Einige erreicht man durch gute Argumente und Fakten. Andere durch grausame Bilder/Videoaufnahmen.

Wieder andere, dürfen gar nicht zu extrem mit der Thematik konfrontiert werden, weil sie dann komplett abblocken, vermutlich aus Selbstschutz, weil sie die Schuldgefühle nicht ertragen und sich selbst nicht eingestehen wollen, wofür sie verantwortlich sind. Gerade diese, sind die Zielgruppe unseres Vereins. Sie müssen aufgeklärt werden, ohne sich schuldig zu fühlen. Die Informationen erhalten die Zuschauer*innen also nicht direkt. Sie dürfen stattdessen miterleben, wie eine fiktive Figur diese Informationen erhält und damit umgeht, wie eine fiktive Figur ihr Verhalten ändert.

Sie fühlen sich in diesem Moment nicht selbst angesprochen, stimmen der Entscheidung der fiktiven Figur aber aus vollem Herzen zu. Der Wunsch, sich selbst so zu verhalten, keimt dann von ganz alleine auf. Das klappt natürlich nicht bei allen Zuschauer*innen, aber wenn wir pro Vorstellung nur einen Menschen „anstupsen“, dann haben sich alle Kosten und Mühen schon gelohnt.

„Unsere Schauspieler*innen lesen im Textbuch Dinge, die ihnen vorher nicht bewusst waren“

Der gleiche Trick funktioniert übrigens auch mit den Darsteller*innen, die am Projekt teilnehmen. Fast alle, die sich auf unsere Projekte bewerben, leben zu Beginn noch omnivor, sie machen nur mit, weil sie gerne auf der Bühne stehen. Doch dann haben sie plötzlich das Textbuch in der Hand und lesen Dinge, die sie vorher nicht wussten.

Doch sie lesen sie nicht nur einmal, nein sie müssen sie dutzende Male lesen, beim Lernen des Textes, bei den Proben werden die Szenen ja dutzende Male wiederholt. Man kann nichts verdrängen oder vergessen, das man schon hunderte Male ausgesprochen hat, die Reaktion der Figur, die die Fakten erfährt, immer und immer wieder gespielt und dem Publikum gezeigt hat, wie betroffen und traurig es einen macht. Außerdem gibt es bei unseren Proben und Veranstaltungen ausschließlich veganes Essen. Erst wird es gegessen, weil nichts Anderes da ist und dann stellt man fest: „Oh, das schmeckt ja und ich bin sogar satt!“

Anne: Im Oktober wurde das Tierschutztheater in das BBT (Bündnis Bayerischer Tierrechtsorganisationen) aufgenommen. Herzlichen Glückwunsch noch dazu. Was bedeutet das im Einzelnen für Euch?

„Wir sind jetzt stärker vernetzt als früher“

Kathrin Eva: Stärker aufgestellt und besser vernetzt zu sein und erfahrene Kontakte zu haben. Beim zweiten Treffen des Bündnisses, hat sich zum Beispiel eine Dame angeboten, uns bei der Buchhaltung zu unterstützen. Damit hatte keiner von uns zuvor Erfahrung. Die Dame hat uns wirklich sehr geholfen und ist jetzt auch Mitglied.

Zum August treten wir noch einem weiteren Bündnis, dem „Verband Bayerischer Amateurtheater“ bei, wodurch wir diverse Vergünstigungen (beispielsweise bei Versicherung und GEMA), sowie ein umfangreiches Fortbildungsangebot, Beratung, Rechtsbeistand und vieles mehr erhalten.

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Szene aus dem Stück „Enrico und Zazalena“. Foto: Tierschutztheater

Anne: Bist Du ausgebildete Schauspielerin? Oder hast Du vorher was anderes gemacht? Erzähl uns ein bisschen was von Deinem Werdegang.

Kathrin Eva: Leider nicht und ich kann es auch nicht werden, da ich zu alt bin, die Schauspielschulen haben knallharte Altersgrenzen. Außerdem sind sie ziemlich teuer, zwischen dreihundert und fünfhundert Euro drückt man da im Monat für Vollzeitunterricht ab. Wie soll ein junger Mensch, der die Altersgrenzen noch nicht erreicht hat, eine solche Gebühr auftreiben und zugleich Miete zahlen, ohne ausreichend arbeiten zu können? Ich wurde von meinen Eltern nicht unterstützt, musste schon während meiner Ausbildung (zur Versicherungskauffrau) für Miete und Lebensunterhalt selbst aufkommen. Geld für eine Schauspielschule hätte ich nicht gehabt.

„Ich habe eine Ausbildung zur Versicherungskauffrau gemacht

Außerdem benötigt man für die Ausbildung ein Abitur. Das habe ich erst über den zweiten Bildungsweg, die Berufsoberschule, nachgeholt. Nach Erreichen des Abiturs war ich für einige Schauspielschulen schon zu alt und durfte nicht mal vorsprechen. Die Schauspielschulen, bei denen ich mich zu diesem Zeitpunkt noch bewerben konnte, waren allerdings noch teurer und auch nach dem Abitur hatte ich noch kein Geld. Nach ein paar Jahren Vollzeitarbeit im Büro hätte ich das angespart gehabt, doch dann war ich für alle schon zu alt.

Leider wird auf dieses Diplom hier in Deutschland unglaublich viel Wert gelegt. Unabhängig davon wie viel Talent und Erfahrung man hat, keine professionelle Schauspielagentur nimmt einen ohne Diplom überhaupt in der Kartei auf, nicht mal die Künstlervermittlung vom Arbeitsamt. Nur in Komparsenagenturen kommt man unter. Die vermitteln aber nur Kleindarstellerrollen, so bis 20 Sätze etwa. Doch auch wenn man schon 50 oder 100 solcher Rollen hatte und wirklich gut gespielt hat, ersetzt das kein Diplom.

Anne: Leben bei Dir Tiere?

Kathrin Eva: Aber ja, eine Kater – ein kleiner Herzensbrecher. Er hat mich voll im Griff. Das kleine Miststück weiß leider ganz genau, wie es mich dazu bringt, alles zu tun, was es will. Ich komme da irgendwie nicht dagegen an. (Lacht)

Anne: Was ist Deine Meinung zum Thema „Haustierhaltung“?

„Ich mag das Wort ‚Haustier‘ nicht“

Kathrin Eva: Ich mag das Wort nicht. „Haustier“. Mein Kater ist für mich mein Kind, das ich unendlich liebe. Solange es ihm gut geht, geht es mir gut und so sollte es auch sein. So ein Tier ist hilflos, wenn es auf einen Menschen angewiesen ist. Der Mensch, der ein Tier bei sich zu Hause aufnimmt, muss sich zuerst um das Tier kümmern und dann um die eigenen Interessen, weil es selbst seine Interessen nicht wahrnehmen kann. Genauso wie man Frauen und Kinder zuerst ins Rettungsboot einsteigen lässt. Nur wer ein Tier als Familienmitglied oder Kind betrachtet und nicht als „Haustier“, wird es auch wirklich gut behandeln.

Anne: Kochst Du gerne?

Kathrin Eva: Au ja! Für mein Leben gerne.

Anne: Dein liebstes veganes Gericht? Magst Du uns das Rezept verraten?

Kathrin Eva: Das Einfachste ist am besten: Spaghetti mit Tomatensauce. Ich mache die Sauce komplett selber, die Tomaten werden frisch püriert. Das macht die Soße zwar sehr wässrig, eher wie eine Suppe, aber dafür eine unendlich köstliche, frisch-tomatig schmeckende Suppe.

Anne: Eine Sache, die jeder für den Tierschutz tun sollte?

„Man kann von niemandem erwarten, sich im Tierschutz zu engagieren“

Kathrin Eva: Vegan sein. Ganz ehrlich, das ist das Mindeste.

Man kann von niemandem erwarten, dass er/sie sich aktiv für Tiere oder gegen Tierausbeutung einsetzt. Denn es gibt vieles auf dieser Welt, wo Engagement nötig ist. Alte Menschen zum Beispiel oder Behinderte, kranke Kinder, Krieg, Unterdrückung von Frauen. Kein Mensch kann sich überall engagieren, dennoch sind alle diese Themen wichtig. Da gibt es auch keine „Wichtigkeitsskala“. Wenn sich jemand beispielsweise gegen Zwangsehen von kleinen Mädchen einsetzt, ist das absolut genauso wichtig und notwendig, wie sich gegen Tierversuche zu engagieren. Ich habe das aber nie getan. Ich habe mich in diesem Bereich nie engagiert. Wie könnte ich also fordern, dass irgendjemand seine Zeit ausgerechnet für Engagement für die Rechte der Tiere aufwendet? Das steht mir nicht zu.

Aber ich kann an jeden Menschen appellieren, wenigstens kein Tierleid selbst zu verursachen. Genau das tut ma aber, wenn man Tierqualware konsumiert. Nur vegan zu sein, ist jeder Mensch den Tieren schuldig.

Anne: Vielen Dank für das nette Interview! Ich wünsche weiterhin viel Erfolg mit dem Tierschutztheater! Wer das Tierschutztheater gerne unterstützen möchte, kann das hier tun.

Aktuelle Infos

Zuletzt machte das Tierschutztheater anlässlich der Veganmania in München mit einer Käfig- und einer Schweinemasken-Aktion sowie einem „Blutigen Dinner“ auf dem Marienplatz auf sich aufmerksam. Auch auf den Vegan Street Days war das Ensemble dabei. Die nächste bevorstehende Veranstaltung ist das Tierschutztheater bei Radio Lora. Eure Teilnahme könnt Ihr ganz leicht bei Facebook bestätigen.

*Die Homepage des Tierschutztheaters findet Ihr hier.

Kathrin Eva Schmid tritt am 15.03.2020 als Spitzenkandidatin für die Tierschutzpartei bei der Münchener Stadtratswahl an.

Anlässlich des 10-jährigens Jubiläums des Tierschutztheaters wurde im März folgendes Video veröffentlicht:

Fotos: Tierschutztheater / Kathrin Eva Schmid privat. Das Bild im Header stammt aus dem Bild „Andromeda“.

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