Beschäftigt man sich mit fairem nachhaltigem Handel, stolpert man irgendwann über den Begriff „Cradle-to-Cradle“. Dahinter verbirgt sich die Philosophie der konsequenten Kreislaufwirtschaft.

Cradle-to-Cradle (Abk.: C2C) wurde zum Ende der 1990er-Jahre von Michael Braungart und William McDonough entworfen. Wörtlich übersetzt heißt Cradle-to-Cradle „von der Wiege zur Wiege“. Bedeuten soll es soviel wie „vom Ursprung zurück zum Ursprung“. Das heißt, dass biologische Nährstoffe in biologische Kreisläufe zurückgeführt werden oder als technische Nährstoffe dauerhaft in technischen Kreisläufen eingebunden werden.

Vom Kreislauf zurück in den Kreislauf – das ist Cradle-to-Cradle

cradle-to-cradleWas zunächst ziemlich abstrakt klingt, ist es nicht. Im Grunde bedeutet es, dass innerhalb eines geschlossenen Kreislaufs Ressourcen weiterverwendet anstatt ausgemustert werden. Das fertige Produkt wird anschließend wieder als Rohstoff verwendet. Das funktioniert zum Beispiel mit Glas sehr gut. Schmilzt man es ein, hat es wieder die gleichen Eigenschaften, wie zu Beginn des Kreislaufs.

Vor Kurzem habe ich hier im Blog ein junges Unternehmen vorgestellt, das ebenfalls nach dem Cradle-to-Cradle-Prinzip arbeitet: die vegane Wollmanufaktur Vegarn aus Hamburg.

Michael Braungart und William McDonough kamen beim Beobachten der Natur auf das Prinzip. Ein Baum wächst, indem er Wasser und Sonnenlicht nutzt. Seine Früchte fallen auf den Boden und können kompostiert wieder dem Wachstum dienen. Aus den Samen entstehen neue Bäume.

Der Verein Cradle to Cradle e. V.

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Biologischer und technischer Zyklus. Grafik: Wikipedia Commons, Rex banditor

In Deutschland gibt es seit 2012 den gemeinnützigen Verein Cradle to Cradle e. V.1 Sein Ziel ist es, Cradle-to-Cradle in die Mitte der Gesellschaft zu bringen.

Damit sollen die enormen ökologischen und ökonomischen Herausforderungen von heute und morgen gelöst werden – gesellschaftlicher und kultureller Wandel für eine nachhaltige Zukunft also.

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Der Cradle to Cradle e. V. wünscht sich, dass das Prinzip für die Menschen selbstverständlich wird. Um dieses Ziel zu erreichen, werden regelmäßig Vorträge und Workshops abgehalten. Hinzu kommen Podiumsdiskussionen und ein jährlicher Kongress. Regionalgruppen des Vereins gibt es in allen Bundesländern.

„Jedes Produkt kann wiederverwertbar sein“

„Der Cradle to Cradle e. V. will verändern, wie Du über Müll nachdenkst. Oder noch besser das Konzept Müll aus allen Nachschlagewerken löschen und nur noch von Ressourcen sprechen. Die Natur kennt keinen Abfall. Jedes Produkt kann wiederverwertbar sein, vorausgesetzt, es wurde dafür entworfen“,

heißt es auf der Webseite des Vereins.

In Hamburg beschäftigt sich das Forschungsinstitut EPEA2 seit nunmehr 30 Jahren mit dem Cradle-to-Cradle-Prinzip. Der Hauptfokus der Einrichtung liegt auf dem Cradle to Cradle Design Konzept. Gearbeitet wird in den Bereichen „Textilien“, „Gebäude“ „Papier und Druck“, „Verpackung“ und „Handelswaren und Kosmetik“. Aus diesen Branchen stammen auch die Firmen, mit denen EPEA zusammenarbeitet.

Zirkuläres Denken

„Wir möchten unsere Partner bei der Entwicklung innovativer Produkte und Prozesse auf der Basis zirkulären Denkens unterstützen. Zu diesem Zweck stellen wir wissenschaftliche Analysen und Materialbewertungen zur Verfügung“,

steht in der Einleitung des EPEA Portfolios. Gegründet wurde die EPEA GmbH – Part of Drees & Sommer ursprünglich unter dem Namen EPEA Internationale Umweltforschung GmbH von keinem geringeren als Prof. Dr. Michael Braungart persönlich. 2019 erfolgte dann die Neugründung.

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Seit 2010 ist eine C2C-Zertifizierung möglich. Der Cradle-to-Cradle certified Produktstandart bewertet die Kreislauffähigkeit, die Materialgesundheit, den Einsatz von erneuerbaren Energien, den verantwortungsvollen Umgang mit Wasser und die soziale Gerechtigkeit bei der Herstellung von Produkten. Vergeben wird das Zertifikat vom Non-Profit-Institut Cradle to Cradle Products Innovation Institute in San Francisco.

Wenn wir raus wollen aus dem Sog aus immer mehr Müll, Klimawandel und Hunger auf der einen und Überfluss auf der anderen Seite, sind innovative Konzepte essentiell. Die Cradle-to-Cradle Bewegung hat erkannt, wie wichtig es ist, Dinge weiter zu verwerten und den Kreislauf nicht zum Erliegen zu bringen. Für einen vernünftigeren Umgang mit unseren Ressourcen zu sorgen ist ein großer und wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

Der Cradle to Cradle e. V. hat das Prinzip Cradle-to-Cradle in diesem Video sehr schön erklärt:

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Literaturtipp:

„Die nächste industrielle Revolution – die Cradle-to-Cradle-Community“ von Michael Braungart und William McDonough

Fußnoten

Quellen: