Vor Kurzem habe ich Euch an dieser Stelle Six Days Of Calm aka Marc Fischer vorgestellt. Im Interview habe ich mich mit ihm über die Entstehung seines neuen Albums „The Ocean’s Lullaby“ unterhalten. Am 6. November war es endlich so weit und die Doppel-LP erschien im Rampenlicht. Natürlich habe ich sie mir angehört.

Dass „The Ocean’s Lullaby“ während einer der emotionalsten und härtesten Phasen in Marcs Leben entstanden ist, hört man der Platte durchaus an. Die Songs sind tiefgründig und führen einen an dunkle, melancholische und zugleich auch harmonische Orte. Aufgenommen wurde das Werk gemeinsam mit dem Produzenten Nikita Kamprad in den Ghost City Studios. Und auch Philipp Welsing von den Original Mastering Studios Hamburg, der bereits mit Größen wie Ef und Callejon zusammengearbeitet hat, war mit von der Partie. Das künstlerische Artwork stammt von niemand Geringerem als Oliver Hummel von Hummelgrafik.

Gefühlvoll und voller Begeisterung

The Ocean's Lullaby - Six Days Of Calm

Six Days Of Calm – „The Ocean’s Lullaby“

Das Album wurde mit großer Professionalität und Begeisterung aufgenommen und gemastert und das merkt man. In den insgesamt sieben Songs des Würzburger Post-Rock Talents findet man nicht mal einen kleinen Schnitzer. Dafür begegnen einem auf den beiden Scheiben jede Menge gefühlvolle Höhen und Tiefen. Wellen des Glücks und der Verzweiflung.

Der Opener „Breathe“ wirkt wie das Abtauchen in eine tiefe Meditation. Was als ruhiger Auftakt mit angeregten Gesprächen im Hintergrund beginnt, baut sich auf zu einem musikalischen Orkan, der alle Sorgen davon weht.

Auf eine weitere, tiefere Ebene zieht einen dann der Song „Light“, der im Moment mein persönlicher Favorit auf dem Album ist. Allerdings sind alle sieben Stücke ziemlich genial, das kann sich also stündlich ändern – je nach Stimmung, von denen man auf „The Ocean’s Lullaby“ ein breites Spektrum findet. Schließt man beim Lauschen die Augen, kann man schwache Sonnenstrahlen durch einen finsteren Nadelwald schimmern sehen. Oder die leichte Gischt am äußeren Rand einer tobenden Springflut. Ein Hoffnungsschimmer in der Finsternis.

Post-Rock Hymnen und Ambient Stücke

Den Song „Loss“ veröffentlichte Marc bereits im Vorfeld als Vorgeschmack auf das Album. Er plätschert zunächst entspannt, um dann zum Ende hin nochmal so richtig gerechtes Brett zu geben. Volle Fahrt voraus. Der Übergang zu „Reflections“ ist fließend und verträumt. Was zunächst etwas traurig-verklärt wirkt, baut sich zu einem spannenden Epos auf, das die Freude auf ein weiteres Bad im Klang um ein Vielfaches steigert.

Mit „Obscure“ nimmt „The Ocean’s Lullaby“ nochmal Fahrt auf. Marc erzählte mir, dass mit seiner Soloplatte für ihn der Traum in Erfüllung gegangen ist, sich musikalisch voll und ganz auszuleben, ohne dabei den Druck im Nacken zu spüren, ein Album auf den Markt bringen zu müssen. Diesem Song hört man das, finde ich, ganz besonders an.

Seine Liebe für ätherische Klänge zeigt der Würzburger mit dem Ambient Stück „Gloom“. Es wirkt wie aus einer anderen Welt und perfektioniert das Konzept des Albums auf eine ganz besondere Art. Den Abschluss macht dann „Final Notes“ das mit seinem Spiel aus Härte und Melodie eine gelungene Post-Rock Hymne geworden ist. Marcs erklärte Vorbilder von This Will Destroy You sind sicher stolz auf ihn, wenn sie dieses Debüt hören.

Instrumentaler Post-Rock vom Feinsten

Das Wechselbad der Gefühle zieht sich durch und hält einem die Hochs und Tiefs des Lebens vor Augen. Dabei benutzt Marc eine sehr bildliche Sprache, die mich nach dem Hörgenuss tief beeindruckt zurücklässt. Sind es nicht die guten Momente zwischen den kalten Abgründen, an denen wir uns festhalten müssen? Jeden glücklichen Augenblick in diesem Leben sollten wir voll auskosten und ihm die Chance geben, unvergesslich zu werden. Genauso unvergesslich, wie dieses musikalische Werk, das ganz sicher in die Geschichte eingehen wird.

Der instrumentale Post-Rock von Six Days of Calm trifft genau den Puls der Zeit und wurde in meinen Augen genau im richtigen Moment veröffentlicht. Sehnen wir uns doch im Augenblick alle nach etwas Ehrlichem? Mit diesem Doppel-Langspieler halten wir genau das in Händen. Im Grunde erfüllt er also einen Herzenswunsch vieler Menschen im Jahr 2020.

Ein gekonnter Schlussakkord

Besonders überzeugt haben mich die verspielten Melodien und kraftvollen Höhepunkte auf der Platte. Das Wiegenlied des Meeres spielt sich auf der Reise in die Gehörgänge vor dem inneren Auge ab und trägt einen auch lange nach dem Schlussakkord noch beschwingt durch den Tag.

Seine Leidenschaft für die Musik entdeckte Marc schon früh. Zuletzt lebte er sie mit seiner Metalcore Band Watch Them Fade aus. Ein Ausflug, der ihm auch sehr gut zu Gesicht stand. Zu Hause ist er allerdings im Post-Rock. Das beweist er mit seinem ersten Soloalbum „The Ocean’s Lullaby“. Ich bin schon sehr gespannt auf weitere musikalische Meisterwerke des Franken und werde Euch auf jeden Fall auf dem Laufenden halten, wenn es wieder etwas Neues gibt. In der Zwischenzeit lest Euch am besten mein Interview mit Marc nochmal durch. Darin erfahrt Ihr alles über „The Ocean’s Lullaby“ und die Entstehung dieses Kleinods.

Ihr könnt „The Ocean’s Lullaby“ als limitierte Doppel-Vinyl in den Varianten „blue marbled transparent“ und „opaque bluish grey“ erstehen. Außerdem findet Ihr das Album online bei allen bekannten Streaming-Diensten.

„Breathe“ von Six Days Of Calm