Ich fotografiere ausgesprochen gerne. Was sich auch in meinem Blog wiederspiegelt. Mein größtes Vorbild und mein liebster Fotograf ist und bleibt Anton Corbijn. Jetzt hatte ich die Gelegenheit, seine Werke ganz aus der Nähe zu betrachten.

Das Bucerius Kunst Forum Hamburg zeigt seit dem 7. Juni und noch bis einschließlich 6. Januar 2019 seine Ausstellung „The Living And The Dead“. Sie ist in zwei Teile aufgeteilt.

Teil I der Anton Corbijn Ausstellung

Teil I befindet sich im Erdgeschoss des Museums und zeigt seine berühmten Musikerportraits. Corbijn schuf sie häufig als Auftragsarbeiten für Plattencover, Artworks und Zeitschriften.

Zu sehen sind hier Bilder aus der FAMOUZ Serie, welche zwischen 1974 und 1988 entstand, aus der STAR TRAK Reihe, entstanden zwischen 1989 und 1999, aus der 33 STILL LIVES Serie von 1997 bis 1999, aus der Hasselblattreihe INWARDS AND ONWARDS von 1996 bis 2011 sowie aus der Serie 1-2-3-4, die zwischen 1977 und 2013 fotografiert und entwickelt wurde.

FAMOUZ ist der Titel seines ersten Buches, welches im Jahr 1989 erschien. Aufgenommen wurden die Fotos anfangs noch in Anton Corbijns Heimatland Holland, später dann in seinem neuen Wirkungsort London, wo er eine Zeit lang als Fotograf beim New Musical Express unter Vertrag stand. Mit dem Ende seiner Arbeit für den NME begann er vermehrt im direkten Auftrag der Musiker zu fotografieren. Seine Kleinbildkamera begleitete ihn überall hin

STAR TRAK – Kalifornien ruft

Seine STAR TRAK Reihe startete Corbijn, als er 1989 England den Rücken kehrte und nach Kalifornien ging. Neben Musikern fotografierte er nun auch Schauspieler, Models und verschiedene Persönlichkeiten aus dem Filmzirkus. Durch die Verwendung eines speziellen Entwicklers wurden die Brauntöne in diesen Bildern besonders hervorgeholt. Schnell erlangte Corbijn mit diesem persönlichen Stilmittel große Berühmtheit. Inzwischen nutzte der Fotograf eine klassische quadratische 6 x 6 Zentimeter Negativformat Hasselblatt-Mittelformatkamera.

Die nächste Reihe mit dem Namen 33 STILL LIVES von 1997 bis 1999 besitzt hingegen einen strukturell wesentlich geplanteren Aufbau. Man muss sie sich vorstellen wie ein Konzeptalbum, welches man Lied für Lied hört. Anton befasste sich darin mit den typischen 90er Jahre Paparazzi-Fotos. Ihren Stil erhielten sie durch den Einsatz eines Blaufilters beim Abziehen der Zwischennegative. Fotografiert wurden sie mit einer Polapan-Kamera.

INWARDS AND ONWARDS von 1996 bis 2011 besteht aus Nahaufnahmen von Künstlern, Sportlern und anderen Promis. Den Fotos sieht man die Intimität, in der sich der Fotograf mit seinen Modellen befindet, an. Sie zeigen die wahre Persönlichkeit der Stars. Ihre Verletzlichkeit und Hingabe, aber auch ihre Ausdruckskraft und Spontanität.

Bei 1-2-3-4 von 1977 bis 2013 handelt es sich um eine Portraitauswahl verschiedener Musiker, für die Anton Corbijn 2015 mehr als 25.000 Kontaktabzüge (Wer diese nicht kennt: Auf jedem davon befinden sich jeweils 36 Bilder) durchsah. Anschließend scannte er die Negative und druckte sie mit einem Tintenstrahldrucker aus.

Teil II der Ausstellung

Der zweite Teil der Ausstellung befindet sich im ersten Obergeschoss des Kunst Forums. Gezeigt werden hier zwei Serien: Für CEMETERIES fotografierte Corbijn zwischen 1982 und 1983 Friedhöfe in Italien, Frankreich und Österreich.

Für A.SOMEBODY setzte der Fotograf sich selbst in Szene. Zunächst auf in seinem Geburtsort aufgenommenen Farbfotografien, dann im Outfit bereits verstorbener Lieblingsmusiker aus seiner Jugendzeit. Auf manchen dieser Bilder sieht der Bildkünstler seinen Idolen täuschend ähnlich.

Anton Johannes Gerrit Corbijn von Willenward kam am 20. Mai 1955 im Niederländischen Strijn zur Welt. Als er 19 Jahre alt war, folgte der Sohn eines Pfarrers seiner Berufung und wurde Fotograf. Zu besonderer Berühmtheit gelangte er durch seine Aufnahmen von Künstlern und Bands wie Henry Rollins, Joy Division, U2, Nick Cave, Tom Waits und Trent Reznor von Nine Inch Nails.

Ian Curtis und Kurt Cobain

Einige davon zählen zu seinen engsten Freunden. Neben seiner Arbeit als Fotograf ist er auch als Regisseur tätig. Gemeinsam mit Nirvana nahm er kurz vor Kurt Cobains Tod das legendäre HEART SHAPED BOX Video auf, wofür ihm der MTV Music Award verliehen wurde.

Im Januar 2008 lief sein erster abendfüllender Spielfilm CONTROL in den Kinos an, in dem es um den verstorbenen Joy Division Sänger Ian Curtis geht.  Inzwischen hat er vier weitere Kinofilme (2009 – LINEAR, 2010 – THE AMERICAN, 2014 – A MOST WANTED MAN, 2015 – LIFE) geschaffen. Auch die Kurzfilme SOME YOYO STUFF und KLEINSTERKÜRZESTER FILM stammen von ihm.

Außerdem gibt es inzwischen 15 Bücher sowie unzählige Musikvideos. Depeche Mode, Echo And The Bunny Men, Joni Mitchell, Peter Gabriel, Rainbirds, Joy Division, Nick Cave, Metallica, Red Hot Chili Peppers, U2, At The Drive In und natürlich Nirvana sind nur einige der Größen, mit denen er in diesem Bereich bereits zusammengearbeitet hat.

Zwar habe ich bei der Ausstellung zahlreiche Aufnahmen der berühmten Fotografien gemacht, jedoch verzichte ich an dieser Stelle darauf, sie zu veröffentlichen. Das hat natürlich den Grund, dass der Rechteinhaber Anton Corbijn schwer zu erreichen ist und sicher anderes zu tun hat, als Fotos von kleinen BloggerInnen freizugeben.

Fotografien von Fotografien

Außerdem möchte ich Euch aber natürlich auch neugierig machen. Ich lege jedem/r ans Herz, sich diese ganz besondere Ausstellung auch mal anzuschauen. Die Anreise lohnt sich wirklich. Man bekommt einen tollen Einblick in das Gesamtwerk eines Ausnahmekünstlers, der einige sehr berühmte Menschen in ganz privaten Momenten aufgenommen hat. Und Fotografien von Fotografien? Wer weiß, ob das wirklich Sinn gemacht hätte. Man sollte wirklich lieber das Original auf sich wirken lassen.

Bei der Illustrierung dieses Artikels beschränke ich mich auf ein Portrait von mir, auf dem auch ein Ausschnitt eines Fotos, welches Anton Corbijn von Trent Reznor gemacht hat, zu sehen ist. Darauf, mich mit ihm ablichten zu lassen, konnte ich einfach nicht verzichten. Vielen Dank übrigens an das Bucerius Kunst Forum für die Zurverfügungstellung des Pressematerials. Auch hier verzichte ich nach langem Hin- und Herüberlegen auf den Einsatz der Fotos, da diese verständlicherweise nur während der Laufzeit der Ausstellung frei verwendet werden können und wie alle Artikel in meinem Blog, soll auch dieser hier von Dauer sein. Besonders natürlich, weil es sich darin alles um eine ganz besondere Persönlichkeit dreht.

Karten für die Anton Corbijn Ausstellung kosten zwischen sechs (Kinder) und neun Euro (Erwachsene).

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Quellen: Bucerius Kunst Forum, Wikipedia