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    Voodoo Beach – "Wonderful Life"

    Melodischer Post-Punk & Noise aus Berlin

    Review von Anne
    12.10.2023 — Lesezeit: 2 min
    Voodoo Beach – "Wonderful Life"
    Bild/Picture: © Voodoo Beach

    "Wonderful Life" heißt das neue Album von Voodoo Beach. Sängerin und Gitarristin Heike Marie Rädeker überzeugt die ihrem einfühlsamen Gesang auf ganzer Linie. Die Platte ist zeitlos, genial und wunderbar verspielt. Die ersten Vorauskopplungen könnt Ihr jetzt schon hören.

    "Alles, was mir lieb und teuer ist, unter einem Dach. Ich träume nie das Gleiche zweimal, da bleib ich lieber wach..."

    Die Lyrics, mit denen dieses Knalleralbum losgeht, erinnern mich stark an Bands, die ich in Ende der 1990ern und Anfang der 2000er sehr geliebt habe und ich feiere das gerade ziemlich. Voodoo Beach haben mit "Iconic Life" ein Manifest für unsere Zeit hingelegt, das ich ohne Probleme in Schleife hören kann und das ist mir mit Deutsch betexteter Musik schon lange nicht mehr passiert.

    Neben den insgesamt ziemlich großartigen Texten hat "Wonderful Life" auch klanglich so einiges zu bieten. Hier geht es nicht darum, die Hörenden sofort mit einem Beat zu verhaften und möglichst eingängig, möglichst schnell ins Ohr zu gehen.

    Beim Hören merkt man, dass die Musiker*innen beim Komponieren der neun Stücke Wert auf Spannungsbögen und Storytelling gelegt haben. Ihre kreative Herangehensweise ist voll und ganz aufgegangen und hat zu einem bunten Kunstwerk für die Ohren geführt.

    Falls Euch der Name Voodoo Beach bislang noch nichts sagt: Merkt ihn Euch auf jeden Fall. Die Berliner Band gibt es bereits seit einigen Jahren — in unterschiedlichen Besetzungen. Die Basis bilden dabei schon seit Beginn Schlagzeugerin Josephine Oleak und Bassist John-H. Karsten. Auf ihr stabiles Fundament kann sich Sängerin und Gitarristen Heike Marie Rädeker verlassen.

    Das Trio hat für die Platte bereits vorhandene Songs neu arrangiert und neue hinzugefügt. Heike hat dabei ihren eigenen, verspielten Stil miteingebracht und fügt damit dem I sein Tüpfelchen hinzu.

    Wer sich im Genre bewegt, kennt Heike möglicherweise noch als Bassistin von ihrem Projekt 18th Dye — damals sang sie noch auf Englisch.

    Bei ihrem Gitarrenspiel übernimmt sie heute Stilelemente aus dieser Zeit. So arbeitet sie, wie damals am Bass, viel mit Rückkopplungen. Ihr Spiel ist melodisch, rhyhtmisch und schön noisy.

    Im unten angefügten Klangbeispiel, dem für das Album namensgebenden siebten Song "Wonderful World" wechselt sich Heike mit John Moods ab. In dem Stück geht es um das menschliche Unvermögen, den drohenden Kollaps zu erkennen und aufzuhalten.

    Düstere Bilder dieser Art greift die Band auf "Wonderful World" immer wieder auf. Allerdings auf erfrischende Art und ohne dabei anzuklagen oder allzu grüblerisch rüberzukommen. Ich habe Euch als zweites Beispiel die Vorauskopplung "Die Hand" (Track 3) mit an diesen Artikel angehängt.

    Die mit freinem Humor servierten, finsteren Bilder gefallen mir vor allem beim vorletzten Song "Meine Seele" besonders gut. Verzerrter Bass und tief gestimmte Gitarre schieben sich hier zwischen den Gesang von Heike und John. Beides trägt diesen zauberhaften, leicht sarkastischen Anstrich, der dieses Album zu etwas ganz Besonderem macht.

    Einige würden vielleicht sagen, dass Voodoo Beach mit "Wonderful Life" den Noise Rock der 1990er zurückgeholt haben. Ob das stimmt, müsst Ihr selbst herausfinden. Wenn Ihr Bands wie The Cure, Sonic Youth, PJ Harvey, Bauhaus, Idles, Pixies, Butthole Surfers oder auch die Sterne und liebt, werdet Ihr hier Gefallen finden. Wenn das nicht der Fall ist, holen Euch Voodoo Beach mit ihrer markanten, fröhlich bis melancholischen Art ganz sicher dennoch ab.

    "Wonderful Life" von Voodoo Beach erscheint am 1. Dezember auf Crazysane Records. Zum Album Pre-Save geht es hier entlang.

    Voodoo Beach live

    Live on Stage könnt Ihr Voodoo Beach demnächst in den folgenden Clubs erleben:

    • 12.12.2023 Mainz – Schon schön
    • 13.12.2023 Köln – Bumann & Sohn
    • 14.12.2023 Freiburg – Slow Club
    • 15.12.2023 Ulm – Gold
    • 16.12.2023 Erfurt – Bandhaus

    Voodoo Beach – "Wonderful Life"

    Voodoo Beach – "Die Hand"

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