Cardamonchai Logo

cardamonchai.com

    Home Brewed Universe

    "Fear Of An Obtuse Earth"

    Interview von Anne
    03.01.2021 — Lesezeit: 6 min
    🇬🇧 Read English Version
    Home Brewed Universe

    Am 25. Januar wird Arka Sengupta aka Home Brewed Universe sein fünftes Album "Fear of an obtuse Earth" veröffentlichen. Während wir auf unsere Vorbestellungen warten, wird es Zeit für ein Interview mit dem in Indien beheimateten Multi-Instrumentalisten.

    Ich hatte die Möglichkeit, schon in ein paar der Songs vom neuen Album reinzuhören. Anschließend muss ich sagen, dass ich schon sehr gespannt darauf bin, auch den Rest davon kennenzulernen. Ich freue mich schon auf Ende Januar, wenn Arka das gesamte Werk enthüllen wird.

    Anne: Hi, Arka! Wie geht es Dir heute? Danke, dass Du mich um dieses Interview gebeten hast!

    Arka: Hi Anne! Mir geht es gut! Ich danke Dir für das Interview! Ich hoffe, Deine Leser⋆innen mögen meine Musik!

    Anne: Wie läuft es im Moment bei Euch in Indien? Bei Euch geht es ja mit Corona ziemlich zur Sache. Ich hoffe, Deiner Familie und Deinen Freund⋆innen geht es gut!

    Arka: Indien ist das Land, das nach den USA am härtesten von COVID-19 betroffen ist. Wir haben dieses Jahr wirklich eine harte Zeit durchlebt. Zum Glück ist niemand von meinen Freund⋆innen oder meiner Familie direkt betroffen. Wir können auch einen Rückgang der Zahlen beobachten und die Genesungsraten sind auch ziemlich gut. Es gibt also Hoffnung.

    "COVID-19 ist das wohl zentralste Thema unserer Zeit"

    "Fear Of An Obtuse World" – Home Brewed Universe"Fear Of An Obtuse World" – Home Brewed Universe

    Anne: Ich glaube, irgendwann sind Musiker⋆innen es satt, immer wieder Fragen zur COVID-Krise zu beantworten.  Ich entschuldige mich also schon mal vorab für diese hier. Hat sich Corona negativ auf Deine Arbeit ausgewirkt? Musstest Du zum Beispiel auf Live-Auftritte verzichten? Hattest Du dadurch mehr Zeit, Dich mit neuen Aufnahmen zu beschäftigen?

    Arka: COVID-19 ist wohl das zentralste Thema unserer Zeit. Mich langweilen derartige Fragen daher ganz und gar nicht. Ich bin immer froh, alles rund um diese Pandemie nach bestem Wissen und Gewissen zu beantworten. Was meine Arbeit betrifft, war ich dieses Jahr definitiv produktiver. Das hängt auch damit zusammen, dass ich die ganze Zeit von zu Hause aus arbeite und die Zeit, die sonst für die Pendelei zu meinem Job draufgeht meiner Musik widmen kann. Da ich ein reiner Studiomusiker bin und nie auf Tour gehe, hatte ich also Zeit umso mehr aufzunehmen.

    Anne: Ich muss mich noch bei Dir für die Sound-Beispiele bedanken, die Du mir geschickt hast. Sie sind wirklich toll und ich freue mich schon, bald das komplette Album zu hören. Bist Du schon komplett fertig damit?

    Arka: Tatsächlich habe ich die Arbeit für das Album bereits im Mai 2020 abgeschlossen. Das finale Mixing und Mastering hat eine Weile gedauert. Aber insgesamt war alles im August 2020 fertig.

    Anne: Es muss ziemlich cool sein, ein komplett fertiges Album in der Schublade zu haben. Freust Du Dich auf die Veröffentlichung am 25. Januar?

    "Ich freue mich sehr auf meine neue Veröffentlichung"

    Arka: Ja, ich freue mich sehr darauf. Ich habe mit diesem Album eine ganz neue musikalische Richtung eingeschlagen. Darum bin ich auch ein bisschen nervös, wie die Leute darauf reagieren werden.

    Anne: Du hast mir erzählt, dass "Fear of an obtuse Earth" von einem Menschen handelt, der in permanenter Angst lebt, seine Intelligenz zu verlieren, weil die moderne Technologie das Leben so bequem gemacht hat. Das ist ein großartiges Konzept für ein Album! Wie bist Du auf die Idee gekommen?

    Arka: Für "Fear of an obtuse Earth" habe ich mich von meinen persönlichen Erfahrungen inspirieren lassen. Es gab einen Punkt in meinem Leben, zu dem ich unter Depressionen, Angst und Paranoia litt. Während der ersten Phase der COVID-19-Pandemie in Indien verbreiteten sich Chaos und Fehlinformationen. Ich habe beobachtet, wie die Menschen auf die Krise reagieren und überlegt, ein Album zu machen, das davon handelt. So ist das Konzept für die Platte entstanden.

    Anne: Also haben Dich unter anderem auch Deine Erfahrungen während der Pandemie inspiriert, "Fear of an obtuse Earth" zu machen. Du hast mir erzählt, dass es so etwas wie eine Ode an eine Person ist, die Du heute nicht mehr bist. Möchtest Du mir erzählen, wer diese Person war?

    "Meine Familie hat mir sehr geholfen"

    Arka: Wie ich vorhin schon erwähnt habe, hatte ich mit psychischen Problemen zu kämpfen. Es war sehr schwer für mich aber ich habe es geschafft, zu einem gesunden Tagesablauf zurückzukehren. Das Album ist eine Laudatio an die Person, die ich war, als mein Leben noch von Ängsten, Depression und Paranoia geprägt war. Ich kann nicht mehr dieser Mensch sein. Mit der Hilfe meiner Familie habe ich es geschafft, die Schwierigkeiten zu überwinden und dieses alte Leben hinter mir zu lassen.

    Anne: Sollten wir uns Sorgen machen, dass moderne Technologien irgendwann unseren Platz einnehmen?

    Arka: Für mich ist Technik ein zweischneidiges Schwert. Je fortschrittlicher unsere Technik wird, umso einfacher wird das Leben für uns. Je einfacher unser Leben wird, umso weniger lernen wir als Menschen. Das ist es, für den Stillstand unserer Intelligenz sorgt. Um Deine Frage zu beantworten: Die Technologie kann unseren Platz einnehmen aber wir sollten uns immer daran erinnern, wie es früher war und versuchen, so viel wie möglich zu lernen. Nur so können wir es schaffen, eine natürliche Balance herzustellen.

    Anne: Post-Rock scheint die perfekte Möglichkeit zu sein, diese Message in Form von Musik zu transportieren. In der Vergangenheit hast Du auch schon Ausflüge in Prog und Metal gemacht. Gibt es auf "Fear of an obtuse Earth" auch Elemente dieser Genres?

    "Prog und Metal sind wichtig für mich"

    Arka: Ja. Eigentlich stecken mehr Elemente aus dem Prog und Metal in der Platte, als aus dem Post-Rock. Das Thema der Platte machte es nötig, sehr experimentell und heavy zu sein. Die Einflüsse aus Prog und Metal waren für mich also essenziell.

    Anne: Mit wem hast Du für "Fear of an obtuse Earth" zusammengearbeitet? Oder hast Du das Album ganz alleine gemacht?

    Arka: Home Brewed Universe ist tatsächlich ein komplettes One-Person-Project. Ich spiele alle Instrumente, nehme auf, kümmere mich um das Mixing und Mastering, gestalte die Grafiken und das Artwork und mache die PR und das Marketing. Es bündelt quasi alle Skills, die ich mir über die Jahre angeeignet habe.

    Anne: Ich habe gehört, dass Du in der Vergangenheit mit einigen talentierten Künstler⋆innen zusammengearbeitet hast. Gibt es welche, die Du gerne besonders erwähnen möchtest?

    "Ich habe gerne mit Jo Quail zusammengearbeitet"

    Home Brewed Universe

    Arka: Ich würde hier gerne Cousin Silas und Jo Quail erwähnen. Sie haben mein musikalisches Empfinden ganz entscheidend geprägt.

    Anne: Du hattest im September die Ehre mit Jo Quail zusammenzuarbeiten. Wie war es mit ihr Musik zu machen? Als große Bewunderin ihrer Musik würde ich gerne mehr erfahren!

    Arka: Jo ist absolut professionell und ein sehr freundlicher, netter Mensch. Es hat alles damit angefangen, dass Jo Anfragen an verschiedene Musiker⋆innen verschickt hat, die Samples für ihren Track "The Parados Cairn" besteuern sollten. Ich war einer der Glücklichen, die sie angeschrieben hatte. Einen Monat später habe ich sie darum gebeten, einen einzelnen Track mit mir zu machen. Zu meiner Freude und Überraschung sagte sie zu. So ist das Stück "Hikikomori" entstanden.

    Anne: Habt Ihr "Hikikomori" remote aufgenommen oder hast Du sie getroffen?

    "Ich arbeite gerne alleine"

    Arka: Wir mussten remote arbeiten, da sie in England ist und ich in Indien. Aber mit all der Technik, die uns heutzutage zur Verfügung steht, ist es kein Problem mehr, Musik gemeinsam aufzunehmen, obwohl man sich an unterschiedlichen Orten auf der Erde befindet.

    Anne: Remote Recording wird immer beliebter. Nicht nur durch die COVID-Krise. Arbeitest Du gerne auf diese Art?

    Arka: Da ich ein Solo-Künstler bin, arbeite ich gerne alleine. Ich habe ein Heimstudio mit modernem Equipment. Für mich ist es das Schlaraffenland der Musik. Falls Du mal in Indien bist, musst Du es Dir unbedingt anschauen.

    Anne: Du hast Dir selbst beigebracht, Instrumente wie Klavier und Gitarre zu spielen. Gratulation zu so viel Disziplin! Wie hast Du es geschafft, das durchzuziehen? Was ist das Geheimnis effektiver Autodidaktik?

    "Der permanente Durst nach Wissen ist das Geheimnis effektiven Selbstunterrichts"

    Arka: Ich spiele Klavier, Gitarre, Bass und Schlagzeug. Außerdem kann ich ziemlich gut mit Synthesizer-Modulationen umgehen. Ich habe gelernt, diese Instrumente zu spielen, weil ich immer ein Musiker sein wollte, der alles alleine machen kann. Ich wollte nicht von der Arbeit anderer abhängig sein. Darum habe ich mir einfach alles, was mit Musik zu tun hat, beigebracht. Der Rest ist Geschichte. Das Geheimnis effektiven Selbstunterrichts ist für mich der permanente Durst nach Wissen und die Fähigkeit, das Erlernte im richtigen Moment anzuwenden.

    Anne: "Fear of an obtuse Earth" ist bereits Dein fünftes Album. Wann hast Du angefangen, Musik zu machen?

    Arka: Home Brewed Universe habe ich 2018 gegründet. Es war eine Art Nebenprojekt meines damaligen Alias Mixtaped Monk (Ambient/Post-Rock) während einer frühen Phase dieses Projekts. Musikalisch ist Home Brewed Universe inzwischen zu meinem Hauptanliegen geworden.

    Anne: Nach Deiner Album-Veröffentlichung im Januar: Was steht als Nächstes auf dem Plan für Home Brewed Universe? Wird es weitere magische Kooperationen geben wie die mit Jo?

    "Ich plane ein neues Ambient-Album aufzunehmen"

    Arka: Ich arbeite gerade mit Mason Van Krayenburg von Three White Doves (US) an etwas. Mal sehen, wann das fertig wird. Ich habe außerdem auch den Plan ein neues Ambient-Album für mein Mixtaped Monk Projekt aufzunehmen.

    Anne: Vielen Dank für dieses Interview! Ich das Gespräch sehr genossen und es hat mich gefreut, Dich kennenzulernen! Lass uns auf jeden Fall in Kontakt bleiben. Alles Gute für Dich! Bleib gesund und einen guten Start ins neue Jahr!

    Arka: Es hat mir auch Spaß gemacht, mit Dir zu reden! Das waren einige aufschlussreiche und tiefgründige Fragen. Vielen Dank für die Einladung!

    Ihr könnte das neue Home Brewed Universe Album hier vorbestellen.

    © 2021 · cardamonchai.com · Rock 'n' Roll vegan.