Seit genau 10 Jahren blogge ich jetzt auf dieser meiner Seite. Schon zuvor hatte ich Texte zum Beispiel auf Plattformen wie myspace ins Netz gestellt und mich mit der Materie beschäftigt, mich sozusagen ein bisschen „eingegroovt“. 2008 ging dann cardamonchai an den Start. Mein persönlicher Blog feiert also dieses Jahr sein Jubiläum und ich mit ihm.

In den 10 Jahren hat sich in der Bloggerszene einiges getan und verändert. Zum Guten und zum Negativen. Zu Anfang waren die persönlichen „Tagebuchblogs“ das Größte, später kam Foto- und Reiseblogs dazu. Inzwischen sind die Influencerblogs ganz groß, jeden Tag poppen neue Seiten von Mädchen und Jungs auf die „vorher auf Instagram ganz große Nummern waren“ und jetzt vor dem neuen Algorithmus flüchten, weil dieser die „organische Reichweite versaut“.

Überall schießen neue Ratgeberblogs aus dem digitalen Boden: „Wie Du in drei Schritten einen Blog aufbaust“, „Vergiss Instagram, bloggen ist der heiße Scheiß“ und „Mit einem Blog Geld verdienen von Anfang an“. Wo diese neue Szene herkommt und wer diesen Hype ausgelöst hat? Ich weiß es nicht. Irgendwie hoffe ich auch ein Bisschen darauf, dass er genauso wieder verschwindet, wie die Plastik-Schnullis in den 90ern und die Bubble Tea Läden vor ein paar Jahren.

Self Made Menschen, Ruhm und Geld

JubiläumSo sehr ich diesen Self Made Menschen und „Entrepreneurs“, wie sie sich gerne selbst nennen, ihren Ruhm und ihr Geld, gönne: Das war es nicht, worauf es ursprünglich beim Bloggen ankam. Ein Blog war eine Möglichkeit, sich selbst zu entfalten, seine Meinung kundzutun und die eigene Kreativität zu entdecken. Niemand sprach von Reichweite oder gar Geld verdienen. Instagram gab es noch gar nicht.

Seit ein paar Jahren stelle ich selbst jetzt in meinem Blog immer wieder Firmen vor, die ich selbst toll und unterstützenswert finde. Dabei geht es mir aber in erster Linie darum, zu zeigen, dass es eben auch anders geht. Ohne Tierversuche. Ohne viel Verpackung. Selbst gemacht und mit Sinn für Nachhaltigkeit. Keine Frage: Auch ich bin glücklich darüber, dass auf diesem Wege auch mal der ein oder andere Euro reinkommt. Aber ganz klar von Tag eins an zu sagen: Ich mache das Ding nur, wenn der Rubel rollt: Das ist etwas, was ich mir beim Bloggen nicht vorstellen kann.

Für mich ist mein Blog meine Leidenschaft. Mein Baby. In meiner Seite steckt mein Herzblut, meine Kreativität, meine Freizeit, meine Liebe, meine Seele und meine Persönlichkeit. Sie hat sich mit mir entwickelt und ich mich mit ihr. Sie hat genau wie ich die einen Trends erlebt und mitgemacht und die anderen ausgelassen. Und auch, wenn die Ausrichtung heute vielleicht ein kleines Bisschen anders ist, als noch 2008, ist sie eines immer geblieben: Sich selbst treu.

Ich werde immer schreiben!

Eines kann ich von mir ganz klar sagen: Auch wenn ich eines Tages keine Besucher mehr auf meinem Blog haben werde und keiner mich mehr fragt, ob ich vielleicht sein neues Produkt vorstellen möchte: Ich werde weiterschreiben. Ich tue es, seit ich einen Stift halten kann und ich werde es immer tun. Ob mit Aufmerksamkeit und manchmal gegen Bezahlung oder ohne. Für mich ist es Berufung, Beruf, Hobby und Leidenschaft. Wenn ich nur ein Blatt Papier und einen Bleistift finde, schreibe ich genauso, wie wenn mir ein Hochleistungsrechner mit allem Zip und Zap und das modernste Content Management System unter der Sonne zur Verfügung steht.

Doch zurück zur Bestandsaufnahme. Noch ein weiterer, sehr positiver Trend zeichnet sich in den letzten Jahren ab: Blogs werden wichtiger. Sie gewinnen an Bedeutung und werden ernster genommen. Und das nicht nur von der Werbe- und Marketingwelt, wie im vorangehenden Beispiel eingehend beschrieben. Blogs dienen als Sprachrohr für politisch Verfolgte und Wissenschaftler. Sie bieten jungen Autoren ihre erste Plattform und Fotografen eine Möglichkeit ihre Bilder zu präsentieren. Sie verbreiten Nachrichten und Meinungen, bilden Stimmungen ab und zeigen Momentaufnahmen. Sie werden in den Nachrichten zitiert und als Medium wahrgenommen.

Auch technisch hat sich so einiges getan. Heute ist es leichter als je zuvor, selbst mit geringen Vorkenntnissen selbst eine Seite aufzubauen. An jeder Straßenecke werden einem Instant-Lösungen angeboten, man muss sich nur anmelden und schon kann man auf einer stylischen Page losbloggen.

Von der Tagwolke zum modernen Blog

JubiläumFrüher bedeutete es echte Frickelei, wenn man einen Blog starten wollte. Man probierte rum, machte Fehler, probierte sich aus, testete Funktionen aus und hatte zum Schluss eine wahlweise grau-beige oder grün-violett-blinkende Webseite, auf die man unglaublich stolz war. Mit Seitenleiste bis in den Keller, Tagwolke und Blogroll.

Heute ist das anders. Schon in der Schule kann man programmieren lernen und in Zeiten von Smartphones, Snapchat und Vero gibt es niemanden mehr, der sich noch nicht mit Social Media und Sharing-Optionen auseinandergesetzt hat. Früher hat man auf Twitter mitgelesen. Heute werden Beiträge über sechzehn verschiedene Kanäle geteilt und jeder kann dabei sein, wenn er möchte.

Ich selbst begrüße diese Entwicklung sehr. Von Yahoo und myspace über Lokalisten und jetzt.de und die Anfänge von Facebook bis hin zu Ello, Medium und Snapchat und seit neuestem auch Vero: Ich habe alles ausprobiert, getestet und mit Feuereifer aufgesaugt. Neue Online-Plattformen faszinieren mich schon immer und ich bin schon gespannt, wann das rundum perfekte Social Network das Licht der Welt erblickt, mit dem alle zufrieden sind.

Auf dem man seinen Blog promoten und Werbung machen darf, man aber selbst keine Werbung sieht. Auf dem man alles von jedem mitbekommt, man aber selbst mit Diskretion behandelt wird. Das die Fotos nicht runterrechnet, aber in Sekundenschnelle lädt. Auf dem man nur 140 Zeichen verwenden darf, aber Romane veröffentlichen kann. Die eierlegende Social Media Wollmilchsau.

Mein Blog hat in den 10 Jahren einige Phasen durchlaufen. Zu Beginn habe ich mich noch ein Bisschen ausprobiert und beispielsweise über verschiedene Orte berichtet. Was von Anfang an dabei war, sind meine Interviews, die ich immer wieder mit interessanten Persönlichkeiten, die mir über den Weg laufen führen.

Jubiläum – Auf die nächsten 10 Jahre!

Anfangs noch von mehr Tagebuchseiten und anderen persönlichen Geschichten durchwirkt, bewegte sich die Ausrichtung meiner Seite nach und nach immer mehr in eine feste Richtung. Ein Nischenblog ist cardamonchai dennoch auch heute nicht. Der Fokus liegt inzwischen auf den Schwerpunkten „vegan„, „Musik„, „Nachhaltigkeit„, „Reisen“ und „Hamburg„. Trotzdem scheue ich mich nicht davor, auch mal ein komplett anderes Thema dazwischen zu schieben, wenn es mir wichtig erscheint.

Genau das ist es für mich auch, was das Bloggen ausmacht: Du bist Dein Blog und Dein Blog bist Du. Sich auf ein Thema allein festzulegen, das wäre einfach nicht ich. Ich interessiere mich für viele Bereiche und das bringe ich auf meiner Seite zum Ausdruck. Von Interviews über Brotrezepte bis hin zu Reiseberichten werdet Ihr also auch in Zukunft so ziemlich alles hier finden.

In diesem Sinne: Auf die nächsten 10 Jahre!

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