„Wir möchten etwas Gutes tun, keinen Benz kaufen“

VegablumWas genau Vonig ist und wie der vegane Honig hergestellt wird, habe ich Euch vor Kurzem schon verraten. Jetzt habe ich mich mit der Gründerin der veganen Manufaktur Vegablum zum Interview verabredet.

Weil mein Artikel über Dannys Produkte so gut angekommen ist und auch ich gerne noch mehr über Vonig und VET (Veganer ElfenTrunk) erfahren möchte, habe ich mich entschieden, sie um ein Interview zu bitten. Sie hat zugesagt und wie Ihr Euch vielleicht schon vorstellen könnt, habe ich sie nicht nur über ihre Arbeit befragt.

Anne: Hallo Danny! Wie geht es Dir? Wie war Dein Tag bis jetzt?

Danny: Hallo Anne, vielen Dank erstmal für die tolle Idee mit dem Interview. Bisher war mein Tag recht entspannt. Über die Ostertage kommen nicht so viele E-Mails rein, aber etwas gibt es natürlich immer zu tun. Zum Beispiel die vielen Bestellungen versandfertig machen, Facebook-Werbung machen und Firmen anschreiben.

Anne: Du stellst ja unter anderem auch zahlreiche saisonale Produkte her. Woran arbeitest Du gerade?

„Derzeit wird der Rhabarber-Likör angesetzt“

VegablumDanny: Ich bin mit sehr vielen saisonalen Produkten gestartet, das stimmt. Mittlerweile biete ich zumindest die Vonig-Sorten alle auch ganzjährig an. Bei Vegablum ist so viel Bewegung drin. Es gibt immer wieder neue Ideen, die umgesetzt werden. Beim Likör wird es weiterhin so bleiben, dass wir soweit wie möglich das Obst aus der Region einsetzen. Da jetzt die Rhabarberzeit begonnen hat, wird derzeit der Rhabarber-Likör angesetzt.

Anne: Du hast Vegablum im Oktober 2015 in Meerbusch gegründet. Ist das Deine Heimat?

Danny: Nein, eine Heimat habe ich in dem Sinne nicht, ich war schon überall und nirgends. Unter anderem habe ich auch schon fünf Jahre in Irland und sechs Monate in Australien gelebt.

Anne: Wie bist Du auf die Idee gekommen, veganen Honig und Met herzustellen?

Danny: Einerseits habe ich den Met vermisst. Den habe ich immer super gerne getrunken, gerade auf Mittelalter-Märkten beim Lagern. Der fiel ja durch meine Umstellung auf vegan weg, also habe ich mich schlau gemacht. Als erstes musste eine vegane Honig-Alternative her. Irgendwann bin ich auf Löwenzahnhonig gestoßen. Von da an nahm alles seinen Lauf. Wir haben viel herumexperimentiert und verschiedene Sorten entwickelt. Als der Vonig dann fertig war, haben wir daraus den VET produziert.

Weitere wichtige Punkte sind das Bienensterben und die Massenproduktion von Honig. Das wird ein immer größeres Thema, das man nicht außer Acht lassen sollte. Durch unsere Produkte können wir die Menschen gleich an unseren Ständen darüber aufklären und zum Nachdenken anregen.

Danny lebt seit vier Jahren vegan

VegablumAnne: Du lebst seit vier Jahren vegan. Vor Kurzem war Dein Jubiläum. Herzlichen Glückwunsch dazu! Wie kam es bei Dir zu der Umstellung? Was war der Auslöser?

Danny: Vielen Dank! Ausgelöst haben das einfach die vielen Informationen auf Facebook, Videos, Reportagen, die Freunde geteilt haben. Ich begann zu recherchieren und konnte es einfach nicht mit meinem Gewissen vereinbaren, trotz all des Wissens weiter tierische Produkte zu konsumieren.

Anne: Hast Du Dich vorher vegetarisch ernährt?

Danny: Nein, halbe Sachen mache ich nicht (lacht).

Anne: Hast Du inzwischen Mitarbeiter bei Vegablum, oder machst Du immer noch alles komplett in Eigenregie?

„Wir haben ein Netzwerk aus Manufakturen“

Danny: Mein Freund Stephan hilft mir sehr viel beim Verpacken, beim Lager, bei den Veranstaltungen und unterstützt mich bei fast allem. Alleine würde es gar nicht funktionieren. Unser Freund Heino macht die Akquise für uns.

Hinzukommt ein kleines Netzwerk aus anderen Manufakturen und Veganer/innen. In der veganen Szene hilft man sich ja immer untereinander. Wir haben alle das gleiche Ziel, das ist wirklich schön. André von der Veganica Bio-Manufaktur ist zum Beispiel Fotograf und hilft uns dabei, unsere vielen Produkte zu fotografieren und auch sonst stehen uns er und seine Frau Nicole immer zur Seite. Das kleine Lädchen Die Kichererbse in Stuttgart unterstützt uns fleißig bei der Werbung. Ich könnte das unendlich fortführen und ich bin froh, dass wir soviel Zuspruch bekommen.

Anne: Was steckt alles drin im Vonig?

Danny: Apfelsaft, Wasser oder Blüten-Auszug und Zucker sowie verschiedene Gewürze wie zum Beispiel Ceylon-Zimt oder Bourbon-Vanille.

Anne: Woher beziehst Du Deine Zutaten?

Zutaten in Bio-Qualität

Danny: Das Obst, sprich, die Kirschen, Erdbeeren und Apfelsaft, kaufen wir, wie schon angesprochen, soweit es geht aus der Region. Die Blüten pflücke ich nicht mehr selbst. Das wäre auch gar nicht möglich, wenn ich irgendwann mal wirklich von der Firma leben möchte. Ich beziehe sie zusammen mit den Gewürzen in Bio-Qualität.

Anne: Ihr selbst habt aber noch keine Bio-Zertifizierung?

Danny: Nein, das konnten wir bisher finanziell und technisch nicht realisieren. Es ist aber für die Zukunft auf jeden Fall geplant, schon allein um weitere Absatzmöglichkeiten zu haben.

Anne: Du liebst Mittelaltermärkte und -Feste. Daher kommt ja auch Dein Bezug zum Met. Besuchst Du regelmäßig welche?

Danny: Ja genau. Früher bin ich dort sehr gerne und häufig hingegangen, heute nicht mehr so oft. Als ich dann vegan wurde, war es anfangs auch unangenehm, das ganze Fleisch und die Felle zu riechen. Mittlerweile hält aber auch dort langsam der Veganismus Einzug. Es gibt zum Beispiel vegane Falafelstände und hoffentlich auch bald unseren VET.

Anne: Wie kommt es, dass eine derart dunkle Zeit wie das Mittelalter heute so eine große Faszination auf viele Menschen ausübt?

„Am Lagerfeuer herrscht entspannte Stimmung“

VegablumDanny: Ich weiß nicht, ob es auf den Märkten wirklich so zugeht, wie zu früheren Zeiten. Dort herrscht einfach eine entspannte Atmosphäre. Es gibt viele Lagerfeuer, es wird gesungen und alle kommen gut miteinander aus. Außerdem denke ich, es ist einfach immer spannend, etwas über die Vergangenheit zu erfahren. Wie haben unsere Vorfahren gelebt? Wie konnte sich die Menschheit in so eine schreckliche Richtung entwickeln?

Anne: Wenn Du auf einen Mittelaltermarkt gehst, bis Du dann auch gewandet?

Danny: Seitdem ich vegan lebe, mit ein paar Freunden den Verein Veganice e.V. gegründet habe und dann auch noch die Firma dazu kam, habe ich kaum noch Zeit auf Mittelaltermärkte zu gehen. Früher beim Lagern habe ich Gewandung getragen. Das habe ich auch als Besucherin hin und wieder gemacht, dann gab es ermäßigten Eintritt.

Anne: In den Gewändern und Accessoires stecken ja gerne mal tierische Bestandteile wie Leder, Fell oder Federn. Wie gehst Du damit um? Schneiderst Du einfach alles selbst?

Danny: Scheidern? Nein, sowas kann ich nicht (lacht). Wenn die Saison jetzt wieder losgeht, werde ich nach Alternativen suchen, die Kleidung selbst besteht ja meist aus Leinen, es ist oft eben nur das Zubehör, das dann aus Leder, Fell oder Horn ist. Hier ist sicher noch Bedarf für vegane Alternativen. Das ist definitiv eine Marktlücke.

Anne: Beschäftigst Du Dich inzwischen hauptberuflich mit Deinem Geschäft, oder hast Du noch ein zweites Standbein?

Danny: Ja, das füllt meinen Tag komplett aus, ich bräuchte eher noch mehr Zeit!

Anne: Hast Du eine Lieblingsband?

Rock und Gothik

Vegablum

Tierschutz ist Danny besonders wichtig

Danny: Blutengel, aber musiktechnisch höre ich von Rock über Gothic sehr viel.

Anne: Warum ist es Dir so wichtig, dass Lebensmittel und Pflegeprodukte nicht nur vegan und frei von Tierversuchen, sondern zudem auch noch Palmöl-frei sind?

Danny: Dass für Palmöl Regenwälder abgeholzt und Tiere und Menschen vertrieben werden, ist ja schon seit einiger Zeit bekannt und das wollen wir einfach nicht unterstützen.

Anne: Sehr gut. Vervollständige diesen Satz: „Die Zukunft ist vegan, weil…“

Danny: „…es sonst keine Zukunft gibt.“

Anne: Wie lautet Dein Motto?

Danny: Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.

Anne: Welches ist Deine liebste VET- beziehungsweise Deine liebste Vonig-Sorte?

Danny: Das ist schwer zu sagen, weil sie sind ja alle superlecker sind. Wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich sagen VET Vanille und Vonig Löwenzahn-Vanille.

Anne: Bis jetzt gibt aus dem Hause Vegablum, Vonig, VET und verschiedene leckere Likörchen. Wie sehen die Pläne für die Zukunft aus? Wird es weitere Produkte geben?

„Wir wollen ein umfassendes Sortiment anbieten“

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Danny, Stephan und Heino – Die fleißigen Blümchen von Vegablum

Danny: Es gibt außerdem auch noch Fruchtaufstrich aus unserem Apfelsaft. Wir wollen ein umfassendes Sortiment anbieten. Das schließt auch mit ein, dass wir mit anderen kleinen veganen Manufakturen zusammen arbeiten und deren Produkte in unseren Shop aufnehmen möchten.

Außerdem möchten wir natürlich wachsen und noch weiter raus gehen in die Läden und Supermärkte. Wir möchten unsere leckeren Produkte einfach für alle Menschen zugänglich machen. Der Markt für vegane Honig- und Met-Alternativen ist noch ein sehr kleiner Nischenmarkt. Das große Geld werde ich damit nicht machen, das will ich auch gar nicht. Es soll aber zum Leben und um unsere befreundeten Lebenshöfe zu unterstützen, reichen. Wir möchten etwas Gutes tun, keinen Benz kaufen (grinst). Daher sind wir derzeit auch auf der Suche nach Investoren. Wir möchten eine größere Manufaktur hochziehen, um mehr produzieren zu können.

Anne: Auf welche Weise setzt sich Vegablum für den Tierschutz ein?

10 Prozent der Vegablum-Verkaufserlöse gehen an Lebenshöfe

Danny: 10 Prozent aller Verkaufserlöse spenden wir an zwei befreundete Lebenshöfe. Das Tier Refugium Wegberg* und den Lebenshof El Kotti*. Unsere Freunde dort leben selbst vegan und geben den Tieren ein gutes Zuhause. Viel ist es noch nicht, aber ich versuche mich so zu engagieren, soweit es meine Zeit zulässt. So bin ich zum Beispiel früher oft auf Demos und Mahnwachen unterwegs gewesen. Mit Vegablum stehen wir bald wieder beim Tier Refugium Wegberg auf einem Sommerfest. Ein Teil der Einnahmen wird dann direkt gespendet.

Anne: Verrätst Du mir ein Rezept?

Danny: BBQ Sauce mit Vonig ist toll. Das Rezept und viele andere findest Du auf unserer Homepage*. Wenn du mal Lust hast, ein Rezept mit Vonig zu kreieren, nehmen wir das gerne auch auf.

Anne: Das klingt interessant! Und wie lautet Dein Rezept für Deine gute Laune?

Danny: Dafür gibt es eigentlich kein Rezept. Ich versuche, mich nicht von all dem Elend in der Welt herunterziehen lassen, sondern mich darauf konzentrieren, etwas zu ändern. Wenn man wieder Menschen von der veganen Lebensweise begeistern konnte, wenn Menschen unsere Produkte toll finden, das macht schon gute Laune.

Anne: Vielen Dank für das interessante Interview und für Deine Zeit! Es hat mir großen Spaß gemacht! Ich hoffe, wir bleiben in Kontakt! Melde Dich auf jeden Fall, sobald es etwas Neues gibt!

Danny: Ja das mache ich gerne, lieben Dank für das tolle Gespräch, ich wünsche dir auch weiterhin noch viel Erfolg mit deinem Blog!

Fußnoten