Seehundstation FriedrichskoogIch hatte Euch ja etwas Besonderes versprochen. Heute zeige ich Euch, was damit gemeint war. Wir haben am Ostermontag neben Büsum auch noch die Seehundstation in Friedrichkoog besucht.

Ich hatte meine Kamera dabei und habe ein paar Aufnahmen gemacht. Mit dem Teleobjektiv sind mir sogar ein paar Bilder von den Heulern gelungen, die zu ihrem Schutz in den hinteren Becken untergebracht sind. Die komplette Galerie findet Ihr wie immer unter dem Artikel.

So glücklich, wie ihre erwachsenen Artgenossen aussehen, wenn sie durch das Wasser gleiten, so traurig wirken diese verlorenen Tierkinder. Sie wurden im Watt gefunden. Ohne ihre Eltern, die sie verloren haben, haben die jungen Seehunde und Robben im Watt keine Überlebenschance.

Die Seehundstation Friedrichskoog rettet Leben

Seehundstation FriedrichskoogDie Unterkunft in der Seehundstation Friedrichskoog ist daher lebensrettend für sie. Wann immer eine Heuler gefunden wird, verständigt der Tierschutz die Station, wo man sich dann liebevoll um den Zuwachs kümmert und geduldig versucht, ihn aufzupeppeln.

Um die Station zu finanzieren, finden täglich Führungen statt und gegen Eintritt hat man freien Zugang auf einen Teil des Geländes. Derzeit leben acht junge Kegelrobben und drei junge Seehunde in der Seehundstation Friedrichskoog.

Normalerweise werden die Tiere nach einiger Zeit wieder ausgewildert. Bei ein paar Bewohnern ist das anders. Sie wurden in Gefangenschaft geboren und kamen später in die Station oder sind krank und daher wäre ein Überleben in freier Wildbahn für sie nicht möglich.

Deern und Juris sind Langzeitbewohner der Station

Seehundstation FriedrichskoogSeehundweibchen Deern ist beispielsweise seit 1985 in Friedrichskoog. Man erkennt sie an ihrem dunklen, gefleckten Fell, auf der Stirn hat sie einen weißen Streifen. Sie schläft besonders gerne stehend im Wasser, was Besucher und Pfleger gleichermaßen fasziniert.

Kegelrobbe Nemirseta wurde schwach und abgemagert bei Nemirseta an der Ostsee gefunden. Zunächst wurde sie im litauischen Meeresmuseum gepflegt. Man  konnte sie nicht auswildern, da sie sich nicht selbstständig mit Futter versorgen kann und kam daher nach Friedrichskoog, wo sie heute auf den Namen Nemi hört.

Auch Kegelrobbe Juris stammt aus Litauen. Er wurde im dortigen Meeresmuseum geboren und lebt seit 2006 in der Seehundstation Friedrichskoog. Er ist ein lauter Geselle und macht sofort auf sich aufmerksam, wenn er Hunger hat.

Mareike wurde im Hamburger Hafen gefunden

Seehundstation FriedrichskoogDie Seehündin Mareike wurde 2002 im Hamburger Hafen gefunden. Sie hatte eine Verletzung, wegen der ihr an der linken Vorderflosse eine Kralle entfernt werden musste. Sie hat eine etwas längere Schnauze und ein paar leichte Streifen im Gesicht.

Die Seehunde Hein und Lilli wurden sogar in Friedrichskoog geboren. Hein erblickte 1997 das Licht der Welt. Er blubbert gerne im Wasser oder imitiert ein Nebelhorn. Sein Kopf ist rund und dunkel, ihr könnt ihn auf meinen Fotos gut erkennen. Lilli ist die Aktivste, sie tobt gerne herum. Das quirlige Weibchen wurde 2003 geboren. Sie hat einen weißen Fleck auf der Nase.

Soviel zu den Bewohnern der Station. Wie schon im letzten Posting erwähnt, hatten wir am Tag unseres Besuchs das schönste Nordseewetter, auf einigen Bildern könnt Ihr den Regen auf der Wasseroberfläche sehen.

Ihr wisst, wie ich über Tiere in Gefangenschaft denke. Bei der Seehundstation in Friedrichskoog handelt es sich jedoch nicht um einen Zoo, sondern um eine notwendige Einrichtung, die vielen Tieren das Leben rettet.

Seehundstation FriedrichskoogBesucher mit Kindern

Nur eine Sache stieß mir bei unserem Besuch sauer auf: Leider verhielten sich ein paar Familien mit Kindern sehr rücksichtslos den Tieren gegenüber. Im Gelände ist ein Glastunnel eingebaut. Wenn man durch ihn hindurchgeht, kann man die erwachsenen Tiere beim Schwimmen beobachten.

Im Tunnel steht auf mehreren Schildern, dass man sich aus Rücksicht vor den Seehunden und Robben leise verhalten soll. Was taten diese Menschen jedoch? Sie unterhielten sich nicht im Flüsterton, sondern schreibrüllend. Entschuldigt mein Unverständnis, aber ich bin der Meinung, dass man das einem Kind schon sehr gut erklären kann. Hilfreich ist es dabei natürlich auch, wenn man mit gutem Beispiel vorangeht. Außerdem ein sinnvoller Tipp für alle Eltern: Wenn mein Kind in einer Seehundstation ein Tier als „Delphin“ bezeichnet, erkläre ich ihm anschließend liebevoll, dass es sich bei dem im Wasser planschenden Lebewesen, nicht um einen solchen handelt. Aufregemodus aus

Ein Tunnel aus Glas

Seehundstation FriedrichskoogNatürlich stellt sich an dieser Stelle die Frage, ob ein Glastunnel überhaupt notwendig ist. Ich habe auch hin und her überlegt. Sicher ist es eine Attraktion und bringt auch Geld in die Kasse, welches wieder für die Pflege der Tiere eingesetzt werden kann. Doch sollte man die Menschen auch ein Bisschen mehr sensibilisieren.

Noch ein Punkt: Am Anfang des Tunnels befindet sich eine schwere Tür, um die Besucher und den neben dem Glasfenster darin befindlichen Infobereich vor stürmischem Wetter zu schützen. Die Tür schlägt nach jedem, der den Tunnel betritt, laut zu. Ließe sich das nicht auch noch verbessern, um Hein, Lilli und ihre Mitbewohner nicht ständigem Stress durch Lärm auszusetzen? Aber vielleicht ist das ja in den geplanten Um- und Ausbaumaßnahmen schon mit angedacht.

Alles in allem ist die Seehundstation Friedrichskoog ein sicherer Hort für hilflose Tiere und ein wichtiger Bestandteil des Wildtierschutzes an der Küste, die sich durch den immer stärker werdenden Schiffsverkehr und den Klimawandel mehr und mehr verändert und für die Robben und Seehunde viele Gefahren birgt.

Noch Fragen?

Seehundstation FriedrichskoogWas soll ich tun, wenn ich einen Heuler im Watt finde?

  • Zunächst mal: Den Heuler auf gar keinen Fall anfassen
  • Leint Euren Hund an und haltet ihn davon ab, das Tier zu beschnüffeln
  • Haltet Abstand! Mindestens 300 Meter sollten zwischen Euch und dem Tier liegen
  • Informiert den Tierschutz, die Polizei, einen Seehundjäger* oder die Seehundstation

Warum heißen Heuler Heuler?

Unter einem Heuler versteht man ein dauerhaft von der Mutter getrenntes Seehund- oder Robbenbaby. Mit dem Heulen ruft das Tier seine Mutter.

Seehundstation FriedrichskoogWarum sind die Heuler auf den Fotos von einander getrennt?

Werden Jungtiere in der Station aufgenommen, kommen sie zunächst in Quarantäne, um sicherzugehen, dass sie keine Krankheiten haben. Erst wenn es ausgeschlossen ist, dass sie andere Tiere anstecken, werden sie in kleine Gruppen integriert.

Wann kommen die Tiere wieder ins Meer?

Wenn die Seehunde und Robben keine schwerwiegenden Probleme haben, die ein Überleben „draußen“ für sie unmöglich machen, kommen sie mit dem Erreichen des Mindestgewichts von 25 Kilo und einer Untersuchung durch einen Tierarzt wieder in die Freiheit.

*Was ist ein „Seehundjäger“?

Seit 1974 wird in Schleswig-Holstein keine Jagd mehr auf Seehunde gemacht. Die Landesregierung hat seither sogenannte Seehundjäger im Einsatz, die berechtigt sind, Heuler zu bergen. Sie prüfen jeden Einzelfall eines Fundes vor Ort und entscheiden, ob ein Tier in die Seehundstation Friedrichskoog gebracht werden muss. Damit soll vermieden werden, dass Tiere unnötig in Gefangenschaft geraten. Die Seehundjäger kümmern sich außerdem um die Betreuung von verletzten Robben und Seehunden und bergen auch tote Meerestiere aus dem Watt.

Wie lange gibt es die Seehundstation Friedrichskoog schon?

Eine Heuleraufzucht gab es in Friedrichskoog bereits in den Fünfzigern. Damals in einem privaten Garten. Die erste zentrale Station wurde dann 1969 in Büsum gegründet. Die Seehundstation Friedrichskoog gibt es seit 1985. 2010 wirde das 25-jährige Bestehen gefeiert.

Im Anschluss an meine Bildergalerie finden Neugierige noch ein paar weiterführende Links. Ihr erfahrt dort unter anderem, wie ich zu Zoos stehe und wie Ihr die Seehundstation Friedrichskoog unterstützen könnt.