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    Grégoire von Thot im Interview

    10 Jahre "Obscured By The Wind"

    Interview von Anne
    08.04.2021 — Lesezeit: 6 min
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    Grégoire von Thot im Interview

    Thot sollten den meisten, die sich mit Post-Rock beschäftigen, ein Begriff sein. Zum zehnjährigen Jubiläum von Thots Debüt-Album "Obscured By The Wind" hat die Band aus Belgien so einige Highlights für uns geplant. Zeit für ein Interview.

    Wobei, ehrlich gesagt war das ja komplett umgekehrt. Ich glaube es zwar selbst noch nicht, aber eines Morgens bin ich tatsächlich aufgewacht und hatte eine Nachricht von Thot im Posteingang! Eines ist schon mal ziemlich klar: Wenn sich eine Band wie Thot bei Dir meldet und Dir schreibt, dass Dein Blog toll ist und ob ein Interview drin wäre, sagst Du zu. Ich meine, wie klasse ist das, oder? Natürlich habe ich Zeit für ein Interview. Ich habe die Fragen quasi schon fertig im Schrank liegen. Moment, lass sie mich kurz rausholen, dann kann es auch schon losgehen. Ich habe mich mit Gründer Grégoire unterhalten.

    Anne: Zuerst mal: Vielen Dank, dass Du Dich gemeldet hast! Ich fühle mich geschmeichelt, Dich zu interviewen! Wie geht es Euch im Moment? Wie ist die Stimmung in Belgien?

    "Veganismus und Post-Rock sind meine Themen"

    Grégoire: Hi Anne. Vielen Dank auch an Dich. Mir persönlich geht es gut. Also im Hinblick auf die verfahrene Situation Belgien. Im Moment ist es hier so, wie in vielen anderen Ländern und Europa und überall. Die Menschen werden immer müder und der Frust wächst. Vor allem im kulturellen Sektor. Gerade wurden hier Theater besetzt.

    Anne: Ich muss zugeben, dass ich mehr als neugierig bin. Wie habt Ihr meine Seite gefunden? Bei mir dreht sich alles um Post-Rock und Veganismus – Findest Du beide Themen interessant?

    Grégoire: Das war die Magie von Instagram. Du hast ein Interview mit unseren Freunden von Lost in Kiev gemacht. Außerdem sind Veganismus und Post-Rock tatsächlich Themen, die mich interessieren!

    "'Obscured By The Wind' war für uns ein großer Meilenstein"

    Anne: Genug über mich. Lass uns über Thot reden! Ihr habt einige spannende Neuigkeiten. Ihr feiert den zehnten Geburtstag Eures beeindruckenden Albums "Obscured By The Wind". Es wird unter anderem einen Re-Release mit streng limitierten Colour Vinyl Editionen geben (Ich habe meine natürlich schon bestellt). Möchtest Du mir ein bisschen mehr darüber erzählen, was Ihr plant? Du hast mir erzählt, wir werde ein paar neue Interpretationen von "Obscured by The Wind" Songs veröffentlichen? Du hast mir ja erzählt, dass Ihr sie während dem ersten Vollmond im Frühling am 28. März gefilmt habt. Danke an dieser Stelle übrigens für die tollen Bilder! Sie sind wirklich toll geworden. Ich wünschte, ich wäre dabei gewesen.

    Grégoire. Bild/Picture: Thot

    Grégoire: Ja, wir wollen diesen Meilenstein gebührend feiern. Damals gab es das Album nur auf CD und in der digitalen Version. Das zehnjährige Jubiläum ist also ein guter Anlass für einen Vinyl-Neuveröffentlichung mit einigen der Designs, die wir bis jetzt nicht genutzt haben. Außerdem gibt es diese 10th Anniversary Live Performance in einer sehr intimen Version. Zu diesem einzigartigen Anlass bestand unser Line-up aus mir am Piano, an der Gitarre und den Lead Vocals, unseren langjährigen Freundinnen und Kooperationspartnerinnen Lucie Lefauconnier an Gitarre und Gesang und Catherine Graindorge an Violine und Soundscape. Wir haben das Konzert gerade letzten Sonntag während dem ersten Frühlings-Vollmond aufgenommen. Die Performance wird schon bald online verfügbar sein. Jede⋆r der⋆die es miterleben möchte, kann auf unserer Bandcamp-Seite ein Ticket erwerben.

    Anne: Was hat sich seit 2011 verändert? Für Euch als Band und für die Post-Rock Szene?

    "Die Post-Rock Szene ist eine große Gemeinschaft"

    Grégoire: Das Line-up verändert sich seitdem ständig. Auf eine Art habe ich keine andere Wahl, wenn ich möchte, dass das Projekt am Leben bleibt. Ich musste es sich weiterentwickeln lassen. Im Hinblick auf Lebensentscheidungen, unterschiedliche musikalische Interessen und leider auch menschliche Konflikte. Ich bin froh, dass ich nicht aufgegeben habe und das Projekt heute sehr lebendig und energiegeladen zu erleben. Die aktuellen Musiker⋆innen machen es möglich. Natürlich vermisse ich auch einige der ehemaligen Bandmitglieder. Menschlich und musikalisch. 2011 haben wir kurz nach der Veröffentlichung des Albums auf dem DUNK!festival gespielt. Für uns war das ein hilfreicher erster Schritt in die Post-Rock Szene, die seit dem ziemlich groß geworden ist – eine große Gemeinschaft aus Musikliebhaber⋆innen und Freund⋆innen.

    Cat. Bild/Picture: Thot

    Anne: Welche Thot Platte magst Du am liebsten und warum?

    Grégoire: Bis jetzt würde ich sagen "Fleuve" von 2017. Es ist bis jetzt das organischste Album, das wir gemacht haben.

    Anne: Wie bist Du auf die Idee gekommen, die Band nach dem ägyptischen Gott der Weisheit, der Schriften, Hieroglyphen, Geschichte, Magie, Kunst und des Gerichts zu benennen?

    "Thot war einer der Helden meiner Jugend"

    Grégoire: Tatsächlich stammt der Name vom Charakter aus einem alten französischen Cartoon, den ich als Kind immer im Fernsehen gesehen habe. Sie nannte sich "Spartakus und die Sonne neben dem Meer" (Auf Französisch "Les Mondes Engloutis"). In Episode Nummer vier gab es eine Kreatur namens Thot. Seitdem muss ich mich immer wieder an ihn erinnern. Ehrlicherweise fühle ich mich natürlich auch ein bisschen wie ein ägyptischer Gott (lacht).

    Anne: Wie geht Ihr mit dieser schrecklichen COVID-Krise um? Lenkt Ihr Euch mit Songs schreiben ab?

    Lucie. Bild/Picture: Thot

    Grégoire: Ich habe die Möglichkeit genutzt, mir Gedanken darüber zu machen, was ich mir für das Projekt wünsche, während ich an einem neuen Album schreibe. Zur selben Zeit habe ich wieder angefangen mit ernsthaft mit Klavier üben zu beschäftigen, habe Lyrics auf Französisch geschrieben und ziemlich viele Effekt-Pedale gekauft und verkauft.

    "Ich habe meinen kreativen Output vergrößert"

    Anne: Wie hat sich die Lage auf Deine Arbeit ausgewirkt? Ich meine neben der Tatsache, dass Ihr keine Konzerte vor Publikum spielen konntet?

    Grégoire: Das hat meine musikalische Arbeit nicht beeinträchtigt, sondern eher dazu beigetragen, die Grenzen meines Songwritings zu erweitern. Was wiederum dazu geführt hat, dass ich Texte in meiner Muttersprache Französisch geschrieben habe. Mit dem Ergebnis bin ich bisher recht zufrieden.

    Anne: Glaubst Du, dass es dieses Jahr noch Konzerte oder Festivals geben wird?

    Grégoire: Vielleicht wird es ein paar geben. Mit sehr strikten COVID-sicheren Regeln. Was allerdings die Post-Rock Szene angeht, befürchte ich, dass es nicht dazu kommen wird.

    NIN ist ein wichtiger Einfluss für mich

    Anne: Lass uns wieder über positivere Dinge reden. Eurer musikalischer Stil ist sehr vielseitig. Ihr fügt Eurem Sound Elemente aus Post-Rock und Industrial hinzu – was mir ziemlich gut gefällt. Was würdest Du sagen: Welche Bands haben Dich am meisten beeinflusst?

    Grégoire: Ist das zu offensichtlich, wenn ich Nine Inch Nails sage? Neben diesem wichtigen Einfluss würde ich sagen, dass ich niemals versucht habe, irgendwelche Genres miteinander zu mischen, um irgend einen bestimmten Stil zu erzeugen. Es ist mehr der Sound, die Ästhetik an sich. So fühle ich die Musik, die ich machen möchte.

    Anne: Auf Eurer Facebook Bandseite beschreibt Ihr Euch als "Post-Rock/Industrial Gang – Fuzz, Rivers, Thistles, Vegetal Noise Music". Auf Eurer Homepage gibt es einen Bereich, in dem Menschen ihre "Vegetal Noise Story" erzählen. Was genau meint Ihr mit "Vegetal Noise"?

    Vegetal Noise

    Grégoire: Das kam auf, als ich "Obscured by the Wind" geschrieben habe und ein paar Demo Tracks online gestellt habe. Weil ich mich für eine Distel als Wappen entschieden hatte, habe ich mich entschlossen, unserer Musik diesen Namen zu geben, anstatt zwischen anderen Genres zu wählen, die die Leute schon kennen. Es ist mehr eine Sache des persönlichen Gefühls als eine Marke oder ein Label.

    Anne: Ich habe das DUNK!festival ein paar Mal besucht und ich denke, es ist das beste Festival der Welt. Jede⋆r ist so nett und freundlich und alle wissen, wie sich gute Musik anfühlt. Es ist fast so, als würdest Du die Familie treffen, die Du für Dich gewählt hast. Ich bin mir sicher, dass Du weißt, was ich meine. Euer Auftritt dort im Jahr 2019 war einer der besten. Wie würdest Du die Post-Rock Szene in Belgien insgesamt beschreiben? Ist es wie auf dem DUNK?

    "Die belgische Post-Rock Szene ist lebhaft"

    Grégoire: Danke! Schön, dass Dir der Auftritt gefallen hat. Wie ich es vorhin schon erwähnt habe, ist die Post-Rock Szene fantastisch. Das DUNK!festival ist ein gutes Beispiel für die lebhafte Szene in Belgien.

    Cat. Bild/Picture: Thot

    Anne: Sollten mehr Menschen Post-Rock hören?

    Grégoire: Vielleicht sollten die Menschen, die jeden Tag ins Büro fahren und im Radio Bullshit-Musik hören, sich Post-Rock anhören. Ich denke, das würde sie sicher entspannter machen.

    Anne: Wenn Du eine Sache auf der Welt beenden könntest – welche wäre es?

    Grégoire: Das Patriachat.

    "Wir arbeiten an einem neuen Album"

    Anne: Was steht als Nächstes an für Thot? Hast Du noch mehr gute Nachrichten?

    Grégoire: Wir arbeiten an einem neuen Album namens "Delta". Die Realisierung wird etwas Zeit in Anspruch nehmen.

    Allerdings zwingt uns die Tatsache, dass wir nicht auf Tour gehen und keine Shows spielen können, auch irgendwie dazu, uns mehr Zeit zu nehmen. Was ich einmal in meinem Leben zu schätzen weiß.

    Hier kommen gute Nachrichten für Euch:

    Als Leser⋆innen meines Blogs erhaltet Ihr 25 Prozent Rabatt auf die Vinyl-Re-Release Version von "Obscured By The Wind". Ihr müsst dazu nichts weiter tun, als bei Eurer Vorbestellung auf der Thot Bandcamp Seite den folgenden Code anzugeben:

    thotbday

    Hier geht's zur Thot Bandcamp Seite. Ihr könnt dort auch Eure Tickets für das Mondschein-Konzert ordern.

    Alle Infos über das zehnjährige Jubiläum findet Ihr auf der Thot Webseite..

    Für alle, die gerne einen tiefen Einblick in die neue Thot Platte "Delta" bekommen wollen, gibt es eine Patreon Page.

    Thot – The Delta Story

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