Konfeddi haben gerade ihre neue Single „Deine neuen Sneaker (Schneeweiß)“ veröffentlicht. Im Song geht es um die Gleichgültigkeit der Menschen gegenüber dem Planeten und vermeintlichen Heldentaten für das Klima. Ich habe Konfeddi Sänger Jermaine zehn Fragen dazu gestellt.

„Deine neuen Sneaker“ handelt vom Zwiespalt, in dem sich die Generation Y befindet. Umweltschutz ist groß in Mode, aber wenn man wirklich etwas erreichen möchte, muss man auch mit Einschränkungen klarkommen. Der Text fiel Bassist Chris in der Uni ein. Er hatte mitbekommen wie ein Mann sich ein Avocado-Brötchen kaufte, woraufhin er von einer Frau zurechtgewiesen wurde. Sie kassierte von ihm den Spruch:

„Deine neuen Sneaker sind dafür aber auch echt nice, ganz nach dem Motto: Mach’s besser.“

Anne: Hi! Danke, dass Ihr Euch bei mir gemeldet habt! Ich bin gespannt, Euch kennenzulernen! Wie geht es Euch? Was macht die Corona-Krise mit Euch?

Jermaine: Moin! Schön, dass Du Dir die Zeit für uns nimmst. Uns geht’s den Umständen entsprechend gut im Moment. Wir sind alle gesund, gleiches gilt für unser Umfeld und letztendlich ist das für uns natürlich das Wichtigste. Ansonsten sind wir die kalten Temperaturen und auch den Lockdown etwas leid. Es wird Zeit für Frühling und wir hoffen natürlich, dass sich die Situation rund um Corona so weit entspannt, dass wir nach einem Jahr endlich wieder in unseren alten Proberaum gehen können. Der ist für uns nämlich seit Beginn der Pandemie tabu. Wenn wir obendrauf noch eins zwei Konzerte im Laufe des Jahres spielen könnten, wären wir sehr glücklich.

Anne: Ihr habt gerade eine neue Single veröffentlicht (die übrigens ziemlich klasse ist). War es durch die derzeitige Lage komplizierter als sonst, sie zu produzieren? Ihr habt ein ziemlich cooles Video dazu gemacht. Habt Ihr Euch dafür selbst gefilmt?

Konfeddi meets Christian Wasenmüller

Konfeddi

Konfeddi. Foto: © Christian Wasenmüller

Jermaine: Wir sind einfach nur happy, dass „Deine neuen Sneaker“ jetzt endlich draußen ist. Das vergangene Jahr war ziemlich hart für uns. Nach den Umstrukturierungen innerhalb der Band direkt zu Beginn der Pandemie mussten wir uns erst mal neu finden. Die Kontaktbeschränkungen und die allgemeine Unsicherheit rund um COVID haben den Prozess dabei ganz sicher nicht vereinfacht. Wir hatten den Song im Grunde seit Ende 2019 in der Pipeline, aber sämtliche Prozesse haben sich immer wieder nach hinten verschoben. Da waren die Aufnahmen an sich noch am einfachsten Umzusetzen, da wir dies in Eigenregie in kleinen Besetzungen durchführen konnten.

Das Video haben wir mit dem großartigen Christian Wasenmüller gedreht. Er hat ja auch bereits in der Vergangenheit unser Video zu „Polaroid“ gedreht und wir fühlen uns mit ihm sehr wohl. Die Dreharbeiten an sich waren aber natürlich auch eine Herausforderung. Wir haben auch hier versucht, uns an die Regelungen des Lockdowns zu halten. Aus diesem Grund haben wir auf Gruppenszenen im Video verzichtet. Ein Stück weit haben wir versucht aus der Not eine Tugend zu machen. So haben wir das Video eher mit einfachen Mitteln gedreht. Der Stil ist schlicht, aber modern gehalten. Wir haben versucht klare Linien und kleine Farbakzente in dem übermäßig weiß gehaltenen Video zu setzen, um das ganze chic aussehen zu lassen. So wollten wir die Message des Songs noch weiter unterstreichen.

Anne: In Euren Songs geht es gerne mal um Nachhaltigkeit und kritischen Konsum, oder? Ist Euch das besonders wichtig? Klimaschutz und dass die Menschen aufwachen und ihr Leben ändern – sind das die Themen, für die Ihr brennt?

„Wir müssen lauter werden“

Jermaine: Wer sich die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen der vergangenen Jahre anschaut, kann in meinen Augen nur zu der Erkenntnis gelangen, dass eine klare Positionierung in gewissen Fragen unabdingbar ist. Wir müssen anfangen, nachhaltiger zu leben und auf das Treiben der Erde zu achten. Es ist wichtig, dass sich unser Bewusstsein hierfür noch weiter schärft.

Aber auch generell müssen wir lauter werden und uns für ein gemeinsames Miteinander einsetzen, bei dem jede⋆r seinen⋆ihren Platz in der Gesellschaft finden kann – ohne dafür diskriminiert zu werden. Ein Großteil der Gesellschaft ist viele Jahre lang davon ausgegangen, dass das selbstverständlich ist. Auch wir als Band haben vieles für selbstverständlich gehalten. Das ist aber nicht der Fall und zeigt sich nicht nur darin, dass sich Parteien wie die AFD weltweit in Parlamenten etablieren. Man sieht es auch im Umgang unserer Gesellschaft mit Alltagsrassismus. Hier entwickelt sich in unserer Generation aber ein immer stärkeres Bewusstsein, das wir wiederum in unseren Songs aufgreifen. Unsere Songs greifen also die Themen der Generation Y auf – diese dürfen aber durchaus politisch sein.

„Alltagsrassismus und Umweltverschmutzung sind die Themen der Generation Y“

Konfeddi

Konfeddi – „Deine neuen Sneaker“

Anne: Ihr habt gesagt, dass nicht alle Menschen in einem Co-Working-Space in Mitte sitzen können, um an der zehnten Dating-App zu arbeiten. Irgendjemand müsse auch Bands gründen, nach denen niemals jemand gefragt hätte. Ist Konfeddi so eine Band? Oder war die Nachfrage da? Ich glaube, mit Eurem tanzbaren Indie-Sound habt Ihr doch durchaus in ein Wespennest gestochen, oder?

Jermaine: Ich glaube, uns hat keiner gefragt, ob wir eine Band gründen wollen (lacht). Nein, Spaß – insgesamt sind wir in Bezug auf die Resonanz auf unsere Songs sehr zufrieden und haben schon das Gefühl, dass sie gut ankommen. Von einem Durchbruch sind wir aber noch ziemlich weit entfernt. Ich habe heute Morgen erst in einem Podcast gehört, in dem es darum ging, dass Bands mit einer klassischen Besetzung es immer schwerer haben, sich in den Charts zu behaupten.

Du kannst Musik heute sehr gut daheim am PC, zum Beispiel im Schlafzimmer, produzieren. Mit ihren klassischen instrumentalen Besetzungen haben es Bands natürlich schwer gegen diesen Trend anzukommen. Zudem gibt es so viele andere gute Bands in Deutschland, die weitestgehend unbekannt sind und dabei richtig gute Musik machen. Ob wir am Ende groß rauskommen oder nicht, wir haben als Fokus auf möglichst vielen Bühnen zu stehen und mit den Leuten vor Ort eine Menge Spaß zu haben. Für uns können die Bühnen mit der Zeit gerne größer werden und wir würden uns natürlich auch freuen, wenn die Leute irgendwann unsere Texte mitsingen.

„Politik findet man immer und überall“

Anne: Gesellschaftskritik und Popmusik – Passt das gut zusammen oder würdet Ihr eher sagen: Gegensätze ziehen sich an?

„Popmusik und Gesellschaftskritik passen gut zusammen“

Konfeddie

Konfeddi. Foto: © Christian Wasenmüller

Jermaine: In unseren Augen beißt sich das nicht besonders. Popmusik ist ja im Kern nichts anderes als zeitgenössische Musik. Auch wenn da natürlich viel „Ladida“ und Party zu finden ist, haben sich auch in der Vergangenheit schon immer Gesellschaftsthemen und -kritik in der Popmusik wiedergefunden. Und wenn man ehrlich ist, ist Politik immer und überall zu finden und kann nie von der Gesellschaft getrennt betrachtet werden.

Anne: Welche musikalischen Vorbilder habt Ihr?

Jermaine: Musikalisch haben natürlich alle Konfeddi Mitglieder unterschiedliche Vorbilder und jeder versucht sich mit seinen eigenen Stilelementen mit einzubringen. Rein auf die Band betrachtet, haben wir aber einen recht klaren Blick, wie wir musikalisch klingen wollen. Andere Bands, auf die wir dabei schauen, sind unter anderem Two Door Cinema Club, Some Sprouts, Kraftklub, Von Wegen Lisbeth und Tonbandgerät. Dazu kommen dann noch die eigenen 2000er-Indie-Elemente, die man selbst im Kopf hat und dann passt das eigentlich auch schon.

Anne: Wo kann man in Bremen am besten Musik hören, wenn die Bars und Konzert-Locations geöffnet sind?

Jermaine: Wir hoffen doch sehr, dass Chris irgendwann wieder im Tower und Modernes Selbst auflegen kann. Ansonsten sind wir grundsätzlich gerne im Viertel unterwegs. Die größte Hoffnung haben wir aber, dass die Bremer Festivals wie die Breminale, das Überseefestival, das Horn to be wild oder das Sommerfest Vorstraße in diesem Jahr zumindest irgendwas anbieten können. Vielleicht sind wir dann ja auch wieder mit am Start. Gerade beim Überseefestival und beim Horn to be wild müssen wir noch alte Rechnungen begleichen.

Anne: Wie setzt sich Konfeddi für die Umwelt ein? Gibt es etwas Bestimmtes, das Ihr für den Klimaschutz tut?

„Wir müssen alle etwas tun“

Jermaine: Diese eine klassische Aktion, die wir als Band unterstützen, gibt es im Moment nicht. Uns ist es allerdings auch wichtiger, insgesamt an unserer Einstellung zu arbeiten und damit anfangen nachhaltiger zu leben. Das geht zum Beispiel beim Fleischkonsum los, den wir im vergangenen Jahr deutlich reduziert haben. Wir versuchen unseren Alltag aber auch sonst nachhaltiger zu gestalten. Sicher sind wir nicht die größten Aktivist⋆innen. Wir finden, wenn jede⋆r zu Hause versucht, seinen Alltag umzustellen, wäre auch damit der Welt schon geholfen.

Anne: Die aktuelle Weltlage ist ziemlich angespannt. Politiker*innen pochen entweder weiter auf ihre Traditionen oder haben nur jede Menge leere Versprechungen für uns parat. Während Fridays For Future auf die Straße geht und immer mehr Menschen für das Klima kämpfen. Wenn Ihr die Möglichkeit hättet, mit eine⋆r der Anführer⋆innen dieser Welt zu reden: Wer wäre es und was würdet Ihr ihm⋆ ihr sagen?

„Greta Thunberg ist ein gutes Vorbild“

Konfeddi

Konfeddi. Foto: © Christian Wasenmüller

Jermaine: Diese Frage ist durchaus knifflig. Wählt man sich hierfür eine Person aus, mit der man gedanklich auf einer Linie ist und hat dann zwar einen netten Austausch, aber im Kern nichts Großes bewegt. Sucht man sich also besser eine Person, mit der man eigentlich nicht kann und versucht diese dann irgendwie doch noch von seinen eigenen Einstellungen zu überzeugen? Letzteres ist im Fall etablierter Politiker wahrscheinlich sehr naiv gedacht. Ich würde lieber mehr daran arbeiten, selbst ein Vorbild für die Menschen in meinem Umkreis zu werden und diesen Kreis immer weiter zu vergrößern. Leute wie Greta Thunberg oder Luisa Neubauer sind da sicher gute Beispiele.

Wenn ich an einzelne Personen denke, fallen mir eher größere Künstler, Sportler oder andere bekannte Menschen ein, die ich gerne treffen würde. Mit ihnen würde ich darüber sprechen, wie sie ihre Reichweite besser nutzen können, um Themen wie Nachhaltigkeit, Gleichberechtigung und Diversität beliebter zu machen. Gerade in Deutschland gibt es da noch viel Luft nach oben.

Ich glaube, es gibt einerseits zwar viele Leute, die sich viel zu wenig engagieren. Auf der anderen Seite sind da aber eine Menge gescheite Köpfe, die sich bei uns aber vielleicht zu sehr im Bereich der Satire wiederfinden. Das ist dann zwar sehr unterhaltsam, wird aber andersdenkende niemals von den eigenen Thesen überzeugen.

„Wir arbeiten an unserem Bühnenprogramm“

Anne: Was steht als Nächstes auf dem Plan für Konfeddi?

Jermaine: Im Moment arbeiten wir ganz konkret an der nächsten Konfeddi Single, die wir gegen Ende Mai rausbringen wollen. Dafür wollen wir natürlich wieder ein Video drehen. Inwieweit unsere Planspiele umsetzbar sind, hängt natürlich aber auch davon ab, ob bzw. inwiefern sich die Lage rund um Corona entspannt. Zudem wäre es auch schön, gemeinsam offizielle Bandfotos in der Gruppenkonstellation zu shooten. In unserer jetzigen Konstellation konnten wir bis jetzt leider nur Einzelbilder machen.

Außerdem arbeiten wir im Moment an unserem Bühnenprogramm – für den Fall, dass Auftritte wieder möglich sind, möchten wir vorbereitet sein. Unseren letzten Auftritt hatten wir Ende 2019 noch in unserer alten Besetzung. Wir hatten zuletzt viel Zeit an neuen Songs zu arbeiten. Von daher müssen wir sehen, inwieweit unser Auftritt sich in der neuen Besetzung verändert und welche älteren Songs wir vielleicht sogar in die Mottenkiste stecken.

Konfeddi – „Deine neuen Sneaker“ (schneeweiß)

Bilder:© Christian Wasenmüller