Die mit 1,2 Millionen Befragten größte Klima-Umfrage aller Zeiten hat jetzt bewiesen, dass zwei Drittel der Menschen den Klimawandel für einen globalen Notfall halten.

Für die Klimabewegung ist das Ergebnis der Umfrage ein großer Gewinn. Mit der Verbreitung der Ergebnisse könnte es endlich zu dem lange herbeigesehnten Schritt nach vorne kommen.

Jetzt steht es schwarz auf weiß: Die Menschen auf der ganzen Welt wünschen sich Klimamaßnahmen und sind bereit dazu, diese zu unterstützen. Die Politik erhält mit dem Ergebnis der Umfrage ein klares Mandat, die notwendigen Schritte einzuleiten. Das geht aus dem Bericht des UN-Entwicklungsprogramms UNDP hervor, welches die Befragung durchführte.

Keine große Kluft zwischen den Generationen

Insgesamt befragte die UNDP 1,2 Millionen Personen in 50 Ländern. Darunter waren vor allem auch viele junge Menschen. Sie brachten die größte Besorgnis zum Ausdruck. 69 Prozent der 14- bis 18-Jährigen gaben an, dass sie uns in einem Klimanotstand sehen. Dem stimmten 58 Prozent der über 60-Jährigen zu. Das spricht dafür, dass die Kluft zwischen den Generationen kleiner ist, als von vielen erwartet.

Bezeichnend ist, dass die meisten dazu bereit sind, den Klimaschutz zu unterstützen – auch wenn dafür in ihrem Land erhebliche Veränderungen vonnöten sind. Auch dieser Punkt steht im Gegensatz zu den Erwartungen, die vermutlich viele an die Umfrageergebnisse gehabt hatten.

Die Menschen aus den Ländern, die von fossilen Brennstoffen als Haupt-Emissionsquelle besonders geprägt sind, sprechen sich stark für erneuerbare Energien aus. In Deutschland sind es 71 Prozent, in den USA 65 Prozent, in Australien 76 Prozent und in Russland 51 Prozent.

In den Ländern, in denen die Zerstörung der Wälder die größte Ursache für die Treibhausgas-Emissionen ist, unterstützen die Menschen den Erhalt der Bäume: In Brasilien sind das 60 Prozent und in Indonesien 57 Prozent.

Veganismus laut Umfrage unbeliebteste Klimaschutz-Maßnahme

Klima-Umfrage

Klimaschutz-Maßnahmen nach Beliebtheit. Grafik: © UNDP

Die beliebtesten Maßnahmen zur Bekämpfung der Klimakatastrophe sind laut der Umfrage der Schutz und die Aufforstung der Wälder, erneuerbare Energien und klimafreundliche Landwirtschaft. Die unbeliebteste Maßnahme war mit 30 Prozent Unterstützung die Förderung pflanzlicher Ernährung.

Das könnte daran liegen, dass es bislang in vielen Ländern noch nicht so viele pflanzliche Optionen gibt. Viele Menschen finden aber auch, dass ihre Ernährung eine private Entscheidung ist. In Deutschland war sie mit 44 Prozent am beliebtesten, dicht gefolgt von Großbritannien mit 43 Prozent.

UNDP führte die Peoples Climate Vote in 50 Ländern mit hohem, mittlerem und niedrigem Durchschnittseinkommen durch. Dadurch repräsentiert sie mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung. Wissenschaftler⋆innen von der Universität Oxford gewichteten die Antworten so, dass sie die Bevölkerung der jeweiligen Nationen widerspiegeln.

Die Menschen wünschen sich Klimaschutz

Die Strategie-Beraterin der UNDP und Leiterin des Climate Promise Programm Cassie Flynn findet dazu folgende Worte:

„Der Wunsch der Menschen ist klar – Sie wollen, dass etwas gegen den Klimawandel getan wird. Wenn 64 Prozent der Weltbevölkerung vom Klimanotstand überzeugt sind, hilft das den Regierungen darauf zu reagieren. Die Kernaussage ist, dass die Menschen mitgehen werden, wenn die Regierenden schwerwiegende Entscheidungen treffen.“

Laut Flynn vermittelt die Umfrage den Regierenden die Klimasorgen der Menschen – besonders die der jungen Generation. In einer Zeit, in der es wichtig ist, beschleunigte Maßnahmen zu vereinbaren, sei dies von großer Wichtigkeit. Besonders im Hinblick auf den im November anstehenden UN-Klimagipfel. Die Klimakatastrophe ist auch im Jahr 2020 ungebremst fortgeschritten. Global wurden die höchsten Temperaturen seit Beginn der Aufzeichnungen gemessen – schnelles Handeln ist gefragt.

„Die Umfrage zeigt uns, wie die Generationen der Zukunft mit konkreten politischen Entscheidungen im Hinblick auf den Klimaschutz umgehen werden. Wir erhalten so ein Bild von der Zukunft“,

so Flynn.

Der Anteil der Menschen, die vom Klimanotstand überzeugt sind, ist in Großbritannien und Italien mit jeweils 81 Prozent am höchsten. In Deutschland sind es 77 Prozent, in Australien 72 Prozent, in den USA und in Russland 65 Prozent, in Indien 59 Prozent. Schlusslicht ist Moldawien mit 50 Prozent.

Bewerbung der Klima-Umfrage in Handy-Spielen

Klima-Umfrage

Klimaschutz-Maßnahmen nach Beliebtheit. Grafik: © UNDP

Während einer Fahrt in der New Yorker U-Bahn war Flynn die Idee gekommen, die Umfrage über Anzeigen in Spielen wie Angry Birds, Subway Surfers und Sudoku zu bewerben:

„Ich schaute mich um und sah, dass sich alle mit ihren Mobiltelefonen beschäftigten, die meisten mit Spielen.“

Durch diesen geschickten Schachzug gelang es der UNDP, möglichst viele junge Menschen mit der Umfrage zu erreichen.

Die Herausforderung der UNDP besteht darin, die Menschen davon zu überzeugen, möglichst schnell die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um der Klimakatastrophe entgegenzuwirken.

Wir müssen jetzt sofort handeln

Denn die Wissenschaft ist sich einig: Den Ländern steht nur ein sehr schmales Zeitfenster zur Verfügung, um den durchschnittlichen globalen Temperaturanstieg auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Die Klimaerwärmung verursacht bereits unumkehrbare Veränderungen.

Die Peoples Climate Umfrage ist eine Säule der Mission 1.5-Kampagne des UNDP. Das UN-Entwicklungsprogramm startete sie 2020 gemeinsam mit der Oxford University und verschiedenen NGOs.

Ziel ist es, die Öffentlichkeit mit den politischen Entscheidungsträger⋆innen zu verbinden. Letzteren soll damit auch der Wunsch der Weltbevölkerung nach Veränderung nahegebracht werden.

Für einige Länder ist die Aktion die erste Möglichkeit überhaupt, sich mit fundierten analysierten Informationen über die öffentliche Meinung zum Klimawandel und den politischen Lösungsmöglichkeiten auseinanderzusetzen.

Die kompletten Umfrageergebnisse könnt Ihr Euch hier herunterladen.

Quellen/sources: „The Peoples Climate Vote“ UNDP, UNDP Climate Promise, Guardian