Französische Stopfleber-Produzenten fordern jetzt die Keulung vieler tausend Enten. Sie fürchten einen Vogelgrippe-Stamm, der derzeit im Land wütet. Das berichtete jetzt der Guardian.

Im ganzen Land werden derzeit mehrere hundert Ausbrüche des hochpathogenen H5N8-Virus verzeichnet. Der erste Ausbruch wurde dort vor rund einem Monat bekannt.

„Die Lage ist außer Kontrolle“

VogelgrippeSeit Weihnachten wurden in Frankreich bereits 350.000 Enten notgeschlachtet. Jetzt sollen weitere 400.000 getötet werden. Das sagte Frankreichs oberster Veterinär-Beamter Loic Evan. Zum Vergleich: In Frankreich werden pro Jahr rund 35 Millionen Enten gezüchtet.

Einer der Stopfleber-Hersteller erklärte im Bericht des Guardian, die Situation sei „außer Kontrolle geraten“. Er und seine Kolleg⋆innen fürchten, dass so viele Tiere sterben müssen, wie während der großen Vogelgrippe-Wellen in der Wintersaison von 2015/2016 und 2016/2017. Damals waren während der ersten Welle mehr als 25 Millionen Enten gekeult worden. Im Jahr darauf waren es 4,5 Millionen. Die Vorfälle hatten zu einem Rückgange der Stopfleber-Verkäufe geführt.

Bisher ist das Virus noch nicht auf Menschen übertragen worden. Das geht aus Aufzeichnungen des britischen National Health Service hervor.

2020 waren in Großbritannien nach einem Ausbruch desselben Virusstammes bereits tausende Truthähne getötet worden. Seitdem sind Geflügelhalter europaweit dazu verpflichtet, einen Verdacht auf die Krankheit zu melden. Dennoch werden kommt es immer wieder zu größeren Ausbrüchen.

Erster Ausbruch auf Korsika

Das hochpathogene H5N8-Virus war erstmals bei einem Vogel in einer Zoohandlung auf Korsika nachgewiesen worden. Seitdem bricht es immer wieder an unterschiedlichen Orten aus.

„Das Virus ist stärker als wir. Ständig tauchen neue Cluster auf“,

sagte die Leiterin des französischen Verbandes der Stopfleber-Produzenten CIFOQ, Marie-Pierre Pe, gegenüber Agence France-Presse.

Jetzt sollen neue Maßnahmen dabei helfen, Fälle von Vogelgrippe einzudämmen. Inzwischen zählt Frankreich bereits 124 Ausbrüche. Das teilte das französische Landwirtschaftsministerium letzten Donnerstag mit.

Auch aus Belgien, den Niederlanden, Schweden, Großbritannien und Irland kamen diesen Winter bereits Meldungen über Vogelgrippe.

Weltweite Notschlachtungen

VogelgrippeDie niederländischen Behörden haben im November 190.000 Hühner notgeschlachtet, nachdem das Virus in zwei Betrieben entdeckt worden war.

Auch Belgien wurden bereits Geflügelbestände gekeult: einer im Westen, einer im Süden und einer in Westflandern. Die belgische Behörde für Lebensmittelsicherheit rief alle Geflügelhalter dazu auf, ihre Tiere einzusperren, um eine Kontamination zu vermeiden. In der Zwischenzeit waren bereits 20 Fälle bei Wildvögeln identifiziert worden. Auf diesem Weg kann das Virus auf Tierfarmen eingeschleppt werden.

Auch Indien und Südkorea meldeten Ausbrüche. In Indien wurden zehntausende Tiere geschlachtet, nachdem tausende Zugvögel, Krähen, Hühner und Enten der tödlichen Vogelkrankheit zum Opfer gefallen waren. Diese Wochen haben mindestens sechs indische Bundesstaaten die Maßnahmen verschärft, die momentan zwei Stämme der Vogelgrippe (H5N1 und H5N8), die dort umgehen einzudämmen.

Das südkoreanische Landwirtschaftsministerium teilte am Donnerstag mit, dass im Land bereits 14,9 Mio. Tiere gekeult wurden. Dort hatte man Ende November den ersten Fall auf einer Farm entdeckt.

Grausame Stopfleber-Herstellung

VogelgrippeFür die Herstellung von Stopfleber müssen die Tiere überfüttert werden. Nur dadurch kommt es zu der typischen Fettleber – Foie gras.

Da man die Tiere nicht einfach dazu zwingen kann, sich zu überfressen, werden ihnen Metallrohre in die Kehle geschoben. In Ländern wie Belgien, Polen, der Türkei, Australien und Indien sowie einigen US-Staaten wie Kalifornien und New York ist die Produktion daher bereits verboten. Auch wenn die Herstellung auch in Deutschland bereits illegal ist, wird das Produkt nach wie vor aus anderen Ländern importiert.

Mich lässt der Gedanke, dass erst ein tödliches Virus nötig ist, damit weniger von einem solch grausamen Produkt wie der Stopfleber verkauft wird, mal wieder kopfschüttelnd und traurig zurück. Es sollte inzwischen wirklich jedem⋆r bekannt sein, dass es immer wieder „Nutztiere“ sind, durch die es zu Ausbrüchen schwerer Krankheiten kommt. Nicht nur die direkte Übertragung gefährlicher Viren, sondern beispielsweise auch die Fütterung von Antibiotika, durch die multiresistente Keime entstehen (Hier sind immer häufiger Todesfälle die Folge) führt uns nach und nach in die Katastrophe. Ganz zu schweigen von den Qualen, die Tiere erleiden und den Schäden, die wir dem Klima mit unserem rücksichtslosen Konsumverhalten antun.

Ich für meinen Teil hoffe wirklich sehr, dass die momentanen weltweiten Ereignisse viele Menschen zum Umdenken bringen. Für mich wäre es natürlich das Größte, wenn irgendwann gar keine Lebensmittel tierischen Ursprungs mehr verkauft werden. Aktuell erscheint das leider noch allzu oft wie weit entfernte Zukunftsmusik.

Quelle/source: Guardian