🇬🇧 Click here for English version

Crippled Black Phoenix ist eine der Bands, die mich immer wieder aufs Neue beeindrucken – zuletzt mit ihrem aktuellen Album „Ellengæst“. Jetzt konnte ich mich mit Sängerin und Songwriterin Belinda Kordic und Bandleader Justin Greaves zu einem Interview per Videocall verabreden.

Das Gespräch, an dem auch Justins Katzen rege beteiligt waren, war unglaublich spannend. Ich habe mich mit den beiden über ihre Pläne, Tierrechte, Veganismus, Musik und Aktivismus unterhalten. Und natürlich über ihre Platte.

Anne: Vielen Dank für dieses Interview! Ich muss sagen, dass ich mich sehr geehrt fühle! Hier vor meinem Bildschirm zu sitzen und mit Euch zu sprechen, fühlt sich überwältigend an!

Justin: Vielen Dank! Du schreibst tolle Sachen!

Belinda: Ja! Auf jeden Fall! Diese Dinge sind uns auch sehr wichtig!

Anne: Vielen Dank für Eure freundlichen Worte! Wie geht es Euch heute? Wo seid Ihr beiden gerade? Es sieht sehr gemütlich bei Dir aus, Belinda!

Justin: Ich bin in Nordengland und Belinda sitzt in Stockholm. Manchmal sind wir zusammen und manchmal an unterschiedlichen Orten. Im Moment sitzen wir beide in unseren kleinen Verliesen (lacht).

„Es geht um den Verlust der Menschlichkeit“

Crippled Black Phoenix Interview Rock 'n' Roll vegan Belinda

Belinda

Anne: Der Song „Lost“ von Eurem neuen Album hat Matze und mich nicht mehr losgelassen. Ich habe ihn daher darum gebeten, einen Gastartikel darüber zu schreiben. Ich hatte das Gefühl, dass er der Richtige dafür ist, das alles in Worte zu fassen. Und diese Intuition hat sich als richtig erwiesen, denn Ihr habt mir erzählt, dass Ihr es genossen habt, ihn zu lesen! Der Artikel ist ziemlich politisch und bezieht sich nur teilweise auf Euren Song. Ich denke, wir hatten, genau, wie Ihr mit Eurer Musik, den Wunsch, etwas tiefer zu blicken. Warum habt Ihr Euch darauf bezogen?

Belinda: Er ist toll! Er fasst wirklich alles ziemlich gut zusammen.

Justin: Es geht um die Dinge, die uns besonders wichtig sind. Es war schön zu sehen, dass sich Euer Artikel nicht nur um das Video dreht. Er beschäftigt sich viel mehr mit dem großen Ganzen und genau das wollten wir mit dem Video auch zum Ausdruck bringen.

Anne: Ich bin sehr gespannt auf die Geschichte hinter dem Video. Wer hatte die Idee?

Belinda: Im Song „Lost“ geht es darum, wie wir nach und nach unsere Menschlichkeit verlieren. Wie den Menschen ihre Seele abhanden gekommen ist. Wir haben uns mit Guilherme (Guilherme Henriques, Regisseur) unterhalten und er wusste sofort, was wir meinen. Wir wollten in dem Clip all das Leid zeigen: Wie Menschen Tiere behandeln, Obdachlosigkeit und schlechte Politik. All das, was in Summe das Ende unseres Planeten bedeuten kann – zusammengefasst in einem Video. Nicht nur auf die Tiere bezogen, wie in einigen unserer älteren Songs, sondern einfach alles. Die ganze Geschichte. Und Guilherme hat das so großartig umgesetzt.

„Der Song ist eine Entschuldigung im Namen der Menschheit“

Justin: Genau wie im Song „Nebulas“ (CBP Album „Great Escape, 2018). Dieses Stück ist wie eine Entschuldigung im Namen der Menschheit. „Lost“ greift auf gewisse Weise um sich. Man realisiert nach und nach, dass so viele Dinge das auf dieselbe Art beeinflussen. Es kann die Art sein, wie wir Tiere behandeln, Gier, Korruption und alles andere. Mit alledem gießen wir Benzin in dasselbe Feuer. Die falschen Leute haben die Macht und das heizt die Flamme an. Es macht alles noch schlimmer. Es ist so ein harter Kampf. All das macht das so hoffnungslos.

Ich denke, dass viele Menschen mir zustimmen würden. Wir fühlen uns alle irgendwie ausgestoßen, weil wir es nicht aufhalten können. Es gibt massenhaft Menschen, die wissen, was auf der Welt los ist. Aber sie wollen es nicht sehen.

Belinda: Ja, ich glaube, viele Menschen denken sich „Wenn ich es nicht sehe, existiert es nicht“ und dadurch lastet es auch nicht auf ihren Schultern. Sie setzen also Scheuklappen auf. Aber eine Menge Menschen da draußen haben auch absolut keine Ahnung, wie Tiere in der Massentierhaltung und auch sonst behandelt werden. Es hat auch mal eine Zeit gegeben, als ich das nicht wusste. Dass männliche Küken zu Tode geschreddert werden, weil „ihr Dasein keinen Sinn hat“. Das Kälbchen von ihren weinenden Müttern getrennt werden, damit wir Menschen ihre Milch trinken können.

Anne: Ich finde, das war eine ziemliche Glanzleistung, das alles in einem achtminütigen Video zusammenzufassen. Es ist wirklich großartig geworden.

„Ich konnte mir das Video nicht komplett ansehen“

Belinda: Guilherme hat wirklich einen guten Job gemacht. Er war regelrecht am Boden zerstört und unglaublich aufgewühlt, nachdem er stundenlang dagesessen und die Bilder für das Video editiert hatte. Genau wie die Sache mit den Tieren. Es hat ihn wirklich gepackt. Ich habe es bis heute nicht geschafft, mir das komplette Video anzusehen.

Anne: Für mich war es fast wie, als ich „Earthlings“ das erste Mal gesehen habe. Es hat mich in seinen Bann gezogen. Es war ziemlich intensiv. Ich hoffe, dass sich viele Menschen dieses Video ansehen werden.

Belinda: Danke schön! Das ist die Reaktion, die wir uns erhofft hatten. Wir wollten, dass die Menschen diese Warnungen sehen. Darum haben wir uns zum Beispiel auch gegen eine Trigger Warnung entschieden. Nachrichten in visueller Form sind ein sehr effektives Werkzeug. Das ist ein guter Aspekt von Social Media. Du kannst damit die Massen erreichen. Und wenn Du einmal Szenen, wie die in „Lost“ gesehen hast, kannst Du es nicht mehr rückgängig machen.

Justin: Man muss das in den richtigen Kontext stellen und es möglichst behutsam machen. Das ist wirklich wichtig. Ich finde, es ist nichts Provokatives an unserem Video. Alles steht in einem Kontext. Und ich denke, genau auf diese Art und Weise sollten wir es den Menschen vermitteln. Uns ist der Teil mit der Grausamkeit gegenüber Tieren besonders wichtig. Das schockiert uns und macht es schwierig, sich den Clip anzuschauen.

Anne: Ihr seid auch beide Veganer⋆innen und engagiert Euch für Themen wie die Klimakatastrophe und die Ausbeutung der Erde. Menschlichkeit und Tierrechte sind häufig Thema Eurer Songs. Selbst, wenn ein Text nicht davon handelt, kann man es in Euren Melodien hören. Macht Ihr Musik, um diese sehr wichtige Message zu verbreiten oder ist es eher andersrum? Sprich: Seht Ihr Euch eher als Aktivist⋆innen oder als Musiker⋆innen?

„Wenn ich mich nicht bremse, geht es in jedem Song um die Tiere“

Belinda: Ich versuche meinen Teil in Form meiner Lyrics beizutragen. In ihnen liegt ein kleiner Teil meines Aktivismus. Ich muss eine Menge zurückhalten. Sonst würde wohl jeder Demosong, den Justin mir gibt, am Ende von den Tieren handeln. Den Tieren eine Stimme geben.

Ich spende auch, so viel ich kann, an Tierrechtsorganisationen und kleine Hilfsprojekte. Wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich definitiv häufiger auf die Straße gehen und mich engagieren. Aber genau, wie ich es in einem anderen Interview schon mal erwähnt habe: Ich könnte einen Teil des Aktivismus nicht ertragen. Zum Beispiel mich im Kampf gegen die Schlachthäuser einzusetzen. Es würde mich zerstören. Ich glaube, es würde mich dazu bringen, von einer Brücke zu springen.

Justin: Ich würde sagen, das hält sich bei mir die Waage. Mental war ich immer ein Aktivist. Aber wir können nur unser Möglichstes tun und was unserer Situation angemessen ist. Ich hatte nicht immer diese Möglichkeiten. Als Musiker⋆in hast Du eine Stimme. Ich denke, das ist, was unsere Aktivist⋆innen-Seite ausmacht. Wir können jetzt endlich ein bisschen mehr unternehmen. Was wir wirklich tun können, ist unsere Stimme zu nutzen! Auch, wenn es schwierig ist, da die richtige Balance zu finden. Den Menschen wird das sonst schnell unangenehm. Tierrechte sind kein politisches Problem, sondern ein soziales. Die Menschen mögen es nicht.

„Man darf das Thema Tierrechte nicht zu oft ansprechen“

Crippled Black Phoenix Interview Rock 'n' Roll vegan Justin

Justin

Belinda: Ja, sie nennen Dich „militant“, wenn Du das Thema zu oft ansprichst.

Mit unserem Song „Nebulas“ entschuldige ich mich bei den Tieren dafür, dass ich nicht mehr tun kann. Ich möchte damit sagen „Es tut mir leid, dass ich Euch nicht retten kann“.

Justin: Das Verrückte ist, Du sprichst diese Themen an und versuchst dabei konstruktiv zu sein, zu informieren und darauf aufmerksam zu machen. Und die Leute sagen sofort „Du wirst mir nicht vorschreiben, ob ich Fleisch esse oder nicht“. Sie fangen an, sich mit Dir über die Lebensmittel, die Du zu Dir nimmst, zu streiten. Ich denke mir dann immer „Es geht nicht um die Ernährung! Es geht darum, wie wir mit Tieren umgehen!“ Sie scheinen sich immer Sorgen darum zu machen, was Du zum Abendbrot isst.

Ich streite mich nicht mit Leuten, die Fleisch essen. Wir werden die Menschen niemals davon abhalten, Tiere schlecht zu behandeln und zu töten. Das wird traurigerweise niemals passieren. Aber wir werden verdammt nochmal nicht damit aufhören, es zu versuchen! Wir müssen weiter das Bewusstsein dafür vermitteln. Aber ohne die Menschen unter Druck zu setzen. Denn je mehr Du das tust, desto mehr sträuben sie sich dagegen.

Anne: Ich kann mir vorstellen, dass Ihr viele Menschen inspiriert habt, auch Veganer⋆innen zu werden. Habt Ihr eine Idee, wie viele es sind? Gibt es Bandmitglieder oder Fans, die Ihr überzeugt habt?

„Meine Mutter schmuggelt meinem Vater veganes Essen auf den Teller“

Justin: Unser Toningenieur ist so ziemlich das Gegenteil von uns, wenn es ums Essen geht. Er liebt seinen Pie mit Pommes – er ist einfach „very British“. Wir haben ihn in ein veganes Restaurant eingeladen und er musste zugeben, dass es ziemlich großartig war. Ich glaube, er hat danach angefangen, sich etwas besser zu ernähren. Er wird nie zum Veganer werden. Aber darum mögen wir ihn nicht weniger. Ich weiß, dass meine Mutter ab und zu ein paar vegane Speisen auf den Teller meines Vaters schmuggelt.

Generell sind die Leute immer interessiert. Wenn Du auf Tour rumhängst, wird es jeden Tag zum Thema. Beim Mittagessen wird immer gefragt, wer „die Veganer⋆innen“ sind. Alle zeigen Interesse. Manche erzählen auch, dass sie es mal ausprobieren wollen. Ich denke aber, dass die meisten es wieder vergessen, wenn Du nicht mehr da bist.

Anne: Wann seid Ihr Veganer⋆innen geworden? Wer oder was hat Euch inspiriert?

„Belinda hat mich inspiriert, Veganer zu werden“

Justin: Ich habe mich seit meinem 14 Lebensjahr vegetarisch ernährt. Ich bin mir nicht ganz sicher, wann ich dann zum Veganer wurde. Aber Belinda hat mir den letzten Schubs gegeben. Es war also sie, die mich inspiriert hat!

Belinda: Ich wurde vor zwanzig Jahren Vegetarierin. Ich war viele Jahre lang so eine typische „Teilzeit-Veganerin“ – falls es so etwas wirklich gibt. Ich habe zum Beispiel Eier von „glücklichen Hühnern“ gegessen, die mir Freunde gegeben haben. Den finalen Schritt habe ich vor sechs Jahren gemacht. So dramatisch es auch klingen mag – und glaub mir, wenn ich Dir das sage – Ich habe diese grausamen Schuldgefühle. Sie werden mich bis zum Tag meines Todes verfolgen. Ich bereue zutiefst, dass ich nicht schon vor Jahrzehnten Veganerin wurde.

Ich sollte auch noch erwähnen, dass wir Nicht-Veganer nicht dämonisieren. Es macht Dich nicht automatisch zu einer bösen Person, wenn Du Fleisch isst. Wir haben eine Menge Freude, die wunderbare Menschen sind, aber keine Veganer⋆innen.

Anne: Euer neues Album „Ellengæst“ ist ein eindrucksvolles Gesamtkunstwerk – für mich ist es ein klarer Kandidat für das Album des Jahres. Ich denke, die Stimmung der Platte spiegelt die Grundstimmung 2020 wider. Habt Ihr die Songs mit diesem Eindruck geschrieben – Ich spreche vor allem vom Song „The Invisible Past“? Habt Ihr es darum nach einem bösen Dämonen benannt?

„Wir haben ‚Ellengæst‘ vor eineinhalb Jahren gemacht“

Justin: Die Wahrheit ist, dass wir das Album vor etwa eineinhalb Jahren gemacht haben. Wir haben die Songs dann im Oktober 2019 aufgenommen. Es war also ein echter Zufall, dass es Bezug auf 2020 nimmt. Der Song „Lost“ zum Beispiel handelt nicht speziell von diesem Jahr. Es geht darum, wie wir die Welt sehen.

Ich würde nicht sagen, dass es schwerwiegend schlimmer geworden ist, dieses Jahr. Ich würde sagen, 2020 hat eine Menge Dinge ans Tageslicht befördert. Jeder ist schockiert und alle sagen, dass 2020 ein wirklich schlimmes Jahr ist. Aber die Menschen sind sich dessen dieses einfach bewusst geworden. Die Aktivist⋆innen versuchen zum Beispiel schon seit 50 Jahren das Thema Klimawandel auf den Tisch zu bringen. 2020 ist es zu einem öffentlichen Thema geworden.

Belinda: Ich glaube auch, dass die Leute durch die Corona-Krise mehr Zeit haben, sich hinzusetzen und über diese Dinge nachzudenken.

Anne: Da Ihr nicht immer am selben Ort seid – einige von Euch in England, einige in Schweden – und gibt auch jede Menge Gastauftritt auf Eurem Album: Wie schafft Ihr es, gemeinsam Songs aufzunehmen? Besonders in Zeiten wie diesen?

„Wir haben an neuen Aufnahmen gearbeitet“

Belinda: Wir waren letzten Monat im Studio! Einige unserer Gäste haben ihre Parts in ihren Studios in ihren Heimatstädten aufgenommen und einige sind ins Studio gekommen. Manchmal muss man es einfach geschehen lassen!

Anne: Was haltet Ihr von Remote Recording?

Justin: Wir nehmen unsere Alben nicht so gerne remote auf. Ich glaube, wir sind ein bisschen altmodisch, was das angeht. Mit der richtigen Art von Mikrofon kannst Du Deinen Gesang überall aufnehmen. Aber mit den Instrumenten ist das anders. Wir haben einen speziellen Sound, der sich zum Teil auch aus den Räumen ergibt, in denen wir ihn aufgenommen haben. Die Drums auf Ellengæst klingen wie Crippled Black Phoenix Drums, weil wir sie mit speziellen Mikrofonen und besonderem Equipment in einer Kapelle aufgenommen haben – auf eine ganz bestimmte Art. Das sind Dinge, die Du nicht in Deinem Schlafzimmer oder in irgend einem alten Studio machen kannst. Ich finde, es ist auf eine Art schon ein bisschen nervig aber den zusätzlichen Stress und die Arbeit auch wirklich wert.

Anne: Das hört sich so an, als wärt Ihr mit dem Ergebnis Eurer Arbeit zufrieden?

Belinda: Also, man hört sich seine eigene Musik ja nicht an (lacht). Was mir wirklich gefällt ist die Message. Das Video für „Lost“ und so weiter. Damit bin ich wirklich sehr glücklich.

Anne: Ihr habt den Song „Cry Of Love“ zusammen mit Ryan Peterson gemacht. Es geht darin um den Verlust seiner geliebten Katze. Wie kam es zu der Kollaboration?

„Viele unserer Songs haben wir Katzen gewidmet“

Justin: Als wir den Song gemacht haben, hat Ryan uns gefragt, ob er den Text dafür schreiben kann. Wir hatten schon vom Tod seiner Katze erfahren. Er hat uns gefragt, ob es uns etwas ausmachen würde und wir hatten natürlich nichts dagegen. Tragischerweise waren genau zum selben Zeitpunkt zwei unserer Katzen kurz hintereinander gestorben – Tigger und Nell – wir hatten also beide jemanden verloren.

Für mich war es ein großartiger Zufall, dass Ryan zu diesem Zeitpunkt die Idee für diesen Song hatte. Es war eine Art glückliche Fügung. Tatsächlich haben wir das komplette Album diesen drei Katzen gewidmet. Und es war nicht das erste Mal. „No Sadness Or Farewell“ haben auch einer Katze gewidmet.

Belinda: Tigger, der in Justins Armen gestorben ist, ist auch die Katze auf unserer EP „Horrific Honorifics“!

Anne: Ihr habt Ellengæst während der COVID-Pandemie veröffentlicht. Wie hat sich das auf die Album-Promotion ausgewirkt? Inwiefern war sie anders, als die für die Vorgänger-Alben? Gab es Nachteile für Euch? Also zum Beispiel die Tatsache, dass Ihr die Platte nicht bei Live-Konzerten vorstellen konntet?

Justin: Also nicht dazu in der Lage zu sein, live zu spielen, war auf jeden Fall ein Nachteil für uns. Aber ich würde sagen, wir schätzen es genauso, Interviews zu geben. Wir sind unserem Plattenlabel sehr dankbar. Sie machen wirklich einen sehr guten Job und bringen uns mit Magazinen und Blogs zu verbinden. Aber es ist auch ein Black Metal Label. Also kommt eine Menge unserer Presse aus dieser Ecke. Das war auf eine Art also auch eine kleine Hürde. Es ist nicht so leicht, die Menschen für sich zu gewinnen, indem man darüber redet, was einem wichtig ist. Also schätzen wir es auch immer, so reden zu können, wie wir es gerade tun. Ich bin mir nicht ganz sicher, wie COVID unsere Arbeit beeinflusst hat. Wir sind ja irgendwie immer ein bisschen lose miteinander vernetzt.

Anne: Apropos Tour. Einige Bands posten gerade fleißig Konzerttermine auf Facebook. Findet Ihr das zu optimistisch?

„Wir wollen 2021 auf Tour gehen“

Belinda: Wir hoffen nicht, weil wir auch ein paar tolle Sachen geplant haben! Wir hoffen alle das Beste.

Anne: Könnt Ihr schon sagen, wann wir Euch hier in Hamburg wieder auf der Bühne sehen können? Das letzte Mal, als wir Euch gesehen haben, hatten wir wirklich eine fantastische Zeit – für mich war es einer der besten Konzertmomente des Jahres 2019.

Justin: Wir hoffen, dass wir 2021 wieder in Hamburg sein können. Es ist cool, dass Du das Konzert in Hamburg erwähnst! Das war im „Knust“, oder? Ich liebe diese Location!

Anne: Was steht als Nächstes auf dem Plan für Crippled Black Phoenix?

Belinda: Wenn alles klappt, werden wir 2021 auf jeden Fall auf Tour gehen.

Justin: Wir haben einige Shows für 2021 gebucht. Es gibt jede Menge Termine in Deutschland und eine paar weitere auf dem Kontinent. Wir schauen uns auch die Festivals an. Aber wir können leider noch nichts Genaues in diese Richtung sagen. Also lasst uns die Daumen drücken!

„Wir hoffen, dass uns der Brexit nicht ausbremst“

Ich hoffe sehr, dass uns 2021 der Brexit nicht so bremsen wird, wie es COVID 2020 getan hat. Wir haben uns das mal angeschaut und es scheint, dass das Touren dadurch ziemlich teuer wird. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie das sein wird. Ab Januar werde ich nicht mehr die Freiheit besitzen, wann immer ich will in die EU zu reisen. Ich meine, wie verrückt ist das bitte? Neben vielen anderen Punkten natürlich. Meine Mutter ist Schottin. Also hoffe ich darauf, dass Schottland unabhängig wird. Dann kann ich mir einen schottischen Pass besorgen und wieder reisen.

Anne: Arbeitet Ihr schon wieder an neuen Songs?

Belinda: Wir wollen den zweiten Teil unseres neuen Projekts im April aufnehmen.

Justin: Ja, wir haben die erste Hälfte des nächsten Albums schon fertig. Also denke ich, dass wir es irgendwann Ende nächsten Jahres veröffentlichen werden. Außerdem werden wir hoffentlich bald einen neuen Song veröffentlichen.


[⋆] English version

Interview with Crippled Black Phoenix – „We are sure as hell going to try“

Crippled Black Phoenix is one of the bands who always know how to impress me – Most recently with their current album „Ellengæst“. Now I could arrange an interview with songwriter and singer Belinda Kordic and bandleader Justin Greaves via video call.

The conversation, in which Justin’s cats were also actively involved, was incredibly inspiring. I talked with the two about their plans, animal rights, veganism, music, and activism. And, of course, about their record.

Anne: Thank you so much for agreeing to this interview! I have to say that I am incredibly flattered! Sitting in front of my screen and talking to you guys feels quite overwhelming!

Justin: Thank you very much! It’s nice writing that you’re doing!

Belinda: Yes! Definitely! It’s something that we care about a lot!

Anne: Thank you so much for your kind words! How are you doing today? Where are you staying these days? Your place looks quite cozy, Belinda!

Justin: I’m in the north of England, and Belinda is in Stockholm. Sometimes we’re together in the same place, and sometimes we’re apart. Right now, we’re each in our little dungeons (laughs).

„It’s about the things that we feel strongly about.“

Crippled Black Phoenix Interview Rock 'n' Roll vegan Justin

Justin

Anne: The song „Lost“ from your new album, didn’t let go of me and Matze, who I asked to write a guest article on my blog about it. I had the feeling that he would be the right person to put it all into words. And it seems this intuition was right because you told me that you enjoyed reading it! The article is quite political and refers only partly to your song. I think, as well as you did, with your music, we felt the urge to look a bit deeper. What made you relate to it?

Belinda: It was great! It was all put together really well.

Justin: It’s about the things that we feel strongly about. It was nice to see that it wasn’t just about the video. It was actually about the bigger topic, which is exactly what we were trying to say.

Anne: I am very curious about your story behind the video. Who came up with the idea? What’s it’s background story?

Belinda: The song „Lost“ is about we’ve lost our humanity in all different ways. How humans lost their souls. We talked to Guilherme (Guilherme Henriques, director), who did the video with us, and he got it straight away. We wanted to show the worst of everything in the video: How humans treat animals, homelessness, greed, and bad politics. Everything that’s going to be the end of the planet is put together in one video. Not only animal-related topics like in our old songs but everything. The whole story. And Guilherme did it so well.

„Like an apology on behalf of humans“

Justin: Like in „Nebulas“ (CBP album „Great Escape“, 2018). That song was like an apology on behalf of humans. „Lost“ is kind of expanding. Realizing that so many different things affect this in the same way. It could be the way that we treat animals, greed, corruption, and everything else. It is all fuel in the same fire. The wrong people are in power, and that’s sparking the flame. It’s making it even worse. It’s such a hard battle. We feel so hopeless about it.

I think many people would agree with this. We all feel quite outcast because we can’t stop it indefinitely. There are masses of people who know what goes on in the world. But they don’t want to see it.

Belinda: I guess for many people, the thought is „if you don’t see it, it doesn’t exist“, and it’s then not a burden on their shoulders. So they put the blindfolds on. But many people out there have absolutely no idea how animals are treated in the farming industry etc. I didn’t either once upon a time. That male chicks are crushed to death because they „serve no purpose“. That calves are taken away from their crying mothers, so we humans can have their milk.

Anne: I think you did well putting this all together in an eight minutes video. It is amazing.

„I couldn’t watch the whole video“

Belinda: Guilherme did a fantastic job. He was really destroyed and emotionally upset after sitting there for hours editing the video like the thing with the animals. It got to him. And who can blame him? To this day, I haven’t been able to watch the whole video.

Anne: For me, it was like watching „Earthlings“ for the first time. It captivated me. It was pretty intense. I hope that many people are watching it.

Belinda: Thank you! Well, that’s the reaction we were hoping for. We wanted people to see these warnings, so we chose not to have a trigger warning label attached to the video, for example.

Messages in a visual format is a very powerful tool. This is one good thing with social media. It reaches the masses. And once you see something like the scenes in „Lost“, you can’t un-see it.

Justin: It is essential to use this in the right context and in a proper way. I think there is nothing provocative about the video. Everything is in context. And I think this is how we need to tell people about this. We care a lot about the animal cruelty part. That actually shocks us and makes it difficult to watch.

Anne: You are also vegans and engaged with topics like the climate crisis and the world’s exploitation. Humanity and animal rights are pretty often part of many of your songs. Even if a song text isn’t about it, you can feel it in your tunes. Do you make music to transport this very important message, or is it the other way round? Or simpler: Are you more activists or musicians?

„I want to give the animals a voice“

Belinda: I try and do my part with the lyrics. Inside them lays a small part of my activism. I have to hold back a lot – or every demo song Justin hands over to me would end up being a song about animals, giving animals a voice.

I also give what I can to animal rights organizations and smaller charities. If I had more time, I would definitely go out more often being active, and doing things. But like I mentioned in another interview: I couldn’t handle some parts of the crucial activism side, like investigating slaughterhouses. That would destroy me. I’d end up jumping from a bridge.

Justin: Equal measure. Mentally I have always been an activist. But we can only do as much as we can and what is possible in our situation. It hasn’t always been possible. But being a musician gives you a voice. I think that is what has made the activist side of us. Finally, we can do a little bit more. Most of what we can do is to use our voices! It is tricky, though, to find the right balance because, unfortunately, people go blank. Animal rights are not political – it’s a social problem. People don’t like it.

„An apology to the animals“

Crippled Black Phoenix Interview Rock 'n' Roll vegan

Crippled Black Phoenix

Belinda: Yes. They’re calling you militant, If you talk about it too often.

With our song „Nebulas,“ I apologize to the animals that I can’t do more. I want to say, „Sorry that I can’t save you“.

Justin: The crazy thing is you bring these subjects up trying to say it constructively and be informative and spread the word. And people come just straight away and say, „You don’t tell me not to eat meat“. They are beginning to argue about what food you eat. And I’m always like, „It’s not about your diet! It is how we treat animals“.

They always seem worried about what you eat for dinner. I don’t argue with people who eat meat. We will never be able to stop people from killing or mistreating animals. That is, sadly, never going to happen. But we sure as hell are going to try. And keep spreading awareness. But without putting force on people because the more you do that, the more they’re going to resist.

Anne: I can imagine that you’ve inspired many people to go vegan, too. Can you guess how many there are? Any of your band members or fans?

„My mom sneaks vegan food on my dad’s plate“

Justin: Our sound engineer is quite the opposite of us when it comes to food. He loves his pie and chips – very English. We took him to a vegan restaurant. And he had to admit that it was excellent. I think he started to eat a little better afterward. He is never going to go vegan. But this doesn’t make us like him less. My mom also sneaks some vegan food on my dad’s plate from time to time.

People are always interested. When you’re on tour hanging out, it’s a topic every day. When they’re serving lunch, they’re always asking, „Who’s the vegan“. Everyone is interested; some of them tell you they want to try it. But as soon as you’re away, most of them are suppressing the thought again, I guess.

Anne: When did you go vegan? What or who inspired you?

„It was Belinda who inspired me to go vegan“

Justin: I was a vegetarian since I was 14 years old. I’m not sure when I went vegan. But Belinda gave me the final push. So it was she who inspired me!

Belinda: I started vegetarian over two decades ago. For many years I was borderline vegan – if that’s even a thing. I would eat „happy eggs,“ for example, from some friend’s chickens. I took the final step, I think, about six years ago. As dramatic as it may sound, and believe me when I say this, I have this horrible guilt, and it’s going to follow me to the day I die that I didn’t go 100 percent vegan decades ago.

I also want to say that we are not demonizing non-vegans. It doesn’t automatically make you a bad person if you do eat meat. We have a lot of friends who are amazing human beings who are not vegans.

Anne: Your whole album „Ellengæst“ is an impressive piece of art – for me, it’s a definite candidate for the album of the year. I think its mood perfectly represents the overall mood of 2020. Did you write the songs under that impression – especially talking about „The Invisible Past“? Did this plant the thought in your head to name it after a bad demon?

„We did ‚Ellengæst‘ one and a half year ago“

Justin: The truth is that we wrote the album a year and a half ago. We recorded the songs in October 2019. So it was a coincidence it connected with 2020. For example, the song „Lost“ is not 2020 really specific. It is such a big topic. It is how we see the world.

I don’t think that it got necessarily worse this year. I would say 2020 exposed a lot of things. Everyone is shocked, and everyone says that 2020 is really bad, but what is going on this year has been going on for so many years. People just became aware of it. People have been trying to raise the subject of climate change for 50 years now, for example. And in 2020, it’s become a thing.

Belinda: I also think that Corona gave people time to sit and think about these things.

Anne: As you are not always staying at the same place – some of you are from England, some from Sweden – and there are also several guest appearances on your album: How are you managing to record songs together? Especially in times like this?

„We worked on some new recordings“

Belinda: We been in the studio last month! Some of our guests recorded their parts in their studios in their hometowns, and some came to the studio. Sometimes you have to make it happen!

Anne: What do you think about remote recording?

Justin: We don’t like to record our albums remotely. We’re a bit old fashioned about this, I guess. With the right kind of microphone, you can record your vocals everywhere. But it’s different from the instruments. We have a specific type of sound that partly comes from the rooms that we’ve recorded it in. The drums on Ellengæst sound like Crippled Black Phoenix Drums because we’ve recorded them in a chapel with specific microphones and certain equipment in a certain way. These are things you can’t do in your bedroom or any old studio. I think it’s kind of a pain in the ass, but I think the extra work and extra stress are totally worth it.

Anne: That sounds like you are happy with the outcome of your work?

Belinda: You don’t listen to your own music, you know (laughs). What I like about it is the message. You know, with the video for „Lost“ and everything. I am really happy with this.

Anne: You did the song „Cry Of Love“ together with Ryan Peterson. It is about the loss of his beloved cat. What led to this collaboration?

„Many of our songs are dedicated to cats“

Justin: When we did the song, Ryan asked us if he could do the words for it. We’d already knew about his cat passing away. He asked us if we would mind, and of course, we didn’t. Weirdly we had just lost two of our cats – Tigger and Nell – quite at the same time, so we’ve both loved some dear friends.

For me, it was a remarkable coincidence with Ryan coming up with the idea for this song at this time. It was kind of serendipity. We dedicated the whole album to these three cats. And it was not the first time. We also dedicated „No Sadness Or Farewell“ to a cat.

Belinda: Tigger, who died in Justin’s arms, is also the cat on our EP „Horrific Honorifics“!

Anne: You’ve released Ellengæst during the COVID Crisis. How did the promotion work for it distinguish from the ones you did before? Did you encounter any disadvantages? For example, by not being able to promote it by playing live gigs?

Justin: Well, not being able to play any gigs has definitely been a disadvantage. But I would say we also appreciate doing interviews. We are very grateful for our record label. These guys are doing a good job connecting us to magazines and everything. They are known for being kind of a black metal label. So a lot of our press comes from the metal press. So that was also kind of difficult. It’s hard to reach people by talking about what they like. So we also appreciate talking like this now. I’m not so sure how COVID affected our work. We’re always kind of remotely together.

Anne: Speaking about touring: Some bands are already posting new tour dates on Facebook. Do you think this is too optimistic?

„We want to go on tour in 2021“

Belinda: We hope not because we also have some stuff coming up! We all hope for the best!

Anne: Can you tell me when we will be able to see you back again over here in Hamburg? The last time we’ve seen you, we had a fantastic time – for me, it was one of the best concert moments of 2019.

Justin: We hope to be there again in 2021. It’s pretty cool you’re mentioning the gig in Hamburg. It was at the „Knust,“ was it? I love this venue!

Anne: What’s up next for Crippled Black Phoenix?

Belinda: If everything works out, we will definitely be on tour in 2021.

Justin: We have some shows booked somewhere around November 2021. There are lots of German dates and also some other trips overseas. We’re also checking out the festivals, but we can’t certainly announce these things. But let’s keep our fingers crossed!

„We hope Brexit won’t stop us“

I hope Brexit won’t stop us in 2021 as COVID did in 2020. We looked into it, and it seems that it’s going to making touring pretty expensive. I can’t even imagine how this will be. From January on, I will not be free to travel to the European Union anymore. I mean, how crazy is this? Among everything else, of course. My mom is Scottish. So I hope that Scotland will get its independence. Then I can get a Scottish passport and get to travel again.

Anne: Are you already working on new songs?

Belinda: We’re planning to record the second half of our new stuff in April.

Justin: Yes, we’ve done the first have of our next album. So I think we are going to release it somewhere later next year. And hopefully, soon, we will have a new song out.

Bilder/pictures: Crippled Black Phoenix