Ein spannendes Musikjahr neigt sich dem Ende zu. Die Alben des Jahres auszuwählen, war gar nicht so einfach. Obwohl die Favoriten erst klar zu erkennen schienen: Die Auswahlmöglichkeiten wurden zum Schluss immer vielfältiger.

Wer dieses Jahr die Veröffentlichungen in den Genres Post-Rock, Post-Hardcore, Post-Metal, Post-Punk, Ambient, Prog und Indie und Alternative im Allgemeinen verfolgt hat (und unsere monatlichen Musiklisten im Speziellen), hat vielleicht schon eine Vorahnung, welche drei Alben wir auf das Ehrenpodest heben. Wir drei waren uns ziemlich einig. Hiermit lüfte ich das Geheimnis.

Unsere drei Alben des Jahres sind: Crippled Black Phoenix mit „Ellengæst“, The Ocean mit „Phanerozoic II“ und Deftones mit „Ohms“. Na? Hat sich Eure Vermutung bestätigt? Es gibt übrigens keinen „Platz 1“ „oder Platz 3“ – alle drei Favoriten sind völlig gleichwertig. Valentin hat „Ohms“ von Deftones auf die Liste gesetzt, Matze „Ellengæst“ von Crippled Black Phoenix und ich „Phanerozoic II“ von The Ocean. Und hier kommen unsere Lobgesänge. Den Für „Ohms“ hat Valentin geschrieben, den für „Ellengæst“ Matze und der für „Phanerozoic II“ stammt von mir:

Deftones „Ohms“

„Mein Album des Jahres ist „Ohms“ von Deftones.

Spätestes seit ihrem dritten Album ‚White Pony‘, das etwas sperriger als die beiden Vorgänger (die ich genauso liebe) klingt, bin ich ein riesiger Fan dieser Band und sie ist (genau wie für Anne) eine der wichtigsten überhaupt für mich.

Seit dieser Zeit klingt jedes Deftones Album trotz der Spannungen, die es auch in dieser Band gegeben hat, einfach einzigartig. Es ist das Komplettpaket aus Komplexität, dem typischen düsteren Deftones-Sound, der auch mal richtig abgehen kann und den Texten über die man lange nachdenken muss. Nicht jeder mag Chino Morenos einzigartige Stimme, für mich ist sie jedoch eine der besten im Rockzirkus.

Leider musste die Band auch schwere Rückschläge hinnehmen. Im November 2008 wurde Bassist Chi Cheng bei einem Autounfall schwer verletzt. Nach vielen Jahren im Koma verstarb er am 13. April 2013.

Aber Musik ist genauso wie für die Hörer⋆innen auch für die Band Heilung. Als Chi Cheng im Koma lag, kam der langjährige Freund der Band Sergio Vega von Quicksand dazu.

‚Ohms‘ ist das zweite Album, das mit Vega enstanden ist. Auch beim Vorgänger ‚Gore‘ bewunderte ich schon das kraftvolle Schlagzeug von Abe Cunningham, welches sich auf der aktuellen LP wieder richtig stark anhört.

Die Corona-Pause hat den Deftones anscheinend sehr gutgetan (obwohl sie damit wahrscheinlich schon in diesem Jahr schon gerne auf Tour gegangen wären). Einen Lieblingssong auf dem Album zu finden, ist relativ schwierig. Für mich streiten sich allerdings ‚Urantia‘ und ‚Pompeji‘ mit seinem Twin Peaks-Ende und die Vorabsingle ‚Ohms‘ darum.

Man kann nur hoffen, dass nach dem inzwischen neunten Deftones Album, auch in Zukunft so großartige Platten dieser Band erscheinen. Oder ‚Eros‘ von 2008 erscheint doch noch irgendwann. Bei der Aufnahme kam damals Chi Chengs Unfall dazwischen.

– Valentin“

Crippled Black Phoenix „Ellengæst“

„Die Veröffentlichungsdichte in diesem Jahr war nicht so hoch, wie in den vergangenen Jahren. Ich denke, dass könnte damit zusammenhängen, dass sich in Zeiten der Pandemie viele Musiker⋆innen aufs Schreiben und Produzieren konzentriert haben, da sie nicht auf Tour gehen konnten. Nächstes Jahr werden die Zahlen dann bestimmt explodieren – zumindest hoffe ich das.

Meine engere Auswahl bestand aus drei Platten, die ich alle als absolute Meisterwerke bezeichnen würde.

  • 🥉 Caspian – ‚On Circles‘
  • 🥈 The Ocean – ‚Phanerozoic II: Mesozoic I Cenozoic‘
  • 🥇 Crippled Black Phoenix – ‚Ellengæst‘

„Ellengæst“ hat also mit einigem Vorsprung vor den anderen großartigen Alben das Rennen gemacht, und zwar mit der einfachen Begründung: Ich kann nicht aufhören, es anzuhören.

– Matze“

The Ocean – „Phanerozoic II: Mesozoic I Cenozoic“

Eines der spannendsten Interviews, die ich dieses Jahr geführt habe, war definitiv das mit dem Kopf von The Ocean Robin Staps. Darin hat er mir kurz vor der Veröffentlichung so einiges über „Phanerozoic II“ verraten – den zweiten Teil eines herausragenden Post-Rock Albums. Ein paar Tage später brach beim The Ocean Label Pelagic der Wahnsinn los. Die Platte wurde so oft bestellt, dass die komplette Logistik, bei der die Band selbst noch aktiv mit beteiligt ist, vollkommen ausgelastet war – zu Recht. „Phanerozoic II: Mesozoic I Cenozoic“ komplettiert eine Ära. Auf faszinierende Art und Weise haben Robin Staps, Loïc Rossetti, Paul Seidel und Co. ein Glanzstück geschaffen, das Seinesgleichen sucht. Mein Favorit von der Doppel-LP ist der Song „Pleistocene“. Beim Hörgenuss kann man die Wollmammuts vor den geschlossenen Augen vorbeiziehen sehen.