Spazierengehen ist nicht nur gut für die Gesundheit. Es sorgt auch für gute Laune, ist ganz kostenlos und es ist zu jeder Jahres- und Tageszeit möglich.

Ihr wollt im Angesicht der derzeitigen Lage lieber nicht ins Fitnessstudio gehen und die Gymnastikübungen zu Hause vor dem Fernseher hängen Euch zum Hals raus? Wie wäre es denn mit einer Runde um den Block? Keine Sorge, ich rede hier nicht davon, Schritte zu zählen. Den Leistungsdruck könnt Ihr für dieses Hobby auf dem Schreibtisch liegen lassen.

Seit es im Frühjahr mit Corona losging, ist das mit der regelmäßigen Bewegung so eine Sache. Viele machen zu Hause regelmäßig ein paar Übungen. Für mich bedeutet das zum Beispiel Yoga mit meinem Kopfstand-Hocker. Ich versuche das so regelmäßig wie möglich jeden Tag einmal zu machen, um nicht komplett einzurosten. Denn: Hand aufs Herz – es gibt schon immer wieder Tage, an denen es mit dem Rausgehen nicht klappt.

Homeoffice und Stadtblues

Den ganzen Tag im Homeoffice, vor der Tür die drängelige Stadt und abends Regenwetter? Ihr versteht, was ich meine. Vielleicht geht es einigen von Euch auch so. Dabei ist Spazierengehen so gesund! Schon fünf Minuten pro Tag können die Laune und das Selbstwertgefühl nachweislich verbessern.

Schon alleine aus diesem Grund sollte man es regelmäßig tun. Ein kurzer Spaziergang zum Briefkasten in der Mittagspause, ein halbstündiger Gang in den Park nach Feierabend und schon geht es uns besser. Wer auf dem Land lebt, hat natürlich deutlich mehr Auswahl- (und auch Ausweich-!!) Möglichkeiten, aber auch in der Stadt sollte das für die meisten problemlos möglich sein.

Immerhin ist es eine entspannte Art, sich zu bewegen, Ihr braucht kein teures Fitness-Abo abzuschließen und Ihr kommt mal wieder auf andere Gedanken. Klingt doch ziemlich gut, oder?

Die Umgebung bewusst wahrnehmen

Wann wart Ihr das letzte Mal spazieren? Ich meine nicht Shoppen oder auf dem Weg zu einem Termin durch die Stadt hetzen. Wann habt Ihr Euch zuletzt bewusst Zeit genommen, einen Fuß vor den anderen zu setzen und Eure Umgebung bewusst wahrzunehmen? Bei mir ist das jetzt schon zwei Tage her. Darum muss ich heute auch dringend wieder raus. Die Natur macht es mir dieses Mal auch ziemlich leicht: Die Sonne scheint nämlich.

Allerdings ist „schlechtes“ Wetter eigentlich auch nichts anderes, als eine Ausrede, oder? Zugegeben: Es sieht schon ziemlich grau aus da draußen. Irgendwie ist es richtig ungemütlich, wie der Regen an der Betonwand gegenüber heruntertropft. Allerdings bietet sich Euch ein ganz anderes Schauspiel, wenn Ihr die Wohnung verlasst und Euch in den Regen hinauswagt. Regenmantel übergezogen, Gummistiefel an die Füße und los gehts – Perspektivwechsel! Wenn bei Euch ein Hund lebt, seid Ihr es gewohnt, bei jedem Wetter rauszugehen. Wenn Ihr es bis jetzt vermieden hat, werdet Ihr vielleicht eine kleine Gewöhnungsphase brauchen aber ziemlich schnell merken, wie toll es doch eigentlich ist.

Dankbarkeit

Wenn man erstmal draußen ist, ist es herrlich. Die Luft wirkt wie frisch gewaschen. Das Gesicht bekommt eine Frischekur und der frische Wind im Rücken fühlt sich in Wirklichkeit eher beschwingt an, als ungemütlich. Als Belohnung wartet das heimische Sofa. Wer fühlt sich nicht rundum glücklich und zufrieden, wenn er⋆sie nach einem langen Spaziergang an einem kühlen Herbsttag in die warme Wohnung zurückkommt?

Ab einer Geschwindigkeit von sechs Kilometern pro Stunde geht Euer Spaziergang übrigens in eine Wanderung über – das sagen zumindest Sportmediziner.

Allerdings geht es beim Spazierengehen nicht in erster Linie um Sport. Klar, Ihr bewegt Euch und verbrennt auch die ein oder andere Kalorie. Ihr sorgt aber auch dafür, dass es Euch besser geht – der Stadtblues verfliegt für eine kurze Weile, die Ideen sprudeln wieder und insgesamt fühlt sich alles schon viel positiver an. Habe ich recht?

Entspannung

Beim Spazierengehen entspannen sich die Muskeln und Nerven. Das beugt Haltungsschäden und Schmerzen vor. Das Stresslevel und der Blutdruck werden gesenkt und die Durchblutung des Gehirns wird angeregt. Das sorgt für neue Kreativität. Wer jeden Tag ein paar Schritte geht, ist auf lange Sicht nicht nur leistungsfähiger, sondern auch ausgeglichener und mit sich selbst im Einklang.

„Sobald sich meine Beine bewegen, beginnen meine Gedanken zu fließen“ – Henry David Thoreau, 19. Jh.

Menschen, die regelmäßig spazierengehen leiden im Durchschnitt weniger oft an Burn-out und anderen stressbedingten Krankheiten. Therapeuten raten ihren Patient⋆innen aus gutem Grund dazu, regelmäßig spazieren zu gehen. Es soll sogar Fälle geben, in denen Menschen mit Depressionen dauerhaft auf den Einsatz von Medikamenten verzichten konnten.

Das Robert-Koch-Institut hat dazu eine Studie veröffentlicht, aus der hervorgeht, dass körperliches Training ähnlich wirksam sein kann, wie bestimmte Medikamente. Natürlich sollte man sowas immer vorher genau mit seine⋆r Ärzt⋆in abstimmen.

Den Kreislauf in Schwung bringen

Wer den ganzen Tag am Bildschirm klebt, ist abends schneller müde und schläft unruhiger. Um im Gleichgewicht zu bleiben, ist es wichtig, dass wir unseren Kreislauf regelmäßig anregen. Durch regelmäßige Spaziergänge wird außerdem das komplette Immunsystem gestärkt. Das Risiko für Bluthochdruck und Schlimmeres sinkt.

Kennt Ihr das? Der Nacken fühlt sich plötzlich richtig hart an und irgendwie zwickt es im unteren Rücken. Könnte das vielleicht an zu wenig oder einseitiger Bewegung liegen? Nach einer Runde im Park könnte es schon besser sein. Einen Versuch ist es auf alle Fälle wert. Anschließend noch ein paar Lockerungsübungen im heimischen Wohnzimmer und schon ist das Fitnessprogramm für heute auch abgehakt.

Achtsamkeit

Für alle, die noch eine kleine Anregung suchen, habe ich hier noch eine Achtsamkeitsübung, die für mehr Freude im Leben sorgt. Bei einem Spaziergang geht es nicht darum etwas zu erledigen, oder an einen bestimmten Ort zu gelangen. Ganz im Gegenteil: Ihr wollt Stress abbauen und das Schöne genießen. Mit einem Achtsamkeits-Spaziergang könnt Ihr das wunderbar üben.

Begebt Euch an einen Ort, der für einen Spaziergang gut geeignet ist. Das kann zum Beispiel ein nahegelegener Park oder ein Feldweg sein. Lenkt Eure Aufmerksamkeit bewusst auf Dinge, die Euch glücklich machen.

Alle Sinne nutzen

Das Gezwitscher der Vögel, das Fallen der Regentropfen, die Sonne, das bunte Laub unter Euren Füßen, ein vorbei huschendes Eichhörnchen oder ein alter Songtext, der Euch beim Gehen wieder in den Sinn kommt – das alles können Dinge sein, die Euch ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Achtet mal bewusst darauf, wenn Ihr das nächste Mal vor Euch in schlendert.

Nutzt Eure Sinne. Seht den Wind in den Baumwipfeln, riecht den Duft der frisch gemähten Wiese, fühlt den Sand unter Euren Schuhsohlen und schmeckt die Regentropfen, die Euch über das Gesicht perlen.

Mit dieser einfachen Achtsamkeitsübung könnt Ihr Eure positive Wahrnehmung und Euer Selbstwertgefühl nachhaltig stärken. Ihr senkt Euer Level an Stresshormonen und fühlt Euch wohler. Zehn bis fünfzehn Minuten reichen schon. Versucht es mal!

Bleibt gesund! Namasté!