In einem offenen Brief haben jetzt über 300 Walexpert⋆innen ihre große Sorge um Wale und Delfine klar zum Ausdruck gebracht. Sie rufen in ihrem Schreiben zu weltweiten Maßnahmen zum Schutz der Meeressäuger auf.

Der Brief wurde unter anderem auf der Homepage des Mamal Research Institute veröffentlicht. Die Abteilung Meeressäuger wird dort von der Meeresforscherin Dr. Els Vermeulen geleitet.

„Jeder von uns Wal-Expert⋆innen ist der Meinung, dass dieses Thema genau jetzt von entscheidender Bedeutung ist.“,

schreiben die Forscher⋆innen innen in ihrem offenen Brief. Verschickt wurde der Aufruf mit der Betreffzeile „Die reale und unmittelbar bevorstehende Ausrottungsgefahr für Wale, Delfine und Tümmler“.

Wale und Delfine stehen kurz vor der Ausrottung

„Derzeit gibt es keine wirksamen Maßnahmen gegenüber Bedrohungen, die sich nachteilig auf Wale und Delfine in unseren zunehmend belebten, verschmutzten, überfischten und vom Menschen dominierten Meeren und großen Flusssystemen auswirken. Dies bedeutet, dass viele von ihnen wahrscheinlich noch innerhalb unserer Lebenszeit nacheinander für ausgestorben erklärt werden“,

heißt es weiter.

Die Walpopulation leidet unter zahlreichen, miteinander verbunden Faktoren. Dazu zählen die Wasserverschmutzung durch Chemikalien, Lärm, die Einschränkung der Lebensräume, das Aussterben der Beutetiere, Schiffshavarien und allen voran der Klimawandel. Für viele Tiere kommt als größte Bedrohung die Jagd hinzu.

Selbst die größten unter den Meeressäugern sind nicht vor dem Menschen sicher. Die Expert⋆innen belegen das mit Fakten.

„Die aktuellste Aufnahme des Nordatlantischen Glattwals in die Liste der vom Aussterben bedrohten Wale durch die Internationale Union zur Erhaltung der Natur (IUCN) macht deutlich, dass die relativ wohlhabenden Länder des Nordatlantiks es versäumt haben, einen kritischen Rückgang zu verhindern. Darüber hinaus sind die Faktoren, die zu diesem anhaltenden Rückgang führen, bekannt. Wir glauben, dass sie angegangen werden müssen“.

Glattwale könnten schon bald ausgestorben sein

Heute leben nur noch einige hundert erwachsene Glattwale im Nordatlantik. Die Meeresforscher⋆innen warnen

„Wenn wir nicht bald geeignete Maßnahmen einleiten, werden wir diese Art zweifellos verlieren“.

Um die ebenfalls vom Aussterben bedrohten Laquita im Golf von Mexico vor Kalifornien steht es sogar noch schlimmer. Heute werden von dieser Art insgesamt nur noch zehn Tiere gezählt. Die Expert⋆innen sind betrübt.

„Es ist nahezu unvermeidlich, dass diese beiden Arten dem Baiji (Chinesischer Flussdelphin) auf dem Weg in die Ausrottung folgen werden. Die düsteren Aussichten für diese bedrohten Arten zeigen, wie schnell es zu spät sein kann, wenn wir uns nicht mit derartigen Problemen auseinandersetzen.“

Laut IUCN (International Union for Conservation of Nature)spricht man bei mehr als die Hälfte der Meeressäuger inzwischen von einem bedenklichen Arterhaltungsstatus. 13 Arten sind unmittelbar bedroht, sieben gelten als besonders anfällig und weitere sieben stehen kurz vor der Bedrohung. Für 24 Arten liegen keine verwertbare Daten vor, so die Expert⋆innen.

Über viele Arten gibt es keine Informationen

„Die Arten, für die uns keine ausreichenden Daten vorliegen, können ebenfalls gefährdet sein. Wir können das leider nicht genau sagen. Der Mangel an klaren Informationen zu so vielen Arten und Populationen ist an sich Teil des Problems. Darüber hinaus gibt es 32 Unterarten und weitere Walpopulationen, die gegenwärtig entweder bereits akut bedroht sind oder auf der Kippe stehen. Wir finden immer wieder neue Arten, die unseren Schutz brauchen.“

Die Forscher⋆innen rufen mit ihrem offenen Brief speziell die Länder mit Walen in ihren Gewässern dazu auf, vorbeugende Maßnahmen zu ergreifen. Sie sollen sicherstellen, dass die bedrohten Arten angemessen vor menschlichen Eingriffen geschützt werden und mit den nötigen Ressourcen beobachtet werden.

Alle Nationen sollen mit den zuständigen internationalen Gremien, einschließlich der Internationalen Walfangkommission und des Convention for the Conservation of Migratory Species of Wild Animals zusammenarbeiten und sie stärken.

„Wir dürfen zukünftigen Generationen die Begegnung mit Walen nicht nehmen

„Wale, Delfine und Tümmler werden überall auf der Welt als fühlende, intelligente und sozial interagierende Wesen bewundert“,

schreiben die Walexpert⋆innen.

„Wir dürften die zukünftigen Generationen nicht der Möglichkeit berauben, sie kennenzulernen.“

Die Wissenschaftler⋆innen beschreiben die Meerestiefen als „Wächter über die Gesundheit unserer Ozeane“. Die tragende Rolle der Wale und Delfine bei der Erhaltung der aquatischen Ökosysteme heben sie in ihrem Schreiben ausdrücklich hervor.

Quellen: Offener Brief der Walexpert⋆innen, Mamal Research Institute, International Union for Conservation of Nature, Independent Online

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