English version below

Heute habe ich eine kleine Sensation für Euch. Fly Pan Am haben sich zu einem Interview bereit erklärt und einiges über ihre Musik und ihre Beziehung zur Post-Rock Gemeinde verraten.

Fly Pan Am gehören zu den wohl bekanntesten Post-Rock Bands überhaupt. Die Band wurde 1996 in Montréal, Quebec von Jonathan Parant (Gitarre), Roger Tellier-Craig (Gitarre), Felix Morel (Schlagzeug) und Jean-Sebastian Truchy (Bass) gegründet. Im Jahr 2002 schloss sich Eric Gingras (Gitarre, Percussion) der Gruppe an. Innerhalb der Bandszene von Montréal wird ein reger Austausch gepflegt. So besteht zum Beispiel eine Verbindung zu Godspeed You! Black Emperor. Godspeed You Gitarrist Roger Tellier-Graig war bis 2003 in beiden Band Mitglied, trat dann aber bei Godspeed You aus, um sich fortan vollständig Fly Pan Am zu widmen.

Anders als bei vielen anderen Post-Rock Bands, lebt die Musik von Fly Pan Am auch von ihren Lyrics. Diese sind, wie in der franko-kanadischen Musikszene üblich, häufig auch in französischer Sprache geschrieben.

Nachdem die Gruppe 2004 ihr drittes Album herausgebracht hatte, legte sie 2004 eine kreative Pause ein, die von den Bandmitgliedern auch dazu genutzt wurde, an ihren anderen Musikprojekten zu arbeiten.

2019 erschien dann das aktuelle Album „C’est ça“, das bei Post-Rock Fans auf der ganzen Welt rund läuft. Genau wie Of The Vine und Pray For Sound sollten auch Fly Pan Am 2020 auf dem DUNK! Festival auftreten.

Interview mit Fly Pan Am

Anne: Hi! Danke, dass Ihr Euch für das Interview Zeit nehmt! Wie ist die derzeitige Situation in Montréal? Seid Ihr dort im Moment?

Jonathan: Von meinem Wohnort aus erlebe ich die Situation einer Stadt während einer Pandemie. Ich wusste bis jetzt nicht, was eine Pandemie bedeutet. So richtig kann ich das auch jetzt noch nicht sagen, aber es ist auf jeden Fall etwas im Gange und das wirkt sich auf uns aus. Montréal kämpft wie jede andere Stadt mit diesem Szenario. Von Zeit zu Zeit habe ich das Gefühl, Klarheit darüber zu haben, was die universelle Bedeutung davon ist. Aber da ist auch die gespenstische Logik einer völlig verlorenen Welt. Es ist ein Gericht aus Zutaten wie echter Angst und Überlebenshoffnung. Es eröffnet mir eine Art extremes Verständnis für das Hier und Jetzt.

„Montréal öffnet sich langsam wieder“

Fly Pan Am - "C'est ça" (LP, 2019)

Fly Pan Am – „C’est ça“ (LP, 2019)

JS: Ja, wir sind alle in Montréal. Die Situation ist vermutlich genau, wie in jeder anderen großen Stadt. Geschlossene Geschäfte und Restaurants, Social Distancing und so weiter. Aber die Provinz ist wieder geöffnet und auch die Stadt öffnet sich langsam wieder.

Anne: Ihr solltet im Moment eigentlich auf Tour sein. Wie verbringt Ihr Eure Zeit stattdessen? Arbeitet Ihr an neuen Stücken?

Roger: Wir arbeiten an einer Aufnahme für den Soundtrack des Stücks „Frontera“ der Tanzgruppe Animals Of Distinction1. Wir hatten das schon geplant, als wir von unserer Europatour zurückgekommen sind. Für uns bedeutet das im Moment nur, dass wir mehr Zeit haben, um daran zu arbeiten. Ich persönlich habe außerdem mit Hochdruck an einem Soloprojekt gearbeitet, bei dem die Gitarren im Fokus stehen. Man könnte sagen, es ist eine Art Fortsetzung des Materials, das ich mit unserer letzten LP „C’est ça“ zu entdecken begonnen habe. Es besteht im Grunde aus gesampelten und hoch-prozessierten Gitarren. Es klingt ein bisschen, als hätte Christian Zanési gemeinsam mit Robin Gutrie eine Platte aufgenommen.

JS: Neben der Arbeit für die FPA Platte, habe ich auch versucht, an neuen Aufnahmen für Avec le soleil sortant de sa bouche und meine nächste Soloplatte zu arbeiten. Weil aber mein sechsjähriger Sohn bei mir ist (und meine Partnerin, die im Moment von zu Hause aus arbeitet), ist es nicht leicht, an Musik zu arbeiten. Es ist natürlich toll, all diese Zeit mit meinem Sohn zu haben, allerdings passiert im Moment auch einfach nicht sehr viel.

„Wir arbeiten an unseren Projekten“

Jonathan: Ich arbeite auch an einem neuen Projekt. Es trägt den Namen Actors Artificial. Es ist eine weitere Rockband, bei der ich der Haupt-Komponist bin und andere Mitglieder eigene Kompositionen mit einbringen. Ich recherchiere und erforsche eine Vielfalt unterschiedlicher Feedback Sounds, die von vielen verschiedenen Geräten in Echtzeit von meiner Gitarre ausgelöst werden können. Das Projekt basiert auf dem Konzept eines radikalen Äußeren. In anderen Worten: Es ist ein generativer Eingabeprozess, der einen generativen Ausgabeprozess erfordert.

Anne: Ihr seid ein Herzstück der Musikszene von Montréal. Ich habe schon eine ganze Menge darüber gehört. Sie muss sehr bunt sein. Ein großes, pulsierendes und farbenfrohes Spektrum voller Kreativität. Erzählt mir mehr darüber! Wodurch unterscheidet sich Montréal in Euren Augen von anderen musikalischen Schmelztigeln?

Roger: Für mich ist es schwierig zu sagen, wodurch es sich von anderen Standorten unterscheidet, weil ich bis jetzt nur diesen hier kenne. Ich bin mir auch nicht sicher, ob ich heute überhaupt noch richtig über die Szene hier sprechen kann, da ich mich in den letzten Jahren ein bisschen zurückgezogen habe. Sie hat sich seit den späten 1990er Jahren auf jeden Fall ziemlich verändert. Ich glaube, was der Szene in Montréal anfangs sehr geholfen hat ist, dass man hier günstig leben kann. Ich denke, das hat viele Leute dazu ermutigt, herzuziehen. Als die Szene sich dann langsam entwickelt hat, begann die Stadt immer mehr kreative Menschen anzuziehen.

„Montréal zieht kreative Leute an“

Fly Pan Am - "N'écoutez pas" (LP, 2004)

Fly Pan Am – „N’écoutez pas“ (LP, 2004)

JS: Ja, wie Roger schon sagt: Der sozioökonomische Aspekt von Montréal spielt dabei eine große Rolle. Und ich glaube, wir können uns auch als Universitätsstadt bezeichnen – wir haben hier vier Stück davon (Zwei frankofone und zwei anglofone). Das bedeutet, dass wir eine Menge Student⋆innen aus der ganzen Welt haben. Sie profitieren von den günstigen Lebenshaltungskosten und können mehr Zeit damit verbringen, sich innerhalb einer sich immer weiter entwickelnden Kunst- und Musikszene zu entfalten.

Anne: Zwischen 2004 und 2019 habt Ihr eine kreative Pause eingelegt. Was ist in dieser Zeit passiert? An welchen Projekten habt Ihr gearbeitet?

Roger: Wir haben tatsächlich direkt nach unserer letzten Europatour im Dezember 2004 aufgehört. Ich für meinen Teil habe mich sehr viel mit elektronischer Musik beschäftigt. Vor allem mit einem Projekt namens Le Révélateur – zusammen mit Sabrina Ratté, die alle Visuals gemacht hat. Wir haben einige Platten mit Labels wie Root Strata, Dekorder, NNA Tapes and Gneiss Things veröffentlicht. Ich bin auch wieder zur Schule gegangen. Das war im selben Jahr, in dem wir angefangen, an neuem Fly Pan Am Material zu arbeiten – 2016. Ich habe drei Jahre lang am Conservatoire de Musique de Montréal Elektroakustik studiert. Das Berliner Label Second Editions hat diese Musik im Februar unter dem Titel „Études“ auf CD herausgebracht.

„Wir haben während unserer Pause weiter Musik gemacht“

Jonathan: Ich war kurz nach dem Beginn unserer unbefristeten Pause mit einer anderen Rockband namens Feu Thérèse unterwegs. Wir haben zwei Platten auf Constellation Records herausgebracht. Danach habe ich K.A.N.T.N.A.G.A.N.O. mitbegründet. Das ist ein Sound und Mixed Media orientiertes Projekt. Aber in den letzten 15 Jahren habe ich mich vor allem mit Klangkonzepten für Theater und Tanzprojekten mit verschiedenen Regisseur⋆innen und Choreograph⋆innen beschäftigt. Ich arbeite nach wie vor an einem solchen Projekt, ich interessiere mich sehr für Live-Performance.

JS: Ich habe die Zeit genutzt, meine ersten beiden Söhne aufzuziehen. Sie sind inzwischen erwachsen. Ich habe mich Literaturstudien und Buddhismus beschäftigt, das inzwischen nicht mehr aktive Label Los Discos Enfantasmes mitbegründet, habe an Solo-Musik gearbeitet (die auf Root Strata, Digitalis, Tranquility Tapes, Sic Sic Tapes, La Cohu und anderen Labels veröffentlich wurden), Avec le soleil sortant de sa bouche gegründet und war ein aktives Mitglied anderer Bands und Projekte.

Anne: Wow! Das klingt nach einer Menge kreativer Projekte! Es muss spannend sein, nach so einer langen Zeit wieder zusammen Musik zu machen. Würdet Ihr sagen, dass es dieses Mal anders ist? Wann habt Ihr Euch entschieden, dass es eine Wiedervereinigung geben wird? Was hat Euch davon überzeugt, es nochmal zu wagen?

„Wir finden die Soloprojekte der anderen spannend“

Roger: Ja, es war auf jeden Fall spannend. Was uns tatsächlich dazu gebracht hat, nach all diesen Jahren wieder zusammenzuarbeiten, war die Tatsache, dass uns die Musik, die wir alle getrennt voneinander erschaffen hatten, faszinierte. Ich hatte einfach das Gefühl, dass wir uns nach unserer letzten Zusammenarbeit alle extrem weiterentwickelt hatten. Es fühlte sich so an, als müssten wir uns zusammen hinsetzen um herauszufinden, was wir jetzt als Band bewegen können. Die Dinge da wieder aufzunehmen, wo wir sie 2004 zurückgelassen hatten. „C’est ça“ war auf gewisse Weise die Platte, die wir machen wollten, als wir „N’écoutez pas“ aufgenommen haben. Wir hatten damals aber einfach noch nicht das technische Wissen, auf das wir heute zurückgreifen können. Es fühlte sich so an, als wäre es dringend notwendig, dass wir wieder zusammenfinden. Wir hatten das, was wir angefangen hatten, einfach noch nicht zu Ende gebracht.

Roger: 2014 haben Roger und ich beide neue Musik veröffentlicht, Root Strata hat die Révélateur LP „Extreme Events“ herausgebracht und Constellation veröffentlichte die Avec le Soleil Sortant de sa Bouches erste LP, „Zubberdust!“. Seit „N’écoutez pas“ waren zehn Jahre vergangen. Für mich fühlte es sich so an, als wäre die Zeit gekommen, alles zu reflektieren, was wir seitdem gemacht hatten. Wir haben über die Jahre immer die Verbindung gehalten. Wir haben die Arbeit der anderen mitverfolgt und es fühlte sich so an, als wäre es so weit, das Potenzial kennenzulernen, das uns gemeinsam zur Verfügung steht. Dieses Gefühl hat mich für eine Weile begleitet. Irgendwann im Jahr 2015 haben wir dann angefangen, über die Möglichkeit einer erneuten Zusammenarbeit zu sprechen.

„Wir inspirieren uns gegenseitig“

Fly Pan Am - "Fly Pan Am" (LP, 1999)

Fly Pan Am – „Fly Pan Am“ (LP, 1999)

JS: Wie Roger schon gesagt hat, sind wir immer in Kontakt geblieben und haben die Projekte der anderen verfolgt. Die Tatsache, dass wir alle Fans der Solo-Arbeit der anderen sind, möchte ich hier auch gerne betonen. Zu sehen und zu hören, was jeder von uns für sich tun kann, hat uns dazu gebracht, darüber nachzudenken, was wir jetzt gemeinsam erschaffen können. Nachdem jeder von uns für sich alleine jahrelang seine Klänge und Techniken individuell gestalten konnte. Natürlich gibt es da auch ein paar Überschneidungen, aber durch Einbeziehung unserer unterschiedlichen Ansätze und Inspirationen können wir genauso wachsen – vielleicht sogar ein Stück über uns hinaus.

Anne: Ist das die Geschichte Eures aktuellen Albums „C’est ça“?

Roger: Als wir 2004 „N’écoutez pas“ gemacht haben, war das für uns ein super ambitionierter Schritt. Wir waren alle selbsternannte Musiker. Autodidakten. Wir wussten gerade mal so, wie man einen Computer bedient. Ich hatte nie einen „Song“ geschrieben oder jemals richtig gesungen. Und da waren wir und wollten diese verrückte elektroakustische Shoegaze Platte aufnehmen (lacht). Ich bin nach wie vor sehr glücklich mit dem Album. Ich liebe es einfach, wie unordentlich es in einigen Teilen ist. Aber es war nicht so „futuristisch“, wie wir uns das erhofft hatten. Dieser Gedanke hat mich eine ganze Weile begleitet.

„Wir wollten das Album machen, das wir damals nicht machen konnten“

Als wir also angefangen haben, eine neue gemeinsame Platte in Erwägung zu ziehen, war mir klar, dass wir das Album machen mussten, das wir damals noch nicht machen konnten. „C’est ça“ ist das Resultat davon. Die Platten sind sehr eng miteinander verwoben. Obwohl 15 Jahre zwischen ihnen liegen. Der Titel „C’est ça“ bedeutet so viel wie „das ist es“. Er ist eine direkte Referenz zum Ende von „N’écoutez pas“. Du weißt schon, die Stelle wo JSs Kinder frage „Was ist Fly Pan Am?“. Ich glaube, dass die neue Platte auf eine gewisse Weise die Antwort auf diese Frage ist.

Anne: Eure Musik klingt wie eine Sammlung der faszinierendsten Geräusche dieser Welt. Wo findet Ihr Inspiration?

Roger: Wir haben alle Interessen, die uns miteinander verbinden. Das ist es auch, was uns wieder dazu gebracht hat, zusammenzuarbeiten. Als wir angefangen haben, Fortschritte zu machen, begannen wir auch, uns für die Idee der Unterschiede zu interessieren. Diese unterschiedlichen Sensibilitäten, die jeder von uns hat und die wir nicht immer verstehen. Es hat sich einfach so angefühlt, als wäre da noch ein viel größeres Wachstumspotential, als wir zuerst angenommen hatten – wenn wir uns diesen Unterschieden gegenüber öffnen würden. Dafür mussten wir uns darauf einlassen, dass sich unsere Musik auch mal in eine Richtung entwickeln würde, die uns nicht bequem erschien. Wir haben uns immer für die Kontraste interessiert, die sich aus den bewusstseinserweiternden Qualitäten ergeben, die aus Dingen entspringen, die vom Gefühl her nicht zusammenpassen.

„Wir wollen Dinge erschaffen, die wir nicht verstehen“

Für mich ist das der Punkt, an dem die Dinge zum Leben erweckt werden. Das liegt daran, dass das, was dabei herauskommt, nicht als klare Ästhetik verstanden wird. Es hat sich nicht bereits zu einer Denkschule oder einem Tropus herauskristallisiert; vielmehr manifestiert es sich schließlich in diesem Zustand des „Werdens“. Es wird nicht „verstanden“, weil es keine Karte dafür gibt. Keine Vorgabe. Es ist lustig, einige der Reviews da draußen zu lesen. Ein paar Leute beschweren sich, dass wir nicht wissen, wie man Musikstücke schreibt, weil sich unsere Songs in eine Richtung entwickeln, die sich nicht verstehen können.

Für uns ist das genau das, was wir anstreben. Wir sind nicht interessiert daran, was für die meisten Menschen logisch erscheint. Diese Vorstellung von „Logik“ beruht lediglich auf einer Gewohnheit oder klar definierten Regeln des Musizierens. Auf eine Art bedeutet das, dass die meisten Menschen sich nur für das Eingängige interessieren. Sie wollen das, was sie bereits kennen. Sie wollen eine Neuauflage dessen, was sie bereits verstehen. Nur in einer anderen Form und Farbe. Wir wollen grundsätzlich Dinge erschaffen, die wir nicht verstehen.

Jonathan: Geräusche im Klang sind meiner Meinung nach ein riesiges Gebiet der Begriffstheorie. Für mich ist es das Gebiet, für das ich mich am meisten interessiere. Genau wie Roger den Zustand des „Werdens“ und seine nicht abbildbare Realität beschrieben hat, habe ich das Gefühl, dass Geräusch aus eben diesem Grund meistens unerwünscht ist. Ich denke aber, dass wir uns dazu entschlossen haben, unsere Unterschiede, unsere Sensibilität und unsere Alterität zu teilen. Das kann sich auch in Geräuschen ausdrücken. Besonders dann, wenn wir es nicht verstehen können. In einer für Rockmusik typischen Ästhetik. Nicht nur ich stimme Roger in diesem Punkt zu. Ich glaube aber auch, dass es im Gegensatz zu einer systematischen auch einige zufällige Strukturen in unserer Musik entfalten kann. Eine Art Phänomenologie eine chaotische Information zu hören.

Anne: Einige Eurer Songs sind mit Lyrics, einige ohne. Wie entscheidet Ihr, ob für ein Stück Worte nötig sind?

„In unsere Aufnahmen fließen viele Experimente ein“

Fly Pan Am - "Sédatifs en fréquences et sillons" (EP, 2000)

Fly Pan Am – „Sédatifs en fréquences et sillons“ (EP, 2000)

Roger: Ich glaube, das kommt darauf an, wer singt. JS singt bei keinem seiner Projekte. Wenn er also der Sänger bei einem Fly Pan Am Track ist, stehen die Chancen gut, dass es keine Texte gibt. Wenn ich singe, gibt es immer einen Text und Jonathan singt nur bei dem Stück „Discreet Channelling“, für das er auch die Texte geschrieben hat.

Jonathan: Wenn ich Worte verwende, während ich singe oder spreche, geht es meiner Meinung nach darum, eine einfache Abstraktion des dualen Okkultismus zwischen der Stimme und den Worten zu schaffen. Zwischen dem Klang und seiner Bedeutung.

Anne: Macht Ihr einen Plan, bevor Ihr eine neue Platte aufnehmt? Oder muss ich mir das mehr wie eine große Jam Session vorstellen? Einfach „Go with the flow“ und irgendwann ist das Album fertig?

Roger: Oh ja, in die Produktion unserer Platten fließen eine Menge Gedanken und Experimente ein. Besonders in die letzte. „C’est ça“ ist das Resultat von etwa zweieinhalb Jahren Arbeit. Alle Songs bis auf „One Hit Wonder“ wurden produziert, bevor wir ins Studio gegangen sind. Im Anschluss gab es einige Monate Post-Produktion, die wir einzeln in unseren Homestudios verbracht haben.

„Wir wollten einen Song haben, der eine Studioproduktion ist“

Der Grund, warum „One Hit Wonder“ separat komponiert wurde, ist, dass wir wollten, dass der Track eine Studiokomposition ist. Im Geiste einiger Studioexperimente von This Heat oder Faust. Wobei wir gleichzeitig auf Hinweise von Techno-Produzenten wie Chain Reaction, Porter Ricks oder Vladislav Delay zurückgreifen konnten. Dieser Track musste mithilfe eines Computers entstehen. Wir haben uns auf der Grundlange der Studioversion beigebracht, ihn live zu spielen.

JS: Weil wir mit Tropen spielen. Weil wir Musik mit vielen Einflüssen schaffen wollen, indem wir sie wieder aufwärmen, unwahrscheinliche Entscheidungen treffen und Paare bilden. Wir spielen mit Strukturen, weil wir die Zuhörer⋆innen und vor allem uns selbst überraschen wollen. Wir müssen uns hinsetzen, nachdenken und experimentieren. Wenn es um das geht, was vor uns musikalisch vorgelegt wird, neigen wir dazu nerdig zu sein. Wir sind nicht daran interessiert, einen Haufen Lärm zu machen, nur um Lärm zu machen oder etwas besonders Seltsames zu erschaffen. Wir sind begeistert von der Möglichkeit, kreativ mit allem zu arbeiten, was die Kunst, die Natur und das Leben uns zu bieten haben.

Anne: Was hilft Euch, kreativ zu sein?

„Es ist fast wie ein religiöser Akt“

Roger: Ich glaube, ich ziehen meine Inspiration aus Musik und Filmen. Aus Ideen, die mich ununterbrochen verfolgen, bis ich sie nutze, um aus ihnen Lyrics oder Songtitel zu machen. Kreativ zu sein, ist für mich etwas, das ich brauche, um der verrückten Welt, in der wir leben, einen Sinn zu geben. Es ist fast schon ein religiöser Akt. Es hält mich am Leben und sorgt dafür, dass ich fokussiert bleibe und den Bezug zur Realität nicht verliere. Ich habe eine starke Arbeitsmoral. Das bedeutet, dass ich mich auch an Tagen, an denen ich mich nicht dazu in der Lage fühle, zum Arbeiten zwinge. Der Gedanke, dass jeder Moment, den ich mit der Arbeit an Musik verbringe, mir dabei hilft, den Gestaltungsprozess und das Leben an sich besser zu verstehen, motiviert mich. Ich finde, dass es da einige Parallelen gibt.

JS: Ich ziehe meine Inspiration aus Musik, Filmen, Literatur, Philosophie und Kunst im Allgemeinen. In den letzten beiden Jahren haben mich die Fragen nach unserem Platz in der Welt und in der Natur inspiriert. In unserem Geist, der Beziehung die wir zu uns und anderen haben, zu lebenden Geschöpfen und zu Dingen. Das Hinterfragen und Beobachten der Wahrnehmung. Die Interpretation und Erwartung, die wir in jeder Sekunde eines jeden Tages in Bezug auf alles haben, was wir wahrnehmen oder nicht wahrnehmen können.

Ich versuche über Musik und das Komponieren auf dieselbe Art nachzudenken. Die Gründe hinter unseren Entscheidungen zu hinterfragen. Unsere Vertrautheit mit Figuren und Ausdrücken und die Gründe, warum wir sie nicht ablegen können. Die Aufnahme von Informationen über unsere Sinne, die von unserer Kultur und Selbsterfahrung beeinflusst werden.

Jonathan: Ich habe dem nicht viel hinzuzufügen, außer, dass ich häufig Inspiration aus der außergewöhnlichen Hingabe dessen schöpfe, was wir Realität nennen.

„Unser Name stammt aus einem Film, den wir mögen“

Fly Pan Am "Ceux qui inventent n'ont jamais vécu (?)" (LP,2002)

Fly Pan Am „Ceux qui inventent n’ont jamais vécu (?)“ (LP,2002)

Anne: JS, Deine Kinder stellen die am Ende des Songs „Le faux pas aimer vous souhaite d’être follement ami“ – wir haben vorhin schon kurz darüber gesprochen. Jetzt möchte ich sie Euch auch gerne stellen. Was bedeutet Euer Bandname? Warum habt Ihr entschieden, Euch wie eine ehemalige Airline zu nennen?

Roger: Der Name stammt von einem Plakat, das wir in einem Film des serbischen Regisseurs Dušan Makavejev gesehen haben. Er heißt „W.R.: Mysteries of the Organism“. Der Slogan hatte brachte genau die Spur Kitsch „Pop Art“ Sensibilität mit, die für uns Sinn ergeben hat. Außerdem ist sie eine sehr subtile Referenz für diesen Film, die wir wirklich sehr mögen. Also haben wir den Namen kurzerhand angenommen.

Anne: Welche Künstler⋆innen haben Euch und Eure Art, Musik zu machen am meisten beeinflusst?

Roger: Ich für meinen Teil würde sagen, die frühen „Post-Rock“ Bands wie Main, Seefeel und Disco Inferno. Damals, als „Post-Rock“ mehr oder weniger bedeutete, Technologie zu nutzen, um Rockmusikfiguren tiefere Ebenen zu ziehen. Sie zu etwas anderem als dem, zu dem sich zwischenzeitlich geworden war zu machen. Dazu kommen Bands wie Faust und This Heat und Leute wie Jim O’Rourke und die Arbeiten, die er speziell in den 1990er Jahren mit Gastr Del Sol gemacht hat. Genauso seine Solosachen aus dieser Zeit.

„Wir möchten 2021 beim DUNK! Festival dabei sein“

JS: Es fällt mir immer schwer, eine Antwort auf diese Frage zu finden. Ich beantworte sie daher anhand von Personen und Gruppen, die (für mich) Säulen neuer Bereiche innerhalb der Musikszene waren, die mich inspiriert haben und dies auch nach wie vor tun. Das bedeutet, ich könnte viele weitere Künstler⋆innen erwähnen, aber ich nenne mal diese hier: The Beatles, John Cage, Crossed Out und Union of Uranus.

Von diesen Künstler⋆innen kann ich schnell Verzweigungen bilden und finde massenhaft inspirierende Individuen oder Gruppen in allen Bereichen des Lebens: Orientierung, Kultur und Religion. Sie arbeiten mit diskreten Sounds und Stille oder beeindruckenden Orchestrierungen oder gar rituellen Beschwörungsformeln. Ich folge ihren Beispielen und versuche zu hinterfragen, wie der Klang und die Absichten sich manifestieren, wachsen, transformieren und zu etwas geformt werden können, das es hoffentlich wert ist, erlebt zu werden.

Anne: Es ist sehr schade, dass das DUNK! Festival 2020 nicht stattfinden konnte. Sehen wir uns dort nächstes Jahr?

Roger: Hoffentlich ja! Wir möchten auf jeden Fall Teil davon sein, wenn es möglich ist!

„C’est ça“ von Fly Pan Am auf Spotify hören

„C’est ça“ von Fly Pan Am auf iTunes hören

Animals Of Distinction – „Frontera“


[⋆] English version

„We want to create things that we don’t understand“

Today I have something to share with you that I’m very proud of. Fly Pan Am have agreed to an interview. They have revealed some things about their music and their relationship with the post-rock community.

Fly Pan Am

Fly Pan Am

Fly Pan Am belong to the most famous Post-Rock bands at all. The band was founded in 1996 in Montreal, Quebec by Jonathan Parant (guitar), Roger Tellier-Craig (guitar), Felix Morel (drums) and Jean-Sebastian Truchy (bass). In 2002 Eric Gingras (guitar, percussion) joined the group. Within the band scene of Montréal a lively exchange is maintained. For example there is a connection to Godspeed You! Black Emperor. Godspeed You guitarist Roger Tellier-Graig was a member of both bands until 2003, when he left Godspeed You to dedicate himself completely to Fly Pan Am.

Unlike many other post-rock bands, Fly Pan Am’s music also lives from its lyrics. These are, as usual in the French-Canadian music scene, often written in French.

After releasing their third album in 2004, the group took a creative break in 2004, which was also used by the band members to work on their other music projects.

The current album „C’est ça“ which has been released in 2019, has been well received by post-rock fans around the globe. Fly Pan Am were supposed to play at this year’s DUNK! Festival – just like Of The Vine and Pray For Sound.

Fly Pan Am – The Interview

Anne: Hi! Thank you very much for taking the time for this interview! How is the situation in Montréal? Are you there at the moment?

Jonathan: From where I live I experience a situation of a city under a pandemic. I did not know what a pandemic was until now. I still do not know what it is clearly but there is definitely something that is going on and operates upon us. Montréal is like other cities struggling with the same scenario. From time to time, it brings me a sort of lucidity of what universal means but also a sort of haunted logic of the world completely lost. A simple paste made of ingredients like genuine fear and survival hopes that open me to some extreme understanding of the now.

JS: Yes, we’re all in Montréal. The situation was probably the same as anywhere else in bigger cities. Closed stores and restaurants, social distancing, etc. But the province has reopened and the city is also slowly reopening.

„We are working on a score for a dance piece“

Fly Pan Am - "C'est ça" (LP, 2019)

Fly Pan Am – „C’est ça“ (LP, 2019)

Anne: Under other circumstances, you’d be on tour right now. How are you spending your time instead of that? Are you working on new pieces?

Roger: We are working on a record of our score for Animals of Distinction’s dance piece, Frontera1. We were already planning on doing this once we came back from our European tour, so this just means we have more time to work on it. I’ve personally been busy working on a solo project focused on guitar, or more like post-guitar. You could say this is kind of a continuation of the stuff I started exploring with our last LP, „C’est ça“. It’s basically sampled and hyper-processed guitar, kind of like if Christian Zanési had made a record with Robin Guthrie.

JS: Apart from working on the FPA record, I’ve also been trying to work on a new record for Avec le soleil sortant de sa bouche and my next solo record. But because my six-year-old son is with me (and my partner who is now working from home), working on music has been difficult. That said, it’s been great to have all this time with my son, a thing that doesn’t happen that much usually.

„We are currently working on our projects“

Jonathan: I am also working on a new project called Actors Artificial. It’s another rock band where I am the main composer but where other members bring their own composition. I research and explore a multitude of different feedback sounds possibility triggered by many different devices from my guitar in real-time. The project is based on the concept of a radical outside. In other words, it is a generative input process that must need a generative output process.

Anne: You are a centerpiece of the Montréal music scene. I’ve heard a lot about it. It must be very inclusive. A huge pulsating and colorful spectrum of creativity. Tell me more about it. What differs Montréal from other music locations?

Roger: It’s hard for me to say what differs from the other communities since I only really know this one. Also, I’m not sure I can even properly talk about the scene here nowadays, as I have been a bit more withdrawn in the past few years. It has certainly changed a whole lot since I first got involved with it in the late ’90s. I think what initially helped the Montréal scene foster was just how cheap it was living here, I think this encouraged a lot of folks to move here, and then as the scene slowly started evolving Montréal started attracting even more creative folks.

„Montréal is a city for creative individuals“

Fly Pan Am - "N'écoutez pas" (LP, 2004)

Fly Pan Am – „N’écoutez pas“ (LP, 2004)

JS: Yes, as Roger points out, the social-economical aspect of MTL plays a lot in it. And I guess we could call ourselves a university town having four of them here (two francophones and two anglophones) which means that we do have a lot of students, from all over the world, who can benefit of a cheaper way of life and spend more time creating within an evolving art/music community.

Anne: You took a creative break from 2004 to 2019. What happened during this time? What projects have you been working on?

Roger: We actually stopped right at the end of our last European tour, way back in December 2004. For my part, I got heavily involved in electronic music, mostly with my project Le Révélateur, with Sabrina Ratté who did all the visuals. We released a bunch of records on labels like Root Strata, Dekorder, NNA Tapes, and Gneiss Things. I also went back to school the same year Fly Pan Am started working on new material in 2016. I studied electroacoustic composition at the Conservatoire de Musique de Montréal for three years. The Berlin label Second Editions just released this music on CD back in February under the title „Études“.

„We continued making music during our break“

Jonathan: I was involved with another rock band called Feu Thérèse shortly after our indefinite hiatus. We put out two records on Constellation Records. After that I co-formed K.A.N.T.N.A.G.A.N.O. a sound and mixed media-oriented project. But I mainly become involved in sound conceptions for theatre and dance over the last 15 years for many different directors and choreographers and I am still working on such a project because as always, I am interested in live performance.

JS: I took the time to raise my first two sons who are now adults, I studied in Literature Studies and Buddhism, co-founded the now-defunct Los Discos Enfantasmes label, worked on solo music (which has been released on Root Strata, Digitalis, Tranquility Tapes, Sic Sic tapes, La Cohu and others), founded Avec le soleil sortant de sa bouche and was also an active member of various other bands and projects.

Anne: Wow! That sounds like a whole bunch of creative projects! It must be exciting, getting back together and working on new music together after such a long time. Would you say that it is different this second time around? When did you decide that there will be a reunion? What induced you to do it?

„We were excited about the work we were doing individually“

Roger: Yes, it was definitely exciting. What actually drove us to want to work together again after all this time was the fact that we were excited about the work that we were all doing individually. It just felt like we had all evolved so much since we had last worked together that it felt like we needed to sit down and take the time to see just what it was we could now make as a band, taking things where we left them back in 2004. „C’est ça“ in a sense was the record we wanted to make when we did „N’écoutez pas“, but we just didn’t have the technical knowledge to do so at the time. Getting back together felt necessary like we hadn’t finished what we started.

Roger: In 2014 both me and JS released some new music; Root Strata put out the Révélateur LP „Extreme Events“, and Constellation released Avec le Soleil Sortant de sa Bouche’s first LP, „Zubberdust!“. It had been ten years since „N’écoutez pas“ had been released, so it felt to me like this was a time to reflect on everything that we’d accomplished since then. We had kept in touch over the years, following each other’s work and it just felt like it was time to explore the potential of working all together again. This feeling stayed with me for a while and at some point in 2015, we started talking about the possibility of working together again.

„We’ve always kept in touch“

Fly Pan Am - "Fly Pan Am" (LP, 1999)

Fly Pan Am – „Fly Pan Am“ (LP, 1999)

JS: As Roger says we’ve always kept in touch, following each other’s projects, etc. but I would emphasize the fact that we were all „fans“ of each other’s solo work and seeing/hearing what each other could do on their own really made us think of what we could now do together after years of individually crafting each other‘ sounds and techniques. FPA was, at least for me, always the result of the meeting point of four different approaches and sounds. Of course these overlap but we thrive just as much or maybe even more at times through the incorporation of our different approaches and inspirations.

Anne: Is that the story behind your current album „C’est ça“?

Roger: When we did „N’écoutez pas“ back in 2004 it was a super ambitious move on our part; we were all self-taught musicians, we barely knew how to use our computers, I had never written a „song“ nor had I ever really sung before, and here we were, trying to make this weird electroacoustic shoegaze pop record (laughs). I’m still really happy with it, and I love just how messy it is in some parts, but the record wasn’t as „futuristic“ as what we wanted to make, and that kind of stayed with me for a long time.

„We needed to make the record we were unable to make in 2004“

So when we started considering the possibility of making another record together it was clear to me that we need to make the record we were unable to make at the time. „C’est ça“ is the result of that. These records are very closely linked, even if there are 15 years between them. The title „C’est ça“ means „this is it,“ and it’s a direct reference to the end of „N’écoutez pas“ where JS‘ kids ask the question, „what is Fly Pan Am?“. I guess in a sense this record is our answer to that question.

Anne: Your music sounds like a collection of all fascinating noises of the world. Where do you get your inspiration from?

Roger: We all have interests that connect us and this is what initially drew us to work together, but as we progressed we started being interested in the idea of „difference,“ these different sensibilities that we each have and that we don’t always understand, and it just felt like there was much more to gain from opening up to these differences in order to push our music to places that might make us uncomfortable sometimes. We’ve always been interested in contrast and the kind of mind-warping qualities that arise from using things that shouldn’t work together.

„We want to create things that we don’t understand“

This to me is where things come alive because what comes out of that is not already understood as a clear aesthetic, it hasn’t already crystallized into a school of thought or a trope; rather it ends up manifesting itself in this state of „becoming.“ It is not „understood“ because there is no map, no reference for it.

It’s funny to read some of the reviews out there, some of the people complain that we don’t know how to write music because our songs just keep going into different parts that don’t make sense to them; this is exactly what we strive for, we are not interested in what might seem logical to most people, as this idea of „logic“ is just based on a habit or clearly defined ways of making music. In a sense, this means that a lot of people are just interested in the familiar, they basically want what they already know, they want a rehash of stuff they already understand but with a different shade or color. We basically want to create things that we don’t understand.

Jonathan: Noise in sound is, in my opinion, an immense territory of conceptual theory. It is the field I am the most interested in. Like Roger mentioned, about the state of „becoming“ and his unmappable reality, I feel like most of the time, noise is unwanted for that same matter. But for me, I think that when we decide to share our differences, our sensibility and our alterity, which can also be noise, especially if do not always understand it, in a rock music aesthetic, not only I agree absolutely with Roger about the gain of opening up, but also I think it can unfold some structures of randomness as opposed to a systematic structure in our music. A sort of phenomenology of listening chaotic information.

Anne: Some of your tracks come with lyrics, some don’t. How do you decide if a song needs words?

„A lot of thought and experimentation goes into making our records“

Fly Pan Am - "Sédatifs en fréquences et sillons" (EP, 2000)

Fly Pan Am – „Sédatifs en fréquences et sillons“ (EP, 2000)

Roger: I guess that depends on who is singing. JS doesn’t sing lyrics in any of his projects, so if he is the singer on an FPA track chances are there won’t be any lyrics. I always have lyrics if I sing, and Jonathan has vocals only on the track „Discreet Channelling,“ for which he also wrote lyrics.

Jonathan: In my mind, when I use words as I sing/talk is to create a simple abstraction of dual occultism between the voice and the words. Between the sound and the meaning.

Anne: Are you making a plan, before recording a new record? Or is it more like a big jam session? Just „Go with the flow“ and sometimes the album will be finished?

„We wanted to have a song that is a studio production“

Roger: Oh yes, a lot of thought and experimentation goes into making our records, especially the last one. „C’est ça“ is basically the result of about two years and a half’s worth of work. All the songs except „One Hit Wonder“ were composed prior to going into the studio, and following that there were a few months of post-production work we did separately in our own personal home studios. The reason „One Hit Wonder“ was composed separately was that we wanted the track to be a studio-based composition, in the spirit of some of This Heat or Faust’s studio-based experiments, while at the same time taking cues from techno producers like Chain Reaction, Porter Ricks, or Vladislav Delay, so this track had to be made using a computer. We learned to play the track live based on the record version.

JS: Because we play with tropes because we want to create music involving many influences, rehashing them, making unlikely choices and pairing, playing with structures so that we can surprise the listeners and first and foremost ourselves, we need to sit down, think and experiment. We’re not interested in making a bunch of noise just for the sake of making noise or something weird. We tend to be nerds about what has been done musically before us and we get excited at the possibility of creatively working with everything that art, nature, and life has to offer us.

Anne: What helps you with being creative?

„I need creativity to ‚make sense‘ out of this insane world“

Roger: I guess for me I draw inspiration from other music, from movies, from ideas that haunt me incessantly which I then use to write lyrics and find titles. Being creative for me is something I need in order to „make sense“ out of this insane world we live in. It is almost a religious act, as it keeps me sane and focused and has no grounding in „reality.“ I have a strong work ethic, in the sense that even on days where I don’t feel like working I will force myself to do it. I am motivated by the idea that every moment I spend working on music helps me understand more about the process of creation, but also life in general, as I find there are many parallels between the two.

JS: I draw inspiration from music, movies, literature studies/philosophy, and art in general. For the past few years I have been inspired by questions regarding the place of one’s self in the world and nature, in one’s own mind, the relationship that this self may have with us, others, with living and none living beings/things, questioning/observing the perception, interpretation, and expectation that we have every second of every day in relation with everything we may or may not perceive. I try to think about music and composition in the same way. Questioning the reasons behind our choices, our familiarity with tropes, and the reason we may or may not abide by them and the reception of information through our senses that are influenced by our culture and self-experience.

Jonathan: I do not have much to add besides that I often feel inspiration in the exceptional dedication of what we call reality.

„Our name comes from a film we like“

Fly Pan Am "Ceux qui inventent n'ont jamais vécu (?)" (LP,2002)

Fly Pan Am „Ceux qui inventent n’ont jamais vécu (?)“ (LP,2002)

Anne: JS, your kids asked this questions at the end of the song „Le faux pas aimer vous souhaite d’être follement ami“ – we talked about it briefly earlier. Now I’d like to ask it, too. What does your band name mean? Why did you decide to name your band after a former airline?

Roger: The name comes from a slogan on a poster we saw in a movie by the Serbian film director Dušan Makavejev, called „W.R.: Mysteries of the Organism.“ This slogan had a kind of kitsch „pop art“ sensibility to it that made sense to us, as well as being a very subtle reference to this movie we really liked, so we kept it.

Anne: Which artists have influenced your way of making music the most?

Roger: For my part I would have to say the early „post-rock“ bands like Main, Seefeel and Disco Inferno, back when „post-rock“ was more about using technology to push rock music tropes into nether zones than what it eventually became, as well as bands like Faust and This Heat, and people like Jim O’Rourke and the work he did specifically in the ’90s with Gastr Del Sol, as well as his solo output from that time.

„We want to be part of DUNK! 2021“

JS: I always find this question hard to answer but I’ll answer it using people/groups that were pillars (for me) of new areas in music that inspired me and continue to do so. Meaning, I could cite many other artists but I’ll go with these: The Beatles, John Cage, Crossed Out, and Union of Uranus. From these artists, I can easily branch out and find huge inspirations from individuals or groups in all matters of life, orientation, culture, and religion that work with discreet sounds/silence to incredible orchestrations to ritualistic incantations all the way to full-on harsh noise and follow their example and try to see and question how sound and intentions can manifest, grow, transform and be shaped into something hopefully deemed worth experiencing.

Anne: It’s too bad, that DUNK! Festival 2020 couldn’t take place due to Corona Crisis. Will I meet you there next year?

Roger: Hopefully yes! We would definitely want to take part in this next year if it’s possible.

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Fußnote/footnote: