Das neue Album von Electric Mud erscheint am 24. Juli. Ich habe es schon angehört. „Quiet Days On Earth“ passt perfekt in unsere Zeit und das nicht nur dank seines Titels.

Electric Mud – das sind Hagen Bretschneider und Nico Walser aus Hannover. Die beiden machen schon seit 2016 gemeinsam Musik – Progressive Rock,  um genau zu sein. Wer hinter „Electric Mud“ Woodstock-Klänge vermutet, irrt. Mit Muddy Waters (Sein fünftes Studio Album trug den Namen „Electric Mud“) und Co. hat der Sound der Band wenig zu tun.

Mit „Quiet Days On Earth“ haben Hagen und Nico ihr drittes Album in Studiolänge aufgenommen. Hagen war so nett, es mir zu schicken und ich habe die Musik auf mich wirken lassen.

Zartes Klavier im Opener

Electric Mud

„Quiet Days On Earth“ von Electric Mud im Plattenregal.

Bereits der Opener „Aurora Moon“ hat eine Spieldauer von sieben Minuten. Er ist mystisch, neblig und schön atmosphärisch. Ein zartes Klavier führt mich aus dem Dunkel heraus. Die Sicht wird klarer. Fragiles Schlagzeuggeplänkel gepaart mit fast schon kitschiger, nachdenklicher Zupfgitarre. Der Kontrast bleibt. Im Hintergrund lauert etwas Finsteres.

Ist das ein unsicherer Blick in die Zukunft oder die Trauer um Vergangenes? Eines ist sicher: Nach diesem aufreibenden Stück Musik muss ich mehr hören. Ich öffne die Büchse der Pandora und staune. „Silhuettes Floating Down A Rain-Slicked Street“ beginnt mit synthetischer Geige und verspielten Zupfinstrumenten.

Ab Minute drei taut der Track auf und beschleunigt seine Fahrt. Er ist eine spannende Verlängerung des Intros. Die Geschichte geht weiter.

Die Spieluhr im nächsten Track erinnert mich an einen Film von früher. Oder war es ein Traum? Das Stück ist mit seinen zwei Minuten eine Überleitung zum Rest der Platte. „Mer De Glace“ kann daher auch als das eigentlich Ende des Openers betrachtet werden.

Electric Mud erzählen eine Geschichte

Verspielt setzt sich die Reise mit dem Namensgeber des Albums „Quiet Days On Earth“ fort. Auch dieses Stück ist von der ruhigen Sorte. Bis jetzt spielt sich die Platte im nischigen Score-artigen Ambient-Bereich ab. Ich für meinen Teil beginne harte Gitarrenriffs zu vermissen, kann mir aber durchaus vorstellen, dass das Werk in geselliger Runde eine gute Untermalung bietet. Die Phantasie beflügelt die Musik der Niedersachsen definitiv.

Electric Mud

Einen Punkt extra gibt’s für’s Artwork.

Was mir nicht fehlt, ist Gesang. Den erzählerischen Part übernehmen die Instrumente ganz locker nebenbei mit.

Es folgt mein persönlicher Favorit des Albums: „Wading Through The Waters Of Time“. Alleine der Titel macht schon ordentlich was her.

Sind es Möwen, die in der Ferne zetern? Ab jetzt wird es dramatisch und da sind ja auch meine Gitarren! Mit dem gleichnamigen Song des britischen Singer-Songwriters Richard Hawley hat das Lied übrigens nichts gemeinsam.

Futurismus und 80er Rock-Anleihen

Märchenhaft spielt sich „The Echoes Of Acheron“ ins Ohr. Höre ich da eine innige Liebe zu Pink Floyd heraus? Beendet wird das Stück mit einem Hauch von 80er Jahre Rock.

„The Loneliness Of The Somnambulist“ ist dagegen sehr futuristisch. Post-Rock wie aus dem Lehrbuch. Der⋆die Schlafwandler⋆in ist nicht mehr einsam. Zu ihm⋆ihr gesellt sich eine ganze Schar begeisterter Zuhörer⋆innen.

Insgesamt sind auf „Quiet Days On Earth“ 15 Songs. Echoes In Audio schrieb im Mai „Sorgfältig gearbeiteter, atmosphärischer Prog, der es wert ist, gehört zu werden.“ Dem schließe ich mich an.

Wer eine Platte zum sonntags nachmittags durch leere Fußgängerzonen schlendern und nachdenken sucht, ist hier gerade fündig geworden. Dreht den Sound voll auf und genießt ihn am besten über Eure Kopfhörer.

„Quiet Days On Earth“ von Electric Mud – das ist instrumentaler, cinematischer, proggiger Post-Rock für grüblerische, verregnete Nachmittage oder heitere Diskussionsrunden. Einen Punkt extra gibt’s von mir für’s Artwork. Das ist wirklich cool und wenn man die Phantasie spielen lässt, kann man sich beim Anschauen vielleicht ein bisschen vorstellen, was mit „Electric Mud“ gemeint sein könnte.

Wer reinhören möchte, kann das hier tun:

Die CD bekommt Ihr hier für 10 Euro. Ab dem 24. Juli könnt Ihr das Album dann auch bei Spotify hören.