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    Solkyri

    "Post-Rock bietet der Phantasie Spielraum"

    Interview von Anne
    12.06.2020 — Lesezeit: 5 min
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    Solkyri

    Vor Kurzem veröffentlichte die australische Post-Rock Band Solkyri Ihr sensationelles neues Album "Mount Pleasant". Ich habe mich jetzt mit dem Mann an Bass, Percussion und Synthesizer Andrew Pearsall darüber unterhalten.

    Anne: Hi! Danke, dass Du Dir die Zeit für das Interview nimmst! Wie geht es Euch? Wir wären uns ja eigentlich auf dem DUNK! Festival begegnet, das leider wegen Corona nicht stattfinden konnte. Plant Ihr trotzdem, bald nach Europa zu kommen?

    Andrew: Ich bin extrem dankbar, dass ich in dieser Zeit der Ungewissheit bei guter Gesundheit bin und (vorerst) noch einen Job habe. Es ist bedauerlich, dass wir die Europatour verschieben mussten. Wir haben fast 18 Monate an der Ausarbeitung gearbeitet. Auch, wenn wir letzten Endes zu dieser Entscheidung gezwungen wurden, war es auf jeden Fall richtig, sie zu treffen.

    "Wir richten unsere Ziele neu aus"

    Solkyri

    Wir versuchen, unsere Ziele für 2021 neu auszurichten, auch, wenn es noch viele Hürden gibt, die wir überwinden müssen. Sowohl für uns als Band als auch im Hinblick auf die derzeitigen globalen Umstände.

    Anne: Ihr wart schon mal auf dem DUNK! Festival. Mir persönlich gefällt das Event ziemlich gut. Es ist ganz anders, als andere Festivals. Vielleicht hat das etwas mit der geringen Größe zu tun. Ich mag die Leute dort und die Atmosphäre während der Mittagspausen in der Jugendherberge. Und das Aufeinandertreffen mit den Mitgliedern der verschiedenen Bands beim morgendlichen Zähneputzen. Sollten Festivals genau so ein?

    Andrew: Ja, wir haben auf dem DUNK! 2015 mit unseren guten Freunden von Tangled Thoughts Of Leaving gespielt. Abgesehen von den Bühnenshows gibt es keine Grenze zwischen dem Publikum und den Bands. Es ist sehr gemütlich. Das ist etwas, was ich mir bei anderen Festivals auch wünschen würde.

    Wir haben uns so sehr darauf gefreut, dieses Jahr wiederzukommen und die DUNK! Crew wiederzusehen. Vor allem Joris, dem wir letztes Mal beigebracht haben, wie man einen Footy Kick macht!

    Anne: Ihr kommt aus Sydney. Die Stadt scheint im Moment ein Schmelztiegel für Post-Rock zu sein. Wie würdest Du die Musikszene bei Euch beschreiben? Wie hat sie sich im Laufe der Zeit entwickelt?

    "Sydney hat eine starke Musikszene"

    Andrew: Die Szene in Sydney ist stark und sie beschränkt sich nicht nur auf Post-Rock. Es gibt eine wahre Fülle exzellenter experimenteller Gruppen, die den Weg für kleinere und weniger bekannte Bands ebnen. Große Anerkennung gebührt den beiden lokalen Labels Bird's Robe Records und Art As Catharsis. Sie tragen wirklich dazu bei, Künstler⋆innen eine Bühne zu bieten auf der sie ihre Musik präsentieren können.

    Anne: Wie würdest Du Eure Zusammenarbeit mit DUNK! Records beschreiben? Ich beobachte, wie sie all diese unglaublich guten australischen Post-Rock Bands nach Europa bringen. Das ist wirklich großartig, finde ich.

    Andrew: Wir sind sehr glücklich über diese Zusammenarbeit. DUNK! Records haben uns nicht nur die Möglichkeit gegeben, in Europa auf Tour zu gehen. Sie haben es auch möglich gemacht, dass wir unser neues Album auf Vinyl pressen konnten - für uns ist das eine Premiere! Es ist wundervoll, dass wir mit dieser Partnerschaft weiter wachsen und neue Höhen erreichen können.

    Anne: Lass uns über Euer neues Album "Mount Pleasant" sprechen, dass Ihr gerade veröffentlicht habt. Es ist eine tolle Platte, die ich wirklich gerne mag! Was hat Euch am meisten inspiriert, als Ihr sie aufgenommen habt?

    "Das Album handelt von Täuschung und falschen Fassaden"

    Andrew: Danke für Deine lieben Worte! Das Album handelt von Betrug, Täuschung und falschen Fassaden. Für den Song "Potemkin" haben wir uns zum Beispiel von der Architektur des Potemkinschen Dorfes inspirieren lassen. Das ist eine Kontraktion, die dazu dient, andere zu täuschen, damit sie glauben, die Situation sei besser, als sie in Wirklichkeit ist.

    Andrew: Welches Stück auf "Mount Pleasant" magst Du am liebsten?

    Andrew: Ich schwanke zwischen zwei Songs. "Meet Me In The Meadow" gefällt mir wirklich sehr gut, da es so aufregend war, es zu schreiben und die Stärken unserer Band mal in einem anderen Licht zeigt. Aber ich mag auch den letzten Titel "Gueules cassées" gerne. Es ist ein Goliath von Track und wir haben noch nie zuvor eine Platte auf diese Weise beendet.

    Anne: Ich habe gelesen, dass Ihr das Album in London aufgenommen habt. Stimmt das? Verbringt Ihr viel Zeit dort?

    "Unsere Musik ist dynamischer geworden"

    Andrew: Nein, aufgenommen haben wir das Album tatsächlich im Studio unseres Gitarristen und Keyboarders Ryan in Springwood in Australien. Die Platte wurde in London von unserem engen Freund Dax Liniere abgemischt und gemastert. Nick hat das Studio in London besucht, bevor wir angefangen haben, an der Platte zu arbeiten.

    Anne: Ihr macht schon seit 2006 zusammen Musik. Was hat sich seitdem verändert?

    Andrew: Ich hoffe, dass wir besser geworden sind! Aber ganz im Ernst: Ich glaube, dass die Musik, die wir jetzt schreiben, expansiver und dynamischer ist. Das hat vor allem damit zu tun, dass wir Ryan 2014 als Bandmitglied gewinnen konnten.

    Anne: Ihr seid eine Instrumentalband und dieses Format passt hervorragend zu Euch als Band. Habt Ihr jemals darüber nachgedacht, mit eine⋆r Sänger⋆in zusammenzuarbeiten?

    "Wir werden unseren instrumentalen Wurzeln immer treu bleiben"

    Andrew: Wir haben in der Vergangenheit mit Vocals experimentiert. Hannah Cameron hat dem Song "Home" ihre Stimme verliehen und eine Menge Leute scheinen dieses Stück gerne zu hören. Ich würde sagen, wir sind offen dafür, in Zukunft mehr mit Gesang zu machen, aber wir werden unseren instrumentalen Wurzeln dennoch immer treu bleiben.

    Anne: Eine Sache, die ich an Shoegaze, Math Rock und Post-Rock besonders mag, ist die Verbindung zwischen Verletzlichkeit und Stärke. Ich glaube, dass wir unsere große Liebe für dieses Genre teilen. Was macht es in Deinen Augen so faszinierend?

    Andrew: Ich glaube, dass die Musik aus diesen Genres die Möglichkeit bietet, eine Geschichte zu erzählen ohne sie in Form von Worten ausdrücken zu müssen. Sie bietet der Phantasie viel Spielraum.

    Anne: Was inspiriert Dich am meisten, wenn Ihr an neuer Musik arbeitet?

    "Zusammen abzuhängen und Musik zu machen ist die einzige Inspiration, die ich brauche"

    Solkyri

    Andrew: Wir sind wirklich enge Freunde. Also ist die Möglichkeit, zusammen abzuhängen und Musik zu machen, die einzige Inspiration, die ich brauche!

    Anne: Das klingt ziemlich klasse! Und kreativ! Hast Du schon immer Musik gemacht? Was bedeutet das für Dich?

    Andrew: Ich habe in meinen späten Teenager-Jahren angefangen Musik zu machen. Davor hatte es für mich nur den Sport gegeben. Solkyri ist die einzige Band, in der ich Mitglied war.

    Anne: Gibt es Bands, die einen großen Einfluss auf Eure Musik haben?

    Andrew: Real Estate, Deerhunter, Ovlov, Jon Hopkins und Ólafur Arnalds sind einige unserer größten Vorbilder.

    Anne: Was versetzt Dich in kreative Stimmung?

    "Wir möchten die Tourpause mit neuen Aufnahmen füllen"

    Andrew: Dem täglichen Arbeitsrhythmus zu entkommen hilft definitiv!

    Anne: Was steht für Solkyri als Nächstes an?

    Andrew: Wir überlegen, einige Live-Aufnahmen zu machen, um die Lücke zu füllen, die entstanden ist, weil wir im Moment nicht auftreten können. Wir hoffen also, dass wir schon bald mehr mit unserem Publikum zu Hause teilen können. Außerdem werden wir weiter an neuen Stücken arbeiten!

    Anne: Ich bin schon sehr gespannt, bald neuen Stoff von Sokyri zu entdecken! Vielen herzlichen Dank für Deine Zeit und die Antworten! Ich weiß das sehr zu schätzen! Alles Gute für Euch!

    Andrew: Danke Dir! Bleib gesund!

    Solkyri gründeten sich 2006 in Sydney. Die Band besteht aus Adam Mostek (Gitarre, Keyboards), Andrew Pearsall (Bass, Synthesizer, Percussion) und Nick Hall (Drums, Percussion, Keyboards und Gitarre). "Mount Pleasant" ist das vierte Album nach "No House" (2011), "Are You My Brother?" (2013) und "Sad Boys Club" (2015).

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