Essen für das Klima – geht da noch was? Oder war das schon alles? Fast 70 Prozent der Europäerinnen würden zum Wohle des Planeten ihre Ernährung umstellen. Sprich: Mehr pflanzenbasierte Nahrung zu sich nehmen, saisonale Produkte kaufen und weniger Lebensmittel verschwenden.

Rund zwei Drittel der europäischen Bevölkerung (67 Prozent, um genau zu sein) stehen der Veränderung ihrer Essgewohnheiten aus Umweltschutzgründen offen gegenüber. Das geht aus dem Report One Bite At A Time1 hervor. Dieser wurde von der europäischen Consumer Organisation BEUC zusammengestellt und herausgegeben.

Ernährungsumfrage unter europäischen Konsument⋆innen

Bei der Broschüre handelt es sich um die Analyse einer Umfrage zum Thema nachhaltige Ernährung unter europäischen Konsument⋆innen. BEUC hatte die Umfrage gemeinsam mit 12 Partnerorganisationen in elf europäischen Ländern organisiert. Sie fand im Oktober und November des letzten Jahres statt.

Die meisten in Europa sind demnach also offen dafür, ihre Essgewohnheiten aus Nachhaltigkeitsgründen zu ändern. Außerdem wollen die Europäer⋆innen weniger Essen wegwerfen, lokal und saisonal einkaufen und mehr Gemüse essen.

Essen für das Klima? In Wirklichkeit wird Discounter-Bratwurst gegrillt

Doch wie weit liegen Aussagen und Wirklichkeit auseinander? Erst gestern wies die Politikerin Katrin Göring-Eckardt in der Talkshow „Hart aber Fair“2 wieder auf die bestehenden Diskrepanzen hin.

„Wir sagen, dass wir nur noch Fleisch vom Metzger nebenan kaufen, in Wirklichkeit grillen wir die Wurst vom Discounter“,

sagte sie. Ein Hinweis mit dem sie recht hat. Massenbetriebe wie Tönnies und Co. gibt es nicht von ungefähr. Allein am Hauptstandort in Rheda Wiedenbrück werden bei diesem Betrieb täglich 20.000 Schweine getötet. Insgesamt wurden bei Tönnies letztes Jahr knapp 17 Millionen Schweine geschlachtet. Die Arbeiter und die Tiere leiden unter den widrigen Zuständen vor Ort.

763 Millionen Landtiere werden in Deutschland jährlich geschlachtet

In Deutschland kommen die Schlachtbetriebe in Summe auf 55,1 Millionen getötete Schweine. Hinzu kommen 620,6 Millionen Masthühner, 23,1 Millionen Legehennen, 34,2 Millionen Puten, 15,5 Millionen Enten sowie 5,2 Millionen Rinder, Schafe, Ziegen und Pferde. Im Jahr 2019 wurden in Deutschland insgesamt 763 Millionen Landtiere getötet.

Im Angesicht dieser Zahlen kann einem schon mal ein kalter Schauer den Rücken runterlaufen. Wichtig ist, dass die Menschen bereit sind, etwas an ihrem Verhalten zu ändern. Wenn alle mitmachen, ist auch die Industrie dazu gezwungen, an sich zu arbeiten. Die meisten Konsument⋆innen sehen vor allem eine finanzielle Herausforderung auf sich zukommen. Sie fürchten, dass sie mit dem Verzicht auf Fleisch- und Milchprodukte mehr Geld ausgeben werden.

Faire Preise machen verantwortungsbewusst

BEUC weist im Report darauf hin, dass die Menschen vor allem mit fairen Preisen dazu ermutigt werden sollten, sich auf eine fairere und nachhaltiger Ernährungsweise einzulassen

„Es ist an vielen Stellen dringendes Handeln gefragt. Dazu zählt die Überarbeitung geltender Vorschriften, die Überwachung der Nahrungsproduktion und des Handels. Die Lebensmittellandschaft muss sich ändern, um es den Menschen zu ermöglichen, sich nachhaltig und gesund zu ernähren. Dies auf die Konsument⋆innen abzuwälzen und es jedem selbst zu überlassen, etwas zu verändern, wird auf Dauer nicht zu flächendeckenden Veränderungen führen“,

heißt es in dem Bericht.

Aus einer Randnotiz geht hervor, dass die Befragung vor der aktuellen Pandemie stattgefunden hat.

„Wäre unsere Umfrage nach dem Ausbruch von COVID-19 durchgeführt worden, ist davon auszugehen , dass die Ergebnisse anders ausgefallen wären.

Expert⋆innen sagen, dass die Tendenz heute mehr als je zuvor in Richtung nachhaltige und gesunde Ernährung geht. Der weltweite COVID-19 Ausbruch hat die Menschen nachdenklicher gemacht.

Das Institut für Energie- und Umweltforschung in Heidelberg hat einen Klimarechner3 entwickelt. Mit seiner Hilfe kann man den CO2-Verbrauch für die unterschiedlichsten Lebensmittel ausrechnen kann. Dazu braucht man die verschiedenen Produkte nur auf einen Teller zu packen und schon kann man sie mit anderen vergleichen. Ich habe das mal mit ein paar Lebensmitteln ausprobiert Der „KlimatarierCO2-Rechner“ kommt zu den folgenden Ergebnissen:

Lebensmittel CO2-Emission (kg)

Schwein 4,15
Rind 12,29
Lamm 7,70
Huhn 3,70
Wild 10,48
Pute 4,12
Kartoffeln 0,40
Rosenkohl 0,28
Rote Bete 0,32
Wirsing 0,30
Vollkornbrot 0,59
Tofu 1,06
Linsen (getrocknet) 0,61

Fußnoten/Quellen:

Bild: Alexas Fotos, pixabay