Der Festivalsommer 2020 sieht wie vieles in diesem Jahr traurig aus. Ein Open Air nach der anderen wird abgesagt. Die Veranstalter geraten zusehends in Not.

Ich weiß nicht, wie es bei Euch ist. Wir hatten dieses Jahr zwei Festivals fest eingeplant: Unser geliebtes DUNK! in Belgien und das ArcTanGent in England. Beide wurden nacheinander abgesagt. Den Veranstaltern steht das Wasser bis zum Hals.

„Eben mal locker verschieben“ geht nicht

arctangent

Auf dem ArcTanGent 2019 war die Welt noch in Ordnung.

Die großen Player Wacken, Rock am Ring, Roskilde, Isle of Wight und wie sie alle heißen, melden nach und nach, dass die Fans ihre Tickes wahlweise für 2021 behalten oder sich eine Rückerstattung holen können. Das klingt nach „eben mal locker verschieben“, zieht aber jede Menge Logistik und zusätzliche Ausgaben nach sich. Kleine Festivals kämpfen im Moment schlicht ums nackte Überleben. Das DUNK! und das ArcTanGent haben aus diesem Grund Spendenaufrufe gestartet.

Über meine erste Reaktion darauf ärgere ich mich inzwischen sehr. Sie fiel ungefähr so aus: Ich soll spenden? Wieso denn? Ich kann doch einfach mein Ticket behalten und dann dafür nächstes Jahr kommen? So einfach ist das aber eben einfach nicht.

Die Veranstalter sitzen auf einem Schuldenberg

Die Veranstalter bleiben auf den meisten Ausgaben, die sie für die diesjährige Festivals bereits getätigt haben, sitzen. Dazu zählen die bereits getätigten Bookings (Für „unsere“ Festivals waren zum Beispiel schon alle Bands bestätigt), Bühnen, Soundanlagen, Zelte, Kooperationen mit Catering-Firmen, Miete für Zeltplätze und Equipment und und und. Die Liste ist schier endlos.

Man kann ein Festival nicht einfach um ein Jahr verschieben. Vor allem, wenn nicht klar ist, ob man sich bis dahin finanziell überhaupt über Wasser halten kann. Auch, wenn die Vorstellung, einfach die komplette Veranstaltung mit samt Bands und allem Drum und Dran zu nehmen und um 12 Monate nach hinten zu schieben, schön ist: So rosa sind die Aussichten im Moment leider nicht.

Leute, kauft Musik!

Darum habe ich vollstes Verständnis für alle Spendenaktionen, T-Shirt-Verkäufe und Kickstarter-Aktionen, die im Moment gerade anlaufen. Ich bin der festen Meinung: Wenn wir in Zukunft Kultur haben wollen, dann müssen wir sie pflegen. Wir müssen uns darum kümmern und diejenigen, die daran mitwirken, dass wir sie genießen können, mit aller Kraft, die wir zur Verfügung haben, unterstützen.

Mein Aufruf lautet daher: Leute, kauft Musik! Die meisten Bands produzieren im Moment eine Single nach der anderen. Meldet Euch bei Newslettern an, lest die Zines und Kommentarspalten und bestellt Euch Platten, CDs, Kassetten, Digipacks Poster und T-Shirts.

Besucht die Webseiten der Künstler⋆innen und hinterlasst nette Kommentare, spendet für Eure Konzerthallen und fordert bitte das Geld nicht zurück, das Ihr für das Konzert, das nächste Woche stattfinden sollte, bezahlt habt. Ihr habt es doch sowieso schon ausgegeben.

„Es ist traurig, die Musikszene so leiden zu sehen“

Wout vom DUNK Festival schrieb mir heute, dass einfach noch nicht klar sei, wie es weitergeht.

„Es ist wirklich traurig, die Musikszene (ja eigentlich die komplette Welt) so leiden zu sehen. Wir hoffen, dass die Leute einen Teil des Ticketpreises spenden, damit wir dieses Jahr überleben können. Wir werden sehen, was dabei herauskommt. Ich hoffe wirklich sehr, dass wir uns nächstes Jahr auf dem DUNK wiedersehen.“

Mich schmerzt das sehr und ich hoffe wirklich, dass so viele Menschen wie möglich spenden, Platten bei DUNK Records bestellen und diese Geschichte weitererzählen.

Spenden für das Lieblings-Festival

dunk

Hoffentlich findet das DUNK! nächstes Jahr wieder statt.

Anders, als das ArcTanGent Festival, das einen Fundraiser gestartet hat, rief die DUNK Crew heute alle Fans dazu auf, bei der Rückerstattung einen Teil des Betrages zu spenden. Den Rückerstattungsbetrag kann man frei wählen. Jede⋆r, wie er⋆sie kann. Ich hoffe wirklich sehr, dass unsere Festivals am Leben bleiben und dass wir uns nächstes Jahr alle wieder mit unseren Zelten und Rucksäcken vor den Bühnen der Welt versammeln und diese harten Zeiten hinter uns lassen können.

Neben der Schadenbegrenzung, an der die Festival-Teams im Moment rund um die Uhr arbeiten, schaffen sie es immer noch, die Meute bei Laune zu halten. Fast stündlich liest man von neuen Live-Übertragungen aus Clubs und Video-Mitschnitten aus vergangenen Festival-Jahren. Das ist nicht selbstverständlich und für mich der Beweis dafür, mit wieviel Liebe jede⋆r in dieser Branche an dem was er⋆sie tut, festhält.

Die Kreativität lebt weiter

Auf der Facebook Seite des DUNK! Festivals wurde vor ein paar Tagen eine kleine Sensation veröffentlicht: Das Festival hat einen eigenen Radiosender gegründet.

„Liebe Freunde,

weil wir unser Festival absagen mussten, haben wir die Möglichkeit verloren, alle zusammen zur selben Zeit Musik zu hören. Dieses Problem wollten wir so schnell wie möglich lösen.

Wir haben eine riesige Liste an Bands, die auf unserem Festival gespielt haben Musik, auf unserem Label veröffentlicht haben oder aus anderen Gründen auf unserem Radar sind. Ihre Musik möchten wir ab heute 24 Stunden am Tag mit Euch teilen und mit Euch gemeinsam genießen“,

hieß es auf der DUNK Facebook Seite. Unter anderem gab es bei DUNK Radio bereits unveröffentlichte Live-Aufnahmen und einen Komplettmitschnitt einer Albumaufnahme zu hören. Im Moment wird mit Hochdruck an Sendungen gearbeitet. Die Kreativität lebt weiter in diesen düsteren Zeiten.

Den Anfang durfte die Band Tangled Thoughts Of Leaving mit ihren beiden Songs „Signal Erosion“ und „Yield To Despair“ machen.

Signal Erosion

Yield To Despair

Auch das ArcTanGent schläft nicht. Erst vor Kurzem wurde bekanntgegeben, dass der Headline Opeth für 2021 erhalten bleibt. Und die guten Nachrichten brechen nicht ab. Permanent gibt es in den sozialen Netzwerken neue Videos, Artworks und Bilder zu sehen.

Damit dasArcTanGent nächstes Jahr in seiner ganzen Schönheit stattfinden kann, sollte jede⋆r, der es gerne besuchen möchte den Fundraiser unterstützen.

An dieser Stelle möchte ich mit Euch ein paar wunderschöne Erinnerungen an dasArcTanGent 2019 teilen. Die Bilder habe ich auf dem DUNK! und dem ArcTanGent aufgenommen. Das Bild im Header zeigt den letzten Auftritt der Band Pray For Sound auf dem DUNK! Festival. Niemals in der Geschichte der Musik war ein Bandname treffender als dieser.