Die Treibhausgasemissionen sind zurückgegangen. Durch die Reaktionen der Regierungen auf die COVID-19 Pandemie hat sich die Luft verbessert. Die Leiterin des UN-Umweltprogramms (UNEP) warnt jedoch davor, das als Segen für die Umwelt zu betrachten.

Frau Andersen fordert stattdessen einen tiefgreifenden Systemwechsel hin zu einer nachhaltigeren Wirtschaftsform, die für Menschen und Tiere gleichermaßen funktioniert.

Die Auslöser der Pandemie verstehen

Die Umweltchefin findet, dass es besonders wichtig ist, dass wir die Auslöser der Pandemie verstehen lernen.

„Wenn wir auch in Zukunft in empfindliche ökologische Systeme eingreifen, bringen wir Menschen immer näher in Kontakt mit Wildtieren. Darüber hinaus sind der illegale Wildtierhandel und sogenannte ‚Wet Markets‘ nicht selten die Ursache für derartige Krankheiten. Etwa 75 Prozent der neuen und infektiösen Krankheiten sind zoonotisch. Tatsächlich kommt es jedes Jahr etwa zu einer Milliarde Krankheitsfälle sowie Millionen von Todesfällen aufgrund dieser Krankheiten.“,

berichtet sie. Die Eingriffe des Menschen in die Natur wie etwa die immer weitere Vergrößerung der Tierzucht und -Haltung haben bereits drei Viertel der Erde massiv verändert. Die Tierwelt wurde dabei immer weiter in die Ecke gedrängt.

COVID-19 ist kein Lichtblick für das KlimaDie Politikerin weist darauf hin, dass wir die Abholzung der Wälder stoppen und den illegalen Handel mit wilden Tieren bekämpfen müssen.

Wir müssen begreifen, dass die Natur unser eigenes Überleben sichert. Sie versorgt uns mit der Luft, die wir atmen, reguliert das Wetter und bestäubt die Pflanzen, von denen wir uns ernähren. Andersen findet,

„Unsere und die Gesundheit des Planeten sind ein und dieselbe“

„Die Erhaltung einer reichen, vielfältigen und blühenden Natur ist ein wesentlicher Bestandteil unseres Lebenserhaltungssystems. Die Gesundheit der Menschen und die Gesundheit unseres Planeten sind nicht nur eng miteinander verwoben, sie sind ein und dieselbe.“

Inger Andersen ist überzeugt, dass sich die Menschheit auf ein „optimiertes Zurückbauen“ einstellen muss. Wir müssen die Signale, die wir von der Umwelt bekommen und ihre Bedeutung ernst nehmen. COVID-19 ist für sie kein Lichtblick für die Umwelt.

„COVID-19 fordert eine Antwort, die es bisher noch nicht gegeben hat“

„Die globale COVID-19 Pandemie hat unsere vertraute Lebensweise fast vollständig zum Erliegen gebracht. Der Ausbruch wird tiefgreifende und dauerhafte soziale und wirtschaftliche Folgen haben – in allen Teilen der Welt. Diese Turbulenzen erfordern eine Antwort, wie es sie noch nie gegeben hat.“

In ihren Augen muss jede positive Auswirkung auf die Umwelt im Anschluss an die Pandemie darin bestehen, dass wir unsere Produktions- und Konsumgewohnheiten nachhaltig ändern – in Richtung grün und sauber.

Grüne Konjunkturpakete als Chance

Inger AndersenNur mit langfristigen und systematischen Veränderungen können wir es schaffen, den CO2-Verlauf in der Atmosphäre wirklich zu verändern. Andersen sieht eine echte Chance im Schnüren von Konjunkturpaketen im Anschluss an die Krise.

Diese sollten sich ihrer Meinung nach aus Infrastrukturmaßnahmen zusammensetzen. Für sie wäre das eine echte Chance, die Nachfrage an erneuerbaren Energien, intelligenter Gebäudetechnik und umweltfreundlichen, öffentlichen Verkehrsmitteln endlich zu stillen.

„Die positiven Auswirkungen sind nicht von Dauer“

„Die sichtbaren, positiven Auswirkungen sind nur vorübergehend, da sie auf dem tragischen Wirtschaftsabschwung und dem Leid der Menschen fußen.“

Zu verstehen, woher die Krankheit, die unser Leben verändert hat, kommt, ist für sie der Kern dieser Überlegung. Die Wälder wieder herzustellen, die Abholzung zu stoppen, in die Verwaltung von Schutzzonen zu investieren und die Märkte für Abholzungs-freie Produkte voranzutreiben wäre dann der nächste logische Schritt.

Ein freundlicherer Umgang mit der Erde

„Wenn die Motoren wieder in Schwung kommen, müssen wir sehen, wie der umsichtige Umgang mit der Natur Teil einer ’neuen Wirtschaft‘ sein kann, die zwingend entstehen muss. Eine Wirtschaft, in der Finanzen und Aktionen grüne Arbeitsplätze, grünes Wachstum und eine andere Lebensweise fördern.

Klar ist: Wir müssen freundlicher mit unserer Umwelt umgehen. Je besser es ihr geht, desto besser geht es uns und den Generationen nach uns. Bleibt zu hoffen, dass das nach der Krise ein Großteil der Menschen so sieht. Spätestens jetzt ist es an der Zeit für ein kollektives Umdenken.

Quellen

Bild im Header / picture in header: Inger Andersen, UN