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Liebhaber⋆innen pulsierender und psychedelischer Musik werden Sphaèros lieben. Mit seinem Soloprojekt kombiniert er Musik, Film und Performance auf seine ganz persönliche Art und Weise.

Vor Kurzem habe ich hier im Blog das neueste Video von Sphaèros vorgestellt. Jetzt hat sich der Pariser Underground-Künstler zu einem Interview bereiterklärt.

Sphaèros hat in sieben Tagen sieben Musikstücke und sieben Filme kreiert. Laut eigener Aussage möchte er die Geister durch seine Arbeit sprechen lassen. Während des kreativen Prozesses in Vorbereitung auf die Arbeit verbrachte er drei Jahre in einer nahezu klösterlichen Umgebung und konzentrierte sich dabei ganz allein auf sein Innerstes.

Er wollte seine persönliche Vision von Magie und Realität schaffen. Befreundete Künstler unterstützten ihn am Schlagzeug sowie mit Stimme und Tanz.

Anne: Was hat es mit der Sieben auf sich? Sieben Tage und sieben Songs mit sieben Filmen – da klingt ganz schön mysthisch.

Sphaèros: Ich habe die sieben Songs in sieben Tagen aufgenommen – zu Beginn einer neuen Mondphase. Wie wir wissen, ist die Zahl Sieben eine besondere Zahl. Sieben Chakren. Sieben Tage für eine Mondphase. Das Auge kann bis zu sieben Elemente erfassen, bis es zwinkert. Die sieben Weltwunder. Und nicht zu vergessen: Sie ist die Zahl der Weisheit. Für mich ist die Sieben jetzt die gute Zahl – obwohl meine wahre Nummer eigentlich Trinity heißt.

Anne: Du hast viel Zeit mit Dir selbst verbracht und Dich für das neue Projekt auf Dein Innerstes konzentriert. Insgesamt waren es drei Jahre. Für mich klingt das nach einer Menge Zeit für Meditation. Warst Du schon immer eine spirituelle Person?

„Alles, was ich tue, ist Musik“

SphaèrosSphaèros: Also, ich habe nicht drei Jahre lang meditiert, denn alles, was ich tue, ist Musik. Dinge wie Bildhauerei und Filmen besitzen die Kraft, einen in einen meditativen Zustand zu versetzen. Natürlich bin ich ganz schön viel gereist. Auf jede erdenkliche Weise – mit Geist und Körper. Mit der Hilfe heiliger Pflanzen und Psychedelika jeder Art. Dieses mal wollte ich es stoppen. Ich wollte fühlen, wie diese Erfahrungen meinen Geist klarer gemacht haben. Experimentelle Kunst erschaffen – mit der Kraft eines klaren und erleuchteten Geistes.

Ich sehe mich selbst nicht als spiritueller Mensch sondern viel mehr als eine Art Außenseiter. Ein Spinner, wenn Du so willst. Ich möchte einfach jede Erfahrung die es gibt machen, so lange ich auf der Erde bin. Dass es in meiner Art zu leben auch Spiritualität gibt, würde ich schon sagen. Und ja: So wurde ich geboren. Ich habe mich schon immer außerhalb vorherbestimmter Regeln bewegt. Dingen wie Religion, Gurus, traditionellen Büchern oder Meditationsriten folge ich nicht. Ich glaube an meine persönlichen Erfahrungen und vertraue auf meine Gefühle. Ich wollte immer alles über mich selbst herausfinden – mit meinen eigenen Sinnen und auf meine eigene Art.

Anne: Glaubst Du an eine höhere Macht oder Kraft?

Sphaèros: Es fällt mir nicht leicht, auf diese Frage zu antworten. Weil wir nicht wissen, woher wir stammen, kann wohl keiner sie wirklich beantworten. Ich glaube an kosmische Energie, Träume, die Realität und die Kraft der natürlichen Elemente. Ich liebe das Konzept des menschlichen Gehirns. Es erlaubt uns, jede Art von Realität zu erschaffen und zu verändern. Ich glaube, dass jedes lebende Wesen auf seine Art Gott ist. Ich glaube an Chaos, Feuer, die Unendlichkeit, alte Seelen, Raumfahrt und Liebe.

Anne: Was hilft Dir dabei, kreativ zu sein und neue Kunst zu erschaffen?

„Nicht mal in einer Zelle würde ich aufhören kreativ zu sein“

Sphaèros: Alleine zu sein. Und mein Kopf! Ich bin immer in Bewegung. Ich habe diese Sache, über die Menschen ständig reden, nie verstanden. Diese sprichwörtliche weiße Seite. Der Mangel an kreativen Ideen. Mein Kopf hält niemals an. Ich gestalte die ganze Zeit Dinge. Nicht mal, wenn ich in einer Zelle sitzen würde, würde ich aufhören, Dinge zu gestalten. Ich bin sehr dankbar und glücklich über diese Tatsache.

Ich glaube, dass wir das gesamte Universum in uns haben und unsere eigenen Meister sind. Mit unserem Geist können wir alles erschaffen. Es wir niemals aufhören. Am liebsten würde ich 500 Jahre leben, um alles zu erschaffen und zu entwicklen, was ich in mir trage. Mir ist bewusst, dass ich nicht viel Zeit habe, also verbringe ich den größten Teil meiner Zeit in meinem Gewölbe aus dem 16. Jahrhundert. Meiner Untergrundwelt, in der ich Dinge erschaffe.

Anne: Wie lange machst Du schon Musik?

Sphaèros: Ich mache seit meiner Kindheit Kunst. Ich denke, dass alles, was ich mache, also Bildhauerei, Musik, Filmen, Fotografie, eine Art Sprache ist. Wirklich gelernt habe ich nie etwas. Ich habe immer alles direkt erforscht. Freie Kunst. Ohne Tradition, Technik oder Schule. Nur meine inneren Emotionen und Gefühle. Ich mag es, die Dinge einfach, klar und direkt zu halten.

Anne: Welche Künstler⋆innen haben Dich während Deiner persönlichen Entwicklung am meisten beeinflusst?

„Am meisten beeinflusst mich die Natur“

SphaèrosSphaèros: Oh, es gibt einige, die mich wirklich schwer beeindruckt haben: HP Lovecraft, Salvador Dali, Hieronymous Bosch, Tod Browning, Aubrey Bearsley, Alejandro Jodorowski, Kenneth Anger, Roman Polanski, Pierre Clementi, Beaudelaire, Antonin Artaud, Isidore Ducasse,Bela Lugosi, Hans Bellmer, Bruegel… Ich könnte immer weiter aufzählen. Was mich persönlich tatsächlich am allermeisten beeinflusst hat, ist das Beobachten der Natur – Insekten, Säugetiere, Pflanzen. Ich mag es, ihnen bei ihrer Entwicklung und beim Wachsen zuzusehen. Ihr Leben, ihre Formen, Geräusche und ihre Art miteinander zu kommunizieren. Ich versuche schon immer, das auf meine Art zu reproduzieren und in meinem Hexenkessel einen Mix daraus zu erschaffen.

Anne: Ich meine, Einflüsse aus den 1970er Jahren in Deiner Kunst zu erkennen. Würdest Du sagen, dass Dich dieses Jahrzehnt besonders beeindruck hat?

Sphaèros: Also ich wurde 1970 geboren. Ich liebe die Tatsache, dass die Menschen in den 1970ern viel ausprobiert haben. Insbesondere ihre Freiheit. Aber noch mehr fasziniert mich die Zeit zwischen 1880 und 1920. Die Mittelalterzeit. Das Cro-Magnon. Die Neandertaler und die Zeit der Dinosaurier.

Anne: Du kommst aus Paris und Du bis dort als Künstler groß geworden. Was ist das Besondere an der Pariser Kunstszene?

„Paris hat eine besondere Atmosphäre“

Sphaèros: Ich gehöre nicht zu einer „Szene“, also kann ich Dir das nicht genau sagen. Ich liebe Paris für seine Geschichte, seine Museen, seine Architektur und seine besondere Atmosphäre. Ich denke, dass die Pariser Musikszene wirklich schlecht ist. Also bis auf die gute alte Zeit mit Barbara, Edith Piaf and Serge Gainsbourg.

Anne: Du hast mir erzählt, dass Du ein kreativer Mensch bist. Dein Kopf hält nie an. Was würdest Du Künstler⋆innen, die sich in einer Schaffenskrise befinden und es nicht schaffen, ihre Werke fertigzustellen, raten?

„Wenn man etwas erschaffen möchte, muss man loslassen können“

Sphaèros: Ich würde ihnen raten loszulassen. Nimm Dir eine Auszeit. Genieße das Leben. Denk gar einfach gar nicht an Kunst und sie wird zurückkommen. Keine Eile und kein Druck.

Anne: Wodurch unterscheidet sich die Arbeit an Deinem neuen Projekt von der mit Aqua Nebula Oscillator?

Sphaèros: Sie ist anders, weil ich das komplette Projekt selbst gestaltet habe. Von vorne bis hinten – ganz ohne Druck. Mein komplette kreative Essenz steckt darin. Es ist wie eine Sphaèros Sphäre. Alle Bilder, die Musik, Poesie, die Skulpturen und Filme – sogar das Plattencover – sind ein Teil von mir. Ich wollte Spaß haben und alles rausholen, was ich kann, bevor ich mir das Resultat ansehe. Es war eine schöne Herausforderung für mich. Ich habe lediglich einen Drummer (Adrian Bang) gefragt, ob er für die Aufnahme für spielen würde. Außerdem haben drei Leute ein Gedicht vorgetragen (Stephanie Swanquills, Machiavel Machina, Sylvia Shoshinski) und ein paar befreundete Tänzer⋆innen (Holly Carlson, Symphonie Monoton) haben in meinen Videos getanzt. Ich habe meine ganz eigene Kunst geschaffen – als wäre es ein Buch oder ein Gemälde.

„Aqua Nebula Oscillator gibt es nicht mehr“

Bei Aqua Nebula Oscillator waren viel mehr Menschen involviert. Wir hatten fünf verschiedene Formationen, die sich immer richtig angefühlt haben. Nach den Aufnahmen, hatte ich das Gefühl, davon geblendet zu sein.

Anne: Wird es Zukunft neue Musik von Aqua Nebula Oscillator geben?

Sphaèros: Nein, Sphaèros ist jetzt das Aqua Nebula Oscillator.

Anne: Deine neuen Stücke sind Gesamtkunstwerke – Performance inklusive. Wo können wir Dich dieses Jahr live auf der Bühne sehen?

Sphaèros: Im Moment bin ich mit der Ausarbeitung des Live-Teils beschäftigt. Ich setze mich dabei selbst nicht unter Druck. Ich möchte von selbst in den Flow kommen. Ihr werdet schon bald von mir hören.

Anne Arbeitest Du auch bereits an neuen Stücken?

Sphaèros: Ja. Wie ich es gesagt habe: Mein Leben ist Kreation. Ich werde niemals aufhören – bis es eines Tages Zeit für den Sarg wird. Und nichtmal da bin ich mir sicher. Vielen Dank!

Sphaeros’ aktuelles Stück trägt den Namen „Possession“. Es handelt sich dabei um die zweite Vorauskopplung des gleichnamigen Albums. Es wird ab morgen (6. März 2020) in den Plattenläden und auf iTunes und Spotify erhältlich sein.


English version

„My life is creation“

Recently I presented the latest of Sphaèros videos here on the blog. Now the exceptional artist has agreed to an interview.

Lovers of pulsating and psychedelic music will love Sphaèros. His solo project combines music, film and performance in a very special way.

Sphaèros has created seven pieces of music and seven films in seven days. According to his own statement he wants to let the spirits speak through it. During the upfront creative process he spent three years in an almost monastic environment and concentrated on his innermost being.

He wanted to create his personal vision of magic and reality. Artist friends supported him on working it out with the help of singing, arrangements and drums.

Anne: What is it about the Seven? Seven days and seven songs with seven films – that sounds pretty mystical.

Sphaèros: I recorded the seven songs in seven days total time for a moon phase to happen. As we know the number seven is a special one. Seven chakras. Seven days for a moon phase. The eye can catch up seven elements in one blink. The seven world wonders. Not to forget: Seven is the number of wisdom. For me the seven is now the good one, although my real number is trinity.

Anne: You’ve spent quite some time on your own, concentration on your inner self for this new project. Three years: for me it seems, that this is a lot of time for meditation. Have you always been a spiritual person?

Everything I do is music“

Sphaèros: Well, I didn’t meditate for three years. I don’t do casual meditation, cause everything I am doing is music. Sculpturing and making films has the power to put you in a meditation state. Anyway, I used to travel a lot, in all the way, body and spirit with the help of sacred plants and psychedelics of all kinds. This time of my life was the time to stop. I wanted to feel, how those experiences made my spirit clearer. To do experimental art – with the power of a clean and enlightened mind.

I don’t see myself as a spiritual person, but more as an outcast outsider weirdo: I want to express any sensations while I’m on earth. I would say, there is spirituality in my way of living. And yes: I was born like that, but always out of any already setup things. I don’t trust or follow anything like religion, gurus, traditional books or meditation. What I believe in are my personal experiences and feelings. I always wanted to learn everything about myself – with my own senses and in my own way.

Anne: Is there a higher spirit or power you believe in?

Sphaèros: It is very complex to answer this question. As we don’t know where we come from, no one can answer to that. I believe in cosmic energy, dreams, reality and the power of natural elements. I love the concept of the human brain. It allows us to create and change any reality. I believe that every living thing is god. I believe in chaos, fire, infinity, old souls, space travel and love.

Anne: What helps you to be creative and create new art?

„Even sitting in a cell, wouldn’t stop me from being creative“

Sphaèros: To be on my own. And my mind! I’m always in action. I never got this thing that people are talking about. This white page or lack of creative ideas. My mind never stops. I’m creating things all the time. Even if I was in a cell, I would carry on creating things. I’m very thankful and lucky about this.

I think, that all universe is inside us and we are our own masters. With this in mind, we can create anything – it will never stop. I would love to live 500 years to experiment and develop all the things that I have inside me. I am well aware, that I have not much time, so I spend most of it in my „16th century arched caves“ underground world creating things.

Anne: How long have you been making music?

Sphaèros: I have been making art since I was a child and I think that everything I do, sculpturing, music, film, photography, is some kind of language. I never learned anything – I was always expressing it directly. Free form art with zero tradition, zero technic and zero school. Just my inside emotion and feelings. I like keeping things pure true and directly.

Anne: Which artists have influenced you most during your personal development?

„Nature is what inspires me most“

Sphaèros: Oh, there are many who blowed my mind: HP Lovecraft, Salvador Dali, Hieronymous Bosch, Tod Browning, Aubrey Bearsley, Alejandro Jodorowski, Kenneth Anger, Roman Polanski, Pierre Clementi, Beaudelaire, Antonin Artaud, Isidore Ducasse,Bela Lugosi, Hans Bellmer, Bruegel… I can go on and on. The most influential artist to me is to watch the nature – insects. mamals, plants. I like watching them grow and evolve. Their circles, shapes, sounds and how they communicate. I’m always trying to reproduce it in my way and make a mixture of it in my cauldron.

Anne: I can see some references to the 1970s in your art. Would you say this decade has particularly impressed you?

Sphaeros: Well, I am born in 1970. I do love the fact that people where experimenting in the 1970s. Mostly freedom. But I am much more fascinated about the 1880 till 1920s. And also the middle age period. Even the Cro-Magnon, Neanderthal and dinosaur period.

Anne: You are from Paris and you grew up there as an artist. What is special about the Parisian music scene?

Sphaeros: Well, I don’t belong to a „scene“ so I don’t really know. I do love Paris for it’s ancient history, museums, architecture and special atmosphere. I think that the music scene in Paris is really bad. Except in the old times with Barbara, Edith Piaf and Serge Gainsbourg.

Anne: You told me, that you are a very creative individual. Your mind never stops. What advise would you give to artists who are in a creative crisis and cannot manage to finish new ideas?

„Take a rest and enjoy life. Art will come back“

Sphaeros: I would advise them to let it go. Take a rest, do other things, enjoy life. Don’t even think about art and it will come back. No hurry, no pressure.

Anne: How does the work on the new project differ from working with Aqua Nebula Oscillator?

Sphaeros: It differs, ‚cause I’ve created the whole project on my own. From down to top with no pressure. All my creative essence is in it. It’s like a Sphaeros Sphère. All images, music, poetry, sculptures, films – even the record cover – is authentically me. I wanted to have fun and create the most I could, to see the result. It was like some kind of a challenge. I only asked a drummer (Adrian Bang) to play on the recording. Besides that three persons read a poetry (Stephanie Swanquills, Machiavel Machina, Sylvia Shoshinski) and some friends of mine (Holly Carlson, Symphonie Monoton) danced on the videos. I created my art as if it was a book or a painting.

„Sphaèros is the new Aqua Nebula Oscillator“

With Aqua Nebula Oscillator there where much more people involved. We’ve had five different formations who always felt right. After the recordings I was so fade up about it.

Anne: Will there be new music from Aqua Nebula Oscillator some time?

Sphaèros: No, Sphaèros is the new Aqua Nebula Oscillator music now.

Anne: Your new pieces are complete works of art – including performance. Where can we see you live on stage this year?

Sphaèros: At the moment I’m working on creating the live act part. I don’t put pressure on myself. I want to let the flow come. It will be soon this year.

Anne: Are you also already working on new pieces?

Sphaèros: Yes. As I said: My life is creation. So it will never stop till coffin time and I’m not even sure about this fact. Many thanks!

Sphaeros‘ current piece is called „Possession“. It is the second pre-release of his album „Possession“. It will be available from tomorrow (March 6, 2020) in record stores and on iTunes and Spotify.