Am 25. Juni letzten Jahres hatte uns unsere Reise durch Südspanien nach Gibraltar geführt. Trotz spannender Temperaturen wagten wir uns auf den Felsen und lernten dort die Affen von Gibraltar kennen. Ihr könnt sie in der Bildergalerie unter diesem Artikel bewundern.

„Heute habe ich auf dem Felsen von Gibraltar gesehen, wie ein größerer Affe einen winzigen Affen aus einem kleinen Affen rausgezogen hat. Der kleinste wurde anschließend liebevoll und etwas verwundert auf der Erde aufgenommen. Die Geburt fand zwischen hunderten von Touristen statt, die in allen Ecken herumwuselten und die Artgenossen der frisch gebackenen Familie fotografierten. Dabei waren sie so vertieft, dass sie dieses Wunder der Natur gar nicht bemerkten. Ich bin immer noch unglaublich fasziniert und kann es kaum fassen.“

Das schrieb ich am Abend des Tages in mein Online-Bildertagebuch. Die ganze Geschichte kann einen, das gebe ich zu, ziemlich nachdenklich machen. In vielerlei Hinsicht. Die Touristen kommen den Affen in Gibraltar wirklich sehr nah. Dabei vergessen sie leider sehr oft, dass es sich um wilde Tiere handelt, die ihre persönliche Komfortzone sehr schätzen. Außerdem werden die Tiere trotz des Verbots, das sogar mit einem Bußgeld verbunden ist, immer wieder gefüttert. Erwachsene Menschen drücken ihnen Chipstüten oder Schlimmeres in die Hand und bewundern dann, wie „menschlich“ die possierlichen Tiere doch essen.

Ein Affe wird geboren

Viele steigen mit dem Selfie-Stick im Anschlag aus der Seilbahn, ohne auch nur einmal die beeindruckende Umgebung am Felsen zwischen dem Mittelmeer und dem Atlantik mit allen Sinnen wahrzunehmen oder die kleinen Details zu bewundern, die sich neben der Affenbande auf dem Gibraltarfelsen noch so bieten. Ein Glück für die Affenmutter, die an unserem Besuchstag ihr Junges zur Welt brachte. Einfach so, unter einer Treppe zwischen zwei Touristenwellen. Nicht auszudenken, was hätte passieren können, wäre ein Mensch ihr in den wenigen Minuten zu nahe gekommen.

Ich würde mir sehr wünschen, dass die Menschen den Affen mit etwas mehr Respekt begegnen. Statt des großen Souvenirladens auf dem Berggipfel könnte man zu diesem Zwecke eine Art Infozentrum über ihr Leben und ihre Angewohnheiten einrichten. Bis auf einige Verbots- und Hinweisschilder gibt es leider nicht viele Informationen über die Felsenbewohner. Von sanftem Tourismus ist man in Gibraltar leider noch weit entfernt. Ebenso verstopfen zahlreiche Autos das begrenzte Stadtgebiet, was für eine ziemliche Dunstglocke sorgt. Als Auto-freie Stadt wäre die britische Enklave an der Straße von Gibraltar sicher ein Paradies.

Die in Gibraltar heimischen Affen sind Margot, auch Berberaffen genannt. Es ist eine Makakenart – die einzige frei lebenden Affenart in Europa. Anders, als viele andere Affen, verbringen die Margot die meiste Zeit des Tages auf dem Boden. Sie sind tagaktiv und schließen sich zu Gruppen zusammen. Am liebsten fressen sie Früchte, Blätter, Knospen, Samen, Flechten, Wurzeln und Pilze. Wenn sich die Gelegenheit bietet, greifen sie aber durchaus auch zu Vogeleiern, Würmern oder Skorpionen.

Naturbegeisterte erklimmen den Felsen von Gibraltar zu Fuß

Auf ihrem Felsen sind sie die König*innen. Weiter runter in Richtung Stadt begeben sie sich nicht. Wahrscheinlich gefällt ihnen ihre Aussicht einfach zu gut. Es kommt zwar ab und zu vor, dass sich ein besonders mutiger Affe auf einer Seilbahnkabine niederlässt, bevor diese sich in Bewegung setzt, wird er jedoch so schnell wie er gekommen ist auch wieder davon sausen. Auf zu neuen Abenteuern.

Um auf den Affenfelsen zu kommen, können Geduldige sich am darunter gelegenen Parkplatz stundenlang an der Seilbahn anstellen. Naturbegeisterte legen den zu Fuß Weg zurück. Es gibt aber auch die Möglichkeit, sich ein paar Tage im Voraus online ein Ticket für die Bahn zu sichern (Vorsicht bei Höhenangst und Agoraphobie). Am Fuße des Berges gibt es einen kleinen botanischen Garten, den zu besuchen es sich auch lohnt. Wer mit dem Campervan kommt, parkt am besten in Concepión und geht zu Fuß über die Grenze. Gibraltar gilt als Überseegebiet Großbritanniens. Darum solltet Ihr auf alle Fälle Euren Pass dabei haben. Alle Einreisenden werden am Übergang kontrolliert. In Gibraltar angekommen, kann man dann mit den verschiedenen Linienbussen in die Innenstadt oder zum Parkplatz unter dem Felsen fahren.

Hinweis: Ich habe die Affen aus großer Entfernung mit dem Teleobjektiv fotografiert, um sie nicht zu stören. Das Neugeborene ist auf meinen Bildern nicht zu sehen.