Ein Buch, dass ich Euch schon seit längerer Zeit dringend empfehlen möchte, trägt den Titel „Animal Liberation“. Geschrieben wurde es von Peter Singer. Die erste Ausgabe stammt aus dem Jahr 1975. Seither wurde es mehrfach überarbeitet. Das mir derzeit vorliegende Exemplar stammt von 2018.

Das Werk befasst sich mit dem Thema Tierethik. Peter Singer beschreibt darin die Haltung von Tieren für Tierversuche und die Zucht. Mit „Animal Liberation“ legte er einen der Grundsteine der heutigen Tierrechtsbewegung.

Die Philosophie der Tierethik

In der Einleitung gibt der Autor einen Überblick über die Philosophie, welche der Tierethik zugrunde liegt. Für ihn bedeutet Gleichheit die gleiche Berücksichtigung der Interessen von Individuen. Eigenschaften, Empathie oder Intelligenz spielen dabei keine Rolle. Damit lehnt er jede Form von Rassismus und Speziesismus ab.

Die Fähigkeit, Schmerz zu empfinden, ist für ihn die Voraussetzung dafür, Interessen zu haben. Da man sich nie sicher sein kann, ob ein anderes Lebewesen (egal welcher Art) Schmerz empfindet, ist nach seiner Überzeugung davon auszugehen.

In unserer heutigen Gesellschaft verzerrt sich das Bild, das wir von unseren tierischen Mitlebewesen haben, immer mehr. Die wenigsten hinterfragen dabei ihr Handeln. Das begründet der Autor vor allem damit, dass die Distanz der meisten Menschen heute sehr groß ist. So schreibt er auf Seite 125

„Für die meisten Menschen und insbesondere für diejenigen, die in Städten oder deren Umfeld leben, ist die unmittelbarste Begegnung, mit nichtmenschlichen Tieren eine Mahlzeit: wir essen sie. Diese einfache Tatsache ist der Schlüssel zu unserer Einstellung gegenüber anderen Lebewesen und auch der Schlüssel dazu, was jede⋆r einzelne von uns tun kann, um diese Einstellung zu ändern.“

Tiere begegnen den meisten nur noch als Nahrung auf dem Teller

Den Missbrauch der lebendigen Kreaturen, die sich hinter der Nahrung, die wir zu uns nehmen verbirgt, ignorieren wir laut Singer einfach. Wie sollte es auch anders sein? Wir müssen ja in der Regel auch nur noch eine Folie abziehen (Seite 125). Er spricht auch von der Verschleierung, die wir dem Fleisch durch die verschiedenen Namen, die wir ihm geben, zukommen lassen. Auch diese bringt uns seiner Meinung nach weiter weg von der Tatsache, was wir da eigentlich essen.

Singer sieht hier ein großes Problem darin, dass Tierliebhaber für Tierschützer gehalten werden. Die ganz großen Brocken, wie die Massentierhaltung, werden dadurch nicht effektiv angegangen. Man bewegt sich an den Rändern (z. B. Pelztierhaltung, Robbenfang) und lenkt so von der eigentlichen Sache  in ihrer Gesamtheit ab. Auch hier kommt der Autor wieder auf das Thema Speziesismus zu sprechen (Tier aus dem Tierheim aufnehmen und sich für Streuner stark machen, aber Fleisch essen). Über sein Buch schreibt Peter Singer selbst:

„Das Buch ist kein sentimentaler Aufruf zur Sympathie gegenüber ’niedlichen Tieren‘. Es handelt von der Gewaltherrschaft des Menschen über die Tiere. Es ist ein Versuch, gründlich, sorgfältig und konsequent darüber nachzudenken, wie wir mit Tieren umgehen.“

„Animal Liberation“ deckt die Widersprüche der Menschen auf

Die angeblich schmerzfreie Haltung und Tötung ist für ihn keine Lösung. Neben dem ethischen Aspekt führt Peter Singer unter anderem aber auch den Klimawandel sowie die Verschmutzung der Umwelt und Rodungen als Grund für die vegane Lebensweise auf. Er versteht sie jedoch auch als politischen Hebel. Wer keine Produkte tierischer Herkunft mehr kauft, beteiligt  sich aktiv an der Senkung der Nachfrage:

„Solange die Menschen bereit sind, die Erzeugnisse der intensiven Tierzucht und -Haltung zu kaufen, werden die üblichen Formen des Protests und des politischen Handelns niemals eine wesentliche Reform bewirken.“ (Seite 193)

Am Beispiel Tierversuche beweist der Autor klar die Widersprüchlichkeit, mit der Menschen agieren. Zeitgleich wird davon ausgegangen, dass zum Beispiel bestimmte Medikamente bei Tieren die gleiche Wirkung haben, wie bei Menschen, erkennt ihnen jedoch das Schmerzempfinden ab. Abgesehen davon, dass die Ergebnisse aus Tierversuchen nicht auf den Menschen übertragbar sind, ist dies äußerst fragwürdig. Dafür liefert auch Singer zahlreiche belegte Beweise. Zudem entkräftet er die Befürworter in ihrer Behauptung, Tierversuche würden ausschließlich für wichtige Zwecke durchgeführt, indem er einige davon im Detail beschreibt.

Tierethik – die aktuelle Lage

Neben der Analyse der aktuellen Lage bringt Peter Singer in seinem Buch auch einen Überblick über die Geschichte und die Entwicklung, die dazu führte, dass wir heute die einen essen und die anderen streicheln. Dabei zitiert er unter anderem Darwin, Voltaire, Hume und Bentham.

„Animal Liberation“ ist ein Buch, dass mich persönlich schon sehr lange begleitet. Es dient mir als Nachschlagewerk und ich habe es auch schon diverse Male am Stück gelesen. Zugegeben: es handelt sich dabei sicher nicht um die leichteste Kost. Dennoch ist es gut lesbar und was das Wichtigste ist: es bietet einen guten Überblick über die Geschichte der Tierethik. Außerdem findet man darin jede Menge wertvolle Informationen und Argumente für ein veganes Leben. Singer schreibt zwar auf sehr sachliche Art, beweist aber auf jeder Seite seine tief gehende Empathie. Besonders gut gefallen haben mir persönlich außerdem die gut gewählten Zitate, mit denen er sein Werk unterfüttert hat. Alle Quellen sind belegt – einige davon bieten weiteren hochinteressanten Lesestoff. Da ich selbst zum Sammeln meiner Texte neige, finde ich die Tatsache, dass im Buch neben dem aktuellsten Vorwort zur Ausgabe von 2015 auch das von 1996 sowie das aus der ersten Auflage abgedruckt ist. Ganz nebenbei bietet das natürlich auch einen emotional unterlegten Rückblick über die Entwicklung seit dieser Zeit – in Bezug auf die Tierethik und auch auf unseren Umgang mit Tieren in der Realität.

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