Am 05. November war es endlich soweit – der Konzertabend, auf den wir uns schon so lange gefreut hatten, stand an. Refused und Thrice hatten in die Große Freiheit 36 geladen.

Weil wir bereits relativ früh vor Ort waren, gelang es uns, im ausverkauften Venue einen Platz auf dem Balkon zu ergattern. Genau gegenüber der Bühne erwarteten wir die ersten Töne und erlebten eine ganz besondere Überraschung. Als Vorband kam die feministische Post-Hardcore Band Petrol Girls auf die Bühne. Die Musiker*innen aus Graz und Bristol brachten von Anfang an eine Energie mit, die man selten erlebt.

2019-11-05-refused-thrice-petrol-girlsSängerin Ren Aldrige hatte bei mir sofort einen Stein im Brett. Ihre Mischung aus harten Shouts und klarem Gesang trafen bei mir einen Nerv. Zwischen den sehr persönlichen Songs der Band rief sie im Namen von Rise Up For Rojava zur Solidarität auf.

Die Petrol Girls entern die Bühne

Über Hamburg fand sie lobende Worte „Ich habe selbst schon hier gelebt und ich muss sagen, dass ich die Stadt liebe!“, meinte sie. Außerdem rief sie offen zum Kampf gegen Übergriffe jeglicher Art auf. „Auch ich bin ein Opfer“, sagte sie. „Nein heißt nein! Ob ich es ausspreche, oder ob ich ich Dich wegschubse, oder ob ich einfriere. Das passiert bei mir einfach jedes verfluchte Mal. Es heißt verdammt nochmal genauso nein!“

Ren ließ sprichwörtlich die Hosen runter und sagte respektlosen Menschen den Kampf an. „Unsere Musik ist feministisch. Für all die Frauen, Trans- und nicht-binären Menschen da draußen.  Wir sind hier und wir sind laut. Wir möchten Euch eine Stimme geben.“

Nach dieser hochemotionalen Vorlage wurde war die Bühne für Refused geebnet. Sänger Dennis Lyxzén ergriff Besitz davon und sorgte dafür, dass die heiligen Hallen auf der Hamburger Amüsiermeile in Staub aufgingen. Wie man es von ihm gewohnt ist, tat er es bewusst stilvoll – gehüllt in edlen Zwirn samt Gamaschen und Hosenträger.

Rohe Dynamik und ewige Jugend

Von ihrer rohen Dynamik hat die 1992 in Schweden gegründete Hardcore-Punk Combo nichts eingebüßt. Die Jahre sind scheinbar spurlos an dem Kraftpaket aus Gesang, Schlagzeug, Gitarre und Bass vorbeigezogen. Figur und Stimme sitzen und auch die Wut ist nicht verraucht. Keine Macht den Despoten dieser Welt – „War On The Palaces“!

Was Hamburg angeht, schloss sich Dennis Ren Aldrige an. „Hamburg ist wirklich eine ganz besondere Stadt und es ist uns eine Ehre, hier zu spielen. Es gibt nur ganz wenige dieser Orte auf der Erde, an denen man ankommt und weiß: hier haben die Leute verstanden, was los ist.“

Mit Thrice im Abend ankommen

Mit Thrice ist das ja so eine Sache: Alle paar Jahre scheint sich die Band neu zu erfinden. Dabei hat es die Post-Hardcore Gruppe aus Irvine, Kalifornien dennoch geschafft, ihre Mitte zu finden. Und genau dort halten sich Dustin Kensrue und Co. auf.

Die derzeit eher ruhige und harmonische Grundstimmung steht ihnen gut. Ihre gute Laune schaffte es auch in der Großen Freiheit, das Publikum anzustecken. Wer es tatsächlich geschafft hatte, bis jetzt noch von seinem Tagwerk ermüdet in einer Ecke zu sitzen, stand spätestens jetzt auf und sang aus voller Kehle mit.

Insgesamt gab es 14 Songs zu hören. Drei davon vom Album „Vheissu“ („Image of the Invisible“, „Red Sky“ und „The Earth Will Shake“), drei von „Palms“ („Beyond the Pines“, „Just Breathe“ und „Only Us“), drei von „To Be Everywhere Is To Be Nowhere“ („Black Honey“, „Hurricane“ und „The Window“), zwei von „Beggars“ („Double Speak“ und „In Exile“), zwei von „The Artist In The Ambulance“ („Silhuette und „The Artist In The Ambulance“) und „The Arsonist“ von meiner Thrice Lieblings-VÖ „The Alchemy Index“.

Auch, wenn ich auf „Beggars“, den Song, den ich selbst am liebsten vor mich hin singe, dieses Mal leider vergeblich gewartet habe: Das Konzert hat mich rundum glücklich gemacht. Das 2018 erschienene Album „Palms“ ist etwas tiefer in der Mitte meines Herzens angekommen und ich bin gespannt auf weitere musikalische Meisterwerke von Thrice.

Insgesamt war der Abend in der Großen Freiheit sehr gelungen. Die Kombination der Bands war einfach perfekt – von mir gibt es 100 Punkte auf der Genuss-Skala. Die Fotos sind mit dem Mobiltelefon vom Balkon runter entstanden. Habt also etwas Nachsicht mit mir. Ich hoffe, sie transportieren die Stimmung trotzdem ein bisschen.

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