Curls & Nods sind mir beim Golden Silence Festival im Skater’s Palace in Münster das erste Mal begegnet. Mit ihrem genialen Sound haben mich die zwei Musiker gleich in ihren Bann gezogen. Jetzt haben sich Baronski und derkalavier meinem Interview gestellt.

Baronski und derkalavier – das sind die Künstlernamen der beiden Beatmaker und Instrumentalisten. Sie gehen gemeinsam mit dem Projekt Curls & Nods auf Tour. Zuletzt sorgten sie auf dem ersten Golden Silence Festival für Furore. Ich habe mich mit ihnen über ihre Musik, ihre Pläne und ihre Heimat unterhalten.

Curls & Nods

„Lass nicken“ lautet das Motto der beiden Exzentriker – das passt zum instrumentalen Hip-Hop mit jazzy Vibes auf crunchy Drums, den Curls & Nods abliefern. Stilistisch lassen sie sich kaum einordnen. Darum treten sie bei den verschiedensten Events auf: vom Hip-Hop Jam, übers Rave bis zum Post-Rock Festival ist so ziemlich alles mit dabei.

Aufnahmen auf einem Dach in Saigon

Die letzte Veröffentlichung von Curls & Nods gab es erst vor Kurzem: „SGN Rooftop Session“ ist als digitales Album oder 7″ Vinyl limited Edition seit dem 22. August auf Bandcamp zu haben. Aufgenommen wurde die Platte auf einem Dach in Saigon. Baronski und derkalavier haben sich dabei von der pulsierenden Stadt inspirieren lassen. Ihr Equipment bestand dabei aus einer MPK Mini Mk1 – einem kleinen Keyboard mit Drum-Pads. Veröffentlich wurde beim Münsteraner Künstlerkollektiv Trust in Wax, auf dem noch zahlreiche experimentelle Musiker aus den Genres Hip-Hop, Soul, Jungle und Reggae erscheinen.

Anne: Moin! Danke, dass Ihr Euch die Zeit für das Interview nehmt! Wie seid Ihr auf Eure Künstlernamen gekommen? Wollt Ihr mir Eure bürgerlichen Namen verraten?

derkalavier: Moin! Super schön, dass das hier stattfindet! Ich heiße Samuel. Der Künstlername musste damals dringend her, weil Samy-b. als Name irgendwann ausgedient hatte. Ich habe nach etwas gesucht, das meine Wurzeln am Klavier transportiert und dabei trotzdem möglichst Genre-frei bleibt. Am Ende hat derkalavier dann zu mir gefunden – ein Shoutout an Flo an dieser Stelle.

Curls & Nods

Baronski: Hi Anne, ein Kumpel hat mir während meiner Jugend den Spitznamen „Aaronski“ verpasst. Eigentlich heiße ich Aaron und hatte mich früher mal „Beatbaron84“ genannt. Irgendwann, damals gab es noch Myspace, meldete sich ein Kerl via Mail und drohte mit einer Unterlassungsklage, weil er sich auch so nennen wollte – ziemlich albern das Ganze. Da ich den Namen aber eh nicht so cool fand, kam ich irgendwann auf diese Melange aus beiden Namen.

Anne: Ihr kommt aus Münster, oder? Was gefällt Euch an der Stadt und was nicht so?

Baronski: Wir wohnen tatsächlich beide in Münster. derkalavier kam zum Studieren hier her, ich bin gebürtiger Münsteraner. Eigentlich ist es eine sehr schöne und lebendige Stadt. Manchen ist es aber bestimmt zu beschaulich und bürgerlich.

Anne: Auf dem Golden Silence Festival wart Ihr zwischen Mathrock, Drone und Post-Rock die gefeierten Exoten. War es das erste Event dieser Art für Euch?

„Wir sammeln Exotencredits“

derkalavier: Im Kontext der von Dir genannten Musik definitiv. So war das Ganze auch für uns eine spannende Erfahrung. Von vietnamesischen Tropfsteinhöhlen bis hin zu verrauchten Hip-Hop Clubs haben wir allerdings auf unserem bisherigen gemeinsamen Weg schon einige „Exotencredits“ gesammelt. Das ist auch für uns immer wieder aufs Neue ein Erlebnis.

Curls & Nods

Anne: Welche Band hat Euch persönlich auf dem Golden Silence Festival am besten gefallen?

Baronski: Neben dem Gig von Long Distance Calling hat mir vor allem der von Kuf super gefallen. Das war echt eine spannende Mischung, sehr energiegeladen und virtuos.

Anne: Das ist cool, mir geht es da ganz ähnlich! Eure Auftritte sind ein Feuerwerk aus spannenden Samples und irren Beats – woraus zieht Ihr Eure Kreativität?

derkalavier: Auf der einen Seite sind wir beide ausgebildete Musiker am „richtigen“ Instrument und auch nach wie vor Fans davon. Auf der anderen Seite produzieren wir auch beide eigene Musik. Fast jede Probe beginnt oder endet damit, dass neue Musik – ganz egal ob Jazz, Post-Rock oder Hip-Hop – „gediggt“ wird und wir uns gegenseitig mit abgefahrenem Kram inspirieren. Dazu kommen natürlich noch Einflüsse aus der eigenen popkulturellen Sozialisation, die bei uns beiden immer wieder schöne Ergänzungen bilden.

Anne: Dann kann man sagen, Ihr habt so ziemlich in jedem Genre musikalische Einflüsse, oder?

Baronski: Die sind tatsächlich ziemlich breit gefächert und ändern sich auch ständig. Ich persönlich fühle mich in vielen Musikstilen wohl und bin eigentlich ständig am Entdecken. Von 90ies Underground Hip-Hop über Jazz jeglicher Art bis hin zu Rockmusik oder den verschiedenen elektronischen Genres – mich spricht so einiges an.

Anne: Ihr habt Euer Album auf einem Dach in Saigon aufgenommen. Glückwunsch zu dieser gloriosen Idee! Das klingt nach unglaublich viel Spaß und Abenteuer. Wie war es für Euch? Wie lange hat es gedauert?

„Wir haben unsere Platte live aufgenommen“

derkalavier: Danke! Ja, das war es auch wirklich. Wir hatten schon vorab einige Videos gemacht, für die wir uns spontan zum Jammen getroffen haben. Da wir merkten, dass gleich eine ganze Reihe von Videos entstehen würde, musste ein Name für das Format her: Curls & Nods war geboren. Wie auch alles andere, ging in Vietnam alles ziemlich schnell. Was zu hören ist, wurde ja auch live so eingespielt.  Die Spielzeit der Platte ist im Grunde auch die Zeit, die wir auf dem Dach verbracht haben. Es war eine ziemlich spontane Idee, da hochzukraxeln. 1.578 Stunden Nacharbeit später lag dann die fertige Scheibe vor uns.

Curls & Nods

Anne: Wie lange macht Ihr schon zusammen Musik?

derkalavier: Wenn ich mich nicht irre, seit etwa drei Jahren. Ein befreundeter Gitarrist erzählte mir von einem Drummer, der einen Keyboarder für eine regelmäßige Hip-Hop Session suchte. Heute spielen wir alle zusammen in einer Band und das Projekt „Hello My Name Is“ wächst mit jedem Mal.

Anne: Das klingt ziemlich beeindruckend. Würdet Ihr Eure nächste Platte wieder dort aufnehmen?

Baronski: Vermutlich eher nicht in Saigon, aber vielleicht auf einem Dach in einer anderen Stadt. Die Atmosphäre solcher Kulissen fließt ja immer direkt in den Sound und das Spiel mit ein, von daher sollte es auf jeden Fall auch wieder so ein besonderer Ort sein.

Anne: Wo kann man Euch das nächste Mal live erleben?

Baronski: Als Curls & Nods wahrscheinlich erst im nächsten Jahr wieder. Im Rahmen unserer Hip-Hop Band spielen wir aber alle paar Wochen zusammen mit einem Bassisten und einem Gitarristen auf den „Hello My Name is“ Events.

Curls & Nods

Anne: Die Platte ist da und Ihr spielt regelmäßig Konzerte. Alles scheint also ziemlich gut zu laufen. Was ist als Nächstes geplant? Fasst Ihr schon die Festivalsaison 2020 ins Auge?

„Wir werden mit DJ At die Clubs rocken!“

derkalavier: Klar! Aber bevor es damit losgehen kann, planen wir als Soundsystem mit dem legendären DJ At (Trust In Wax) auf Tour zu gehen und die Clubs zu rocken!

Anne: Was macht Ihr, wenn Ihr nicht gerade auf der Bühne oder im Proberaum seid?

Baronski: derkalavier ist häufig mit seinem Piano auf Solopfaden unterwegs, produziert für verschiedene Projekte, sowie unter eigenem Namen. Ich selbst bin als Schlagzeuger in verschiedenen Bands aktiv und produziere gerade an meiner kommenden Instrumentalplatte.

Anne: Ihr seid wirklich musikalisch durch und durch! Hut ab dafür! Vielen Dank für das nette Interview! Es freut mich sehr, Eure Bekanntschaft zu machen! Haltet mich auf jeden Fall auf dem Laufenden! Viel Erfolg weiterhin!

Baronski & derkalavier: Vielen Dank für das nette Interview! Hoffentlich bis bald!

Das komplette Video-Material von der Rooftop Session in Saigon findet Ihr hier.

Hat Euch mein Interview gefallen? Wie schön! Meldet Euch gerne, wenn Ihr auch ein tolles Projekt habt, über das wir reden sollen. Auf dem Laufenden halte ich Euch über meinen wöchentlichen Newsletter.

Links

Curls & Nods Bandcamp

Der Kalavier

Baronski

Trust In Wax

Bildquellen

Farbfoto: Florian Roy
Höhle SW: Long Vũ Hoàng
Höhle Fisheye/Vintage: Phuong