Schon seit Tagen sorgt im Internet ein neuer Werbespot für Aufsehen. Der Süßigkeitenhersteller Katjes bewirbt darin nicht nur seine neuen veganen Schokoladensorten – er weist auch auf die Missstände in der Massentierhaltung hin – auf drastische und zugleich sehr einfühlsame Art und Weise.

Kühe mit riesigen Eutern stehen in Reih und Glied und müssen zum Melken antreten, nachdem man ihnen die Kinder direkt nach der Geburt entzogen hat. Diese grausame Realität wird im Werbespot von Katjes offen gezeigt. Der Unterschied zu den Aufklärungskampagnen bekannter Tierrechts-Organisationen: die Bilder sind gezeichnet. Sehr liebevoll und künstlerisch sogar.

Das kurze und knackige Zeichentrickfilmchen hat den bayerischen Bauernverband auf den Plan gerufen der kurzerhand die Wettbewerbszentrale und den Werberat eingeschaltet hat. So weit, so gut. Eine bekannte Marke zeigt die Wahrheit und wird dafür angeschmiert? Was zeigt das? Etwa, dass alle anderen nicht die Wahrheit sagen und das auch so bleiben soll? Wilde Spekulationen sollten an dieser Stelle doch erlaubt sein, oder?

Der unbeholfene Aufschrei löste eine regelrechte Welle der Aufmerksamkeit aus und der Werbespot ging über Nacht viral. Insgesamt 161.229 Aufrufe hat der Spot, der am 14. Oktober bei Youtube live ging, Stand heute bereits zu verbuchen. Auf der Videoplattform findet man inzwischen zahlreiche Beiträge von Blogger*innen und Journalist*innen, die den Clip und vor allem auch die peinliche Reaktion des Bauernverbandes aufarbeiten. Den Lobbyisten scheinen die sorgsam zurechtgelegten Felle auch in hier langsam aber sicher davon zu schwimmen – peinlich.

Katjes zeigt Alternativen ohne Tierleid

Der Katjes Chocjes TV-Spot trägt den Titel “Jedes Leben ist wertvoll” und ist Teil der Kampagne “Cool ohne Kuh”. Unter dem Hashtag #achtemaldrauf weist Katjes seit Neuestem auf faire und gesunde Alternativen, die ohne Tierleid auskommen, hin. Entwickelt wurde das Ganze von der Berliner Werbeagentur antoni. Das Artwork stammt von keinem Geringeren als dem britischen Illustratoren und Karikaturisten Gerald Scarfe, der unter anderem mit dem Cover für das Pink Floyd Album “The Wall” Berühmtheit erlangte. Scarfe zeigt, was Sache ist: Massentierhaltung ist grausam und Kuhmilch kann man ganz leicht mit Haferdrink ersetzen.

Schaut Euch diesen Spot an!

Wer den Spot noch nicht gesehen hat, sollte ihn sich unbedingt zu Gemüte führen. Die Schokolade habe ich übrigens schon probiert. Ich persönlich finde sie ein bisschen zu süß, allerdings kann ich mir vorstellen, dass sie für Fans von Milchschokolade genau das Richtige ist. Mir persönlich ist dunkle Zartbitterschokolade ohne Schnickschnack einfach lieber. Aber das ist auf jeden Fall Geschmacksache.

Übrigens verwendet Katjes bei der Herstellung der veganen Chocjes Schokolade UTZ-zertifizierte Haselnüsse und UTZ-Kakao. Neben Haferdrink werden auch Soja- und Mandeldrink verarbeitet. Eingepackt ist die Schoki mit FSC-zertifiziertem Papier. Chapeau, Katjes!

Was lernen wir daraus? Es ist gut und wichtig, die Wahrheit da draußen zu verbreiten und zu zeigen, wie es in den Tierfabriken zugeht. Vermutlich wird irgendwann die Zeit kommen, in der man wieder “Hafermilch” statt “Haferdrink” auf Verpackungen schreiben darf (Scheuermilch kommt schließlich auch nicht aus Eutern, oder habe ich da was verpasst?). Die Maschinerie, die hinter der Ausbeutung von Tieren und der Zerstörung unserer Umwelt steckt, wird immer weiter enthüllt. Peinliche Reaktionen, wie die des bayerischen Bauernverbandes, sind der erste Weg zum Eingeständnis.

Update 25. Oktober 2019

Die Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs hat zu Gunsten von Katjes geurteilt. Der Süßwarenhersteller verstößt mit dem Werbespot nicht gegen das Wettbewerbsrecht, weil es sich nicht um vergleichende Werbung (§ 6 UWG) handelt. Laut der Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs geht es im Spot nicht darum, die Konkurrenz in ein schlechtes Licht zu rücken. Auch wird die Milchindustrie dadurch nicht unwürdig herabgesetzt.

Auch gegen das Irreführungsgebot (§ 5) wird laut der Wettbewerbszentrale nicht verstoßen. Die Aussagen im Video sind von der Meinungsäußerungsfreiheit (Artikel 5 GG) gedeckt. Die Wettbewerbszentrale sieht keine pauschale Diskriminierung der Milchviehhaltung im Werbespot.

Einzig möglich wäre ein Verstoß gegen den Mitbewerberschutz nach § 4 UWG. Ob Werbung herabsetzend oder verunglimpfend ist, haben demnach rein die angesprochenen Verbraucher*innen zu entscheiden. Die Wettbewerbszentrale sieht sich jedoch nicht als klagebefugt. Den einzelnen Mittbewerbern wird vom BGH zugemutet, sich selbst gegen eventuelle Herabsetzungen zu wehren. Das geht aus einer aktuellen Pressemitteilung hervor.

Quelle: Pressesprecher.com

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