Florian habe ich in der Gruppe „Plastikfrei, vegan und natürlich“ auf Facebook kennengelernt. Der Umweltaktivist geht regelmäßig mit seinem Fahrradanhänger in den Wald und sammelt Müll ein.

Was hat die Menschheit nur für ein Problem? – Das fragt man sich, wenn man die Müllberge, die Florian regelmäßig aus dem Wald mitbringt, betrachtet. Nach seinen Touren veröffentlicht der 27-jährige Metal-Fan aus Heusenstamm davon Bilder auf seinem Facebook-Profil und in verschiedenen Less Waste Gruppen. Zu diesem Zweck hat er sich den Spitznamen „Wächter des Waldes“ gegeben.

Der Hesse verbringt nahezu seine komplette Freizeit damit, draußen aufzuräumen. Sogar seine Urlaubstage widmet er seiner selbstgewählten Aufgabe. Er bezeichnet sie als sein Hobby, für das er keinen Mitgliedsbeitrag bezahlen muss. Sein lobenswertes Projekt hat mich sehr neugierig gemacht und ich habe mich mit ihm zum Interview verabredet.

Anne: Hallo Florian! Danke, dass Du Dir die Zeit nimmst! Du gehst in den Wald und sammelst Müll ein. Seit wann machst Du das schon? Wie bist Du darauf gekommen?

Florian: Ich gehe seit acht Jahren mehr oder weniger regelmäßig in den Wald. Vor vier Jahren war ich als Entwicklungshelfer im Kongo unterwegs und selbst da habe ich den Müll aufgesammelt. Angefangen hat es damit, dass mich der achtlos weggeworfene Müll aufgeregt hat.

„Ich habe einem Vogel eine Plastiktüte aus dem Schnabel gezogen“

Anne: Auf Deinen Bildern kann man sehen, was Menschen alles ohne nachzudenken in die Umwelt werfen. Das ist schon ziemlich schockierend. Welcher Fund war für Dich bis jetzt der schlimmste?

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Florian sammelt in seiner Freizeit auf, was andere achtlos entsorgt haben. Foto: Florian Früchel privat

Florian: Einen besonders krassen Fund, der irgendwie hervorsticht, hat es zum Glück bis jetzt noch nicht gegeben. Schlimm finde ich vor allem, dass es nach meinen Putzaktionen keine 24 Stunden dauert, bis alles wieder voll ist. Zum Beispiel Kippen. Zur Info: In einer Zigarette stecken 7.000 Giftstoffe. Eine Kippe verseucht 40 Liter Grundwasser.

Schlimm finde ich immer Drogenzubehör, wie zum Beispiel Spritzen. Einmal habe ich auch einem Vogel eine Plastiktüte aus dem Schnabel gezogen. Leider war er schon tot.

Anne: Was denkst Du, woher diese Achtlosigkeit der Menschen kommt?

Florian: Ich denke, den meisten ist es schlicht egal. Mir aber nicht. Darum versuche ich, mit einem möglichst nachhaltigen Lebensstil ein Vorbild zu sein.

Anne: Mein Mann und ich haben neulich in zwei Stunden am Strand mehrere Kilo Müll gesammelt. Dabei ist uns zum einen aufgefallen, dass viele Leute sehr irritiert geschaut haben, was wir da machen. Einige haben sogar den Kopf geschüttelt. Kurz bevor unsere Säcke voll waren und wir aufbrechen mussten, fingen allerdings auch plötzlich ein paar Fremde an, Dinge vom Boden aufzugeben. Das war ein gutes Gefühl und hat uns sehr gefreut. Uns ist es das erste Mal passiert. Erlebst Du das häufiger? Ich meine, dass sich Dir Menschen anschließen und Du das Gefühl hast „Heute habe ich ein paar Augen geöffnet“?

„Am liebsten bin ich von Bäumen umgeben“

Florian: Tatsächlich ist es so, dass einige Leute mir sogar ein Problem unterstellen, weil ich so viel sammeln gehe und es anschließend im Internet poste. Mir ist das aber egal. Ich mache mein Ding und versuche die Welt zu retten.

Anne: Wo gehst Du normalerweise sammeln?

Florian: Manchmal bin ich am Main in Frankfurt unterwegs oder in der Offenbacher Gegend. Eigentlich bin ich meistens im Wald, denn ich liebe es, mich in der Umgebung von Bäumen zu bewegen. Ich kommuniziere sogar mit ihnen. Daher kommt auch mein Spitzname.

Anne: Du sagst, Du möchtest mit einem möglichst nachhaltigen Lebensstil ein Vorbild für andere Menschen sein. Was tust Du neben dem Müllsammeln noch, um Dich für die Umwelt einzusetzen?

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Seinen Fahrradanhänger hat Florian schon unzählbare mit Müll gefüllt. Foto: Florian Früchel privat

Florian: Ich lebe vegan, nachhaltig und minimalistisch. Ich kaufe Plastik-frei ein, verwende gefundenen Plastikmüll wieder, sammle Wasser in Regentonnen, koche es ab und wasche mich damit. Ich mache meine Seife selbst, halte Plastikfrei-Vorträge und engagiere mich, wo es geht für das Klima und den Naturschutz.

„Wir müssen die Massentierhaltung sofort beenden!“

Anne: Hand aufs Herz: Ist das Klima noch zu retten? Was müssen wir tun, damit es klappt?

Florian: Jein. Das heißt: Nur wenn wir die Massentierhaltung jetzt sofort beenden, global aus der Kohle aussteigen, die Plastikflut stoppen, keine Autos mehr fahren und nicht mehr fliegen. Wäre ich pessimistisch, würde ich sagen, dass der Zug eigentlich mit dem Beginn der Industrialisierung schon abgefahren ist.

Anne: Seit wann lebst Du vegan und was sind Deine Gründe? Wann kam die Umstellung?

Florian: Seit acht Jahren, die zwei Monate, die ich im Kongo verbracht habe, ausgenommen. Ich habe mich dafür entschieden, weil mir Tiere, Menschen und das Klima wichtig sind.

Anne: Was machst Du beruflich? Gibt es Berührungspunkte mit Deiner Freizeitbeschäftigung als Waldretter?

Florian: Ich arbeite noch als Kanalreiniger. Mein Lebenstraum ist es aber irgendwann nach Afrika auszuwandern und den Rest meines Lebens dort zu verbringen.

Anne: Gibt es etwas, das Du meinen Leser*innen gerne mitgeben möchtest?

Florian: Ja! Achtet auf die Umwelt! Schmeißt keine Kippen auf die Straßen und verwendet Mehrweg- statt Einwegflaschen. Bei den Fridays For Future Demos findet Ihr jede Menge Informationen, wie man bewusster und frei von Plastik leben kann. Wenn Ihr Müll findet, hebt ihn auf. Jede*r kann täglich etwas zu einer schöneren und faireren Welt beisteuern.

Den Wächter des Waldes supporten

Wer Florian gerne unterstützen möchte und sich regelmäßig über seine Aktionen informieren möchte, kann ihn jederzeit auf seiner Facebook-Seite besuchen.

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Dieses Bild könnt Ihr bei Pinterest teilen. Fotos: Florian Früchel privat

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