Auf der Suche nach dem tieferen Sinn hängte Tobias Hess seinen Bürojob an den Nagel und beschloss, sich auf ein Abenteuer einzulassen: die Fotografie.

Über die Jahre hatte er immer mehr Gefallen an dieser Tätigkeit gefunden, die er zunächst als Hobby ausübte. Irgendwann war es dann so weit und er machte seine Leidenschaft zum Beruf.

Wenn er nicht mit der Kamera unterwegs ist, spielt er Gitarre, singt und beschäftigt sich laut eigener Aussage mit „allerhand Sport und IT-Kram“.

Gemeinsam mit seiner Freundin setzt er sich für eine nachhaltigere Welt ein. Dazu gehört auch, dass sich die beiden vegan ernähren.

Fotosession in der Sternschanze

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Tobi in Aktion

Vor Kurzem hat er mit „Vegan Models“ ein neues Projekt aus der Taufe gehoben. In dieser Serie stellt er regelmäßig Veganer*innen in den sozialen Netzwerken und auf seiner Homepage vor. Ich fühle mich sehr geehrt, dass ich die Erste sein durfte, die seine Fragen beantworten und vor seiner Linse posieren durfte. In der Hamburger Sternschanze sind dabei ein paar schöne Bilder entstanden.

Jetzt hat sich Tobi auch meinem Interview gestellt und mir einiges über sein Leben, seine Berufung und sein Projekt verraten.

Anne: Unser Shooting war morgens um sieben, weil das Licht um diese Uhrzeit besonders gut ist. Warst Du schon immer ein Morgenmensch oder wird man als Fotograf automatisch irgendwann zu einem?

Tobi: Ich war früher überhaupt kein Morgenmensch und habe gerne immer so lang geschlafen wie ich konnte. Das hat sich allgemein geändert, da ich gemerkt habe, wie viel mehr man den Tag genießen kann, wenn man im natürlichen Rhythmus mit dem Sonnenaufgang aufsteht. Tolles Licht ist für ein gutes Foto
sehr wichtig, das habe ich auch durch die Landschaftsfotografie gelernt, dort bevorzuge ich aber tatsächlich lieber das Abendlicht.

Anne: Für Dein derzeitiges Projekt fotografierst Du Veganer*innen und stellst sie auf Deiner Homepage vor. Die Bilder, die Du von mir gemacht hast, waren der Auftakt. Ich bin ja schon unglaublich gespannt, wie es weitergeht. Wie ist denn Deine Resonanz bisher?

„Vegan Models“ findet gute Resonanz

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Foto: Tobias Hess Ort: Altes Mädchen, Sternschanze Hamburg

Tobi: Genau, es war ein toller Auftakt mit Dir. Ich würde diese Bildserie gerne auch in eine Zeitschrift oder in ein größeres Online-Magazin bringen, jedoch habe ich aktuell noch nichts Festes. Die Resonanz ist auf jeden Fall sehr gut, es melden sich sehr viele Menschen, die Teil des Ganzen sein wollen. Ich finde es wahnsinnig spannend, wie unterschiedlich die Menschen und ihre Geschichten sind, ich bin sehr dankbar für diese Begegnungen.

Anne: Was ist das Ziel des Projekts?

Tobi: Ich möchte zeigen, wie Veganer*innen ticken und dass wir im Grunde alle sehr umgängliche und empathische Menschen sind, mit denen man echt gut reden kann.

Anne: Seit wann lebst Du vegan? Haben Deine Freundin und Du Euch gemeinsam umgestellt?

Tobi: Ich lebe jetzt seit zwei Jahren vegan und habe zusammen mit meiner Freundin von einem auf den anderen Tag umgestellt. Anfangs war es eine Challenge für einen Monat, jedoch haben wir danach nie wieder zurückgeschaut.

Anne: Wie ist Deine bisherige Bilanz nach zwei Jahren vegan?

Tobi: Es war eine der besten Entscheidungen meines Lebens und ich könnte es mir nicht mehr vorstellen, einen anderen Weg zu gehen. Ich fühle mich so viel besser und bin viel mehr im Reinen mit mir selbst, außerdem habe ich so viele neue Dinge gelernt, über Ernährung und unsere Umwelt.

Anne: Du kommst ursprünglich aus der IT. Wann hast Du die Fotografie für Dich entdeckt, beziehungsweise wann hast Du dann entschieden, dass Du das jetzt auch beruflich machen möchtest?

Tobi: Ich fotografiere seit circa vier Jahren, aber in den letzten beiden Jahren mit sehr hoher Intensität. Wenn Du irgendwann merkst, dass Dein täglicher IT-Bürojob Dich nur noch nervt, fängst Du an über Dein Leben und den Sinn deines Schaffens nachzudenken. Die berühmte „Warum“-Frage tauchte immer mehr auf und ich fing an mich mit Persönlichkeitsentwicklung zu beschäftigen. Dabei wurde mir immer klarer, dass ich meinen Leidenschaften folgen sollte und eine  besonders große ist bei mir die Fotografie.

Anne: Gibt es eine besondere Begebenheit aus Deinem Leben als Fotograf, an die Du Dich immer wieder erinnerst?

Sonnenuntergang auf der Hallig Hoge

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Foto: Tobias Hess Ort: „Altes Mädchen“, Sternschanze Hamburg

Tobi: Es gibt sehr viele schöne Momente, vor allem aus der Landschaftsfotografie. Dabei ist man oft ganz allein und mit der Natur verbunden. Als ich auf der wunderschönen Nordsee Hallig Hooge zum Sonnenuntergang ganz allein, beziehungsweise in Begleitung zahlreicher Vögel, den Sonnenuntergang fotografieren durfte, war das so ein magischer Moment, an den ich mich gerne erinnere.

Anne: Du hast mir erzählt, dass Dir mein Motto „Rock ’n‘ Roll vegan“ gut gefällt. Was verbindet Dich mit dem Rock ’n‘ Roll? Welche Bands bedeuten Dir besonders viel? Gibt es einen besonderen Song, der bei Dir im Moment hoch und runter läuft?

Tobi: Haha ich finde die Idee super, vor allem weil es nicht so ein typischer Standard-Veganer-Blog ist. Ich höre sehr gerne Musik aus den 50ern oder 60ern. Die Musiker von damals haben einen Sound kreiert, der immer noch in vielen modernen Rocksongs steckt. Ich mochte schon immer Chuck Berry, Little Richard und Jimi Hendrix. In ihrer Musik steckt eine rebellische Message und noch dazu klingt sie verdammt gut. Ich spiele selbst auch Gitarre – vielleicht kommt daher meine Begeisterung für Musikgeschichte und die unterschiedlichen Genres des Rocks.

Ich habe immer mal wieder Phasen, in denen ich die alten Songs höre, spontan fällt mir im Moment „The Wind Cries Mary“ von Jimi Hendrix ein.

Anne: Egal, ob die Umstellung auf vegan oder Dein Beruf als Fotograf: Gibt es Menschen, die Dich besonders beeinflusst haben auf Deinem bisherigen Weg? Hast Du ein spezielles Vorbild?

„Cowspiracy“ und „Earthlings“ haben mir die Augen geöffnet

Tobi: Mir haben auf jeden Fall Reportagen wie „Cowspiracy“ und „Earthlings“ die Augen geöffnet. Sie haben verdrängtes Wissen aus meinem Unterbewusstsein an das Tageslicht befördert. Rüdiger Dahlke ist ein Mensch, der mir vor allem in den Anfangszeiten viel Aufklärung über Ernährung brachte. Des Weiteren finde ich die Arbeit von Niko Rittenau und vor allem sein Buch „Vegan-Klischee ade!“ wertvoll für die Aufklärung.

Anne: Gibt es neben der Tatsache, dass Du vegan lebst, noch etwas, das Du bewusst tust, um Dein Leben möglichst nachhaltig zu gestalten?

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Foto: Tobias Hess Ort: Altes Mädchen, Sternschanze Hamburg

Tobi: Absolut, irgendwie geht das meist Hand in Hand. Ich versuche so weit es geht auf Plastik zu verzichten und gemeinsam mit meiner Freundin einiges im Unverpackt-Laden zu kaufen. Außerdem steht bei uns zum großen Teil Gemüse und Obst aus nachhaltiger Landwirtschaft auf der Speisekarte. Ich habe mein Auto verkauft und bin größtenteils auf öffentliche Verkehrsmittel oder mein Fahrrad umgestiegen. Vieles nimmt man auch irgendwann gar nicht mehr wahr, weil es zum Alltag geworden ist.

Anne: Du hast berichtet, dass schon ein paar Menschen durch Dich vegan geworden. Wie kam das?

Tobi: Ganz simpel, ich habe einfach von mir erzählt und wie gut mir diese vegane Lebensweise tut. Dabei habe ich einfach nur ohne Intention mit sehr viel Enthusiasmus berichtet. Ein paar Tage später kamen dann Fragen von Leuten, wie ich das im Alltag mache, wie das mit dem Vitamin B12 funktioniert und so weiter. Genau ab diesem Punkt habe ich dann einfach beraten und die Personen haben gemerkt, dass die vegane Ernährung eine unglaubliche Vielfalt offenbart.

Ich glaube, man bekommt die Menschen eher mit Geschichten dazu, über ihre Gewohnheiten nachzudenken, als gezielt zu kritisieren. Man muss diesen Weg von sich aus gehen, nur dann kommt eine nachhaltige Entwicklung zustande.

Anne: Hast Du ein Motto?

Tobi: Das Leben ist viel zu kurz um es mit schlechter Laune zu verschwenden.

Anne: Du lebst wie ich in Hamburg. Was ist für Dich das Schönste an der Hansestadt?

Tobi: Diese Stadt ist einfach nur wunderschön. Es gibt viele grüne Ecken und dazu noch einen Hafen, was will man mehr (strahlt). Wenn es hier jetzt noch Berge geben würde, wäre es der perfekte Ort, aber man kann nicht
immer alles auf einmal haben.

Anne: Vielen Dank für das Interview!

Tobi: Ich danke dir und hoffe wir bleiben in Kontakt.

Hier ist für Euch Tobis Song „The Wind Cries Mary“ von Jimi Hendrix. Ihr könnt den sympathischen Fotografen jederzeit auf seiner Homepage besuchen.

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