Insektenhotels sieht man inzwischen überall. Man kann sie fertig kaufen oder selbst bauen. Bienenschutz setzt sich langsam durch und das ist gut so!

Auch auf unserem Balkon haben sich auch in diesem Jahr wieder zahlreiche Wildbienen häuslich niedergelassen – im 5. Stock, mitten im Herzen von Hamburg Altona. Für Euch habe ich jetzt ein paar Tipps und Infos zusammengestellt, damit auch Ihr Euch bald aktiv und erfolgreich gegen das Bienensterben einsetzen könnt.

Das Insektenhotel – das steckt drin

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Insektenhotel mit Bienentränke

Ein Insektenhotel besteht in der Regel aus Holz und ist mit verschiedenen Naturmaterialien gefüllt. Das können zum Beispiel Bambusröhren, Schilf, angebohrte Zweige und Hölzer, Zapfen und Ziegel sein. Wer mit seinem Insektenhäuschen Bienen anlocken möchte, setzt am besten auf möglichst viele kleine Röhren. Diese mögen die Brummer besonders gerne. Meistens kann man schon nach kurzer Zeit beobachten, wie sie darin ihre Brutplätze beziehen.

Der Nestbau im Bienenhotel geht los

Ist der passende Platz gefunden, beginnen die begatteten Weibchen, die Bruthöhle zu putzen. Sie legen für jede Eizelle eine eigene Brutzelle an. Diese trennen sie mithilfe von Speichel und Lehm von der nächsten. Um ihre Brut mit Eiweiß zu versorgen, sammeln sie außerdem Nektar und Blütenstaub von den benachbarten Pflanzen ein. Ihr Bedarf an Nährstoffen ist in dieser emsigen Zeit also extrem hoch. Gerade aus diesem Grund ist es wichtig, dass Ihr, um die Bienen zu schützen, nicht nur das Hotel aufstellt – doch dazu später.

Futter für den Nachwuchs

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Bienen lieben Löwenzahn

Aus den Pollen und dem Nektar stellen die Bienenweibchen einen sogenannte „Pollenkuchen“ her. Auf ihm wird dann das Ei abgelegt. Die Speisekammer für die nachfolgende Generation ist gefüllt. Wenn das Ei gelegt ist, schließt die Biene die Brutzelle und widmet sich der nächsten. Innerhalb eines Schilfrohrs können auf diese Art zahlreiche voneinander getrennte Zellen angelegt werden.

Die Bienen schlüpfen aus – es geht los!

Schon nach ein paar Tagen schlüpfen die kleinen Bienenmaden aus. Sie fressen sich an dem Pollenkuchen satt, welchen die Mutterbiene so taktisch klug platziert hat. Zwischen zwei und vier Wochen sind die Maden ausschließlich mit Fressen beschäftigt. Nachdem sie sich insgesamt fünfmal gehäutet haben, spinnen sie einen Kokon, in dem sie gut geschützt überwintern.

Kommt also auf gar keinen Fall auf die Idee, das Bienenhotel „nach der Saison“ zu reinigen. Ihr tötet damit den Bienennachwuchs. Die Bienen kriegen das schon sehr gut selbst hin und sie kennen im Gegensatz zu Euch den idealen Zeitpunkt.

Der Frühling ist da – die Bienen schwärmen aus

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Auch Lavendel kommt bei Bienen gut an.

Im Frühjahr arbeiten sich die inzwischen vollständig entwickelten Bienen dann durch die Lehmschichten hindurch ins Freie. Die Männchen begatten die Weibchen und der Kreislauf beginnt von Neuem. Ganz nebenbei bestäuben die Bienen die umliegenden Pflanzen und sorgen damit dafür, dass Früchte wachsen und gedeihen.

Die Bienen, die man bei uns auf dem Balkon am häufigsten zu Gesicht bekommt, sind Mauerbienen. Sie haben eine Flugzeit von vier bis sechs Wochen. So lange haben die Weibchen Zeit, jeweils etwa 20 bis 40 Brutzellen anzulegen, bevor sie sterben. Wenn sie nicht vorher Nahrungsunterversorgung, Trockenheit oder einem Vogel zum Opfer fallen.

Bienen leiden Hunger – was kann ich tun, um ihnen zu helfen?

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Eine Biene kurz vor dem Abflug

Wer sicher gehen möchte, dass die Bienen in seiner Umgebung einen reich gedeckten Tisch vorfinden, Sollte sie so gut es geht versorgen. Neben Bienen-freundlichen Pflanzen solltet Ihr auch auf jeden Fall eine Bienentränke aufstellen. Das geht total unkompliziert. Nehmt einfach einen flachen Teller oder einen Blumentopf-Untersetzer, füllt etwas Wasser hinein und legt einen Stein als Landemöglichkeit in die Mitte – fertig. Jetzt müsst Ihr nur noch dafür sorgen, dass sie immer ausreichend gefüllt ist.

Klar, Bienen mögen Obstbäume und -Sträucher. Wenn ihr einen Garten habt – fein. Ihr wisst, was Ihr zu tun habt. Legt am besten drumherum noch eine Wildblumenwiese an. Dann habt Ihr alles richtig gemacht. Im Gartengeschäft, Baumarkt und inzwischen sogar im Drogerien findet Ihr dafür fertige Mischungen in Form von Tütchen oder Saatbomben. Wir haben sie letztes Jahr auch in einer Zinkwanne auf dem Balkon ausgesät. Das klappte ziemlich gut. Alle paar Wochen blühte etwas Neues. Neben Wildblumen sind die meisten Blumen mit offenen Blüten vorteilhaft. Bienen und andere bestäubende Insektenarten haben bei ihnen freien Zugang zu Blütenstaub und Nektar. Hier eine kleine Liste.

  • Lavendel erfreut nicht nur die Bienen. Auch viele Menschen lieben seinen Duft, dem übrigens eine beruhigende nachgesagt wird.
  • Flieder gibt es auch als Stämmchen im Topf. Was schön ist: Er zieht auch Schmetterlinge an und duftet mindestens genauso betörend, wie Lavendel.
  • Disteln
  • Astern
  • Ehrenpreis
  • Huflattich
  • Sonnenblumen
  • Schmuckkörbchen
  • Gänseblümchen
  • Mohn
  • Sonnenhut
  • Fingerhut
  • Azaleen
  • Borretsch
  • Phlox
  • Verschiedene Kobblütler
  • Rosen
  • Herbst-Zeitlose
  • Lupinen
  • Klee
  • Salbei
  • Löwenzahn
  • Christrosen
  • Eisenhut
  • Acker-Witwenblume
  • Akelei
  • Adonisröschen

Klassische Balkonpflanzen wie Geranien sehen vielleicht schön aus, sind aber keine großen Bienenmagneten.

Das solltet Ihr lieber sein lassen

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Biene im Nestbaubetrieb

Für Bienen oder andere Insekten unbrauchbare Nisthilfen sind ein No-Go und können ihnen unter Umständen ihr Leben kosten. Achtet darauf, bei Eurem Insektenhotel auf folgende Bauteile zu verzichten:

  • Glasröhrchen gehören ins Labor. Bitte lasst sie auch dort. In ihnen kann sich Wasserdampf bilden. Dadurch können sie verpilzen. Ich verstehe den Reiz, die Metamorphose Eurer Hotelbewohner*innen zu beobachten – widersteht ihm.
  • In zu frischem Holz können sich Risse bilden – die Bienen mögen das gar nicht.
  • Weidenruten-Lehmwende werden häufig im öffentlichen Raum aufgestellt. Laut NABU sind sie nicht geeignet für grabende Bienenarten, da das Material zu stark aushärtet.
  • Loch- und Hohlziegel sehen vielleicht schön aus, bieten Insekten jedoch keinen bewohnbaren Lebensraum.
  • Horizontale Bündelungen widersprechen der Natur der Insekten.

Das perfekte Insektenhotel – das kommt rein

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Biene auf dem Weg ins Insektenhotel

Für die eben genannten nicht geeigneten Materialien gibt es zum Glück zahlreiche tolle Alternativen, die von Bienen und anderen Insekten gut angenommen werden.

  • Abgelagertes Holz ohne Risse – falls sich beim Bohren der Löcher für die Niströhren welche bilden, sortiert die Holzstücke besser aus.
  • Wie schon kurz erwäht: Bambus- oder (dicke) Schilfröhren
  • Strangfalzziegel (da sind schon Löcher in der optimalen Größe drin)

Achtet beim Kauf eines fertigen Insektenhotel am besten auch darauf, dass es diese Bestandteile enthält. Wenn Ihr geschickt im Umgang mit Schrauben, Säge, Bohrer und Holz seid, habt Ihr sicher im Handumdrehen selbst ein wundervolles Heim für Nützlinge geschaffen.

Diese Insekten nisten noch im Bienenhotel – Majas Nachbarn

Marienkäfer

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Nahrungsquelle für Wildbienen

Wusstet Ihr, dass allein bei uns in Deutschland über 70 verschiedene Marienkäferarten heimisch sind? Sie ernähren sich von Blattläusen, Spinnmilben und Schildläusen. Es ist also ziemlich gut, sie in der Nähe seiner Pflanzen zu wissen.

Schmetterlinge

Schmetterlinge nutzen das Insektenhotel sogar in ihrer ausgewachsenen Form für den Winterschlaf. Dafür kriechen sie gerne in die Ritzen zwischen den Bienenarealen, in abgestorbener Rinde oder in den Rippen von Zapfen. Manche Insektenhotels haben auch ein eigenes Schmetterlingsabteil, das einem winzigen Vogelhaus mit einem Schlitz als Eingang ähnelt. Wenn es im Winter nicht so kalt ist, wachen sie manchmal sogar auf und zeigen sich.

Florfliegen

Florfliegen, auch „Blattlauslöwen“ genannt (der Name ist Programm!), fühlen sich von rot bemalten Insektenunterkünften besonders angezogen.

Ohrwürmer

Ohrwürmer (Dermaptera) fressen genau wie Florfliegen und Marienkäfer Blattläuse. Sie nagen gelegentlich jedoch auch Blätter und Schmetterlingslarven an. Ihr Verhalten ist äußerst interessant: Die Weibchen bebrüten ihre Eier wochenlang.

Wann sollte das Insektenhotel aufgebaut werden?

Am besten stellt Ihr das Insektenhäuschen während der Sommerzeit auf. Ab März können theoretisch die ersten Gäste einziehen. Einen falschen Zeitpunkt gibt es nicht.

Wohin mit dem Insektenhotel?

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Das Insektenhotel stellt man am besten in einer windgeschützen Ecke auf.

Ihr könnt Euer Insektenhotel auf dem Balkon im Garten oder auf der Terasse platzieren. Auf der Wiese empfiehlt es sich, es auf einem Pfeiler oder an einem Baumstamm zu befestigen, damit es vor Bodennässe geschützt ist. Auch ein Regenschutz in Form eines kleinen Dachs ist durchaus sinnvoll. Außerdem solltet Ihr einen möglichst windgeschützten Platz aussuchen.

Idealerweise richtet Ihr das Bienenheim in Richtung Süden aus. Dann bekommt es tagsüber die größtmögliche Menge an Sonnenstrahlen ab. Die Einflugschneise solltet Ihr freihalten und nicht mit Pflanzen zustellen. Platziert diese lieber schützend (und dekorativ) an den Seiten. Bei den heranfliegenden Bienen muss es schnell gehen: Sie sind mit aller Kraft dabei, ihre Art zu erhalten!

Bienen retten – das könnt Ihr noch tun

Ihr seht eine hilflos strampelnde Biene auf dem Boden liegen? Jetzt ist es Zeit für Erste Hilfe. Nehmt einen Kronkorken und füllt ihn mit einer Mischung aus Wasser und Zucker. Dieser „Ersatznektar“ enthält zwar keine Vitamine und Spurenelemente, spendet der entkräfteten Biene aber genügend Energie, um so schnell wie möglich die nächste Blüte anfliegen zu können. Diese ist dann optimalerweise in greifbarer Nähe.

Guerilla Gardening

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Guten Flug!

Das Wort „Saatbombe“ habe ich weiter oben bereits erwähnt. Nutzt sie auch in freier Natur und auf Grünflächen, um die für Bienen so wichtigen Wildblumen auszusähen. In unseren zunehmend urbaner werdenden Lebensräumen bietet sich oft kaum noch eine Anflugmöglichkeit für die wichtigen Insekten. Ob der Zeitraum, von dem Wilhelm Busch gesprochen hat, genau stimmt, weiß ich nicht, ohne bestäubende Insekten ist jedenfalls auch die Menschheit hoffnungslos verloren.

“Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben.”
Wilhelm Busch

Kleine Bienenkunde

Gehörnte Mauerbienen und Rote Mauerbienen nisten gerne in Schilfrohren und anderen Hülsen. Sie suchen sich auch gerne Nischen und Spalten in Mauern oder Wänden, daher der Name „Mauerbiene“. Im Gegensatz zu vielen anderen Bienen (z. B. Hosenbienen) sammeln sie die Pollen am Bauch und nicht an den Beinen. Sie sind etwas bunter als ihre Verwandten die Frühlings-Pelzbienen. Diese leben als Solitärbienen und sind meistens eher scheu. In der freien Natur suchen sie sich ihre Nistplätze im Sand, morschem Holz und alten Gemäuern.

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