Affiliate Links

Heute möchte ich Euch das Buch „Das Gefühlsleben der Tiere“ von Marc Bekoff vorstellen. Die deutsche Ausgabe ist am 1. Mai 2008 im Verlag „animal learn“ erschienen. Ich bin der Meinung, es sollte in keinem Bücherregal fehlen.

Vor Kurzem habe ich hier „Das Seelenleben der Tiere“ von Peter Wohlleben* vorgestellt. Leider hatte mich das Buch nicht wirklich abgeholt, ich hatte mir schlicht etwas anderes darunter vorgestellt. Deshalb und weil ich permanent auf der Suche nach wissenschaftlichen Erkenntnissen und Material zu den Themen „Tiere und ihre Gefühle“, „Tierethik“ und „Tierverhalten“ bin, war ich besonders gespannt auf „Das Gefühlsleben der Tiere“ von Marc Bekoff.

Soviel kann ich auf jeden Fall schon mal verraten: Es trägt zwar einen ähnlichen Titel, ist aber inhaltlich komplett anders, als Wohllebens Werk. Bekoff betrachtet das Thema nicht nur wesentlich umfassender – er kombiniert darin empirische Daten und wissenschaftlich korrekte Fakten mit emotionalem Engagement. Vor allem aber setzt er sich für den respektvollen Umgang mit Tieren ein und fordert zum Handeln auf.

Ein Vorwort von Jane Goodall

Das Vorwort in Marc Bekoffs Buch „Das Gefühlsleben der Tiere“ stammt von niemand Geringerem, als der Verhaltensforscherin und Schimpansen-Expertin Jane Goodall, mit der er seit Jahren zusammenarbeitet. Einen Auszug daraus möchte ich auch hier als Einleitung verwenden.

„Das Gefühlsleben der Tiere“ ist eine weitere Stimme im wachsenden Chor derjenigen, die versuchen, die Haltung gegenüber den tierischen Wesen, mit denen wir uns diesen Planeten teilen, zu verändern. Die Verbindung sorgfältiger wissenschaftlicher Methodik mit Intuition und gesundem Menschenverstand wird dieses Buch zu einem großartigen Werkzeug für diejenigen machen, die dafür kämpfen, das Leben der Tiere in einer Umwelt zu verbessern, in der ein nahezu vollständiges Unverständnis herrscht. Ich hoffe nur, dass es viele Menschen dazu bringen wird, die Art und Weise, wie sie mit ihren Tieren umgehen, noch einmal zu überdenken.“ (Seite 11)

Marc Bekoff wurde am 6. September 1945 geboren. Er ist Professor an der Universität von Colorado, Boulder. Gemeinsam mit Jane Goodall gründete er „Ethologists for the Ethical Treatment of Animals„. Dabei handelt es sich um eine Partnerorganisiation der „Animal Behavior Society“. Er lebt vegan und ist unter anderem Pate der „Captive Animals Protection Society“, einer Charity-Kampagne gegen den Handel mit exotischen Tieren und die Ausbeutung von ihren in Zirkussen und Zoos.

Tiere haben Emotionen

das-gefuehlsleben-der-tiereEr erforscht seit mehr als 30 Jahren das Gefühlsleben der Tiere. Dies tut er aus seiner Leidenschaft und dem Wunsch, sich in sie hineinzuversetzen heraus. Sich selbst sieht er aus diesem Grund als glücklichen Menschen.

Zunächst von seinen Kolleg*innen für seine Ideen belächelt, kann er heute ganz klar sagen „Gegen die Existenz tierischer Emotionen zu argumentieren, ist schlechte Biologie. Die wissenschaftliche Forschung in evolutionärer Biologie, kognitiver Ethnologie und in den sozialen Neurowissenschaften unterstützt die Ansicht, dass zahlreiche unterschiedliche Arten ein reiches und tief empfundenes Gefühlsleben haben. “ (Seite 14)

Auf Seite 98 berichtet er von zwei Jack Russel Terriern, die zusammen auf der Straße gefunden wurden. Der eine von ihnen blutete aus beiden Augen und wurde von dem anderen beschützt. Der Tierarzt stellte schließlich fest, dass man dem armen Tier beide Augen ausgestochen und zugenäht hatte. Später im Tierheim und in dem liebevollen Zuhause, das die beiden Hunde fanden, fungierte sein Freund als Blindenführer. Sie schliefen immer eng aneinander gekuschelt und er zeigte ihm immer ganz genau, wohin er gehen musste.

„Tiere fühlen und ihre Gefühle sind für sie ebenso wichtig, wie unsere Gefühle für uns.“ (Seite 21)

Marc Bekoff erforscht schon sein Leben lang die Tierwelt und hat dabei nie aufgehört, von ihnen zu lernen. Er berichtet von trauernden Elstern und Freundschaft und Vertrauen unter Elefanten. Besonders gut gefällt mir seine empathische Art. Er schafft es, sich in jedes einzelne Wesen, sei es eine Füchsin, die um ihren Partner trauert, in neugieriger Welpe, oder ein verletzter Vogel, hineinzuversetzen.

Beweise für Gefühle bei Tieren

Seine Beweise für Gefühle bei Tieren stützen sich auf eine breite Basis aus Fachwissen in den Fachgebieten Neurobiologie, Verhaltensforschung und Evolutionsbiologie. Seine Thesen untermauert er stets mit wissenschaftlichen Studien. Bei der Beschreibung tierischer Emotionen bezieht er sich hauptsächlich auf Datenmaterial aus der Verhaltensforschung sowie anekdotische Berichte. Er möchte damit aufzeigen, wie eine Kombination aus wissenschaftlich belegten Fakten und Logik starke Argumente für die Existenz tierischer Leidenschaften liefert.

„Emotionen sind ein Geschenk unserer Vorfahren. Wir haben sie – und alle anderen Tiere auch. Das dürfen wir nie vergessen.“ (Seite 17)

Der Autor ist der festen Überzeugung, dass die Ethik die Wissenschaft durchdringen muss. Er findet, dass Menschen immer darin bemüht sein sollten, Wissen, Handlung und Mitgefühl miteinander zu verbinden. Dabei bezieht er sich auch auf Charles Darwin, der als erster Wissenschaftler Tieremotionen systematisch untersuchte und dabei sechs von ihnen benannte: Ärger, Glück, Trauer, Ekel, Angst und Überraschung. Stuart Walton fügte später Eifersucht, Verachtung, Scham und Verlegenheit zu dieser Liste hinzu, der Neurowissenschaftler Antonio Damasio Sympathie, Schuld, Stolz, Neid, Bewunderung und Entrüstung.

Und was ist mit der Liebe?

Marc Bekoff stellt sich die Frage, warum keiner der Forscher die Liebe erwähnt hat. „Es existieren ansehnliche Beweise dafür, dass viele Tiere zu Gefühlen fähig sind, die die gesamte Skala der Variationen von Liebe durchlaufen. Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse untermauern die Auffassung, dass die Liebe bei vielen verschiedenen Spezies existiert.“ (Seite 94)

Die Liebe steht also nicht nur dem Menschen zu. Genauso sieht es Bekoff mit der Moral. Er findet, dass die Behauptung, dass wir das einzige moralische Wesen im Tierreich sind, ein sich selbst bedienender, den Menschen in den Mittelpunkt stellender Spezismus ist. Seine Studien zum Spielverhalten der Tiere beweisen eindeutig: Viele Tiere verfügen über Sozialmoral und verhalten sich fair.

Auch der Frage, warum wir uns mit Tieren umgeben, geht Bekoff nach. „Tierische Emotionen sind für sich genommen von großer Wichtigkeit, doch allein schon die Anwesenheit von Tieren – mit ihren frei geäußerten Emotionen und ihrer Empathie – ist für das menschliche Wohlbefinden von großer Bedeutung“. (Seite 36)

Er findet, dass uns genau aus diesem Grund die Gefühle von Tieren besonders wichtig sein sollten.  Seine Empathie-Studien zeigen, dass Emotionen das sind, was Tiere und Menschen verbindet. Darum wünscht er sich, dass Menschen ihre Möglichkeit, Emotionen mit anderen Lebewesen zu teilen, nutzen. Dauerhaft macht uns der Umgang mit Tieren nachweislich ruhiger und zufriedener. Ihr Mitgefühl, ihre Sympathie und Empathie geben uns Kraft.

Freundschaften zwischen verschiedenen Spezies

Marc Bekoff - Foto: Marc Bekoff Autorenseite AmazonUnd Tiere gehen laut seiner Forschungen nicht nur Beziehungen zu Menschen ein. Auf Seite 38 erzählt er beispielsweise von einer Löwin, die in fünf verschiedenen Fällen Oryxantilopenbabys adoptierte und sogar von der Freundschaft zwischen einem Koi und einem Golden Retriever weiß er zu berichten.

Fast zu Tränen rührt einen beim Lesen des Buchs Bekoffs Hund Jethro, der einem Vogel und einem jungen Kaninchen das Leben gerettet hat Auch die Geschichte des Walweibchens, dass sich bei den Tauchern bedankt, die es aus einem Netz gerettet haben, ist ergreifend. Auf 195 Seiten plus Anhang hat er zahlreiche derartige Beispiele zusammengetragen. Wer vor der Lektüre von „Das Gefühlsleben der Tiere“ noch Zweifel hatte, sollte anschließend überzeugt sein: Ja, Tiere haben Gefühle!

Marc Bekoff wäre nicht Marc Bekoff, wenn er es beim Forschen, Dokumentieren und Berichten belassen würde. So arbeitet er zum Beispiel in Jane Goodalls Programm „Roots & Shoots“ mit Kindern zusammen. Innerhalb des Projekts lernen sie, Respekt gegenüber Menschen, Tieren und ihrer Umwelt zu entwickeln.

Der Wissenschaftler wünscht sich einen Paradigmenwechsel. So schreibt er auf Seite 42 „Es ist meine Hoffnung, dass das Studium der Mensch-Tier-Interaktionen den nutzlosen Dualismen von „wir“ versus „denen“, von „Labor“ (wo Tiere oftmals verfügbare Objekte darstellen) versus „Zuhause“ (wo Tiere hoch geschätzte Freunde sind) und von „höheren“ versus „niederen“ Tieren ein Ende bereiten wird. Diese Dualismen sind nicht präzise und sie fördern ganz sicher nicht die Entwicklung und Erhaltung tiefer, respektvoller und symmetrischer Beziehungen zwischen Menschen und anderen Tieren.

Seine Hoffnung für ein globales Umdenken und die Lösung von unseren Klischeevorstellungen im Umgang der Menschen mit Tieren liegt in der Erforschung tierischer Emotionen und ihrer Empathiefähigkeit.

„Würden Sie das mit Ihrem Hund machen?“

„Wenn man etwas nicht mit seinem Hund machen würde, warum sollte man es einem anderen Wesen antun?“ Bekoff nutzt diese Frage (Seite 43) nach dem eigenen Hund laut eigener Aussage gerne zur Relativierung – eigentlich ist doch genau das der Punkt, oder? Das kann man definitiv jeden Menschen fragen, der beispielsweise Pelz an seinem Jackenkragen trägt, oder Fleisch konsumiert. Warum unterscheidest Du?

Gewidmet hat Marc Bekoff sein Werk dem Kragenbären Jasper und dem Schimpansen Paplo. Jasper wurde mit einem Katheter in der Gallenblase auf einer chinesischen Gallenfarm im Quetschkäfig gehalten. 15 Jahre lang litt er dort Höllenqualen. Auf einem rostigen Gitter liegend wurde im Gallenflüssigkeit abgezapft. Er konnte während der ganzen Zeit weder sitzen noch stehen. Dennoch schaffte er es nach seiner Rettung, zu vergeben.

Pablo wurde im Labor der New Yorker Uni gefangen gehalten. Damals war sein Name noch CH-377. „Nummern statt Namen zu verwenden, ist eine Möglichkeit, wie sich Forscher von den Tieren, die sie ausbeuten, distanzieren“, so Bekoff. (Seite 48)

Während seiner Zeit im Labor wurde Pablo 220 mal mit Pfeilen beschossen. Einmal versehentlich in die Lippe. Außerdem wurden 28 Leber-, zwei Knochenmark- und zwei Lymphdrüsen-Biopsien an ihm durchgeführt. Ihm wurden vier zu testende Impfstoffe injiziert. Einer davon infizierte ihn mit Hepatitis. 1993 spritzte man ihm die 10.000-fach tödliche Dosis des HI-Virus. Er erholte sich wie durch ein Wunder von Hepatitis und HIP und starb an einer Infektion, die sich durch die jahrelange Folter mit Pfeilen, Spritzen und Nadeln gebildet hatte.

Das Gefühlsleben der Tiere – Marc Bekoff sagt seine Meinung

Marc Bekoff sagt seine Meinung und er hat damit Erfolg. Nachdem er im Jahr 2000 sein Buch „The Smile Of A Dolphin: Remarkable Accounts of Animal Emotions“ veröffentlicht hatte, sorgte das für eine regelrechte Comingout-Party, bei der 50 seiner Kolleg*innen ihre Geschichten über das Gefühlsleben der Tiere zum Besten gaben. Was zunächst nicht besonders revolutionär klingt, ist für Wissenschaftler*innen ein großer Schritt nach vorne. Inzwischen wird in immer mehr Forschungseinrichtungen nicht mehr in der dritten Person gesprochen, in den Berichten ist von Individuen die Rede und statt Nummern werden Namen vergeben. Trotzdem ist es noch ein weiter Weg bis zu einer tierleidfreien Welt. Noch täglich finden Tierversuche statt, Tiere werden eingesperrt und in Massenbetrieben ausgebeutet.

Der Wissenschafter entschied sich aus ethischen Gründen dazu, Veganer zu werden. Ihm wurde bewusst, dass er das Töten von Tieren, egal auf welche Weise, nicht mehr ertragen konnte. Seit der Umstellung fühlt er sich nicht nur gesundheitlich besser. Für ihn war es keine schwere Entscheidung und er ist sehr froh darüber, das zu leben, was er lehrt. Ein weiterer Grund für seine Abwendung von der Fleischwirtschaft ist ihre negative Wirkung auf die Umwelt und das Klima.

Wir müssen unser Verhalten überdenken

„Wenn wir damit fortfahren, menschliche Interessen grundsätzlich über die Interessen anderer Tiere zu stellen, werden wir die zahlreichen und komplexen Probleme, denen wir uns gegenüber sehen, niemals lösen.“ sagt Bekoff auf Seite 189. Darum hält er es für besonders wichtig, dass wir so viel wie möglich über unsere Mitbewohner auf der Erde lernen. Er bittet uns darum, darüber nachzudenken, wie wir die Welt vor allem für die Tiere zu einem besseren Ort machen können. Er rät dazu, das ganz für sich zu tun, wenn man alleine ist und die Freiheit hat, tief in sich hineinzuschauen und seine Gewohnheiten und Handlungen ohne Erwartungen oder Druck von außen beurteilen kann.

Das Gefühlsleben der Tiere“ von Marc Bekoff, Verlag animal learn, gebundene Ausgabe , 234 Seiten, 20 Euro, ISBN-13: 978-3936188424

*Ihr wollt auch meine Rezension zum Buch „Das Seelenleben der Tiere“ von Peter Wohlleben lesen? Dann solltet Ihr hier klicken.

Übrigens findet Ihr auf Marc Bekoffs Homepage jede Menge wertvolle Informationen sowie seine weiteren Publikationen.

Marc Bekoff bei den „Voiceless Awards“ 2010

Ihr habt bestimmt schon gemerkt, dass Bücher sich nach und nach zu einem festen Bestandteil meines Blogs etablieren. Meine Lesewut hat sich seit ich gemeinsam mit meinem Mann Matze einen Roman geschrieben und veröffentlicht habe, sogar noch ein bisschen gesteigert. Gut für Euch: Je mehr ich selbst lese, desto mehr möchte ich darüber berichten.

Wenn Ihr in Zukunft mehr über die Bücher, die ich lese, erfahren möchtet, freue ich mich wenn Ihr meinen Newsletter abonniert.

*Hinweis: Dieser Beitrag enthält Affiliate Links. Der Inhalt und meine Meinung wurden dadurch nicht beeinflusst. Infos zum Thema Werbekennzeichnung in meinem Blog findet Ihr auf meiner Transparenz-Seite.