Vor Kurzem lernte ich auf dem Hamburger Heldenmarkt die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein kennen. Bei dieser Gelegenheit habe ich so einiges über Moore und ihre tragende Rolle im Klimaschutz gelernt.

Heute möchte ich Euch zeigen, wie Ihr die Stiftung bei der Rettung des Königsmoors unterstützen und dabei aktiven Klimaschutz betreiben könnt. Libellen, Schmetterlingen, Vögeln, Gräsern und Moosen ihren angestammten Lebensraum zurückzuerobern, klingt nach einer Heldentat? Das ist es auch.

Klimaschutz

Bekassine im Köngismoor

Helfen könnt Ihr, indem Ihr „MoorFutures®“ kauft. Eins der Klimaschutz-Zertifikate entspricht einer Tonne CO2. Sie können von Privatpersonen wie auch von Firmen zum Preis von je 64 Euro erworben werden, um ausgestoßene Treibhausgase auszugleichen.

Schon seit 2014 könnt Ihr so Euren Teil zur Renaturierung des Königsmoors beitragen. Ihr gleicht damit Treibhausgase, die Ihr beispielsweise durch Flugreisen, Fahrten mit dem Auto oder Eure Ernährung erzeugt habt, aus und setzt Euch für die Wiederherstellung des Lebensraums zahlreicher seltenen Arten direkt bei uns vor der Haustür ein.

So funktionieren die „MoorFutures®“

Das klingt ja schon mal gut – und wie funktioniert das jetzt genau? Der Dreck, den ich hinterlassen habe, ist doch schließlich da, oder? Ja, das stimmt – der Ausgleich erfolgt an einer anderen Stelle. Bei Mooren handelt es sich um die größten Kohlenstoffspeicher der Erde. Darum arbeitet man in Schleswig-Holstein auch bereits seit Ende 2011 mit Hochdruck an ihrer Wiederbelebung.

Klar: Indem man seinen Ökologischen Fußabdruck so klein wie möglich hält und versucht, wo es geht, CO2 einzusparen, tut man was fürs Klima. Wer die Umwelt schonen möchte, verbringt seinen Sommerurlaub also am besten am Baggersee um die Ecke. Doch auch Menschen, die es in die Ferne zieht, oder die beruflich oft verreisen müssen, können mit Klimaschutz-Projekten wie den „MoorFutures®“ einen Ausgleich schaffen.

So viel CO2 erzeugen wir

Klimaschutz

Wollgras

Ich habe hier mal ein paar Beispiele für Euch, die mir die Ausgleichsagentur Schleswig-Holstein zur Verfügung gestellt hat: Durch den Flug einer Person von Hamburg nach Mallorca und wieder zurück, fallen zwei Tonnen CO2 an. Bei einem Flug nach Zypern sind es sogar drei Tonnen (Vergleich aus der Lebensmittelherstellung: Ein Kilo Rindfleisch: 22 Kilo, ein Kilo Getreide je nach Sorte rund vier bis neun Kilo CO2,Quelle: Albert Schweitzer Stiftung) So, jetzt denkt Ihr schon anders über Eure nächste Fernreise nach, oder? Ich auch über meine.

Und es hört nicht auf: Auf einer rund 3.000 Kilometer langen Reise mit einem Mittelklassewagen gelangt auch schon rund eine halbe Tonne schädliches Treibhausgas in die Atmosphäre. So wirklich „naturnah“ ist so ein Roadtrip also auch nicht.

Man kann seine Reisebilanz verbessern, indem man, wie schon erwähnt, gar nicht reist, oder möglichst viel Geld in Projekte steckt, die aktiv daran arbeiten, den Treibhausgas-Ausstoß zu verringern – also zum Beispiel in „MoorFutures®“. So schließt sich der Kreis.

Naturbelassene Moore speichern CO2

Klimaschutz

Der Moorpegel

Insgesamt erstreckt sich das Königsmoor heute noch über eine Fläche von 1.200 Hektar. Das „MoorFutures®“ Gebiet nimmt eine 68 Hektar große Teilfläche des Hochmoores ein. Innerhalb dieser Fläche hat die Ausgleichsagentur Schleswig-Holstein sämtliche Drainagen und Gräben, die der Torfabbau in der Vergangenheit in die Landschaft gerissen hat, verschlossen. Gelungen ist das komplett ohne externe Fördermittel. Seitdem atmet die Landschaft sichtbar auf.

Um den Niederschlagsüberschuss, der sich über die Wintermonate ansammelt, zu erhalten, wurden zusätzlich flache Wälle aus Torf errichtet. Das Gebiet kann so im Sommer nicht mehr austrocknen, der Boden wird wieder zum Feuchtigkeitsspeicher.

Dieses Vorgehen bezeichnen die Umweltschützer als „Vernässung“ oder „Wiedervernässung“. Es bewirkt eine Anhebung des Grundwasserstandes im Projektgebiet. Dadurch kehrt die Sumpfvegetation im Laufe der Zeit zurück. Die jährliche CO2-Emission wurde durch die Renaturierung seit Beginn des Projekts inzwischen um 660 Tonnen pro Jahr reduziert.

Moore wiederbeleben

Klimaschutz

Rohrkolben im winterlichen Königsmoor

Nach 20 Jahren wird sich daraus eine Zahl von 1.037 Tonnen pro Jahr ergeben haben. Bis dahin sollte sich laut Experten wieder eine mit Torfmoos bewachsene Zwischenmoorlandschaft gebildet haben. Nach 50 Jahren könnten bereits 40.720 CO2 Tonnen eingespart werden. Wie sich das Ganze tatsächlich entwickelt, wird permanent streng überwacht.

Bei Mooren handelt es sich um sehr spezielle Ökosysteme. In ihnen ist eine Vielfalt bedrohter Arten beheimatet, die auf das besondere Moorklima angewiesen sind. Hinzu kommt, dass sie dazu in der Lage sind, CO2 zu speichern. Dadurch bildet sich nach und nach Torf, in dem sich das klimaschädliche Treibhausgas ablagert – es wird dauerhaft darin gespeichert.

Aus trockengelegten Mooren entweichen Treibhausgase

Klimaschutz

So schön ist das Köngismoor

Fast ein Fünftel (!) der Treibhausgas-Emissionen, die wir Menschen verursachen, entweicht aus trockengelegten Moorgebieten. Sollte es uns gelingen, diese wertvollen Landschaften wieder zu ihrem Ursprung zurückzuführen, ergibt sich eine beeindruckende, natürliche Wirkung auf den Klimaschutz – das Treibhausgas sammelt sich nicht mehr in der Atmosphäre an, sondern wird vom Torf absorbiert.

Die Geschäftsführerin der Ausgleichsagentur Schleswig-Holstein Ute Ojowski erklärt das so

„In den unter Kultur genommenen Moorflächen oxidiert der zuvor gebundene Kohlenstoff im Torf großflächig. Dagegen sind intakte Moore mit einem Wasserüberschuss aus Niederschlägen und Grundwasser überaus effektive CO2-Speicher. Ihrer Renaturierung kommt daher eine bedeutende Rolle im Klimaschutz zu.“

Zerstörung der Natur durch Torfabbau

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Wiesenschaumkraut im Königsmoor

Anfang des 19. Jahrhunderts war noch rund ein Zehntel der Fläche von Schleswig-Holstein von Mooren bedeckt. Die wertvolle Substanz der Böden entwickelte sich über Jahrtausende aus abgestorbenen, aber nicht vollständig abgebauten Pflanzenresten. Die Menschheit hat diesen wertvollen Schatz nachhaltig zerstört. Wo früher seltene Tiere und Pflanzen lebten, findet man heute karges Land, das vom Torfabbau gezeichnet ist.

Torf wird vor allem als Brennmaterial und als Dünger verwendet. Durch seinen Abbau wurden nach und nach unter anderem neue Flächen für die Landwirtschaft erschlossen. Der natürliche Lebensraum der Moorbewohner musste den Feldern der Menschen weichen. Durch die Bewirtschaftung der Böden mineralisierten diese nach und nach und die Torfbildung blieb aus.

Lebensraum Königsmoor

Das Königsmoor liegt im Bereich der Gemeinde Christiansholm im Landkreis Rendsburg-Eckernförde. Früher zählte es mit einer Fläche von insgesamt 2.000 Hektar zu den größten Hochmoorregionen innerhalb Schleswig-Holsteins. Leider begann man im Jahr 1915 mit der Trockenlegung des Moores.

Seit dem Jahr 2011 renaturiert die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein das Königsmoor Stück für Stück. Der Bodenwasserspiegel steigt seitdem wieder an. Laut Ute Ojowski „ging der Boden bereits ein halbes Jahr nach dem Start des Projekts wie ein Schwamm auf“. Die alte Grünlandvegetation versumpft nach und nach und sogar die ersten Torfmoose sind schon zu sehen.

„Das ist ein schönes erstes Bild, das sich uns bietet“, erzählt sie. „Es zeigt sich uns, dass unsere Maßnahmen fruchten. Im Optimalfall können wir über regelbare Einstauungen die Wasserstandhöhe so anpassen, dass das Wasser um etwa 10 Zentimeter unter der Oberfläche ansteigt. Wir haben dann die maximale Rückhaltung an Treibhausgasen und unser erstes Ziel erreicht.“

Der Ökologische Fußabdruck

Klimaschutz

Winter im Königsmoor

Jeder Bürger der EU verursacht im Durchschnitt CO2-Emissionen von rund 11 Tonnen pro Jahr. Studien zur Folge liegt der klimaverträgliche Wert bei 2,7 Tonnen CO2 pro Person und Jahr. Wie wichtig es ist, unsere Reserven zu schonen und den Klimawandel nicht noch schneller voranzutreiben, sollte jedem von uns so schnell wie möglich bewusst werden. Nicht wenigen Menschen steht das Wasser schon heute im wörtlichen Sinne bis zum Hals. So, wie wir heute leben, verbrauchen wir die Ressourcen von 1,7 Erden.
Das könnt Ihr tun

  • Versucht, Euren CO2 Fußabdruck so klein wie möglich zu halten, indem Ihr auf tierische Lebensmittel, Flugreisen, Fahrten mit dem Auto sowie Waren mit langen Transportwegen verzichtet.
  • Informiert Euch über Ausgleichsmöglichkeiten.
  • Nutzt den Klimarechner des Umweltbundesamtes. Ihr findet ihn online unter diesem Link.
  • Lest Euch zum Thema „MoorFutures®“ ein. Ihr findet das Projekt auf dieser Seite.
    Verzichtet auf mit Torf angereicherte Blumenerde.

Weitere Infos

Ich danke der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein und der Ausgleichsagentur Schleswig-Holstein für das beeindruckende Engagement und die Informationen, die es mir ermöglicht haben, diesen Artikel zu schreiben.

Hinweise: Die Klimawirksamkeit des Königsmoor-Projektes wurde vom TÜV Rheinland gemäß ISO 14064-2 bestätigt. Die Ausgleichsagentur Schleswig-Holstein ist eine 100-prozentige Tochter der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein.

Wer mehr über den Ökologischen Fußabdruck erfahren möchte und gerne wissen möchte, wie man ihn berechnet und so klein wie möglich halten kann, findet hier einen interessanten Artikel zum Thema. Wem das Thema Klimaschutz genau wie mir besonders wichtig ist und in Zukunft keinen Artikel mehr verpassen möchte, ist herzlich eingeladen, meinen Newsletter zu lesen.

Fotos: Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein, Motiv im Titel: Moorfrosch