Immer mehr Magazine und Blogs titeln mit „Scheiß auf Selbstoptimierung“, „Die Welt im Selbstoptimierungswahn“ und „Ich bleib so, wie ich bin!“ – Ich sehe das ein bisschen anders.

Für Euch habe ich insgesamt 10 Gründe gesammelt, warum es ab und zu auch gut ist, wenn man an sich arbeitet. Das muss übrigens gar nichts mit krankhaftem Ehrgeiz, Silikon, Extrem-Waschbrettbauch oder gar Selbsthass zu tun haben. Lest selbst.

  1. an-sich-zu-arbeitenDir ist nicht alles scheißegal
    „An sich zu arbeiten bringt nichts – am Ende beißen wir eh alle ins Gras. Das ständige ins Fitness Studio Gerenne führt nur zu Haltungsschäden. Jetzt erstmal ein Steak.“ – das klingt natürlich schön reißerisch alles und in letzter Zeit liest und hört man es überall. Toll ist es trotzdem nicht. Dir ist die Umwelt egal – darum fährst Du weiter einen Diesel? Deine Gesundheit und die der Tiere, deren Fleisch Du verzehrst, ist Dir auch Wurst, darum gibt es jetzt erstmal lecker Rahmgulasch und zum Nachtisch Sahnetorte? An Deinen Umgangsformen willst Du auch nicht arbeiten, darum stänkerst Du einfach weiter wild in der Gegend rum? Wenn Du wirklich dieser Meinung bist und Du nicht nur einen Fernsehkoch zitiert hast, finde ich das traurig. Eines ist klar: Damit tust Du weder etwas für den Planeten noch für Dich selbst. Obwohl Du doch das Wichtigste für Dich bist. Mal ehrlich: Jetzt reiß Dich mal zusammen! Das fühlt sich doch eigentlich ganz gut an, wenn einem nicht alles scheißegal ist, oder?
  2. Du bist hilfsbereit
    Wer an sich arbeitet, achtet automatisch mehr auf seine Mitmenschen. Wie verhalten sich die anderen? Braucht vielleicht jemand Hilfe? Der Nachbarin die Tüten hochtragen, dem Busfahrer sagen, er soll auf die ältere Dame mit dem Hund warten und die Katze von Deiner Kollegin übers Wochenende füttern – fühlt sich gut an, oder? Und übrigens: Ich freue mich ganz besonders. Ein Rambo weniger, der mir morgens in der S-Bahn beim Aussteigen seine Aktentasche in den Magen rammt. An seiner Höflichkeit und der Wirkung, die man selbst auf andere hat, zu arbeiten, ist etwas Positives – wenn man es nicht übertreibt.
  3. Du achtest auf die Umwelt
    An sich zu arbeiten, kann zum Beispiel auch bedeuten, darauf zu achten, weniger Müll zu produzieren und weniger Abgase in die Luft zu blasen: Gut so! Daran können sich andere mal ein Beispiel nehmen.
  4. Deine Mitwelt geht Dir nicht am Arsch vorbei
    Wer an sich arbeitet, merkt vielleicht früher oder später auch, dass wir die Erde nicht alleine bewohnen. Das Kaninchen aus dem Tierheim ist doch mindestens genau so niedlich, wie das, das Deine Bekannte sich beim Züchter gekauft hat, oder? Der selbstgemachte Sojadrink schmeckt eigentlich viel besser, als die Milch, die eigentlich das Kälbchen kriegen sollte und Du fütterst jetzt seit Neuestem auf dem Weg zur Arbeit Tauben? Herzlichen Glückwunsch! Deine Mitwelt geht Dir nicht mehr am Arsch vorbei! Empathie ist etwas Schönes und sie führt dazu, dass man die Welt mit anderen Augen sieht.
  5. an-sich-zu-arbeitenDu bist bereit noch etwas zu lernen
    An sich selbst zu arbeiten bedeutet auch, sich weiterzubilden und sich für bestimmte Themen zu interessieren. Das kann sich im Job mitunter ganz schön positiv auswirken und auch im Privatleben kann man was davon haben. Intelligenz ist schließlich wahnsinnig attraktiv!
  6. Du entschuldigst Dich, wenn Du jemandem Unrecht getan hast
    Wisst ihr, was mich unheimlich nervt? Wenn Leute mit dem Satz „Der/die ist halt so“ einen Freibrief bekommen und sich Zeit ihres Lebens aufführen dürfen, wie die Axt im Walde. Ich finde, es ist durchaus in Ordnung, an sich zu arbeiten und auch im miesesten Stimmungstief mal ein „Es tut mir leid“ rauszupressen und nicht immer darauf zu beharren, das letzte Wort zu haben. Und zwar auch, wenn man danach immer noch anderer Meinung ist. Es schläft sich dann auch viel besser.
  7. Deine Gesundheit ist Dir wichtig
    Ich stehe dazu, dass mir meine Gesundheit wichtig ist. Deshalb versuche ich mehr oder weniger regelmäßig Sport zu machen, auch mal was Grünes zu essen und zwischen dem ganzen Alltagstress beim Yoga die Seele baumeln zu lassen oder im Wald die frische Luft zu genießen. Da ist doch eigentlich auch nichts Verkehrtes dran, oder?
  8. Du tust Dir gerne etwas Gutes
    „Think positive“ heißt die Devise – wer an sich arbeitet, beschäftigt sich mit sich selbst und stellt irgendwann fest, wie schön es ist, sich ab und zu mal etwas Schönes zu gönnen. Eine Woche zu zweit am Strand? Einen neuen Regenmantel? Einmal in der Woche Gesangstunden? Eine Packung von dem Zwieback, den Oma früher immer mitgebracht hat? Ganz egal: Sich selbst etwas Gutes zu tun, gehört auch zum an sich selbst Arbeiten dazu und macht nachhaltig glücklich.
  9. Fehler gestehst Du Dir ein
    Es kann auch bedeuten, dass man sich eingesteht, wenn man etwas verbockt hat. „Einsicht ist der erste Weg zur Besserung“ – das steht nicht nur im Yoga-Wiki. Der Satz stammt aus dem Volksmund und hat durchaus einen wahren Kern. Wer ehrlich durchs Leben geht, hat mehr davon.
  10. Du bist ein guter Mensch
    Die Umwelt, Deine Mitmenschen und Deine Mitlebewesen sind Dir nicht egal und auch Du selbst bedeutest Dir etwas. Du tust Deiner Gesundheit, Dir selbst und anderen öfter mal was Gutes und bist dazu in der Lage, Dir Fehler einzugestehen: Gratulation! Du bist ein guter Mensch!

Bevor man anfängt, an sich zu arbeiten, ist natürlich zunächst eine kleine Selbstanalyse von Vorteil. Es bringt nicht viel, wenn man einfach mal lossteuert und versucht, sein Verhalten zu ändern. Wenn man Pech hat, findet man sich dann am Ende doch in verkrampften Optimierungsversuchen unter einem Fitnessgerät eingeklemmt wieder. Nur, wer seine Stärken und Schwächen kennt, kann ersteres gezielt verbessern und an letzterem arbeiten.

An sich zu arbeiten, ist völlig in Ordnung, finde ich. Wichtig ist, dass man sich selbst dabei immer treu bleibt und das klappt nur, wenn man mit offenen Augen durch Leben geht und nicht nur an sich selbst denkt. Dann fühlt es sich am Ende des Tages auch nicht wie Arbeit an, sondern eher wie Verwirklichung.

In diesem Sinne: Namasté!

Die Fotos habe ich in Sri Lanka gemacht. Wenn Du in Zukunft mehr Texte und Bilder von mir sehen willst, freue ich mich, wenn Du meinen Newsletter abonnierst. Bis bald!