Vor Kurzem brachte der Wissenschaftliche Pressedienst (WPD) ein 11-seitiges Pamphlet zum Thema „Moderne Ernährung heute“ mit dem Titel „Schokolade – ein besonderes Lebensmittel“ heraus. Speziell werden darin die sogenannten Polyphenole betrachtet. Diese sind nicht nur antioxidativ wirksam, sie besitzen zudem antikarzinogene Eigenschaften.

In der Zusammenfassung der Veröffentlichung heißt es unter anderem:

„Kakao und Schokolade erfreuen sich nicht nur aufgrund ihres guten Geschmacks und Aromas größter Beliebtheit. Auch der Wandel in der Beurteilung sekundärer Pflanzenstoffe wie den Polyphenolen, die vor nicht allzu langer Zeit noch als unbedeutend galten, machen Kakao zu einem wertvollen Rohstoff und Schokolade zu einem geschätzten Lebensmittel.“

Erst im Jahr 2013 wurde die im Rahmen der Zulassung eines Health Claims für bestimmte Kakaoerzeugnisse mit hohen Gehalten an Kakaoflavanolen die gesundheitsfördernde Wirkung bestimmter Erzeugnisse aus Kakao dokumentiert.  Sie sollen unter anderem Entzündungen entgegenwirken und das Herz-Kreislauf-System unterstützen. Dabei wussten bereits Azteken und Maya um die positive Wirkung des Kakaos auf die Gesundheit. Schon 1.000 v. Chr. wurden Kakao-haltige Getränke zubereitet und konsumiert.

Nach Europa wurde der Kakao mit der Eroberung des heutigen Mexico durch Hernando Cortéz 1519 gebracht. Seinen Namen gab dem Kakaobaum Theobroma Cacao der schwedische Botaniker Carl von Linné im Jahr 1753. Er bedeutet „Speise der Götter“. Was ich persönlich besonders interessant finde: Kakaobohnen wurden aufgrund ihres herben Geschmacks während der spanischen Kolonialzeit nicht gegessen, sondern als Zahlungsmittel genutzt. Später kam man dann darauf, ihn durch den Zusatz von Rohrzucker genießbarer zu machen.

Die Azteken wussten, wie gesund Schokolade ist

SchokoladeAus Schriften, die zwischen dem 16. und dem 19. Jahrhundert entstanden sind, gehen über 100 medizinische Anwendungsmöglichkeiten für Schokolade, Kakaobohnen sowie diverse Bestandteile des Kakaobaumes hervor. Unter anderem sollten damit Magenschmerzen, Schwindel, Herzprobleme und Fieber kuriert werden. Erst in den letzten Jahren erinnerte man sich daran, dass Kakao in früheren Zeiten als Heilmittel galt und verfolgt diese Spur nun genauer.

Die Forscher richten ihren Fokus speziell auf eine besondere Stoffgruppe: Die Polyphenole. Sie kommen unter anderem auch in Lebensmitteln wie Tee, Rotkraut und verschiedenen Obstsorten vor. Innerhalb der letzten zehn Jahr gelang dann in mehreren Studien der Nachweis dass zwischen dem Schokoladenkonsum und anderen Lebensmitteln, die Polyphenole beinhalten und positiven gesundheitlichen Effekten ein Zusammenhang besteht. Diese sind teils kurzfristiger, teils sogar langfristiger Natur.  2013 wurde von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit dann ein spezieller Health Claim für Kakaoflavanole herausgegeben. Daraus geht unter anderem hervor:

„Kakaofloavanole helfen die Endothel-abhängige Elastizität der Blutgefäße aufrechtzuerhalten und tragen damit zu einem normalen Blutfluss bei.“

Damit diese Wirkung erlangt werden kann, empfiehlt die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) die tägliche Aufnahme von 200 mg Kakaoflavanolen. Das entspricht etwa der 10 g dunkler Schokolade oder 2,5 Gramm hochwertigem Kakaopulver. Die EFSA empfiehlt also, täglich Schokolade zu essen. Voraussetzung ist natürlich eine ansonsten ausgewogene Ernährung mit wenig Zucker, viel gesundem Gemüse und Obst sowie ausreichend Nährstoffen und Vitaminen. Das Lebensmittelchemische Institut (LCI) fand durch Tests eine Auswahl von 33 Schokoladen- und Kakaoprodukten mit einem Kakaogehalt zwischen 30 und 100 Prozent, die einen ausreichend hohen Polyphenolgehalt haben. Dabei handelt es sich vor allem um Schokoladen und Kuvertüren von insgesamt 16 verschiedenen Herstellern.

Schokolade mit einem Kakaogehalt ab 70 Prozent

Obwohl der Anteil an Kakaobestandteilen nachweislich in allen untersuchten Produkten sehr hoch war, gibt es bis heute in deutschen Geschäften keine Schokolade zu kaufen, die den Health Claim trägt. Es ist aber davon auszugehen, dass die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um Flavanol-reiche Schokolade handelt, ab einem Kakaogehalt von rund 70 Prozent sehr groß ist. Die Produkte würden diesen somit auf jeden Fall erfüllen.

Polyphenole machen rund 30 Prozent der Gesamtbiomasse aus. Es handelt sich dabei um eine der zahlenmäßig größten sowie mengenmäßig wichtigsten und sehr weit verbreiteten Verbindungsklassen in der Natur. Sie werden von Planzen als sekundäre Pflanzenstoffe produziert. Man findet sie vor allem in Blättern und Früchten. Sekundäre Pflanzenstoffe, auch Sekundärmetabolite genannt, sind Verbindungen innerhalb einer Pflanze, die nicht essentiell für das Wachstum und die Entwicklung verantwortlich sind. Ihre Aufgabe ist vielmehr die Abwehr und zum Beispiel das Anlocken von Insekten. Zudem schützen sie eine Pflanze vor schädlichen Sonnenstrahlen. Das  alles unterscheidet sie zum Beispiel von Kohlehydraten und Aminosäuren (Primärmetabolite).

Warum sind Polyphenole so gesund?

Im Durchschnitt nimmt ein Mensch durch pflanzliche Nahrung täglich ungefähr 10 Gramm Polyphenole zu sich. Bis zu 10.000 polyphenolische Verbindungen kommen Schätzungen der Wissenschaftler zur Folge in uns bekannten Lebensmitteln vor. Für uns ergibt sich vor allem der Vorteil, dass sie eine starke antioxidative Wirkung besitzen. Sie können freie Radikale abfangen und uns vor oxidativen Schäden an der DNA schützen. Sie induzieren die Bildung von Entgiftungsenzymen und hemmen die Bildung von Prokarzinogenen. Sprich: Sie wirken nicht nur antigenotoxisch sondern auch antikanzerogen (schützen vor Krebs).

Im Klartext: Polyphenole besitzen zwar keinen Nährstoffcharakter, sie werden jedoch aufgrund ihres antioxidativen Potentials sehr geschätzt. Eingesetzt werden sie beispielsweise bei Herz-Kreislauferkrankungen, Bluthochdruck sowie erhöhten Entzündungswerten. Wir sehen: Der Kreis schließt sich. Genau wie einst die Azteken und Maja setzen auch wir heute auf ihre Wirkung.

Welche Polyphenole gibt es?

Eingeteilt werden die Polyphenole in drei Stoffklassen:

  • Phenol(carbon)säuren – Dazu zählt unter anderem Kaffeesäure.
  • Flavonoide gibt es insgesamt mehr als 5.000. Uns sind die Bitterstoffe vor allem aus Kakao, Tee sowie verschiedenen Zitrusfrüchten bekannt.
  • Tannine sind Gerbstoffe. Wir kennen sie aus Hölzern, Wein und und Tee.

In Kakaobohnen sind die Polyphenole in den sogenannten Keimblättern gespeichert. Sie sind vor allem für die Farbe und den Geschmack verantwortlich (bittere Note, raues Gefühl im Mund beim Verzehr). Weitere Polyphenole, welche im Kakao gefunden wurden kennen wir unter den Bezeichnungen B1, B3, B4 und B5.

Was hier sehr sachlich und technisch klingt, kann im Alltag durchaus interessant sein. Kein schlechtes Gewissen mehr beim Naschen klingt doch gut, oder? Wenn man dabei darauf achtet, am besten besonders hochwertige Schokolade (ohne Zusatz von Industriezucker oder Milch!), zu sich zu nehmen, macht man alles richtig. Im ersten Moment schmeckt diese vielleicht bitter, aber ich kann aus eigener Erfahrung sagen: Irgendwann kann man gar keine andere Schokolade mehr essen. Als ich damals auf vegan umgestellt habe, gab es diese „Milchschokolade“ mit Reismilch noch gar nicht (zumindest nicht überall). Daher beschränkte ich mich auf die Auswahl an Zartbitterschokolade, die ohne Butterreinfett und andere tierische Zusatzstoffe auskam. Neulich habe ich mal wieder so eine Reismilchschokolade mit Füllung probiert. Sie war mir viel zu süß.

Und wenn es gut für die Gesundheit ist, greife ich doch gerne zu, oder? Übrigens funktioniert auch dieser kleine Trick sehr gut: Isst man jeden zweiten oder dritten (oder auch jeden) Tag ein Stückchen dunkle Schokolade, hat man automatisch viel weniger Lust auf Süßes. Probiert’s mal aus, ich bin gespannt, was ihr berichtet.

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Quelle: Dieser Artikel liegt einer Pressemitteilung des Wissenschaftlichen Pressedienstes zugrunde (hier zu finden). Herausgeber des Pamphlets ist das Lebensmittelchemische Institut (LCI), Prof. Dr. Reinhard Matissek, Köln
Fotos: Schokolade: AlexanderStein, pixabay; Kakaobohnen: akvalsk, pixabay