Heute präsentiere ich Euch eine ganz besonders schöne Geschenk-Idee für Freunde guter Liköre. Weil die Idee, die Planung, das Rezept und die Bilder von Matze stammen, möchte ich hiermit das Wort an ihn übergeben. Vorhang auf für seinen „Plum Gin“!

Vor einigen Jahren sind wir zufällig über „Sloe Gin“ gestolpert. Das ist ein Likör auf Gin-Basis, der mit Schlehen-Früchten angesetzt wird. Er schmeckt hervorragend, insbesondere, wenn man ihn, wie beim klassischen “Gin Tonic” mit (in diesem Fall am besten einem kräftigeren) Tonic Water mischt.

Ich dachte mir, dass man das doch auch selbst hinbekommen müsste und begab mich auf die Suche nach Schlehen. Das stellte sich als gar nicht so einfach heraus. Schlehen muss man nämlich selbst in “freier Wildbahn” ernten. Die Früchte sind gegen Ende November reif und da man den Liköransatz mindestens sechs Wochen ziehen lassen muss, würde sich der ganze Prozess bis nach Weihnachten hinziehen.

Likoer

Die Grundlage für den Likör

Findet man keine Schlehen, bieten sich  als Alternative alle möglichen anderen Früchte an – von Brombeeren und Kirschen bis hin zu Blaubeeren. Wir haben uns an Pflaumen und in der zweiten Runde an Quitten versucht.

Zutaten

Hauptzutat ist selbstverständlich der Gin. Er sollte nicht zu billig sein (denn er trägt nicht unwesentlich zum späteren Geschmack bei), hochprozentig (um die 47 Prozent Alkohol sind am besten. Je höher der Alkoholgehalt, desto besser lösen sich die Aromen aus den Früchten) und im Idealfall mit ein paar Zitrusnoten den Geschmack der Fruchtkomponente unterstützen. Wir haben uns für den klassischen Tanqueray entschieden.

Eine 0,7 Liter Flasche dieses Gins mischt man am besten mit etwa der gleichen Menge, sprich 700 bis 1000 Gramm Früchten. Die Pflaumen haben wir einfach entkernt und jeweils in circa fünf Millimeter große Würfel geschnitten.

Zusätzlich haben wir zur Untermalung des Geschmacks noch etwa eine Messerspitze Vanille pro Flasche hinzugegeben.

Ein Wort zur Süße: Es gibt mehrere Möglichkeiten, die nötige Likörsüße herzustellen. Entweder man fügt den Zucker direkt beim Ansetzen bei, oder man mischt beim Abfüllen nach Geschmack selbst hergestellten Sirup (aufgekochten, in Wasser gelösten Zucker) hinzu. Da Pflaumen mitunter eine sehr unterschiedliche Eingensüße mitbringen, haben wir uns hier für die nachträgliche Variante entschieden, die man besser dosieren und auf den finalen Geschmack abstimmen kann.

Ansetzen

Likör

Der Ansatz

Für den Ansatz füllt man die Früchte zusammen mit dem Gin und der Vanille in Einweckgläser oder vergleichbare Gefäße ab. Die Behälter müssen dicht sein und eine große Öffnung haben, sodass die Früchte leicht eingefüllt und beim Abfüllen dann auch leicht wieder herausgeschüttet werden können. Zuvor haben wir die Gläser abgekocht, um Schimmelbildung zu vermeiden.

Am Ende einfach die vollen Gäser verschließen, einmal durchschütteln und in einen dunklen Schrank stellen. Kalte Lagerung ist nicht nötig, lediglich Lichteinfall sollte vermieden werden.

Lagern und beobachten

Danach wird es spannend. In den ersten Tagen verändert sich die Farbe sehr schnell. Durch den Alkohol wird der Farbstoff aus den Früchten gezogen.

Besonders in der drei- bis vierwöchigen Anfangsphase sollten die Gläser jeden zweiten Tag einmal durchgeschüttelt werden. Später genügen Intervalle von etwa einer Woche.

Nach sechs bis acht Wochen ist der Vorgang, den man auch “Mazeration” nennt, abgeschlossen. Der Gin hat jetzt den Geschmack der Pflaumen angenommen.

Filtrieren und Abfüllen

Das Filtern war das komplizierteste am gesamten Prozess. Wir haben die Früchte durch einen feinen Kaffeefilter laufen lassen und den Tresterrest anschließend durch ein Küchentuch ausgedrückt, um die guten aromatischen Reste aus der Masse zu gewinnen.

Nach einer großen Sauerei und einem Küchentuch mit nicht auswaschbaren Pflaumenflecken, konnten wir (juhuu) den größten Teil unseres selbst hergestellten edlen Tropfens auffangen.

Parallel dazu haben wir etwa fünf Esslöffel Rohrzucker in etwa der gleichen Menge Wasser aufkochen lassen und nach dem Abkühlen mit dem entstandenen Gebräu vermischt.

Das Ganze haben wir schließlich in zwei schöne Halbliterflaschen abgefüllt und einen weiteren Tag im Regal ruhen lassen. So konnten sich die letzten verbliebenen Schwebstoffe am Boden absetzen.

Großes Finale

Likör

Das große Finale

Dann ging es endlich ans Probieren. Ein paar Minuten Arbeit und zwei Monate Wartezeit später stand ein “Plum-Gin and Tonic” vor uns. Wir haben in ein halbes Glas Eis circa vier cl des Likörs gegeben und die kleinen Cocktail-Gläser mit Tonic Water aufgegossen. Ich möchte nur so viel sagen: Es schmeckte hervorragend, Pflaumen und Wacholder waren gut herauszuschmecken. Sogar den Hauch von Vanille konnte man wahrnehmen.

Unser zweites Experiment, der Quince-Gin, der Gin-Likör mit Quitten-Ansatz wird ebenfalls in den nächsten Tagen fertig. Wir freuen uns schon auf einen fruchtig-herben Weihnachts-Cocktail.

Schnelldurchlauf

Hier nochmal im Überblick, was man alles benötigt:

  • 0,7 Liter Tanqueray Gin
  • 700 – 1000 Gramm Pflaumen (oder andere Früchte)
  • Eine halbe Vanilleschote
  • 2 Ein-Liter-Einmachgläser
  • 2 Halb-Liter-Flaschen mit Ploppverschluss
  • Kaffeefilter

Unser exotisches „Minty Fizz“ Cocktail Rezept findet Ihr hier. Wenn Ihr auch in Zukunft kein Rezept und keinen Artikel mehr verpassen wollt, freue ich mich, wenn Ihr meinen Newsletter abonniert. Wir lesen uns!