Ich erinnere mich noch sehr gut an den Earth Overshoot Day 2017. Letztes Jahr fiel der Tag noch auf den 2. August. 2018 ist es bereits einen Tag früher soweit: Die menschliche Nachfrage an natürlichen Ressourcen übersteigt das Angebot und die Kapazität der Erde, diese zu reproduzieren.

Das jeweilige Datum des jährlichen Earth Overshoot Day (Weltüberlastungstag) rechnet man aus, indem man den globalen ökologischen Fußabdruck, sprich die menschliche Nachfrage an natürlichen Ressourcen, für das betreffende Jahr zur gesamten Biokapazität, also der Menge der tatsächlich in diesem Jahr verfügbaren Ressourcen, in ein Verhältnis setzt.

Multipliziert mit 365, ergibt sich daraus der Tag des Jahres, an dem alle Ressourcen verbraucht sind. Der Kehrwert ergibt die Anzahl an Erden, die wir brauchen würden, um unseren Bedarf zu decken.

Wir gehen zu verschwenderisch mit unseren Ressourcen um

Uns soll damit bewusst gemacht werden, wie verschwenderisch wir mit den uns zur Verfügung stehenden Ressourcen umgehen. Ökonomisch betrachtet, befinden wir uns ab dem diesjährigen Stichtag am 1. August im Defizit.

1971 lag der Earth Overshoot Day noch auf dem 21. Dezember. Wir verbrauchten jedoch bereits die Ressourcen von 1,01 Erden. Im Jahr 2.000 waren es bereits 1,37 Erden. Der Earth Overshoot Day fiel damals auf den 1. November. Heute sind wir bei 1,7 Erden angekommen. Im Jahr 1961 lagen wir mit 0,73 Erden noch in einem annehmbaren Bereich. Dort wieder hinzukommen, klingt heute wie ein Traum. Nicht nur die Industrialisierung, sondern auch und vor allem unser dadurch geprägtes tägliches Konsumverhalten haben zu dieser traurigen Entwicklung geführt.

Der Earth Overshoot Day in Deutschland

Der Earth Overshoot Day wird nicht nur global, sondern auch für jedes Land berechnet. Der Deutsche Earth Overshoot Day war in diesem Jahr bereits am 2. Mai. Immerhin im Vergleich zu 2017 (24. April) eine kleine Verbesserung. Dennoch liegen wir weltweit ziemlich weit vorne, wenn es um Thema Umweltverschmutzung geht und sollten wohl langsam aber sicher mal anfangen, uns Gedanken zu machen.

Es geht ja schließlich auch nicht, dass wir bis Mai unser komplettes Gehalt ausgeben und den Rest des Jahres auf Pump leben. Oder doch? Vielleicht ist ja genau das unser Problem.

overshootday.org zufolge machen CO2-Emissionen 60 Prozent des Fußabdrucks der Menschheit aus. Sie sind somit der Haupttreiber bei unserem Raubbau. Würden wir es schaffen, unsere Klimagasemissionen um die Hälfte zu verringern, könnten wir damit den Earth Overshoot Day um drei Monate nach hinten verschieben.

Schweden macht es besser

Schweden geht mit gutem Beispiel voran. Das Land schafft seine für 2030 gesteckten Klimaziele voraussichtlich schon dieses Jahr. Es wird Zeit, dass sich Nachahmer finden. Im Moment belegen Australien, die USA, Südkorea, Russland und Deutschland im Rennen um den Pokal für den größten Umweltsünder die ersten Plätze.

So viele Erden wären nötig, wenn wir weltweit so leben würden, wie in den jeweiligen Nationen:
Earth Overshoot Day

Diese zweite Darstellung von der Global Footprint Organisation wiederum zeigt, wie oft es die jeweiligen Länder geben müsste, damit sie den dortigen Ressourcenverbrauch selbst decken könnten.
Earth Overshoot Day

Der Earth Overshoot Day hält uns unser Versagen vor Augen

Insgesamt bietet sich ein trauriges Bild. Angesichts der tauenden Polkappen und durch den Klimawandel immer häufiger auftretenden Extremwetter-Perioden, sollte man meinen, der Menschheit sei die Sicherung durchgebrannt, wenn sie weitermacht, wie bisher.

Klimaforscher und Meteorologe Mojib Latif sagte unlängst im Gespräch mit mit dem WWF, dass der Klimawandel in gewissen Grenzen noch zu bremsen sei. Konkret bedeutet das für ihn, dass sich das Klima bis zum Ende des Jahrhunderts um mindestens zwei Grad erwärmen wird. Alles, was darüber hinausgeht, sei vermeidbar. Ihm zufolge wird der Meeresspiegel zwischen eine halben und einem Meter ansteigen. Dadurch werden nach und nach sehr viele Menschen ihr Zuhause verlieren. Außerdem wird sich die Wetterlage weltweit weiter verschieben.

Durch die Klimaveränderungen hat sich in Deutschland die Vegetationsperiode bereits um zwei Wochen verschoben. Kalte Winter kommen kaum noch vor. Das wirkt sich besonders auf den Anbau von Lebensmitteln aus.

Klimaforscher liefern Belege

Im Gespräch mit dem ZDF vor zwei Tagen bestätigte Latif dies, indem er sagte, dass die Tage extremer Hitze im Vergleich zu früheren Jahren extrem zugenommen haben und auch weiter zunehmen werden. Die Tage mit Frost hingegen, werden immer seltener. Die für ihn und seine Kollegen einzig sinnvolle Schlussfolgerung aus diesen belegten Tatsachen, ist sofortiger, umfassender Klimaschutz.

Philosoph und Publizist Richard David Precht sieht das ähnlich:

„Wenn wir weiter wirtschaften, wie bisher, werden unsere Urenkel keine bewohnbare Erde mehr vorfinden. Die größte Bedrohung besteht darin, dass wir immer mehr Energie verbrauchen und diese nach wie vor global durch fossile Energieträger gewonnen wird, sprich: Öl und Kohle.

Die Folge davon ist, dass die Erderwärmung immer weiter gehen wird. Mit diesen Dingen müssen wir uns jetzt auseinandersetzen.“

Das sagte er in der titel thesen temperamente Sendung am 8. Juli.

Tipps für mehr Nachhaltigkeit im Alltag

In meinem Artikel zum Earth Overshoot Day 2017 findet Ihr jede Menge Tipps, wie man selbst zum Sparen von Ressourcen beitragen kann. Einer allein kann natürlich nicht das Klima retten, doch wenn wir alle umdenken, lässt sich vielleicht noch etwas ändern.

Zwar hängt vieles von den Entscheidungen der Politiker und Großkonzerne ab, wenn jedoch viele an einem Strang ziehen, lässt sich zumindest ein Zeichen setzen. Nimmt man an einer Fahrraddemo für das Klima teil, sagt man „Ich möchte etwas für die Umwelt tun“, stellt man auf Ökostrom um und verzichtet aufs Autofahren, inspiriert man unter Umständen auch andere.

Genauso ist es mit der veganen Lebensweise. Immerhin wird bei der Produktion von einem Kilogramm Rindfleisch so viel Treibhausgas erzeugt, wie beim Fahren von 1.600 Kilometern auf der Autobahn. Nur soviel dazu. Wer Kleidung second hand kauft und auf Plastiktüten verzichtet, hat auch schon etwas getan. Das Wichtigste ist, dass es sich rumspricht. Dann ist die Menschheit vielleicht noch zu retten.

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Quellen: ZDF, overshootday.org, titel thesen temperamente, WWF, Wikipedia
Schaubilder: Global Footprint Organisation
Titelbild: Ylvers, pixabay