„Macht Urlaub!“ prangt es in großen Lettern auf einer Wand gegenüber des Besucherparkplatzes. Daneben reckt sich die seit 2016 geschlossene „Diskothek Miami“ bunkerartig in die Höhe. Wir sind am ehemaligen KDF-Bad Prora angekommen.

Die Sonne brennt erbarmungslos herunter auf Beton, Stahl, Glas und Sand. Wir steigen aus. Das wollen wir uns doch mal genauer ansehen.

Insgesamt ist die Anlage 4,5 Kilmeter lang. 20.000 Menschen sollten hier gleichzeitig zum Urlauben untergebracht werden. So der Plan. Oder doch nicht?

Prora – ein Bauungetüm

ProraMan wird nicht sofort schlau aus den Aufzeichnungen, die man im Internet findet. Klar ist, dass es sich bei dem grauen Ungetüm um einen ehemaligen Propagandabau der Nazis handelt. Gebaut wurde das KDF-Seebad Rügen zwischen 1936 und 1939. Das Projekt blieb unvollendet.

Heute sind die Wände aus kaltem Beton Zeitzeugen. Mittendrin: Ein kleines Museum, das vor allem Bilder aus seinen verschiedenen Epochen zeigt.

„Wir sind hier noch bis September. Dann kommt hier ein Hotel rein.“, erzählt der Mann an der Kasse.

Teile des riesigen Komplexes sind bereits modernisiert, andere können käuflich erworben werden. Seit 2004 stehen die Gebäude zum Verkauf. Sie werden von verschiedenen Investoren übernommen und zu Hotel- und Wohnanlagen umgewandelt.

Der Komplex soll attraktiver werden

ProraDie Gebäude am wunderschönen Sassnitzer Strand sollen attraktiver werden. Ein Publikumsmagnet. Bis jetzt sieht man davon noch nicht viel. Anonyme Modernität, wie wir sie aus düsteren Science-Fiction Filmen kennen, lässt sich mit Hilfe der aushängenden Bauzeichnungen erahnen.

Eine Chance sollte man dem Projekt wohl geben. Der Standort ist auf jeden Fall sehr schön. Aber hier Urlaub machen? Oder sogar leben?

Ein etwas befremdlicher, wenn nicht gar beklemmender Gedanke. Doch wie geht man richtig vor? Alles abreißen? Es als Mahnmal an die Gräueltaten seiner Erbauer einfach so stehen lassen?

Wir gehen erstmal an den Strand. Genießen die Aussicht und die heute durchaus surfbaren Wellen bei 30 Grad. Der Sand ist fein, der Strand jetzt Anfang Juni noch nicht besonders voll. Hinter den dichten Büschen im Hintergrund erstrecken sich 4,5 Kilometer düstere Gebäude mit einer kurzen, bewegten Vergangenheit und einer ungewissen Zukunft.

Der Koloss von Prora

Das Zentrum der Anlage ist der sogenannte „Koloss von Prora“. Ursprünglich bestand dieser aus acht nebeneinander stehenden Blöcken. Drei davon wurden im 2. Weltkrieg zerstört. Die fünf übrigen wurden zunächst von der Sowjetunion, später von der DDR zu Militärzwecken genutzt. Bei Prora handelte es sich um den größten Militärstandort der DDR. Zwischen 1990 und 1992 war dann die Bundeswehr hier ansässig. Die Häuser verfielen nach und nach. Seit 1993 sind sie öffentlich zugänglich.