„Blogger sollte man sein. Da bekommt man immer so viele tolle Sachen geschickt“. Sätze wie diesen höre ich in letzter Zeit häufiger. Auch „Du hast einen Blog? Das ist ja cool, dann kennt Dich ja sicher jeder“ rankt sehr hoch im „Blogger Bullshit Bingo“.

Manchmal ist es jedoch gar nicht so einfach, wie es vielleicht nach außen hin aussieht. Ich blogge jetzt seit 10 Jahren und habe seither ganz schön viel erlebt. In jede Richtung. Die Produkttests sind erst in den letzten paar Jahren hinzugekommen und das vor allem, weil ich selbst die Werbetrommel gerührt habe und den Firmen mitgeteilt habe, dass es mich gibt.

BloggenMan bekommt nämlich nicht einfach so irgendwelche Sachen zugeschickt (Was sicher auf Dauer auch ganz schön anstrengend wäre, so ganz ohne Vorwarnung?). Entscheidet man sich dafür, mit Firmen zusammenzuarbeiten, muss man sich mit Dingen wie Akquise und Angebotserstellung beschäftigen. Das kann mitunter ganz schön tricky sein.

Wo zieht man die Grenze?

Natürlich gibt es auch ein paar kleine, nachhaltig agierende Start-ups, die ich gerne unterstütze, indem ich über sie berichte und ihre Produkte zeige, ohne dafür Geld zu verlangen. Allerdings ist es auch schwierig zu sagen, wo man hier die Grenze ziehen soll. Wenn ich mit Agenturen zusammenarbeite, bekomme ich zumindest immer eine Kleinigkeit und auch bei größeren Firmen oder bekannten Marken ist es inzwischen üblich, dass ich gefragt werde, was ich mir als Bezahlung für meine Werbung vorstelle.

In den meisten Fällen muss ich jedoch selbst beweisen, dass ich etwas wert bin und dass es einen Mehrwert bietet, in meinem Blog promotet zu werden. Da heißt es Ärmel hochkrempeln und auch mal nachts noch die ein oder andere E-Mail beantworten oder ein Fotoshooting starten. Und hart zu bleiben beziehungsweise ab und an auch mal abzulehnen. Sonst wird man runtergehandelt und wenn man mal eine Gewürzmischung für null Euro über alle Kanäle beworben hat, wird es schwierig, vom Hersteller für den nächsten Artikel plötzlich Geld zu verlangen.

Natürlich gibt es auch Herzensprojekte, bei denen die Bezahlung nicht so wichtig ist. Möchte man jedoch mit einem Blog etwas erreichen, sollte man sich darüber im Klaren sein, dass dafür Zeit draufgehen wird. Zeit, die man vielleicht für einen Nebenjob nutzen könnte. Und dafür wird man ja am Ende auch bezahlt. Bei echten Vollzeitbloggern ist das Ganze dann natürlich nochmal eine Spur härter. Denn schließlich leben sie komplett davon. Und sind sie nicht sogar die, die am häufigsten gemeint sind, wenn der eingangs zitierte Satz „Blogger sollte man sein…“ fällt?

„Dich kennt ja bestimmt jeder!“

BloggenAuch der zweite von mir erwähnte Satz trifft ziemlich genau daneben. Arbeitet man Vollzeit und bloggt nebenbei, bleibt nicht viel Zeit, Leute kennenzulernen, oder in Clubs rumzuhängen. Bloggen kann ganz schön einsam machen. Und das nicht nur, weil man seine Tage ständig in symbiotischer Verbindung mit der Computertastatur verbringt. Vorurteile sind nicht selten und nehmen, wie ich finde, in den letzten Jahren mehr und mehr zu. Das fängt schon in Foren und Facebook-Gruppen an. „Die bloggt? Dann ist sie sowieso nur auf Klicks aus und möchte ihre Werbung verbreiten“. Und zack fliegt man raus. Nur, weil man das Wort „Blogger“ im Profil stehen hat.

Ich erinnere mich noch gut an ein Gespräch, das ich kürzlich in einem Handarbeitsladen geführt habe. Zunächst hatte ich mich sehr nett mit einer Mitarbeiterin dort unterhalten und ich dachte, das könnte schon in Richtung Kaffeeklatsch gehen. Da machte ich den Fehler, zu erwähnen, dass ich blogge. Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie schnell sie das Interesse verloren hatte. Die lieben kleinen „Instagram-Influencer“, die sich ja seit neuestem auch gerne mal als „Blogger“ bezeichnen, fallen wohl seit einiger Zeit in Scharen bei ihr ein, um für ihre DIY-Projekte Stoffpakete abzugreifen.

„Jeder kennt Dich“ trifft also auf jeden Fall schon mal nicht zu. „Jeder meint Dich zu kennen“ wäre sicherlich schon treffender. Jemand findet einen Deiner Texte, liest etwas heraus und schon hast Du einen Stempel, denn Du so schnell nicht wieder abgebrokelt kriegst.

Feedback gibt es nicht

BloggenFeedback bekommst Du in der Regel keins. Darauf kannst Du Dich auch schon mal vorbereiten. Vielleicht wird Dir Deine Familie sagen, wie toll sie Deine Seite findet und auch ab und an mal einen Kommentar hinterlassen. Auch bei Deinen Freunden kann das der Fall sein. Rechne aber nicht damit, dass Deine Seite auch plötzlich der neue Lebensmittelpunkt für Deine Lieblingsleute ist, nur weil sie den für Dich darstellt. Nein, das ist sie nicht und das wird sie nicht werden. Und das ist auch ganz natürlich und gut so!

Warum sollte sich auch plötzlich alles nur noch um Deinen mehr oder weniger kreativen Output drehen? Rechne also nicht mit einer massenhaften Flut aus Retweets und Shared Links, weil Deine Leute alle so begeistert sind, dass Du jetzt aneinander gereihte Buchstaben und Bilder ins Netz stellst. Sie haben nach wie vor Ihre Hobbys, Kinder und Bücher. Und sie gehen ins Freibad, wenn Du noch schnell den Artikel fertig schreibst, den Du dem Duschgelhersteller für Samstag versprochen hattest.

Blogger

Willst du jetzt immer noch Blogger werden? Falls Dich das alles noch nicht abgeschreckt hat, habe ich noch ein paar weitere Ausführungen für Dich. Zum 25. Mai wird die neue Datenschutzgrundverordnung DSGVO aktiv. Das bedeutet nicht nur für große Onlineshops oder Social Media Platformen eine Umstellung. Auch auf uns private Blogger prasselte eine Vielzahl an Änderungen ein, um die wir uns rechtzeitig kümmern mussten. Und das ohne strikten Plan, oder klare Regeln, nach denen man sich richten kann.

Bloggen und Datenschutz

BloggenEs gibt eben keinen einfachen Generator, in den man oben seine Daten reinschmeißt und unten kommt das perfekte, rechtssichere Datenschutzgebilde für eine bestimmte Webseite raus. Klar, ein paar Dinge, die ansatzweise in die Richtung gehen, begegnen einem schon, wenn man im Internet surft.

Aber eins steht fest: In so etwas Komplexes, wie komplett neue Datenschutzgrundlagen, muss man sich einlesen. Tagelang. Wochenlang. Das sage ich, obwohl ich mal ein Datenschutzzertifikat gemacht habe und aus einem früheren Job ganz gut in dem Thema drin bin. Wollt Ihr Euch mal mit so richtig trockener Materie beschäftigen? Dann habe ich ein paar Buchempfehlungen und Links für Euch. Man muss sich grundlegend damit beschäftigen und sollte am Ende nicht nur wissen was „gute Cookies“ und „böse Cookies“ sind und warum man einem Newsletter-Abonnenten jederzeit die Kündigung ermöglichen sollte.

Und das trifft nicht nur auf den Datenschutz zu. Du brauchst eine anständige Bildbearbeitungssoftware, die unter Umständen ganz schön teuer sein kann und Du solltest sie bedienen können. Du solltest Dich mit Content Management Systemen auskennen und zumindest rudimentäre HTML-Kenntnisse haben. Solltest Du nicht das Glück haben und jemanden kennen, der Dir Deine Seite frei nach Deinen Vorstellungen baut, musst Du Dich auf Lösungen wie WordPress oder Blogger verlassen, die so einiges mit Deinen persönlichen Daten anstellen können, wenn Du Dich nicht mit den Einstellungen auskennst.

Ein Blog kostet auch

BloggenEs fallen auch Kosten an. Für das Hosting Deiner Seite zum Beispiel, für https und für das Speichern größerer Bildersammlungen. Für einen guten Computer, bei dem Du nicht nach jedem Satz, den Du eingetippt hast, erstmal eine Minute warten musst, bis er auf dem Bildschirm erscheint. Du musst nicht nur rechtlich permanent auf dem neuesten Stand bleiben, sondern auch einen Blick fürs Detail und gestalterisch etwas draufhaben.

Wenn das alles abgedeckt ist, kommt die Moderation von Kommentaren im Blog und in den sozialen Netzwerken. Je nachdem, zu welchem Thema Du bloggst, kann es da ab und an schon mal zu Aussetzern kommen. Das reicht von seltsamen Kommentaren, die Du Dir beim besten Willen und mit aller Logik nicht erklären kannst, über Dauerspammer bis zu persönlichen Beleidigungen und fiesen politischen Statements. Und das im Blog und auf allen Kanälen, über die Du Deine Beiträge teilst. Ein dickes Fell ist also definitiv auch nicht so schlecht.

Genauso, wie ein langer Atem. Auf Anfragen zu Interviews oder Pressematerial kann man gerade in der Anfangszeit eines Blogs schon mal ein Weilchen warten. Genauso sollte man immer auf der Hut sein, dass alle Rechnungen ordentlich bezahlt werden und niemand in Verzug gerät. Hinzu kommt natürlich auch noch, dass Deine Steuererklärung komplizierter wird. Denn wer Rechnungen schreibt, muss schließlich auch Steuren bezahlen. Buchhaltung steht also auch noch auf dem Programm, auch wenn das gar nicht Dein Ding ist.

Ich liebe das Bloggen

BloggenTrotz alledem liebe ich das Bloggen. Ich kann es aus meinem Leben nicht mehr wegdenken und möchte es um keinen Preis aufgeben oder missen. Klar habe ich auch schon mal die ein oder andere Überlegung aus der Sparte „Warum?“, „Wozu der Aufwand“, „wer liest mit“ angestellt. Doch nach kurzer Zeit verblassen die wieder und die bunte Welt der Blogosphäre zieht mich wieder in ihren Bann.

Man erfindet sich einfach mit jedem Beitrag wieder neu. Wie wäre es mal wieder mit einer Bildergalerie? Oder einer Kurzgeschichte? Ganz besonders viel Spaß hatte ich zum Beispiel beim Erstellen meiner großen Reisereportage zum Thema Irland, die ich in den letzten Monaten Beitrag für Beitrag veröffentlicht habe. 26 sind es inzwischen, einer steht noch aus. Die Serie ist der umfassendste Reisebericht, den ich bisher geschrieben habe.

Besonders liebe ich außerdem Konzertberichte und Plattenrezensionen sowie das Kennenlernen spannender Persönlichkeiten zum Beispiel über Interviews. Mein Blog ist eine Sammlung, die ich stetig erweitere und verschönere. Und ich freue mich, wenn Du mitliest.

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