„Du schreibst in Deinem Blog manchmal über Naturkosmetik und manchmal über vegane Kosmetik. Ab und zu geht es aber auch um vegane Naturkosmetik. Ich finde das ziemlich cool. Aber irgendwie bringt es mich auch ein Bisschen durcheinander. Kannst Du mir vielleicht mal erklären, wo da jetzt die Unterschiede liegen?“

vegane KosmetikDas wurde ich vor Kurzem gefragt. Eigentlich muss ich dem Fragesteller recht geben. Was ich da für so selbstverständlich halte, ist es in Wirklichkeit gar nicht. Die Unterschiede und Gemeinsamkeiten sind sehr speziell und durchaus eine Erklärung wert. Ich habe daraus einfach mal einen Artikel gemacht. Denn schließlich könnte es Euch ja genauso interessieren.

An meine Haut lasse ich nur vegane Kosmetik

Vegane Kosmetik wird immer beliebter. Längst kann man sich nicht mehr nur über das Internet (z. B. hier bei der Shop Apotheke) damit eindecken. Man findet sie im Drogeriemarkt, in der Apotheke nebenan und sogar im Supermarkt. Überall sind plötzlich Veganlogos und Veganblumen zu sehen.

vegane KosmetikDoch das bedeutet nicht immer auch, dass es sich um Naturkosmetik handelt und umgekehrt ist das genau so. Naturkosmetik kann auch durchaus nicht vegane Inhaltsstoffe enthalten. So kommt in vielen Produkten beispielsweise Bienenwachs oder Wollwachs zum Einsatz.

Bei „Cera Flava“ (Bienenwachs) handelt es sich um die Ausscheidung der Honigbienen. Von den Bienen wird es zur Produktion der Waben genutzt. Kosmetikhersteller geben es zum Beispiel gerne in Coldcreams oder andere reichhaltige Pflegeprodukte. Echtes „Karmin“ wird aus weiblichen Schildläusen gewonnen, es gibt eine starke rote Farbe ab und wird daher gerne zu Färben (Rheumabäder, Mundspülung) verwendet. „Keratin“ wird aus Horn, Hufen, Schuppen, Federn und Hörnern gewonnen. Es wird für Haarpflegeprodukte verwendet. „Lanolin“, auch Wollwachs genannt, stammt aus den Talgdrüsen von Schafen und wird für Salben, Cremes und Lotionen verwendet.

Neben der Naturkosmetik gibt es auch noch Biokosmetik. Ferner vegane Naturkosmetik, vegane Biokosmetik, vegane herkömmliche Kosmetik und naturnahe Kosmetik. Doch was sind hier neben den bereits beschriebenen Inhaltsstoffen die Unterschiede?

Stichwort „Abstufungen“

vegane KosmetikGesetzlich sind die Begriffe „Naturkosmetik“, „Biokosmetik“ und „vegane Kosmetik“ bislang nicht geschützt. Als Verbraucher sollte man daher bewusst auf Zertifizierungen achten und sich mit Inhaltsstoffen vertraut machen. Zugegeben: Das kann mitunter ganz schön kompliziert sein.

Zwei der bedeutendsten Standards für Naturkosmetik sind derzeit hierzulande COSMOS und NATRUE. COSMOS ging aus der Französischen Ecocert-Zertifizierung hervor. Bei COSMOS wie bei NATRUE dürfen ausschließlich natürlich Rohstoffe verwendet werden. Alles muss, sofern in Bio-Qualität verfügbar, auch welche sein. Das Siegel COSMOS ORGANIC tragen derzeit nur die Produkte sehr weniger Hersteller. Weitere Schattierungen sind „Naturkosmetik“ und „Biokosmetik“ mit vorgeschriebenen Mindestanteilen an Bio-Rohstoffen.

Für vegane Kosmetik gibt es die Blume der Vegan Society sowie das V-Label des Vebu. Diese Logos sagen jedoch nichts darüber aus, ob es sich um Natur- oder Biokosmetik handelt, oder nicht. Vorsicht ist auch geboten bei Produkten, auf die der Hersteller selbst das Wort „vegan“ aufdrucken lässt.

Stichwort „Tierversuche“

vegane KosmetikDas schließt nicht aus, dass für die Konzerne oder die Entwicklung der Produkte sowie die Rohstoffe Tierversuche gemacht werden. Diese sind zwar in Deutschland für Kosmetikprodukte seit einiger Zeit verboten, jedoch gibt es auch hier leider Abstufungen. Firmen, die ihre Kosmetik auch in China vertreiben, sind beispielsweise dazu gezwungen, Tierversuche in Auftrag zu geben, da diese dort vorgeschrieben sind.

Eine weitere Stufe ist die sogenannte „Naturnahe Kosmetik“. Man kann sie als Zwischenstufe zwischen der herkömmlichen und der Naturkosmetik betrachten. Es werden dabei pflanzliche Wirkstoffe mit synthetischen Inhaltsstoffen aus dem Labor kombiniert. Letztere sind oft Duft- oder Konservierungsstoffe, die nachträglich hinzugefügt werden. Sie wird besonders bei konventionellen Herstellern immer beliebter. Immer mehr von ihnen nehmen Pflegeserien aus diesem Segment in ihr Sortiment auf.

Stichwort „Werbung“

vegane KosmetikDie großen Konzerne halten also ihre Augen offen. Auch sie bekommen mit, dass Bio boomt. Das grüne Image ist ganz groß im Kommen und es zieht ungemein, wenn man mit natürlichen Inhaltsstoffen wirbt.

Ein grünes Blatt hier auf der Shampooflasche, ein „enthält Auszüge aus natürlichem Lavendel“ da auf dem Gesichtswasser und schon hat man an Glaubwürdigkeit dazugewonnen. Geworben wird mit bunten Blumenwiesen, Testemonials in natürlich wirkender Kleidung mit wehendem Haar und Inhaltsstoffen aus der Natur.

Das oberste Gebot lautet daher, sich nicht täuschen zu lassen und Produkte, die einem auf den ersten Blick interessant erscheinen, auf jeden Fall zuerst einem Check zu hinterziehen. Vor allem sollte man sich aber auch von vornherein bewusst, sein, was man möchte.

Stichwort „Qualität“

vegane KosmetikAuch zum Thema Qualität gibt es einige Unterschiede zu beachten. Der Verarbeitungsprozess kann im Bereich der Naturkosmetik nur sehr wenig kontrolliert werden. So sind hochwertige Öle ein besonders wichtiger Faktor. Es werden jedoch von sehr vielen Herstellern inzwischen desorierte Pflanzenöle verwendet.

Das heißt, dass ihnen im Anschluss an die Pressung durch Zufuhr von Hitze Farbe und Duft entzogen werden. Dadurch sind sie leichter zu verarbeiten und länger haltbar. Hinterher kann man am Geruch nicht mal mehr erkennen, ob es sich um Argan- oder Olivenöl handelt. Schade um die Öle, die zuerst in liebevoller Kleinarbeit kaltgepresst werden, um möglichst alle Inhaltsstoffe zu erhalten. Und schade, dass man vielen Produkten im Anschluss wieder einen Duft hinzufügen muss, obwohl sie doch eigentlich von Natur aus einen hatten.

Wer also wirklich ausschließlich Natur auf seine Haut bringen möchte, sollte immer darauf achten, dass alle Inhaltsstoffe so natürlich wie möglich erzeugt wurden. Wem „nur“ wichtig ist, dass seine Pflegeprodukte vegan sind, hat es schon etwas leichter.

Stichwort „Profit“

vegane KosmetikWarum entzieht man denn nun den Ölen die Persönlichkeit und verwendet nur noch das, was übrig bleibt? Und warum nehmen einige Hersteller in Kauf, dass ihre Produkte an Tieren getestet werden? Es geht wie immer um den Profit.

Beautyprodukte lassen sich deutlich leichter einer breiten Masse anbieten, wenn sie immer gleich aussehen, es nicht zu Füllschwankungen kommt, oder die Farbe von Packung zu Packung leicht variiert. Daher erfreuen sich die desorierten Öle immer größerer Beliebtheit und das auch bei kleineren Herstellern. Die Kosmetikbranche ist ein hart umkämpfter Markt und man hat es einfach leichter, wenn sich beispielsweise Drogeriemarktketten für die Produkte, die man herstellt, interessiert.

Gleiches gilt für die Hersteller, die ihre Produkte für den Chinesischen Markt testen lassen. Die Frage „Möchten wir uns diesen gewinnbringenden Markt wirklich entgehen lassen?“ scheint wie ein Damoklesschwert über vielen Kosmetikfirmen zu hängen.

vegane KosmetikZum Glück gibt es aber auch einige, die es anders machen, sich bewusst für einen Verzicht entschieden haben, ihre Konsumenten aufklären, Tierschutzorganisationen im Kampf gegen Tierversuche unterstützen und auf schädliche Inhaltsstoffe bewusst verzichten. Wenn es sich dabei um vegane Natur- oder Biokosmetik handelt oder „schlicht“ um liebevolle vegan hergestellte Kosmetik (Was nach meiner Erfahrung manchmal sogar noch viel toller sein kann smile ), macht man nicht viel falsch. Besonders wichtig ist für mich, dass man Produkte bewusst verwendet, Tiegel, Tuben und Fläschchen immer komplett leer macht und sich vor der Verwendung mit den Inhaltsstoffen und dem Hersteller auseinandergesetzt hat. Das ist einer der Gründe, warum ich ehrlichen, veganen Beautyprodukten in meinem Blog ein Forum biete.

Wer ein paar davon kennenlernen möchte, ist herzlich dazu eingeladen, in meiner Rubrik Vegan Beauty weiterzulesen.

Foto „Blumen in Reagenzgläsern“: Rawpixel, Pixabay, Foto Reagenzgläser: CC, Pixabay, alle anderen Fotos: ich! smile

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