Heute möchte ich Euch einen musikalischen Jahresrückblick der besonderen Art bieten. Besonders darum, weil er mit den Listen, die Fernseh- und Radiosender zum Jahresende so zu veröffentlichen pflegen, so gar nichts zu tun hat. Hier ist meine persönliche Songliste 2017

Musikalisch war in diesem Jahr so einiges geboten. Auch wenn man das an den Playlisten der gängigen Radiosender nicht unbedingt zu spüren bekam. Aber das ist ja nicht unbedingt etwas Schlechtes. Der Tiefpunkt der Populärmusik in diesem Jahr bedeutete, wie das gerne mal so ist, gleichzeitig auch ein neues Rekordhoch für die Alternative Ecke. Besonders im Bereich Postrock tat sich einiges. Außerdem überraschten ein paar längst als von der Bildfläche verschwunden geglaubte Lieblinge mit Neuveröffentlichungen.

Von verträumt über verspielt bis wahnsinnig – Meine Songliste

  1. Amenra – „A Solitary Reign“ vom Album Mass IV

    Die Church of Ra ist eine sehr musikalische. Bewiesen wird das auf diesem Album. Nichts für Anfänger. Besonders sticht für mich „A Solitary Reign“ hervor.

  2. And So I Watch You From Afar – „Three Triangles“ vom Album The Endless Shimmering

    Als Fan der ersten Stunde bekam ich glänzende Augen, als ich vom neuen Album erfuhr. Schwelgen konnte ich darin ausgiebig auf dem diesjährigen Dunk Festival. Ich genieße es nach wie vor regelmäßig

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  3. Amplifier – „Anubis“ vom Album Trippin‘ With Dr. Faustus

    Mit Trippin‘ With Dr. Faustus erschien dieses Jahr ein ganz besonderes Amplifier Album. Anubis ist bei weitem nicht der einzige Song darauf, der beim ersten Hören sofort ins Blut übergeht.

  4. A Perfect Circle – „The Doomed“ (Single)

    Eine kleine Sensation war die neue Single von A Perfect Circle. Eingefleischten Fans macht sie Hoffnung. Hoffnung auf ganze Alben oder Neuveröffentlichungen bestimmter einzelner Mitglieder der Superband. Ich werde keine Namen nennen. Das sie bei mir rauf und runter läuft, sollte kein Geheimnis sein.

  5. Calexico – „Voices In The Field“ vom Album The Tread That Keeps Us

    Die zweite Auskopplung vom für Januar angekündigten neuen Calexico Werk The Tread That Keeps Us geht meiner Meinung nach noch mehr ins Ohr als „End Of The World With You“. Doch hört selbst. Es ist Geschmacksache. Auf das Album bin ich allemal gespannt wie zwei Regenschirme.

  6. Soen „Paragon“ – vom Album Lykaia

    Soen bringen Harmonien und Melodie. Lykaia ist ist ein Album, das zum Nachdenken anregt. Und dabei hilft. Paragon startet mit Hammondorgel und verspielter Gitarre. Von dort aus bricht es zu brachialen Höhen auf. Gitarrenriffs wie aus einer anderen Welt. Blumig aber ohne Gefiedel. Eine starke Liveband, die auch auf Platte überzeugt. Ex-Opeth und Amon Amarth Schlagzeuger Martin Lopez sorgt für den angemessenen Rythmus.

  7. At The Drive In – „No Wolf Like The Present“ vom Album in•ter a•li•a“

    Noch eine Überraschung für das musikalische 2017 war dieses neue Album. At The Drive In fallen bei „No Wolf Like The Present“ mit der Tür ins Haus und machen da weiter, wo sie 2005 aufgehört haben.

  8. Mogwai – „Brain Sweeties“ vom Album Every Country’s Song

    Regelmäßig werden wir von Mogwai mit Musik versorgt. Nie werden wir enttäuscht. Auch dieses Werk ist mal wieder herausragend. Brain Sweeties ist wie der Sonnenaufgang nach einer durchtanzten Nacht. Magisch, mystisch, fragil und zugleich schwer.

  9. Nine Inch Nails – „Less Than“ von der EP Add Violence

    Die für mich größte Überraschung des Jahres ist diese Veröffentlichung. Die Freude ist groß auf das nächste Jahr, wenn es mit Trent Reznor und seinen Nine Inch Nails weitergeht. Eine Tour steht an!

  10. Primus – „The Dream“ vom Album The Deseturating Seven

    Auf einen Kracher folgt der nächste! Was habe ich für tolle Stunden erlebt zur Musik von Primus. Eine von mir hochverehrte Truppe. Schön, dass es wieder Nachschub gibt!

  11. Queens Of The Stone Age – „Domesticated Animals“ vom Album Villains

    Es sagt einfach alles aus und kommt mit einer ungezügelten Kraft um die Ecke, die man nicht weiter zu umschreiben braucht. Hören. Hier eine nette Akustikversion:

  12. Barst – The Western Lands

    Die Platte wurde zwar bereits im Jahr 2016 veröffentlicht, findet hier aber dennoch Erwähnung. Barst gehört ganz klar zu meinen Neuentdeckungen 2017. Nicht nur, weil die Band meinen Begriff „Wahnsinnsmusik“, den ich in einem Artikel über das Dunk Festival 2017 für Ihre Musik gewählt habe, nun dauerhaft festes Genre anerkannt hat und stets als Beschreibung und Hashtag unter Fotos in den sozialen Netzwerke verwendet. Das Waldkonzert auf dem Belgischen Musikevent diesen Sommer hat tatsächlich mein Weltbild ein kleines Bisschen verschoben. Auf eine sehr positive Art. Den Begriff Wahnsinnsmusik hat die Band mit ihren verrückten Opern definitiv verdient. Die Geschichte mit der Wahnsinnsmusik werde ich an dieser Stelle in Kürze noch einmal vertiefen. So viel sei schon mal gesagt: Barst ist grenzenlos. Einschränkungen gibt es nicht. Das gilt auch für Songenden.

  13. Arcade Fire – „Good God Damn“ vom Album Everything Now

    Ich gebe zu: Ich habe etwas gebraucht, um ins neue Arcade Fire Album reinzukommen.  Mit diesem Song habe ich es schließlich geschafft und inzwischen liebe ich es so wie seine Vorgänger. Für mich gehört es zu 2017 auf jeden Fall fest dazu.

  14. Eminem – Freestyle Abrechnung mit D. Trump

    Für mich eines der Videos des Jahres. Eminem ist erwachsener geworden. Noch taffer und er ist sauer. Wie er zum amtierenden US-Präsidenten steht, wissen wir spätestens nach dieser Abrechnung, die er mit seinen Kollegen in einem Detroiter Parkhaus aufgenommen hat.

  15. Angelo Bardalamenti – „Laura Palmer’s Theme“

    Dieser Song aus längst vergangenen Zeiten hat es auf meine Liste geschafft, weil ich so wahnsinnig glücklich bin, dass mir 2017 eine neue Staffel meiner Lieblingsserie Twin Peaks beschert hat. Er darf auf meiner Liste auf gar keinen Fall fehlen und muss nicht weiter erklärt werden. The Owls are not what they seem.

  16. Briqueville – „Akte VI“ vom Album II

    Briqueville ist ein Mysterium. Ihre Konzerte spielen sie mit mittelalterlich anmutende Masken auf dem Gesicht und  in schwarze Umhänge gehüllt. Das Rätsel wird gehütet wie ein Schatz. Auch diese Band begegnete mir im Sommer live auf dem Dunk Festival 2017. Zu der Zeit vermuteten wir kurz Amenra dahinter. Wer könnte es noch sein? Habt Ihr eine Idee?

  17. The Chasing Monster – „Albatross“ vom Album Tales

    Eine meiner liebsten Postrock-Gruppen. Das Album Tales ist für mich bisher der musikalische Höhepunkt. „Albatross“ zeigt gut, was es kann. Ich bin gespannt, was als nächstes kommt.

  18. Converge – „Under Duress“ vom Album The Dusk In Us

    Wütend. Roh. Converge. Under Duress. Aber zwanglos.

  19. Crippled Black Phoenix – „We Forgotten Who We Are“ vom Album Budapest Vigilante Sessions

    Ein Live-Album wie es sein sollte. „We Forgotten Who We Are“ zeigt für mich ganz besonders schön die Vielseitigkeit von Crippled Black Phoenix.

  20. Dan Auerbach – „Malibu Man“ vom Album Waiting On A Song

    Locker. Leicht. Schön. Schüchtern. Hochmusikalisch. Sommer. Dan Auerbach. Der Multiinstrumentalist und Tausendsassa erfindet sich auf dieser Platte mal wieder neu. Mit Malibu Man zeigt er eines seiner vielen Gesichter.

  21. Moon Duo – „Mirror’s Edge“ vom Album Occult Architecture, Vol. 2

    Moon Duo haben die musikalische Welt längst erobert. Mit diesem Stück Kunst schaffen sie es jedoch erneut.

  22. Kasabian – „You’re In Love With a Psycho“ vom Album For Crying Out Loud

    Kasabian sind wieder da! Und sie sie Kasabian geblieben! Das ist genau richtig so! Bitte weitermachen!

  23. Cult Of Luna „Finland“ vom Album Live At La Gaité Lyrique Paris

    Noch ein Livestück. Der Song ist nicht neu, die Perspektive anders. Dieser Lieblingsband lausche ich immer wieder gerne. Die Platte dreht sich bei mir neben den Studioalben zur Zeit immer häufiger auf dem Teller.

  24. Mark Lanegan – „Beehive“ vom Album Gargoyle

    Mit diesem Song habe ich mit Absicht mal einen ausgesucht, der eher untypisch ist, anders als der Rest des Albums, in das er gekleidet ist. Er stimmt mich nachdenklich und erinnert mich ein Bisschen an Pink Floyds Meisterwerk Ummagumma. Aber vielleicht höre das auch nur ich raus.

  25. Pulled Apart By Horses „Prince Of Meats“ vom Album The Haze

    Statisch aufgeladen klingt dieser Song. Mechanisch und hart. Die Rocker aus Leeds beweisen, dass einfache, hausgemachte Musik auch im Jahr 2017 noch Laune macht und Menschen mitreißen kann.

  26. Anti Flag „Liar“ vom Album American Fall

    Immer noch dabei. Immer noch die Band der Stunde. Genauso böse. Der Song haut aufs Ohr.

  27. Dominic Eulberg „Bienenfresser“ vom Set Bienenfresser und Blauracke

    Ein gutes Stück Techno durfte in meiner Liste selbstverständlich nicht fehlen. Dieses hier ist sogar ein ganz besonderes. Der nette Hamburger Hobby-Ornithologe mit Sinn für Sampling, Klänge und Bass hat mit seinem Set Bienenfresser und Blauracke bei mir mal wieder einen Nerv getroffen. Treibend und verspielt zugleich. Klingt in Teilen wie aus Hells Küche. Und lauscht mal genau: Man kann den Sommer schon ein Bisschen hören!

Meine Liste folgt nicht den Regeln einer klassischen „Hitliste“. Ich möchte die Songs bewusst nicht nach dem Muster „dieser ist besser als jener“ bewerten. Klar gibt es für mich einige, die mehr hervorstechen, als andere, aber insgesamt und auch einzeln betrachtet sind sie alle perfekt und haben die gleiche Position in meiner Liste verdient. Die Zahlen sind somit nicht als Wertung zu verstehen.