Damals - Pusteblume

Auf der Insel Miyako leben viele 100-jährige. Die Menschen dort werden viel älter, als andernorts, weil sich ihr Leben bewusst langsamer abspielt.

Zitat des dort lebenden, über 100 Jahre alten Instrumentenbauers Seitoku Sgama:

Wenn ich Musik mache, dann gewinne ich eine Stunde Leben. Mein Körper stoppt einfach.

Ikigai (Lebensquelle) nennen die Japaner dieses Gefühl. Der alte Mann hat 5 Kinder, 18 Enkelkinder und einen Urenkel. Zusammen mit seiner Frau und seiner ganzen Familie lebt er in einem 4-Generationen-Haushalt auf der Insel.

Natürlich gehe ich noch arbeiten!

sagt die 101-jährige Ladenbesitzerin dort.

Es hält mich jung und mein Geist ist klar!

Für sie ist die Arbeit in ihrem kleinen Kaufmannsladen ihr Ikigai. Für die Frau des alten Mannes ihre Arbeit in der Kimono-Macherei. Zusammen mit ihrer Schwester arbeitet sie dort. Sie hat das Alter mit 80 das erste Mal gespürt.

Klar wird man etwas langsamer, aber man wird wieder Kind und erlebt das Alter mit der Freude eines Kindes.

sagt sie. Beim Einfädeln der Nadel braucht sie Hilfe. Alles andere geht ihr leicht von der Hand.

Ikigai macht glücklich

Entspannung und Ausgeglichenheit

Entspannung und Ausgeglichenheit

Eine wundervolle Geschichte, die gestern auf ARTE in der 360°-Reportage berichtet wurde, gut, dass ich nach langer Zeit mal wieder in der Mittagspause den Fernseher eingeschaltet habe.

Sie deckt sich gut mit den Gedanken, die ich habe, wenn ich mich mit Dingen beschäftige wie Nähen, Zeichnen oder Schreiben. Schreiben über ein Thema, welches mir besonders am Herzen liegt, so wie dieses hier. Diese Gedanken sind meistens viel zu schnell wieder verflogen. Schön, daran erinnert zu werden.

Was hat es auf sich mit diesem Ikigai? Gibt es das nur in Japan, oder kann es jeder haben? Ich werde es versuchen, möchte es mir holen und versuchen ein Bisschen bewusster zu leben mit dem Wissen über die gelassenen, glücklichen alten Herrschaften auf der Insel Miyako.

Überlegungen über mehr Gelassenheit und Freude

Wie wäre das, einfach mal mehr Gelassenheit und Freude in sein Leben zu bringen? Immer hasten wir herum, auf der Suche nach einem Ziel. Dabei rennen wir immer weiter und vergessen ganz, dass wir ja eigentlich leben sollten. Während man sich noch über den kaputten Staubsauger aufregt, scheint vielleicht für einen kurzen Moment die Sonne durchs Fenster und man verpasst es.

Wie habe ich sie bewundert, meine Freundin, die mir früher immer erzählte, sie habe für sich herausgefunden, dass es nichts bringe, unglücklich zu sein. Sie versuchte, aus jeder Situation etwas Gutes zu ziehen und das gelang ihr auch ziemlich gut, hatte ich das Gefühl. Und das, obwohl sie den ein oder anderen wirklich herben Schicksalsschlag zu verbuchen hatte.

Wir halten uns zu sehr an materiellen Dingen fest

Haben sie Kopfschmerzen?Vielleicht lag es daran, dass ihr materielle Dinge nichts bedeuteten. Wie recht sie damit hatte. Denn sie sind das Einzige, was wirklich ersetzbar ist. Wir Menschen geben uns nur gegenseitig das Gefühl, ersetzbar zu sein. Damit verletzen wir uns. Doch wir sind es nicht und bis wir das merken, ist es zu spät.

Ikigai bedeutet wörtlich übersetzt „Das, wofür es sich zu leben lohnt“. Und genau damit sollte man sich doch im Leben beschäftigen. Für jeden ist es etwas anderes, der Eine liegt gerne auf der Wiese und liest ein gutes Buch, der Andere malt gerne Wände an oder spielt Ping-Pong. Was immer es ist, man muss es finden und versuchen, es so oft zu tun, wie es einem möglich ist. Das ist es, was uns glücklich macht und nicht, morgens der Erste zu sein, der in der Bäckerschlange steht. Für den Zweiten ist nämlich garantiert auch noch ein Brötchen da. Und falls nicht: Es gibt noch viele andere Backwaren.

Die Zeit nutzen

Die Zeit nutzen, die wir haben. Das ist das Wichtigste. Um wieder die alte Dame aus dem Tante-Emma-Laden zu zitieren

Ich werde hier arbeiten, bis ich 200 Jahre alt bin, wenn ich das kann!

Für sie ist es ihr Motor, ihr Antrieb, der sie dazu bringt, weiterzumachen und dabei glücklich zu sein. Und wenn mal etwas nicht klappt, macht man es eben anders. Denn auch das ist etwas, was man erst lernen muss.

Wir müssen nicht perfekt sein

Ikigai

Improvisation ist alles

In der Schule wurde uns eingebläut: „Wenn es nicht exakt richtig ist, fängst Du noch mal von vorne an!“. Das wieder abzulegen ist ein ganz schönes Stückchen Arbeit. Wenn es gelingt, kann es besser sein, als die tiefste Meditation. Zu merken, das Improvisieren nicht gleich schlecht bedeutet, muss man auch in unserer heutigen, perfektionierten Welt erst mal für sich begreifen.

Etwas einfacher gelang mit das das erste Mal mit einer Überlegung: Ist es nicht eigentlich genau das, was jemanden/etwas liebenswert macht? Die kleine Narbe? Das Grübchen? Die geflickte Stelle in der Lieblingsjeans? Die Strumpfhose, mit der Opa damals das Auto wieder flottgemacht hat? Der grüne, runzlige Apfel zwischen den reifen, roten? Genau so sieht es aus. Und das ist richtig so.

Das Leben ist zu kurz, um sich aufzuregen

Ikigai

Das Leben ist zu kurz, um sich aufzuregen

Um sich über jedes kleine Missgeschick, über jeden Misserfolg und über alles, was nicht so gelaufen ist, wie wir es uns vorgestellt haben, aufzuregen, dafür ist das Leben wirklich zu kurz.

Lieber die Zeit mit Kirschkuchen backen verbringen. Der duftet doch so gut. Und wenn er ein Bisschen zu dunkel wird, ist er eben ein ziemlich großer Keks. Die schmecken nämlich auch sehr gut.

Wie John Lennon schon sagte

Life ist what happens to you, while you are busy making other plans –
Das Leben ist das, was passiert, während Du etwas anders planst.

Ikigai schreibt man übrigens in Japan so:

生き甲斐

Auch, wenn man besser im Heute leben sollte, meinen Jahresrückblick 2015 findet ihr hier. Der ist tatsächlich ziemlich interessant und bietet auch einen kleinen Ausblick in die Zukunft.