Neulich war ich mit einer Freundin in der nächsten Filiale einer bekannten Drogeriemarktkette einkaufen. Sie sah, dass ich einige der dort auch zum Verkauf angebotenen, veganen Lebensmittel nach dem Durchlesen der Zutatenlisten wieder zurück ins Regal stellte, weil die Produkte Palmöl enthielten.

„Du bist doch Veganerin? Palmöl kannst Du doch essen?“

Ich sehe das etwas anders, warum das genau so ist, darüber möchte ich gerne ein bisschen ausschweifen. Durch den Anbau von Palmöl werden nicht nur Urwälder abgeholzt, um Platz für Monoplantagen zu schaffen, es werden auch unzählige Tierarten für immer aus ihren Lebensräumen vertrieben. 85 Prozent des Palmöls wird in Indonesien und Malaysia produziert. In Indonesien sind bereits 75 Prozent des Regenwaldes Plantagen zum Opfer gefallen. Ein Großteil davon sind Palmölplantagen. Es wachsen dort auf rund zehn Millionen Hektar Ölpalmen, das ist mehr als ein Viertel der Fläche Deutschlands.

Die Abholzung der Regenwälder für den Palmöl-Anbau

Die weltweit größten Faktoren bei der Rodung der Regenwälder sind die Futterindustrie, die Papier- und Holzindustrie und die Palmölindustrie. Palmöl ist das mit Abstand billigste auf dem Weltmarkt erhältliche Pflanzenöl und wird daher von der Industrie mit Vorzug verwendet. Jedes Jahr werden rund 1, 1 Millionen Tonnen Palmöl nach Deutschland importiert. Die Tendenz steigt. Nachhaltig produziertes, wirklich ökologisches Palmöl gibt es nicht. Auch bei den als Bio-Palmölplantagen deklarierten Betrieben handelt es sich laut des Rettet den Regenwald e. V. um umweltschädliche Monokulturen, die den Boden ausbeuten und Tieren und Menschen den Lebensraum nehmen.

Palmöl ist Bestandteil fast aller Margarine-Sorten, es steckt in Säuglingsmilchnahrung, Keksen, Süßigkeiten, Brotaufstrichen, Chips, Pommes und anderen Fertigprodukten. Zudem wird es von den großen Fastfood-Ketten und in Großküchen rund um die Welt zum Frittieren verwendet. Es wird außerdem für die Herstellung der verschiedensten Kosmetikprodukte, Tenside in Waschmitteln und Haushaltsreinigern und Biokraftstoff verwendet. Häufig findet keine klare Deklaration statt, Palmöl wird in Zutatenlisten und Inhaltsangaben als „Pflanzenfett“ aufgeführt und kann daher auf den ersten Blick oft gar nicht darin entdeckt werden. Meist hilft nur die Produktanfrage beim Hersteller oder ein Produkt im Zweifelsfall auch einfach mal im Supermarkt stehen zu lassen.

Palmöl und der Klimawandel

Für den Anbau von Palmöl werden nicht nur unvorstellbare Mengen an Treibstoff für den Rodung, den Anbau, die Ernte und den Transport verbraucht. Es werden auch schädliche Pestizide und Düngemittel in die Luft geblasen und im Boden versenkt. Ölpalmen lassen sich nicht klimaneutral anbauen, da aus den Produktionsrückständen das Treibhausgas Methan entweicht und aus den für die Plantagen abgeholzten Wäldern und trockengelegten Zonen immense Mengen an Treibhausgasen entweichen. Der Palmöl-Anbau hat aus dem kleinen Land Indonesien den weltweit drittgrößten CO2-Emittenten gemacht, gleich nach den Industriegiganten USA und China.

2004 begann man mit der Novellierung des EEG (Erneuerbare Energien Gesetz) in Deutschland Palmöl zu verheizen. Von den bereits genannten etwa 1,1 Millionen Tonnen Palmöl, die derzeit jährlich nach Deutschland importiert werden, wird rund ein Drittel in Blockheizkraftwerken verbrannt, was die Importe weiter in die Höhe treibt. Dies ist nicht nur ökologisch eine Katastrophe, der Wahnsinn wird auch noch mit 19 Cent pro Kilowattstunde subventioniert. Es werden zwar seit zwei Jahren keine Pflanzenölkraftwerke mehr von der Regierung gefördert, jedoch haben die Anlagen derzeit einen Bestandsschutz von 20 Jahren, bis dahin könnte der gesamte Regenwald in Rauch aufgegangen sein, die Menschen und Tiere in Indonesien und Malaysia für immer heimatlos oder noch schlimmer verhungert, Erdrutschen zum Opfer gefallen oder durch Pestizide vergiftet sein.

Ist Palmöl gut für die Gesundheit?

Neben dem ökologischen Aspekt gilt es auch den gesundheitlichen Aspekt zu beleuchten. Die Wenigsten wissen, dass Palmöl auch Risiken für die Gesundheit birgt. Raffiniertes Palmöl, also das Palmöl, welches in der Lebensmittelindustrie und in Großküchen zum Einsatz kommt, besteht fast zur Hälfte aus gesättigten Fettsäuren, die hohe Cholesterin- Werte haben, die zu Gefäßerkrankungen führen können, hinzu kommen krebserregende Fettsäureester (3-MCPD und Glycidyl-Fettsäureester).

Babys und Kinder sind durch ihr niedriges Körpergewicht im Verhältnis zur aufgenommenen Schadstoffmenge besonders gefährdet, man sollte daher speziell bei Babynahrung darauf achten, dass diese frei von Palmöl ist.
Die Angaben gelten nicht für rotes, rohes Palmöl, welches einige vielleicht aus dem Asien- Urlaub kennen, das in Deutschland nicht verwendet wird. Dieses besteht wie andere nichtraffinierte Öle auch zu einem großen Teil aus ungesättigten Fettsäuren, zudem stecken darin wertvolle Carotinoide und Vitamin E.

Wie kann ich den Konsum von Palmöl vermeiden?

Vermeiden ist das Zauberwort. Komplett auf Palmöl zu verzichten, dürfte den meisten schwer fallen. Wir Veganer⋆innen haben hier Glück im Unglück, da wir ja sowieso schon nahezu täglich mit dem Durchlesen von Inhaltsangaben und Zutatenlisten beschäftigt sind, können wir auch genauso gut noch auf Palmöl achten.

Ich versuche, wann immer es sich vermeiden lässt, auf Palmöl zu verzichten. Natürlich kann ich, wenn ich unterwegs irgendwo Pommes esse, nicht immer erwarten, dass der Verkäufer auch weiß, mit welchem Pflanzenöl seine Fritten ausgebacken werden. Doch finde ich im Supermarkt Lebensmittel, bei denen es in der Zutatenliste aufgeführt ist, stelle ich diese grundsätzlich wieder zurück, es lässt sich immer ein Ersatz finden oder selbst herstellen.

Wie erkenne ich Produkte mit Palmöl?

Dass es manchmal gar nicht so einfach ist, Palmöl als solches zu erkennen, habe ich weiter oben schon kurz erwähnt. Nicht nur bei der Lebensmittelherstellung wird die Zutat häufig durch ein anderes Wording verschleiert. Besonders in der Kosmetik- und Reinigungsmittelbranche wird es erst so richtig kompliziert, da die Hersteller hier zumeist nur ihr „Fachchinesisch“ auf die Verpackungen schreiben.

Namen für Palmöl (ohne Anspruch auf Vollständigkeit)

  • Arachmide mea
  • Ascorbyl Palmitate
  • Betaine
  • Capric Triglyceride
  • Capryl Glucoside
  • Caprylic Triglyceride
  • Caprylyl Glucoside
  • Cetearyl Alcohol
  • Cetearyl Glucoside
  • Cetyl Alcohol
  • Cetyl Palmitate
  • Coconut Butter Equivalent (CBE)
  • Coconut Butter Substitute (CBS)
  • Elaeis Guineensis
  • Emulsifiers E471
  • Emulsifying Wax
  • Fatty Alcohol Sulphates
  • Fatty acid methyl esters ethoxylate
  • Fettalkohol (wird oft auch als “Cetearyl Alkohol” bezeichnet)
  • Fettsäureglycerid
  • Glycerin (wird für vegane Produkten entweder aus Palmöl oder aus Kokosöl hergestellt)
  • Glycerinfettsäureester
  • Glyceryl Caprylate
  • Glyceryl Laurate
  • Glyceryl Stearate
  • Glyceryl Stearate Citrate
  • Glyceryl Stearate SE
  • Hydrated Palm Glycerides
  • Hydrogenated Vegetable Oil
  • Hydrogenated Palm Glycerides
  • Hydrogenated Palm Glycerides Citrate
  • Isopropyl Octyl Palmitate (Auf palmitate-Endungen achten!)
  • Isoamyl Laurate
  • Lauroyl Lysine
  • Lauroyl Sarcosine
  • Lauryl Glucoside
  • Magnesium Stearate
  • Myristol
  • Myristyl Alcohol
  • Myristyl Myristate
  • Oleyl Betaine
  • Palmitic Acid
  • Palm Oil Kernal
  • Palm Olein
  • Palmöl
  • Palm Sterine
  • Palmate
  • Palmitate
  • Palmitinsäure
  • Palmkernöl
  • PEG-100 Stearate
  • Peptide Complex
  • Pflanzenfett/pflanzliches Fett
  • Pflanzenöl/pflanzliches Öl
  • Pflanzliches Glycerin (kann auch aus Kokosöl gewonnen sein!) Polyglyceryl-2-Caprate
  • Polyglyceryl-10 Laurate
  • Dodecyl Sulphate (auch SDS oder NaDS)
  • Sodium Cetearyl Sulfate
  • Sodium Coco Sulfate (oft aus Palmöl hergestellt)
  • Sodium Dodecyl Sulphate
  • Sodium Isostearoyl Lactylate
  • Sodium Lauroyl Lactylate
  • Sodium Laureth Sulphate
  • Sodium Lauryl Sulfoacetate /SLSA (meist aus Kokosöl gewonnen, kann jedoch auch mit Palmöl hergestellt werden)
  • Sodium Lauryl Sulfate (kann in seltenen Fällen auch nur aus Rizinusöl hergestellt sein) Sodium Palmate
  • Sodium Palm Kernelate
  • Sodium Stearoyl Glutamate
  • Sorbitan Caprylate
  • Steareth -2
  • Steareth -20
  • Steareth-21
  • Stearic Acid
  • Stearinsäure
  • Sucrose Laurate
  • Taxanomic
  • Tricaprylin
  • Vegetable Oil/Vegetable Fat (hoch gesättigtes Fett = Palmöl)
  • Zink Stearate

Da auch in vielen Bioprodukten Palmöl zum Einsatz kommt, ist es selbst bei bewusster Ernährung häufig schwierig, darauf zu verzichten. Viele bekannte Hersteller, unter ihnen Alnatura, Allos und Rapunzel verwenden das billige Öl bei die Herstellung ihrer Produkte. Ob diesen Herstellern Siegel wie „Fairtrade“ und „Bio“ auch weiterhin zustehen, wird derzeit heiß diskutiert.

Quellen:

Umweltblick

Tierrechts-Initiative Freiburg

Rettet den Regenwald e. V.

Foto: sarangib, pixabay