Veganer sind einfach gesünder

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Immer wieder werden Gerüchte wach, Veganer*innen würden sich ungesund ernähren. Selbst große, angesehene Zeitungen und Magazine berichten darüber. Dies zu dementieren, sind die meisten Veganer*innen schon müde geworden, doch lässt sich für das ständig neue Aufblühen der Mythen und Weisheiten auch ein Grund vermuten.

So las ich zum Beispiel erst letzte Woche bei Spiegel Online einen Artikel darüber, wie gesund doch Milch sei. Der Autor lies sich zudem darüber aus, was für gefährliches Halbwissen „diese Veganer“ da verbreiten würden, indem sie die Behauptung aufstellen, dem sei nicht. Milch sei bespielsweise überhaupt nicht gesundheitsschädlich. Zunächst regte ich mich furchtbar über den leider sehr schlecht recherchierten Beitrag auf. Dem Text mangelte es sogar gänzlich an Quellenangaben und Belegen.

Fakten statt Blutwurst

Ein Fehler, den zu machen man sich als Veganer*in nicht erlauben darf. Keine zwei Minuten dauert es und die aufgebrachten Online-Nachbarn stehen mit brennenden Fackeln an der Pinnwand-Haustüre und prangern an.

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Eichblattsalat mit Tomaten, Hagebutten, scharfer grüner Spitzpaprika, Radieschensprossen, Chiasamen und Maracuja. Dazu: Lupinensteak

Die „fleischliche“ Denke ist in unserer Gesellschaft sehr stark verankert. Es reicht leider nicht aus, zu sagen, dass das Eisen ja nicht erst von der Kuh gefressen werden muss, um sie im Anschluss zu schlachten, ihr Blut zu Wurst zu verarbeiten und diese dann zu essen, um selbst Eisen zu sich zu nehmen. Daten müssen her. Fakten. Am besten noch die genaue Uhrzeit, wann welcher Uniklinikprofessor das in welchem Stadtteil von welchem Erdendorf herausgefunden und festgehalten hat.

Man wird schon mal gefragt

Wenn man diese Daten als Veganer*in zum Beispiel bei einer Familienfeier nicht parat hat, sprich einfach nicht mit einem fotografischen Gedächtnis gesegnet ist (nein, das bekommt man nicht durch den Genuss grüner Smoothies), ist man aufgeschmissen. Fragen branden auf. Behauptungen werden aufgestellt. Und das, obwohl der arme Körnchenfresser gar nicht um eine Diskussion gebeten hat. „Aber Du musst doch Mangelerscheinungen haben!“, „Ich habe ja auch mal eine Woche lang kein Fleisch gegessen und ich war so müde!“.

Was tun? Aussitzen? Apprallen lassen? Unter dem Tisch auf dem Smartphone Tante Google fragen? Vorher alles auswendig lernen? Es wurden zu dem Thema sogar bereits Apps programmiert. Der VeBu bietet zum Beispiel eine an, in der man zu (fast) jeder typischen Bombadierungsfrage eine Pauschalantwort findet. Sehr praktisch. Kann ich jedem Neu-Veganer*innen in den ersten drei bis sechs Tagen auf jeden Fall empfehlen.

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Schaschlikspieße mit Tofu

Ein Geheimrezept gibt es jedoch nicht. Jeder muss die für sich beste Lösung selbst finden. Ich ziehe eine Mischung aus harten Fakten (nicht aus dem Smartphone, sondern inzwischen aus dem Kopf) und Lächeln und Winken vor. In besonders harten Fällen packe ich dann auch gerne mal den Link earthlings.de aus, und vertage das Gespräch, bis der Diskutant sich den Film angesehen hat. Einiges fügt sich danach von alleine. Auch wenn der Film nicht mit Daten, Zahlen und Fakten punktet, sondern mit Bildern.

So kannst Du was fürs Klima tun

Doch ist es nicht das, worauf alles am Ende des Tages hinausläuft? Du willst unseren Planeten schützen? Verzichte auf Fleisch, tierische Produkte und Produkte mit tierischen Inhaltsstoffen. Du willst etwas gegen die Abholzung des Regenwaldes tun? Verzichte auf Fleisch, tierische Produkte und Produkte mit tierischen Inhaltsstoffen. Du willst etwas gegen sich ausbreitende Seuchen tun? Verzichte auf Fleisch, tierische Produkte und Produkte mit tierischen Inhaltsstoffen.

Du willst etwas gegen die Vergiftung der Ozeane tun? Verzichte auf Fleisch, tierische Produkte und Produkte mit tierischen Inhaltsstoffen. Du willst etwas gegen Tierquälerei unternehmen? Verzichte auf Fleisch, tierische Produkte und Produkte mit tierischen Inhaltsstoffen. Du willst den Tierschutz aktiv voranbringen? Verzichte auf Fleisch, tierische Produkte und Produkte mit tierischen Inhaltsstoffen.

Auf der Suche nach Fakten

Wer jetzt wieder auf der Suche nach Fakten, Zahlen, Beweisen und Belegen ist: earthlings.de. Außerdem möchte ich jedem Nicht-Veganer*innen noch eins ans Herz legen: Traut einem Menschen, der sich dazu entschieden hat, sich BEWUSST zu ernähren dies auch zu. Und seid Euch sicher: Wir bekommen unsere Nährstoffe, Proteine, unser Kalzium unser Eisen unser Vitamin B12, unseren Sex und wir müssen auch nicht barfuß rumlaufen.

Dazu zumindest ein paar kurze Bespiele:

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Salat mit Spitzkohl, Pastinaken, Sprossen, Netzmelone und Falafeln

„Unter Insulinresistenz versteht man ein vermindertes Ansprechen der Körperzellen auf das Hormon Insulin. Den Daten einer vor Kurzem in der Fachzeitschrift ‚Diabetes Care‘ veröffentlichte Studie mit 518 gesunden Probanden im Alter von 15 bis 20 Jahren zufolge, kann eine fettarme, ballaststoffreiche Ernährung die Insulinempfindlichkeit erhöhen. Die Teilnehmer waren seit ihrer frühen Kindheit an dieser Studie beteiligt und wurden im Hinblick auf ihre Herzgesundheit kontinuierlich über erforderliche Veränderungen ihrer Ernährungsgewohnheiten informiert. Die Wissenschaftler ermunterten sie dazu, mehr Obst, Gemüse und Vollkornprodukte zu sich zu nehmen. Sie bewerteten die Insulinresistenz der Teilnehmer und überwachten ihren allgemeinen Gesundheitszustand. Probanden, deren Ernährung einen höheren Ballaststoffgehalt und weniger gesättigte Fettsäuren aufwies, zeigten eine bessere Insulinempfindlichkeit.

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Wokgemüse

Da Fleisch, Eier und Milchprodukte in der Regel nicht nur einen hohen Gehalt an gesättigten Fettsäuren und Kalorien aufweisen, sondern auch frei von Ballaststoffen sind, ist eine ausgewogene vegane Ernährung im Hinblick auf ein optimales Körpergewicht und eine gesundes Herz ausgesprochen empfehlenswert. Studien zufolge sind Menschen, die sich vegan ernähren, rund 18 Prozent schlanker, als Fleischesser. Zudem wurde nachgewiesen, dass die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung an Diabetes und anderen lebensbedrohlichen Krankheiten bei Veganern geringer ist, als bei Fleischessern.“Neal Barnand, Arzt und Autor des Buches „Power Foods For The Brain“ im PETA-Magazin „animaltimes“ 2014

Die Oxford Vegetarian Study

An einer von 1980 bis 2000 durchgeführten Studie nahmen rund 11.000 Probanden teil, davon etwa 4.700 Vegetarier*innen (inklusive zehn Prozent Veganer*innen). Hauptuntersuchungsziel war die Sterblichkeit von Vegetarier*innen insbesondere an kardiovaskulären Erkrankungen und ernährungsassoziierten Krebsarten (u. a. des Verdauungssystems und der Brust) im Vergleich zur nicht-vegetarisch lebenden Kontrollgruppe. Beide Untersuchungsgruppen wiesen eine nur etwa halb so hohe Sterberate wie die Durchschnittsbevölkerung in England und Wales auf. Dieses Ergebnis wurde erwartet, da es sich bei den Teilnehmern um allgemein gesundheitsbewusstere Menschen handelte. Die Daten zeigten, dass sich mit steigendem Konsum tierischer Lebensmittel die Blutspiegel an Gesamt- und LDL-Cholesterin erhöhten. Daraus wurde berechnet, dass das Risiko, eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zu entwickeln, bei lebenslangen Vegetarier*innen 24 Prozent und bei lebenslangen Veganer*innen 57 Prozent niedriger liegt als bei Fleischessern. Auch das Sterberisiko durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhte sich mit zunehmendem Konsum von Fleisch, Käse, Eiern und tierischen Fetten.“ Oxford Vegetarian Study, vebu.de

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Ofengemüse mit Frikadellen

Gute Eisenwerte

Übrigens haben die meisten Veganer*innen wesentlich bessere Eisenwerte, als Fleischesser. Einige mit denen ich mich unterhalten habe, stellten das nach einem halben Jahr bis Jahr mit veganer Ernährung mit Erstaunen fest, als sie beim Hausarzt ihres Vertrauens ein Blutbild anfertigen ließen. Mit Erstaunen deshalb, weil sich das Gerücht, Veganer*innen hätten alle einen chronischen Eisenmangel hartnäckig hält.

Dabei lässt sich das ganz einfach erklären: Säugetiere (also alle Menschen, Affen, Kühe, Schweine, Hunde, Schafe) können von sich aus kein Eisen produzieren, müssen es ergo über das Essen zu sich nehmen. Kürbiskerne, Amaranth und Linsen (um nur mal drei Beispiele zu nennen) beinhalten um ein Vielfaches mehr Eisen, als die meisten Fleischsorten (denn das Fleisch musste das Eisen ja auch erst über die Nahrung zu sich nehmen). Lediglich Leber oder Blutwurst (In Blut und Leber ist das Eisen genau wie beim Menschen auch beim Schwein, Huhn, Rind etc. enthalten, nachdem das Tier es gegessen hat) beinhalten viel Eisen. „Lebensmittel“, die die meisten Fleischesser gar nicht zu sich nehmen, weil sie sich davor ekeln.

Zahlen und Fakten

Dazu hier ein paar Zahlen, die Zahlen hinter den Lebensmitteln stehen für den Eisengehalt mg pro 100 Gramm. Als Vergleich zu den verschiedenen Fleischsorten habe ich ein paar typische vegane Nahrungsmittel mitangeführt.

  • Blutwurst: 6,4 mg/100g
  • Rinderleber: 3,1 mg/100g
  • Schweinefleisch: 2,5 mg/100g
  • Rindfleisch: 2,9 mg/100g
  • Lachs: 0,7 mg/100 g
  • Sojafleisch: 11 mg/100g
  • Sesamsamen: 10 mg/100g
  • Kürbiskerne: 12,5 mg/100g
  • Amaranth 9 mg/100g
  • Linsen 8 mg/100g

(Quellen: eisenhaltigelebensmittel.de, vebu.de)

Kalziumreiche vegane Ernährung

Ähnliches gilt übrigens auch für Kalzium. Immer wieder werde ich gefragt, wie ich denn um Himmelswillen meinen Kalziumbedarf decke, wenn ich doch keine Kuhmilch mehr trinke. Keine Angst, liebe Zweifler, hier sind die Zahlen, Kuhmilch im Vergleich zu einigen typischen veganen Nahrungsmitteln:

  • Kuhmilch: 120 mg/100 g
  • Hafermilch: 120 mg/100 g
  • Sojamilch: 120 mg/100 g
  • Grünkohl: 212 mg/100 g
  • Rucola: 160 mg/100 g
  • Tofu: 105 mg/100 g

(Quelle: vebu.de)

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kunterbunter Linsensalat

Meine persönlichen Kalziumwerte dürften sich, seitdem ich mich vegan ernähre, stark verbessert haben. Da ich Milch nie wirklich mochte, nahm ich diese maximal im Kaffee oder ca. 1x im Monat im Müsli zu mir. Seit meiner Umstellung trinke ich regelmäßig richtig viel Hafermilch, esse fast jeden Morgen ein selbst zubereitetes Müsli mit Früchten, Kernen, Saaten, das ich mit Hafermilch anrühre und gebe Sojamilch in viele meiner Smoothies. Außerdem habe ich als Vegetarierin auch äußerst selten Tofu gegessen und ich muss sagen, als Veganerin komme ich nun langsam auf den Geschmack.

Positive Auswirkungen auf die Gesundheit

Einige positive Effekte kann ich auch schon an mir beobachten:

  • Ich bin nicht mehr so oft tagsüber müde.
  • Mein Karpaltunnelsyndrom in der rechten Hand hat sich stark verbessert.
  • Ich finde nach dem Frisieren weniger Haare in meiner Bürste.
  • Mein Hautausschlag hat sich verabschiedet.
  • Meine Gewichtsschwankungen gehören der Geschichte an.

Lässt man die oben genannten Zahlen auf sich wirken, kommt man sehr schnell wieder auf die uns bekannte Rechnung, wie viel Soja man an ein Tier verfüttern muss, bis es zur Schlachtbank geführt werden kann, um im Anschluss im Suppentopf oder in der Pfanne zu landen. Hierzu habe ich mich vor ein paar Tagen schon mal ausgiebig ausgelassen.

Veganer*innen sind nicht ständig müde

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Grüne Bohnen mit Tomaten, Jalapenõs und Gewürzen mit Ofenkartoffeln und Süßkartoffeln

Dass Veganer*innen keine Mangelerscheinungen haben, bestätigen übrigens u. A. Alexander Dargatz, seines Zeichens Arzt, Bodybuilder und überzeugter Veganer, Patrik Baboumian, armenischer Kraftsportler, 2012 stärkster Mann Europas und Veganer und Andreas Hänni, Eishockey-Profi und Veganer. Nur um hier mal mit ein paar berühmten Sportskanonen zu prahlen, was sich in Diskussionen auch als recht wirksam erwiesen hat.

Eine vegane Sportskanone, die mich persönlich sehr beeindruckt hat, ist Angela Brauer, sie lief trotz ihrer im April 2007 diagnostizierten MS-Diagnose im Frühjahr den Hamburg Marathon. Ein Interview mit dieser inspirierenden Sportlerin ist hier zu finden. Zum Thema MS und vegane Ernährung hat Matthias Kampmann von Vegan News 2013 ein sehr interessantes Interview mit Dr. med. Uwe Meier geführt. Seine Frau Sabine veröffentlichte außerdem jüngst ihren Artikel „Gesundheitsrenovierung – wie mich das Leben veganisierte“. Sehr aufschlussreich, interessant, inspirierend und definitiv lesenswert, für alle, die sich für das Thema Veganismus und Gesundheit interessieren.

Eine Faktensammlung wird zum persönlichen Erfahrungsbericht

Ursprünglich hatte ich diesen Artikel als eine Art Faktensammlung geplant. Fakten enthält er nun doch eher weniger – sein Ziel erreicht er denke ich dennoch. Es ist ein persönlicher Erfahrungsbericht daraus geworden. Und ein Aufruf – ein Aufruf, zu reflektieren, die eigene Lebensweise zu überdenken. Ein Aufruf, Menschen, die etwas für ihre Umwelt, ihren Fussabdruck und ihre persönliche Gesundheit tun, zu respektieren und nicht abzustempeln. Als Inspiration habe ich noch ein paar von mir kreierte vegane Gerichte mit angeheftet.

Abschließend noch ein Zitat des Herrn Schopenhauer (1788-1860)

„Jedes Ding erscheint zuerst lächerlich, dann wird es bekämpft, schließlich ist es selbstverständlich.“

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Kaffeekasse

Wer mir gerne einen Kaffee spendieren möchte, kann das über meinen Paypal-Me-Link tun:

paypal.me/cardamonchai

Ich freue mich über jede kleine Aufmerksamkeit.

Inhaltsverzeichnis „10 Fakten über Veganismus“

  1. Soja, Klimaschutz und ökologischer Fußabdruck
  2. Ich war so müde!
  3. Blutige Zahlen
  4. Vitamin B12 – Mythos und Fakten
  5. Pflanzenmilch? Wieso denn bloß?
  6. Wolle? Das kann doch gar nicht so schlimm sein!
  7. Honig? Das ist jetzt aber wirklich übertrieben, oder?
  8. Fakepelz = Echtpelz
  9. Versteckte tierische Inhaltsstoffe in Lebensmitteln
  10. Ich bleib dabei! Vegan macht Spaß!